Kurz vor Beginn der neuen Saison ist noch etwas Zeit, zurückzublicken und das vergangene Jahr kritisch zu hinterfragen: Hat die eigene Fitness ausgereicht? Wurden erste Podiumsplätze eingefahren oder lang gehegte Urlaubspläne umgesetzt? Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Egal wie viele Fragen wir davon mit „nein“ beantworten, hier kommt die gute Nachricht: Im neuen Jahr wird alles besser! Wir haben es selbst in der Hand. Wenn der Schnee schmilzt und die Tage länger werden, wenn die Sonne zu alter Stärke zurückfindet, wird der Ruf der Trails immer lauter. Wir brauchen ihm nur zu folgen. Doch beim Öffnen der Garage erfolgt meist die Ernüchterung und man fragt sich unweigerlich: „Welche finstere Macht hat mein treues und teures Bike in einen unansehnlichen Rosthaufen verwandelt? Wird es noch zu retten sein?“ Wir haben uns eines dieser vernachlässigten Schätzchen vorgenommen und ihm eine Rundum-Frühjahrskur verpasst.

Der Patient

„Hier seht ihr es: mein Transition Covert. Klar gibt es davon einige, aber das hier ist meins und es fährt ausgezeichnet. Zumindest tat es das bisher, denn jetzt befindet es sich in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Die Bremsen funktionieren nicht, alles wackelt und scheppert, die Sattelstütze macht, was sie will und kontrolliertes Schalten ist ein reines Glücksspiel. Da ich hauptsächlich auf steilen und technischen Trails unterwegs bin, würde ich außerdem gerne einen breiteren Lenker montieren. Aktuell ist dieser 710 mm breit und mich würde interessieren, ob sich ein paar Zentimeter mehr positiv auf das Fahrverhalten auswirken.“

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Die Diagnose

„Kaum zu glauben, aber hinter diesem quietschenden Haufen Altmetall verbirgt sich ein klasse Bike, das den Winter über lediglich etwas vernachlässigt wurde. Die Kette ist rostig und bereits an der Verschleißgrenze, Lager und Buchsen laufen rau und der Steuersatz braucht dringend eine Fettpackung. Bremsen und Remotestütze müssen entlüftet werden und die verbauten Bremsscheiben passen nicht zu den Bremssätteln. Zudem möchte Cat das Gesamtgewicht ihres Bikes etwas reduzieren, weshalb wir die Reifen auf Tubeless umrüsten. Eine gründliche Reinigung, hier und da etwas Fett oder Öl und ein paar grundlegende Servicearbeiten und schon wird aus dem Covert wieder ein erstklassiges Bike.“

Luftdruck der Federelemente prüfen

Nicht zuletzt aufgrund der Völlerei über die Weihnachtsfeiertage ist es an der Zeit, den Luftdruck in Gabel und Dämpfer zu überprüfen und ggf. anzupassen. Mit dem richtigen Setup kann man aus einem durchschnittlichen Bike viel herausholen, während man umgekehrt mit einem schlecht abgestimmten Fahrwerk selbst am besten Bike keine Freude haben wird. Hierzu gehört auch, den SAG richtig einzustellen, wozu man in erster Linie den Ist-Zustand ermitteln sollte. Idealerweise geschieht das in voller Montur (Bikeklamotten, Schuhe, Helm und evtl. Trinkrucksack und Werkzeug), in der Attack-Position auf den Pedalen stehend. Anschließend verändert man den Luftdruck der Federelemente schrittweise, bis an der Front ca. 20 % SAG und am Heck 25 % SAG vorliegen. Das ist dann eine gute Ausgangsposition, um sich an sein persönliches Idealsetup heranzutasten. Für einen aggressiveren Fahrstil nimmt man den Negativfederweg etwas zurück, für ein plüschigeres Fahrverhalten erhöht man ihn ein wenig. Antworten auf eventuelle Fragen hierzu erhält man in der Bikewerkstatt seines Vertrauens.

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Reifendruck prüfen

Der Reifendruck sollte ebenfalls überprüft werden. Tut man das längere Zeit nicht, kann man schon mal die ein oder andere böse Überraschung erleben. Allerdings ist der richtige Reifendruck stark von den persönlichen Vorlieben abhängig. Bewegt er sich jedoch komplett außerhalb der Spezifikation, so fehlt es dem Reifen an Grip und Kontrolle. Wer sich über sein persönliches Lieblingssetup noch keine Gedanken gemacht hat, dem empfehlen wir, sich ausgehend von 1,8 bar an der Front bzw. knapp 2 bar am Heck schrittweise an den Idealwert heranzutasten. Weniger Luftdruck bedeutet dabei mehr Grip, geht aber auf Kosten der Seitenstabilität und Pannensicherheit.

