Wir alle kennen das Szenario und es taucht immer auf, wenn man am weitesten von zu Hause entfernt ist: Ob man bei einem Sturz etwas zerstört oder einfach vergessen hat, einen Ersatzschlauch mitzunehmen – der Weg zurück wird ein beschwerlicher werden. Aber mit etwas Einfallsreichtum muss das nicht so sein. Hier sind ein paar Kniffe und Notfallreparaturen, die euch den Heimweg zu Fuß ersparen sollten.

Nichts geht über Kabelbinder

Diese kleinen Plastikretter sind vermutlich die beste Erfindung aller Zeiten! Es gibt eine Vielzahl an Szenarien, die ein einfacher Kabelbinder retten kann, von verlorenen Schrauben bis zu abgerissenen Klemmungen. Man kann sie verbinden, um eine längere oder stärkere Verbindung herzustellen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Wir haben damit schon Bremsen und Sattelstützen fixiert, die danach zwar nicht wie neu waren, uns aber immerhin nach Hause brachten!

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Kabelbinder können eine Vielzahl von Situationen retten, man sollte also immer ein paar dabeihaben.

Schraubenkannibalismus

Bei all den Schlägen und Vibrationen ist es nicht schwer nachzuvollziehen, warum manche Schrauben sich selbstständig machen. Es gibt an eurem Bike die unterschiedlichsten Schraubenlängen und -durchmesser, was den Austausch einer Schraube von der einen zur anderen Stelle zu einem Glücksspiel macht. Aber die Schrauben eurer Cleats kann man beispielsweise mit denen der Bremsscheibe ersetzen. Je nach Pedal könnt ihr die Schraube vielleicht unter eurer Sohle spüren, aber sie hält! Wenn euer Bike eine Trinkflaschenhalterung hat, könnt ihr diese Schrauben opfern, um eine beschädigte an eurem Vorbau zu reparieren, falls dort mal eine ausfallen sollte.

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Es gibt ein paar Stellen an eurem Bike, von denen ihr euch im Notfall Schrauben borgen könnt, z. B. von euren Bremsscheiben oder der Flaschenhalterung.
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Mit den Schrauben eurer Bremsscheiben bekommt ihr die Cleats wieder fest.

Kettenschlösser

Kettenschlösser verbrauchen kaum Platz und wiegen nichts. Sie sollten also auf keinen Fall in eurem Gepäck fehlen – zusammen mit einem Kettennieter, um die kaputten Kettenglieder zu entfernen. Viele der EWS-Fahrer tapen sich die Kettenschlösser an ihre Brems- oder Schaltzüge: Dort kann man sie bis zu dem Zeitpunkt vergessen, in dem man sie braucht.

Kettenschlösser sind ein unverzichtbares Tool, das weder Platz noch Gewicht wegnimmt und daher in keinem Rucksack fehlen sollte.
Kettenschlösser sind ein unverzichtbares Tool, das weder Platz noch Gewicht wegnimmt und daher in keinem Rucksack fehlen sollte.

Ghetto-Singlespeed-Kit

Mit das hässlichste Geräusch, das man auf dem Trail hören kann, ist das Knirschen eines Schaltwerks, das im Hinterrad verschwindet. Aus diesem Dilemma kommt man nur raus, wenn man einen Ersatz-Schaltauge dabei hat. 1) Nietet die Kette auf und entfernt das Schaltwerk vom Schaltauge, bevor ihr den Schaltzug um den Rahmen wickelt, damit er aus dem Weg ist. 2) Passt gut auf, wie viel Glieder ihr kürzt und auf welchen Gang ihr die Kette legt, denn die Länge muss sowohl genug Platz für die Bewegung eures Hinterbaus lassen, als auch kurz genug sein, damit die Kette nicht springt. Lockt euren Dämpfer – sofern möglich – und vermeidet größere Schläge. 3) Nietet die Kette wieder zusammen und macht euch behutsam auf den Heimweg.

Das Schaltauge hat den Abgang gemacht? Stellt euren Dämpfer auf Lockout oder erhöht den Druck und vermeidet größere Schläge.
Das Schaltauge hat den Abgang gemacht? Stellt euren Dämpfer auf Lockout oder erhöht den Druck und vermeidet größere Schläge.

