Canyon hat bei der Suche nach dem schnellsten Racebike keine Kosten und Mühen gescheut und uns das Original-Teambike der aktuellen Saison geschickt. Nicht nur die Lackierung ist sehr speziell, auch etliche Details sind einzigartig. Ob das Bike so schnell ist, wie es aussieht?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Let’s go Racing! – Die 10 schnellsten Endurobikes der Welt im Test

Canyon Strive CF 9.0 Team | 170/163 mm (v/h) | 14,30 kg | 5.499 €

Wow! So viel Liebe zum Detail haben wir noch nie gesehen! Griptape auf allen Hebeln, die Kettenführung mit Velcro bestückt, selbstgemachte Torque-Caps für das Mavic-Vorderrad, die Züge fein säuberlich sortiert und ein spezieller Shapeshifter-Hebel – schon vor dem Test waren wir vom Canyon Strive beeindruckt. Doch nicht nur an den Details hat Canyon gefeilt, auch elementare Bauteile wurden gepimpt, z. B. die Bremsen, ein Mix aus Guide Ultimate-Hebeln mit Code-Sätteln. Da es sich um ein Teambike handelt, Canyon aber offensichtlich keine Mavic-Reifen verbauen wollte, kam an den MAXXIS-Reifen kurzerhand ein Edding zum Einsatz.Auch das Fahrwerk ist voll auf Racing getrimmt. Drei Tokens in der 170-mm-Lyrik sowie satte sieben Volumenspacer im Dämpfer sorgen für eine ordentliche Portion Progression. Der SRAM X01 Eagle-Antrieb liefert Bandbreite, die braucht man aber auch bergauf, angesichts des 36-Zahn-Kettenblatts in Front. Im Gegenzug ist das Kettenschlagen bergab auf ein Minimum reduziert.

Der Shapeshifter kam auf unserer Rennstrecke zwar nicht zum Einsatz, erwies sich im Praxistest vorher aber als äußerst praktisch. Mit ihm ist es möglich, nicht nur den Federweg am Heck zu reduzieren, sondern auch die Geometrie um 1,5° zu verstellen und das Tretlager anzuheben. Das macht das Bike super effizient und spart bei langen Uphills wichtige Kraftreserven. Das progressive Fahrwerk fühlt sich zwar eher straff an, liefert aber speziell bei schnellen harten Schlägen ein enormes Maß an Kontrolle und Traktion. Jeder Impuls wird hier umgesetzt und so kann man auch durch Pushen jede Menge Geschwindigkeit aufbauen.

Helm Troy Lee D3 | Goggle Oakley O-Frame | Shirt ION TRAZE_AMP | Shorts ION TRAZE_AMP | Schuhe ION RASCAL

Gepaart mit den eher schmalen Mavic-Laufrädern und dem steifen Rahmen trifft man mit dem Strive alle Linien mit chirurgischer Präzision. In steilen, verblockten Sektionen stellt man sich einfach nach hinten ins Rad und lässt das Fahrwerk arbeiten – das Strive bleibt auf Kurs. Folgt auf das Steinfeld jedoch eine Kurve, ist einiges an Körpereinsatz gefragt, um ausreichend Druck auf das Vorderrad zu bekommen. Der Grenzbereich des Bikes kommt spät, ist aber eher schmal und so ist stets ein sehr ambitionierter Fahrstil gefragt, um sicher auf Kurs zu bleiben. Besonders bei langen Stages ist das kräftezehrend.

Das Canyon Strive CF 9.0 Team im Detail

Federgabel RockShox Lyrik RCT3 170 mm
Dämpfer RockShox Monarch Plus RC3 163 mm
Bremsen* SRAM Guide / Code
Schaltung SRAM X01 Eagle
Sattelstütze RockShox Reverb Stealth
Vorbau Renthal Fatbar Carbon
Lenker Renthal APEX
Reifen* Maxxis Minion DHR II / Maxxis Agressor
Laufradsatz Mavic Deemax Pro
Preis 5.499 €
*Tuning-Teil

Aufgeräumt
Zwei Schrumpfschläuche bündeln die vier Züge am Cockpit und sorgen für eine sehr aufgeräumte Optik.
Love it!
Alle Hebel wurden mit Griptape beklebt. Das ist vor allem bei nassen, schlammigen Bedingungen von Vorteil und verhindert ein Abrutschen der Finger. Drückt man den Penis, versteift sich das Fahrwerk.
Super leise
Die Kettenführung hat Canyon innen zusätzlich mit Velcro abgeklebt. Gemeinsam mit dem großen Kettenblatt reduziert das die Geräusche durch den Antrieb auf ein Minimum. An alle, die das jetzt nachmachen wollen: Checkt eure Kette, sie braucht dann möglicherweise mehr Öl.
Standfest
Bei der Bremse setzt Canyon auf SRAM Guide Ultimate-Hebel, gepaart mit den alten Code-Sätteln. Die Kombi liefert eine grandiose Dosierbarkeit und ausreichend Power. We like!

Die Geometrie des Canyon Strive CF 9.0 Team

Größe XS S M L XL
Sattelrohr 388 mm 430 mm 430 mm 460 mm 500 mm
Oberrohr 576 mm 600 mm 629 mm 648 mm 658 mm
Lenkwinkel 66° [+1,5°] 66° [+1,5°] 66° [+1,5°] 66° [+1,5°] 66° [+1,5°]
Sitzwinkel 73,5° [+1,5°] 73,5° [+1,5°] 73,5° [+1,5°] 73,5° [+1,5°] 73,5° [+1,5°]
Kettenstrebe 423 mm 423 mm 423 mm 423 mm 423 mm
BB Drop 12 mm 12 mm 12 mm 12 mm 12 mm
Radstand 1132 mm 1158 mm 1188 mm 1207 mm 1240 mm
Reach 402 mm 422 mm 448 mm 468 mm 487 mm
Stack 592 mm 606 mm 615 mm 627 mm 643 mm
Laufradgröße 27,5″ 27,5″ 27,5″ 27,5″ 27,5″
Ist es zu stark, bist zu schwach! Dieses Bike verlangt nach einem beherzten Fahrstil, um sein volles Potenzial zu entfalten.

Fazit

Das Canyon Strive ist ein Racebike, wie es im Buche steht. Es ist super direkt, gibt viel Feedback und ist verdammt schnell, erfordert aber einen ambitionierten Fahrstil, um sicher auf Kurs zu bleiben. Auf langen Abfahrten verlangt das Rad daher viel Kraft und verzeiht nur wenige Fehler.

Stärken

– viel Traktion trotz straffem Fahrwerk
– bei Highspeed laufruhig
– grandiose Details

Schwächen

– erfordert viel Körpereinsatz
– kleiner Grenzbereich


Weitere Informationen findet ihr unter: canyon.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Let’s go Racing! – Die 10 schnellsten Endurobikes der Welt im Test

Alle Bikes im Test: Giant Reign Advanced 0 | Lapierre Spicy Team Ultimate | Nukeproof Mega 275 RS | Pole EVOLINK 140 29 | Rocky Mountain Altitude Carbon 90 | Santa Cruz Hightower LT | SCOTT Genius 900 Tuned 2018 | Specialized S-Works Enduro 29 | YT JEFFSY 27 CF Pro Race

Text & Fotos: Christoph Bayer