Endurobikes sind Meister der Vielseitigkeit, die sich sowohl auf entspannten Hometrails als auch in vielen Bikepark zu Hause fühlen. Aber ein Bike mit 160 mm Federweg auf den harten Strecken in Champery, Val di Sole oder Verbier fahren zu wollen, gleicht einer Kamikaze-Aktion – manchmal braucht man einfach mehr! Dann schlägt die Stunde des Canyon Sender CF 9.0!

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Die neunte Abfahrt, die Hände brennen, den Lenker festzuhalten wird zur echten Herausforderung und das Sender schreit nur eins: Gib mir mehr! Es ist Canyons neuester Spross im Mountainbike-Line-up, ein 200-mm-Downhillbike, das aussieht, als wäre es für alles bereit. Der Rahmen ist ein optisches Gesamtkunstwerk. Sein Design ist nicht nur so schön, dass man kaum die Augen abwenden kann. Es macht es auch unmöglich, an etwas anderes zu denken als daran, endlich auf diesem Bike zu sitzen. Schon im Stand wirkt das Sender unglaublich schnell. Es ist kraftvoll, es ist akkurat und es ist nichts für schwache Nerven. Canyon bietet das Rad in vier Größen an, wir haben das Topmodell Sender CF 9.0 in Größe Large getestet.

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„Schon im Stand wirkt das Sender unglaublich schnell.“

Ein paar Zahlen vorweg

Unser Testfahrer wiegt 70 kg und ist 182 cm groß, das Sender in Größe Large sollte also passen. Jetzt musste nur noch das passende Setup gefunden werden. Das Rad besitzt einen 460-mm-Reach, einen 63°-Lenkwinkel (+/- 1°) und wahlweise 430 oder 446 mm lange Kettenstrebenlänge. Die 460 mm Reach sind für ein Downhillbike eine echte Nummer, vor allem wenn man bedenkt, dass er in der Ebene gemessen wird. Wird das Gelände steiler, verlängert er sich sogar. Die Entscheidung fiel auf die 430 mm langen Kettenstreben. So sollte das Bike agil bleiben, während der lange Reach für Stabilität sorgte. Der Lenkwinkel kann mit verschiedenen Steuersatz-Kappen um +/- 1° geändert werden, aber die 63° fühlten sich direkt sehr gut an.

Geometrie des Canyon Sender CF 9.0

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Das Schlachtfeld

Kronplatz, Verbier, Dorenaz und Bex waren die Austragungsorte für den Test des Sender. Am Kronplatz findet man schnelle, flowige Trails und wahrscheinlich die besten Anlieger, in Verbier alpine Trails, das volle Downhill-Programm. Die gelb markierte Strecke könnte ohne Weiteres als World-Cup-Strecke durchgehen: Sie ist ruppig, verflucht schnell und hat sowohl technische Sektionen als auch fette Jumps. Der Bashguard am Sender hatte hier eine harte Zeit und überlebte nur mit Ach und Krach die wohl härteste Strecke der Schweiz.

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BRAAAP!

Der erste Eindruck vom Sender? Was ein sattes Bike – nicht nur im Vergleich zu einem Enduro, sondern auch zu anderen Downhillern. Es ist nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, klebt am Boden und ist ziemlich leise. Ein Bike, das aus dem Karton direkt leise ist, ist eine Seltenheit und Canyon hat genau das geschafft. Der Ketten- und Sitzstrebenschutz aus Kunststoff macht einen hervorragenden Job.

Doch auch nach den ersten paar Runden auf dem Bike fühlte sich etwas noch immer nicht richtig an. Es war schwer, Druck aufs Vorderrad zu bringen, deshalb mussten die Kettenstreben letztendlich doch auf 446 mm verlängert werden. Eine Schraube, zwei Gummiteile und die Justierung der Bremse machten daraus einen Zwei-Minuten-Job. Auf dem Parkplatz fühlte sich das Bike jetzt ewig lang an, aber auf der Strecke und im steilen Gelände passte das Gesamtpaket perfekt. Der lange Reach verlangt nach entsprechender Balance, was in dem Fall durch die langen Kettenstreben gelingt. Das Bike fuhr sich jetzt deutlich ausgewogener. Bei den Rahmengrößen Small und Medium passen vermutlich auch die 430 mm kurzen Kettenstreben gut, aber 446 mm sind für die großen Rahmengrößen Pflicht.