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Bike säubern

Zuallererst sollte man sein Bike allerdings gründlich reinigen. Dabei sprechen wir nicht davon, nur die gröbsten Dreckklumpen zu entfernen, sondern mit geeigneten Mitteln, Bürsten und Lappen eurem Schätzchen zu altem Glanz zu verhelfen. Je gründlicher man dabei zu Werke geht, desto mehr Dinge entdeckt man, die es gilt, Instand zu setzen.

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ENDURO-Tipp:
Muc-Off 8 in 1 Cleaning Kit, 55 €. Mehr Infos: muc-off.com

Neue Schaltzüge und -hüllen montieren

Wenn die Gangwechsel nur mehr widerwillig und unter hohem Kraftaufwand erfolgen, haben wir eine günstige und äußerst effektive Lösung: Neue Schaltzüge und -hüllen verhelfen der Schaltung innerhalb kürzester Zeit wieder zu alter Präzision. Bei innenverlegten Zügen ist allerdings etwas Geduld gefragt.

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ENDURO-Tipp:
Standard Shimano Schaltzüge und -hüllen, ca. 35 €, Mehr Infos im Bikeshop eures Vertrauens.

Kette wechseln

Ein regelmäßiger Check der Kette ist Pflicht, denn hat sie die Verschleißgrenze erreicht, zieht sie auch andere Komponenten wie Kettenblatt und Kassette schnell in Mitleidenschaft, was dann die Reparaturkosten deutlich in die Höhe treibt. Eine gelängte oder anderweitig abgenutzte Kette sollte also umgehend ersetzt werden, um die restlichen, wesentlich teureren Komponenten des Antriebsstranges zu schonen.

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ENDURO-Tipp:
SRAM PC1051 (10-fach), 28 €, Mehr Infos: sram.com

Gabel-/Dämpferservice

Moderne Luftfahrwerke sind kleine technische Meisterwerke und haben sich durchaus ein wenig Zuwendung verdient. Wenn man nicht gerade über zwei linke Hände verfügt, ist ein regelmäßiger Ölwechsel an Gabel und Dämpfer einfach selbst durchzuführen. Ansonsten sollte man die Federelemente innerhalb der vom Hersteller empfohlenen Intervalle zum Service in professionelle Hände geben. Das verlängert deren Lebensdauer, verbessert die Perfomance und vergrößert so den Fahrspaß erheblich.

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Im ENDURO Workshop:
MAGURA | RockShox | FOX

Neue Buchsen für den Rahmen

Kennt ihr das: Euer Bike klappert auf dem Trail wie ein Sack voll Werkzeug? Häufig ist Verschleiß an den Dämpferbuchsen dafür die Ursache. Man prüft sie, indem man mit einer Hand das Hinterrad am Boden fixiert und mit der anderen versucht, den Rahmen zu be- und entlasten. Wenn man dabei ein Klacken hört oder deutliches Spiel fühlt, müssen die Dämpferbuchsen meist erneuert werden. Dabei handelt es sich um günstige Verschleißteile, die jedoch, wenn sie hinüber sind, das Fahrverhalten des kompletten Bikes negativ beeinflussen.

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ENDURO-Tipp:
Standard Dämpferbuchsen, ca. 10 €, Mehr Infos in jedem guten Bikeshop.

Schraubencheck

Vor der ersten Ausfahrt sollte man sorgfältig überprüfen, ob alle Schrauben gemäß den Drehmomentangaben des Herstellers angezogen sind. Um nichts zu übersehen, geht man dabei am besten systematisch von vorne nach hinten vor. Auf die Hinterbaulager und die Befestigung der Schaltelemente sollte man besonderes Augenmerk legen, da diese Punkte für selbstständiges Lösen hinlänglich bekannt sind.

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Sattelstütze entlüften/Zug erneuern

Wenn eure Sattelstütze macht, was sie will und sie völlig unkontrolliert absackt oder ausfährt, so ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier ebenfalls ein kleiner Service vonnöten ist. Bei einer hydraulischen Stütze reicht meist eine Entlüftung, während man bei der mechanischen Ausführung Seilzug und Hülle tauschen sollte.

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ENDURO-Tipp:
Entlüften oder Zug wechseln, ca. 25 €, Mehr Infos in jedem guten Bikeshop.

