Zweikämpfe haben eine lange Tradition als probater Weg, den Stärkeren zu ermitteln – sei es damals im Kolosseum oder heutzutage im Boxring. In der Enduroszene sorgen aktuell zwei Bikes für mächtig Aufsehen: das Specialized S-Works Enduro 29 und das Trek Slash 9.9 29 Race Shop Limited. Um herauszufinden, welches von beiden das bessere ist, luden wir zum Duell. Ein Kampf Maschine vs. Maschine.

Für diesen Vergleich war das Beste gerade gut genug. Beide Bikes sorgten in der Vergangenheit bereits für mächtig Aufsehen. Noch vor gar nicht so langer Zeit waren Räder mit großen Laufrädern bei den meisten Fahrern verpönt. Das Vorurteil: so schwer und behäbig wie ein Schwergewichtsboxer und ihre Laufräder so instabil wie die High Heels der Nummerngirls. Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt und es kommt zu einem Revival der Totgeglaubten. Immer mehr Firmen präsentieren 29″-Bikes und das Interesse auf dem Trail und in den sozialen Medien ist enorm. Grund genug, die zwei spannendsten Bikes der nächsten Saison in den Ring zu schicken.

Die Kontrahenten: Trek vs. Specialized

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In der linken Ecke: das Specialized S-Works Enduro 29

Specialized S-Works Enduro 29 | 160 / 165 mm (vorne / hinten) | 13.19 kg | € 8,699
Specialized S-Works Enduro 29 | 160 / 165 mm (vorne / hinten) | 13,19 kg | 8.699 €

Eine Firma, die von Anfang die Vorteile von 29″-Laufrädern propagiert hat, ist Specialized. Das erste Enduro 29 war 2013 seiner Zeit voraus und setzte Maßstäbe in Sachen Handling. In diesem Jahr hat Specialized nun den Nachfolger präsentiert, mit etlichen Verbesserungen, einer überarbeiteten Geometrie und in der edlen Topversion mit exklusivem Öhlins-Fahrwerk.

Gabel: Öhlins RXF 36 160 mm
Dämpfer: Öhlins STX (Custom) 165 mm
Bremsen: SRAM Guide RS Carbon
Schaltung: SRAM XX1 EAGLE
Sattelstütze: Specialized Command Post IRcc 125 mm
Vorbau: Syntace Megaforce
Lenker: Specialized DH Fact Carbon
Laufräder: Roval Traverse SL
Reifen: Specialized Butcher Grid / Slaughter Grid
Gewicht: 13,19 kg
Preis: 8.699 €

Bisher einmalig Die im Unterrohr integrierte SWAT-Box bietet Platz für Schlauch, Pumpe oder eine dünne Jacke und macht den Rucksack auf kurzen Touren überflüssig.
Bisher einmalig
Die im Unterrohr integrierte SWAT-Box bietet Platz für Schlauch, Pumpe oder eine dünne Jacke und macht den Rucksack auf kurzen Touren überflüssig.
One Size fits all Specialized verbaut am gesamten Hinterbau Lager in der gleichen Größe. Klasse, denn ist einmal eines verschlissen, muss nicht das teure Lagerset gekauft werden.
One size fits all
Specialized verbaut am gesamten Hinterbau Lager in der gleichen Größe. Klasse, denn ist einmal eines verschlissen, muss nicht das teure Lagerset gekauft werden.
Keep it simple
Der Öhlins STX-Dämpfer ist im Inneren äußerst aufwendig gefertigt, überzeugt aber mit simplem Setup.
Nur das Beste! Die edlen Roval Traverse-Laufräder senken das Gewicht und verleihen dem Rad ein spritziges Handling, treiben allerdings den Preis auch ordentlich in die Höhe.
Nur das Beste!
Die edlen Roval Traverse-Laufräder senken das Gewicht und verleihen dem Rad ein spritziges Handling, treiben allerdings den Preis auch ordentlich in die Höhe.
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Sein Herausforderer: das Trek Slash 9.9 29 Race Shop Limited

Trek Slash 9.9 29 Race Shop Limited | 160 / 150 mm (vorne / hinten) | 13,39 kg | € 7.499
Trek Slash 9.9 29 Race Shop Limited | 160 / 150 mm (vorne / hinten) | 13,39 kg | 7.499 €