Aufgeschlitzte Karkasse

Platten gibt es leider immer noch und selbst wenn man einen Ersatzschlauch dabei hat, kann sich dieser bei einer aufgeschlitzten Karkasse durch das entstandene Loch quetschen und der nächste Platten folgt. Etwas Gewebeband kann euch in diesem Fall den Tag retten und eine doppelte Lage sollte den Schlauch im Reifen halten. Aber auch alte Gel- oder Riegelverpackungen können als Einlage genutzt werden, um eure Weiterfahrt zu ermöglichen.

Die Verpackung eures Riegels wird euch bei einem Loch in der Karkasse retten, zur Not tun’s auch mal M&Ms…
Die Verpackung eures Riegels wird euch bei einem Loch in der Karkasse retten, zur Not tun’s auch mal M&Ms…

Plattfuß und weder Schlauch noch Flicken dabei?

Egal ob ihr keinen Ersatzschlauch dabei oder alle verbraucht habt, eines ist klar: Ihr rollt keinen Meter mehr. Wir haben alle schon davon gehört, dass jemand sich Grashalme, Laub und Ähnliches in seine Reifen gepackt hat und so seinen Rückweg antreten konnte. Ob das klappt, mussten wir zum Glück noch nie ausprobieren, aber im schlimmsten Fall ist es wohl einen Versuch wert …

Je mehr, desto besser: Packt bei einem Plattfuß alles in die Reifen rein, was ihr in die Finger kriegt!
Je mehr, desto besser: Packt bei einem Plattfuß alles in die Reifen rein, was ihr in die Finger kriegt!

Verbogene Felgen

Vielleicht seid ihr bei einem Sprung zu kurz gekommen, frontal in einen Baum geknallt oder das Rad hat einfach so aufgegeben. Wenn es so sehr verformt ist, dass es nicht einmal mehr durch die Gabel passt, habt ihr nichts mehr zu verlieren – auf ein bisschen Gewalt kommt es also auch nicht mehr an. Es gibt ein paar Taktiken hierfür: Entweder ihr nutzt euer eigenes Körpergewicht, um das flach auf dem Boden liegende Rad gerade zu drücken. Falls das nicht fruchtet, bleibt euch nur noch die rohe Gewalt: Stellt euch auf die Felge und zerrt so lange daran, bis das Rad wieder durch Gabel oder Hinterbau passt. Passt aber auf, dass ihr euch dabei nicht die Bremsscheibe verbiegt!

Gewaltsames Vorgehen bei verbogenen Felgen ist nicht schön, kann euch aber einen langen Heimweg ersparen.
Gewaltsames Vorgehen bei verbogenen Felgen ist nicht schön, kann euch aber einen langen Heimweg ersparen.

Verbogene Schaltaugen

In den letzten Jahren sind die Schaltwerke immer kompakter geworden, sodass sie meist außerhalb der Gefahrenzone liegen. Trotzdem sind sie alles andere als unempfänglich für Schläge und Ähnliches. In neun von zehn Fällen wird das Schalwerk nach dem unsanften Kontakt zu nah an den Speichen sein, so dass ihr genau in die entgegengesetzten Richtung zurückbiegen solltet. Das geht am besten, indem ihr euer Multitool in die Schraube steckt, mit der das Schaltwerk am Schaltauge befestigt ist und es dann als Hebel verwendet. Am besten sieht man, was Sache ist, wenn man sich hinter das gerade stehende Rad kniet und den Grad der Verformung anhand des Abstands von Schaltwerk und Speichen abschätzt. Eure Gänge werden klicken und knacken und natürlich ist das keine dauerhafte Lösung, aber genug, um erst mal vom Fleck zu kommen. Wichtig: Durch das zurückbiegen wird das Schaltauge deutlich geschwächt, also macht langsam!

Gangwechsel werden mit verbogenen Schaltaugen alles andere als ideal sein, aber die Schnellreparatur bewahrt euch wahrscheinlich vor einem teuren neuen Laufrad.
Gangwechsel werden mit verbogenen Schaltaugen alles andere als ideal sein, aber die Schnellreparatur bewahrt euch wahrscheinlich vor einem teuren neuen Laufrad.

Dies sind nur ein paar Tipps und Tricks, um euch auf dem Trail wieder mobil zu kriegen. Es gibt noch eine Vielzahl anderer Szenarien, die zwischen euch und euer Trailglück kommen können. Das beste Werkzeug, das ihr habt, ist euer kreatives Denken!

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Text & Fotos: Ross Bell