Griffe erneuern

Neue Griffe sind wie neue Socken: Sie vermitteln ein Gefühl der Frische und ihr Komfort ist überragend. Was jetzt nicht bedeutet, dass man sich täglich neue Griffe ans Bike schrauben sollte. Aber wenn die alten schon sichtlich abgegriffen und verschlissen sind, wird es Zeit für ein Paar neue. Man verbessert dadurch nicht nur Grip und Kontrolle, sondern unter Umständen auch die Optik des Bikes – die richtige Farbwahl vorausgesetzt.

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ENDURO-Tipp:
Hope Lock-On Griffe, Kosten: 32 €, Mehr Info : hopetech.com.

Umrüstung auf Tubeless

Wenn man noch nicht in den Genuss gekommen ist, seine Reifen schlauchlos zu fahren, hat man in der Tat etwas verpasst. Weniger Durchschläge, niedrigeres Gewicht und mehr Grip durch weniger Luftdruck sind wohl die größten Pluspunkte, die für einen Umbau sprechen. Und entgegen vieler anders lautender Erfahrungsberichte ist die Umrüstung auch kein Hexenwerk. Lediglich der Umgang mit Dichtmilch ist anfangs oft mit einem höheren Reinigungsaufwand verbunden. Dieser verringert sich allerdings mit zunehmender Übung. Das Tubeless Kit von NoTubes enthält alles, was man für einen Umbau braucht. Zudem ist es leicht zu benutzen und verhältnismäßig günstig.

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ENDURO-Tipp:
Stan’s NoTubes Standard Tubeless Kit 2015, Preis: 69 €, Mehr Infos : notubes.com.

Carbonlenker montieren

Ganz ehrlich: Lenkerbreiten unter 720 mm sind nicht mehr zeitgemäß. Durch einen breiteren Lenker verbessern sich das Handling und die Kontrolle besonders auf technischen Abschnitten deutlich. Will man zusätzlich etwas Gewicht einsparen, empfiehlt sich der Griff zu einem Carbonlenker. Dieser ist zwar teurer als ein Modell aus Aluminium, kann aber auch häufig mit größerem Fahrkomfort aufwarten. Freunde der cleanen Optik sollten sich den Joystick Analog Bar etwas näher ansehen. Er ist in einer Breite von 800 mm erhältlich und wurde bereits bei diversen Einsätzen auf der Red Bull Rampage bezüglich seiner Haltbarkeit getestet.

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ENDURO-Tipp:
Joystick Analog Carbon Lenker, Preis: 159 €, Gewicht: 223 g, Mehr Infos: ridejoystick.com.

Neues Tretlager

Eine weitere Ursache für Vibrationen und nervige Geräusche kann ein ausgeschlagenes Tretlager sein. Deshalb sollte man auch dieses von Zeit zu Zeit auf Spiel in Achsrichtung prüfen und ggf. ersetzen.

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Bremse entlüften/Beläge und Scheiben erneuern

Bevor man sich nun todesmutig den Trail hinunterstürzt, sollte man noch die Bremsen gründlich checken. Dazu werden erst die Beläge entnommen und geprüft, ob sie abgenutzt oder verglast sind. In beiden Fällen sollten sie erneuert werden. Anschließend werden die Scheiben auf Verzug oder Abnutzung untersucht und schließlich der Druckpunkt der Bremse geprüft. Kann man den Hebel ohne Mühe bis zum Lenker ziehen, sollte die Bremse dringend mittels eines geeigneten Sets entlüftet werden. Ist keines zur Hand, sollte man umgehend die Werkstatt seines Vertrauens aufsuchen.

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„Ich kann es kaum fassen, mein Bike fühlt sich großartig an! Alle Störgeräusche sind beseitigt und es fährt sich super. Die Federelemente sprechen sauber an und auch die Schaltung verdient wieder ihren Namen. Mit der Umstellung auf Tubeless kann ich nun bis zu 0,3 bar weniger Luftdruck fahren, was sich besonders beim Grip bemerkbar macht. Der breitere Lenker bietet wesentlich mehr Kontrolle, wobei 800 mm schon zu viel des Guten sind. Ich denke, ich werde ihn noch auf 750 mm kürzen. Alles in allem bin ich aber zufrieden und wirklich erstaunt, was so ein Rundumservice ausmacht. Nun kann ich es kaum mehr erwarten, mein neues altes Bike wieder über die Trails zu jagen.“

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Text & Fotos: Trevor Worsey