Trek hat das Slash für die neue Saison von Grund auf erneuert und von 27,5″- auf 29″-Laufräder gestellt. Die Amerikaner sind die Vorreiter des Boost-Standards und damit mitverantwortlich für den aktuellen 29er-Boom. Schließlich erlaubt der breitere Hinterbau es, kürzere Kettenstreben und stabilere Laufräder zu bauen. Der Carbonrahmen, das FOX Factory-Fahrwerk und die SRAM X01 Eagle-Schaltung lassen jedem ernsthaften Enduristen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Gabel: FOX 36 TALAS FACTORY 160 mm
Dämpfer: FOX FLOAT X2 FACTORY 150 mm
Bremsen: SRAM Guide Ultimate
Schaltung: SRAM X01 EAGLE
Sattelstütze: Bontrager Drop Line 125 mm
Vorbau: Bontrager Line PRO
Lenker: Bontrager Line PRO OCLV Carbon
Laufräder: Bontrager Line ELITE 30
Reifen: Bontrager SE4 Team Issue
Gewicht: 13,39 kg
Preis: € 7.499

Ein Eyecatcher 
Die markante Rahmenform wird durch die glänzende bzw. matt-rote Lackierung bestens hervorgehoben. Ein echter Eyecatcher!
Ein Eyecatcher
Die markante Rahmenform wird durch die glänzende bzw. matt-rote Lackierung bestens hervorgehoben. Ein echter Eyecatcher!
Variabel
Die Geometrie des Slash lässt sich mithilfe des Mino-Links verstellen. Wir bevorzugten bergab stets die flache Position und änderten den Flip-Chip nie.
Variabel
Die Geometrie des Slash lässt sich mithilfe des Mino-Links verstellen. Wir bevorzugten bergab stets die flache Position und änderten den Flip-Chip nie.
Unpraktisch Für mehr Steifigkeit führt Trek das Unterrohr des Slash gerade an das Steuerrohr. Damit die Federgabel beim Einlenken den Rahmen nicht beschädigt, haben die Amerikaner den Knock Block integriert. Auf dem Trail stört er nicht, kann jedoch das Einladen des Bikes ins Auto erschweren.
Unpraktisch
Für mehr Steifigkeit führt Trek das Unterrohr des Slash gerade an das Steuerrohr. Damit die Federgabel beim Einlenken den Rahmen nicht beschädigt, haben die Amerikaner den Knock Block integriert. Auf dem Trail stört er nicht, kann jedoch das Einladen des Bikes ins Auto erschweren.
Aufgeräumt
Die Züge verlaufen sauber geordnet durch das Unterrohr und von dort aus nach hinten.
Aufgeräumt
Die Züge verlaufen sauber geordnet durch das Unterrohr und von dort aus nach hinten.
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Das große Wiegen – aka die Fakten

Schon vor dem ersten Kräftemessen kristallisieren sich bei einem Blick auf die Geometrie-Tabelle und in die Ausstattungsliste einige Besonderheiten, Gemeinsamkeiten, aber auch Schwächen der beiden Kontrahenten heraus. So werden bei beiden Bikes etliche Komponenten aus dem jeweils eigenen Haus verbaut. Das teurere Specialized punktet mit edlen Carbonlaufrädern, Trek mit dem stimmigeren Cockpit. Bei der Sattelstütze hingegen patzen beide: 125 mm Verstellbereich sind zu wenig! Die Reifen funktionieren jeweils solide, Trek stellt hier aber den besseren Allrounder. Bei der Geometrie sind sich beide Räder sehr ähnlich und unterscheiden sich nur in Details – doch diese sorgen in der Praxis für den Unterschied!

Der Ring – aka die Teststrecken

Ausgefochten wurde der Kampf um die Krone auf verschiedenen Schlachtplätzen, unter anderem auf den alpinen Trails am Kronplatz sowie den abwechslungsreichen Tracks im Bikepark Oberammergau. Vom top geshapten Flowtrail bis zum Wurzel-Massaker war alles dabei. Perfekt, um die Bikes an ihre Grenzen zu bringen.

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Warm-up – das Schaulaufen

Welches Bike sorgt für mehr Aufsehen? An welchem bleiben mehr Blicke haften? Der Sieger beim Warm-up ist klar das feuerrote Trek Slash 9.9 29. Während unserer Testfahrten sorgte es bei anderen Bikern für deutlich mehr Aufregung als das nahezu ungebrandete Specialized S-Works Enduro, das zudem seinem Vorgängermodell sehr ähnlich sieht. Wer zum Trek greift, sollte sich bewusst sein, dass er die Frage „Kann ich mich einmal kurz draufsetzen?“ bei jeder Ausfahrt zu hören bekommt.

Runde 1 – die Klettereigenschaften

In der ersten Runde mussten beide Kontrahenten ihre Uphill-Fähigkeiten unter Beweis stellen, bei einem Endurobike eine nicht zu vernachlässigende Eigenschaft. Die Sitzposition beider Räder ist äußerst komfortabel und langstreckentauglich. Im Antritt ist das Specialized dank der geringeren rotierenden Masse etwas spritziger. Bei beiden Rädern lässt sich im Wiegetritt ein leichtes Wippen provozieren, das sich aber durch eine Erhöhung der Lowspeed-Druckstufe minimieren lässt. Im steilen Uphill lässt das Specialized dann das Trek komplett hinter sich. Es klettert dank des steileren Sitzwinkels und der damit zentraleren Sitzposition souveräner. Speziell Fahrer mit langen Beinen sitzen beim Slash weit über dem Hinterrad.