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Super smoothe Performance

Der Hinterbau des Sender ist ein Viergelenker mit zwei extra Umlenkungen, die den Dämpfer ansteuern. Durch ein hohes Übersetzungsverhältnis am Anfang spricht das Heck sehr fein an. Über den gesamten Federweg erhöht sich die Progression angenehm kontinuierlich und in Kombination mit dem verbauten Luftdämpfer sind Durchschläge schier unmöglich. Das Fahrwerk fühlt sich nicht an, als würde man zu tief darin versinken, sondern vermittelt viel Feedback und gibt guten Support. Das Rad nutzt den Federweg perfekt und gibt nur so viel frei, wie wirklich gebraucht wird. Man hat nicht den Eindruck, auf einer Couch sitzend die Trails hinunterzubügeln, und dennoch nimmt das Sender sowohl kleine als auch große Schläge souverän auf.

„Das Sender nutzt den Federweg perfekt und gibt nur so viel frei, wie wirklich gebraucht wird.“

In Deutschland erhält man das sensationell ausgestattete Canyon Sender CF 9.0 für günstige 4.799 €. Die neue FOX 40 FLOAT Factory mit der überarbeiteten Negativkammer läuft weich wie Butter und arbeitet super mit dem FOX FLOAT X2-Dämpfer am Heck zusammen. Die 180-mm-Bremsscheibe hinten sollte man gegen eine mit 203 mm tauschen. Die Reifenwahl ist natürlich sehr individuell, der MAXXIS Minion DHR 2 bietet aber speziell am Vorderrad zu wenig Kurvenhalt.

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Klar möchten wir niemals auf ein Endurobike verzichten, aber es gibt diese besonderen Tage, an denen man fünf Abfahrten nur damit verbringt, sich auf eine anspruchsvolle Strecke einzustimmen und die Linienwahl zu perfektionieren. Das sind die Tage, für die das Canyon Sender gebaut wurde. Es ist ein Bike für die härtesten Strecken der Welt, ein Bike, das nach Vollgas lechzt!

Ausstattung des Canyon Sender CF 9.0

Gabel: FOX Factory 40 Float Fit4 Kashima
Dämpfer: FOX Factory Float X2 Evol Kashima
Bremsen: SRAM Guide RSC
Schaltung: Sram X01 DH
Sattelstütze: SDG Micro I-Beam
Vorbau: Renthal Integra
Lenker: Renthal Fat Bar
Laufräder: DT Swiss FR 1950
Reifen: Maxxis Minion DHR II
Gewicht: 15,83 kg (tubeless)
Preis: 4.799 €

Das Canyon Sender CF 9.0 im Detail

Nettes Detail Die integrierten Gabelanschläge sind mittlerweile Standard, runden aber das hochwertige Bild ab.
Nettes Detail
Die integrierten Gabelanschläge sind mittlerweile Standard, runden aber das hochwertige Bild ab.
Sehr präzise Das Fahrwerk des Senders arbeitet sehr definiert und souverän.
Sehr präzise
Das Fahrwerk des Canyon Senders arbeitet sehr definiert und souverän.
Praktisch Die SAG-Anzeige funktioniert und ist praktisch, gerade weil der Dämpfer stark in den Rahmen integriert ist.
Praktisch
Die SAG-Anzeige funktioniert und ist praktisch, gerade weil der Dämpfer stark in den Rahmen integriert ist.
Persönliche Präferenzen Die variablen Kettenstreben machen einen großen Unterschied. Beim Rahmen in Größe Large empfehlen wir den langen Radstand.
Persönliche Präferenzen
Die variablen Kettenstreben machen einen großen Unterschied. Beim Rahmen in Größe Large empfehlen wir den langen Radstand.
Smartes Detail Der kleine Plastikschutz schützt die Kettenstreben vor Schuhabrieb. Nice!
Smartes Detail
Der kleine Plastikschutz schützt die Kettenstreben vor Schuhabrieb. Nice!

Schön Klare Linien und makellose Oberflächen definieren das Design.
Schön
Klare Linien und makellose Oberflächen definieren das Design.

Fazit

Das Canyon Sender CF 9.0 hat uns überzeugt. Es ist ein Bike, das auf die schnellsten Downhillstrecken der Welt gehört und auch unter den Füßen eines World-Cup-Profis nicht fehl am Platz wäre. Werden wir das Carbonbike nächstes Jahr tatsächlich im World Cup sehen? Hat es das Zeug, um Rennen zu gewinnen? Wir wissen zumindest, dass das Canyon Sender ein hochwertiges Downhillbike ist, das sich sehr präzise fährt, mit durchdachten Features glänzt und zu einem wirklich unschlagbaren Preis erhältlich ist.

Stärken

  • überragendes Design
  • gut abgestimmtes Fahrwerk
  • ausgeglichenes Handling
  • clevere Details

Schwächen

  • nicht übermäßig agil
  • Vorderreifen hat wenig Grip

Weitere Informationen findet ihr auf canyon.com

In der Saison 2017 wird das Sender CF von den Fahrern des neu gegründeten Canyon Factory Downhill Teams pilotiert.

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Text: Ruben Torenbeek Fotos: Christoph Bayer