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Runde 2 – das Handling

Mittlerweile hat sich so etwas wie ein Ideal in Sachen Geometrie bei Endurobikes etabliert. Das wird auch bei den beiden Kontrahenten deutlich, die sich bis auf wenige Millimeter sehr ähneln. Der Lenkwinkel des Trek Slash ist um 0,9° flacher, der Reach dafür um 5 mm kürzer. Alles keine Welten! Und so ist es nicht verwunderlich, dass es kaum Unterschiede in Sachen Handling gibt. Beide fahren sich sehr direkt und dank ihrer kurzen Kettenstreben ausgesprochen agil. Würde man es nicht besser wissen – man würde nicht realisieren, auf einem 29er zu sitzen. Gleichzeitig liefern die großen Laufräder eine enorme Sicherheit. Egal ob im verblockten oder steilen Gelände, mit beiden Bikes bleibt man souverän auf Kurs und überrollt Hindernisse einfach. Kritik erntet das Specialized für seinen mit 60 mm minimal zu langen Vorbau. Eine Kleinigkeit, deshalb: unentschieden

Runde 3 – das Fahrwerk

FOX vs. Öhlins lautet das Battle in Runde 3. Beide Hersteller sind für ihre herausragenden Federelemente bekannt. An der Front ist es ein absolutes Kopf-an-Kopf-Rennen. Sowohl die FOX 36 Factory als auch die Öhlins RXF 36 funktionieren herausragend gut und filtern sowohl kleinste als auch große Schläge super sensibel und sehr definiert weg. Ein Unterschied? Kaum messbar. Anders ist es beim Hinterbau. Schon beim Setup werden hier die Unterschiede deutlich. Beim FOX FLOAT X2-Dämpfer kann man an insgesamt vier Einstellrädchen mit unzähligen Klicks sein Wunsch-Setup einstellen. Der am Specialized verbaute Öhlins-Dämpfer besitzt dagegen nur eine reduzierte Anzahl an Klicks bei den einzelnen Einstellungen. Das erschwert zwar ein Feintuning für sehr penible Fahrer, dafür ist jedoch bei weniger versierten Piloten ein völlig ungeeignetes Setting ausgeschlossen – wir waren damit happy.

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Auf dem Trail punktet das Trek mit sehr feinfühligem Ansprechverhalten und einem sehr satten Feeling. Das Rad saugt Unebenheiten geradezu in sich auf, ohne aber wegzusacken, Feedback vermissen zu lassen oder zu schnell durch den Federweg zu rauschen. Das Heck des Enduro 29 ist dagegen etwas straffer, direkter, wirkt etwas lebendiger und generiert noch mehr Vortrieb. Was hier zählt, sind persönliche Vorlieben.

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Runde 4 – der Speed

Welches Rad ist das schnellere? Eine Frage, die wir während des Tests immer wieder gehört haben. Die Antwort darauf ist schwierig und wird von den persönlichen Vorlieben des Fahrers und der Strecke beeinflusst. Bei unseren Testfahrten auf einer 2 min langen Strecke variierten die Zeiten je nach Fahrer um +/- 2 s. Fest steht: Beide Räder sind brutal schnell – unentschieden!

Runde 5 – die Details

Neben den Fahreigenschaften gibt es noch andere Faktoren, die den Fahrspaß mit einem Rad beeinflussen. Dazu zählen Details wie z. B. die beim Specialized Enduro integrierte SWAT-Box im Unterrohr. In ihr lassen sich ein Schlauch, eine Pumpe und sogar eine leichte Windjacke verstauen. Ideal, wenn man einmal ohne Rucksack auf Tour gehen möchte. Beide Räder ermöglichen außerdem die Montage eines Flaschenhalters. Und auch wenn bei beiden Bikes die Züge innenverlegt sind, kam es nirgends zu nervigen Klappergeräuschen. Top!

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Knock-out oder Sieg nach Punkten?

Einen brutalen Knock-out gab es in diesem Kampf nicht, allerdings einen Sieger nach Punkten. Das Specialized S-Works Enduro 29 liefert summa summarum nicht nur die bessere Ausstattung, sondern auch die bessere Gesamtperformance. Es klettert besser, fährt sich bergab ebenbürtig und besitzt die smarteren Features. Allerdings ist es aber auch um 1.200 € teurer als das ebenfalls sehr gute Trek Slash 9.9 29 Race Shop Limited. Für das Trek sprechen sein sehr guter Hinterbau und der grandiose Look, der alle Blicke auf sich zieht.

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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.