Real Talk: Das Canyon Torque AL 6.0 ist kein gutes Enduro-Bike. Da habt ihr’s. Es ist bergab langsamer als die meisten anderen Bikes im Test und klettert nicht sonderlich gut. Dennoch lieben es alle unsere Tester! Warum?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste 2020er Enduro-Bike unter 3.500 € – 9 Bikes im Test

Canyon Torque AL 6.0 | 180/175 mm (v/h) | 15,8 kg in Größe L | 2.799 € | Hersteller-Website

Das Canyon Torque AL 6.0 im Detail

Das Canyon Torque lässt sich schwer in eine Kategorie stecken. Mit 180 mm Federweg in Front und 175 mm am Heck klopft es bereits lautstark an die Tür von Downhill-Bikes, doch seine Geometrie und die Single-Crown-Federgabel machen es deutlich vielseitiger. Gleichzeitig ist es aber auch kein gewöhnliches Enduro. Wenn wir das Torque einordnen müssten, dann würden wir vorsichtig flüstern … Freeride. Aber pssst, das habt ihr nicht von uns gehört. Mit 15,8 kg ist es nicht leicht, aber dafür besitzt es eine überragende Ausstattung für seinen Preis von 2.799 €. Am Hinterbau des 6061-Alu-Rahmens arbeitet ein RockShox Super Deluxe Select+ RT-Dämpfer. Eine gewaltige 180 mm RockShox Lyrik Select-Federgabel ist ebenso an Bord wie ein SRAM GX Eagle-Antrieb und SRAM CODE R-Bremsen. Der Laufradsatz ist günstig, aber stabil: DT Swiss E 1900-Laufräder mit einer Innenbreite von 30 mm. Bei den Reifen handelt es sich um die beliebten MAXXIS Minion DHR II 2,4”-Reifen in der leichten EXO-Karkasse. Abgerundet wird der Aufbau von einem Race Face Chester-Lenker mit 20 mm Rise und einer Iridium-Teleskopsattelstütze.

Sehr potent
Der 250 x 70 mm lange Super Deluxe-Dämpfer arbeitet mit geringem Luftdruck (160 psi bei unserem 80 kg schweren Tester) und fühlt sich an, als ob ihn nicht einmal die gröbste Landung im Flat aus der Ruhe bringen könnte
Hoher Stack
Der 636 mm hohe Stack positioniert euch aufrechter hinter der gewaltigen Federgabel. Diese Position liefert ordentlich Selbstvertrauen, ist jedoch nicht die aggressivste für flache Kurven.
Straffe Kennlinie
Der Hinterbau des Canyon Torque ist super progressiv und die Kennlinie steigt gegen Ende rapide an. Das hilft dem Dämpfer, mit den Kräften einer üblen Landung klarzukommen.

Canyon Torque AL 6.0

2.799 €

Specifications

Fork RockShox Lyrik Select 180 mm
Rear Shock Super Deluxe Select+ RT 175 mm
Seatpost Iridium Dropper 150 mm
Brakes SRAM CODE R 200/180 mm
Drivetrain SRAM GX Eagle 1x12
Stem Race Face Chester 40 mm
Handlebar Race Face Chester Riserbar 780 mm
Wheelset DT Swiss E 1900 27,5"
Tires MAXXIS Minion DHR II 2,4"/2,4"

Technical Data

Size XS S M L XL
Weight 15,8 kg

Specific Features


Versteckter Tunnel
Der Kabel-Tunnel ist genial und führt die Züge versteckt unter dem Rahmen für einen cleanen Look. Außerdem macht er das Entlüften der Hinterradbremse obsolet.
Steifes Casting
Die 180 mm RockShox Lyrik Select-Federgabel hat ein steifes Casting und leidet keineswegs unter unerwünschtem Flex, trotz ihrer massiven Länge
Solide Anker
SRAM CODE R-Bremsen sind stets willkommen an einem Bike für 2.799 €. Ihnen fehlt zwar der Swing-Link der CODE RSC, aber sie bieten reichlich Bremsmoment. PS: Die Canyon G5 Moto-Griffe sind ebenfalls spitze.

Die Geometrie des Canyon Torque AL 6.0

Die getestete Größe L wird für Fahrer zwischen 178–186 cm empfohlen, und berücksichtigt man den massiven Federweg, so wirkt der Rahmen ziemlich kompakt. Der Reach ist 460 mm lang und der Radstand mit 1.219 mm der kürzeste im Test. Der Sitzwinkel ist ausgesprochen oldschool mit 74° und die Kettenstreben fallen mit 428 mm ultrakurz aus. Der 636 mm hohe Stack (23 mm mehr als am anderen 27,5”-Bike im Test, dem MERIDA) und die Tretlagerabsenkung von 15 mm sorgen für eine super integrierte Fahrposition, die auch den Canyon Spectral- und Strive-Besitzern bereits vertraut sein dürfte.

Größe XS S M L XL
Sattelrohr 380 mm 400 mm 440 mm 455 mm 500 mm
Oberrohr 571 mm 597 mm 620 mm 642 mm 665 mm
Steuerrohr 105 mm 115 mm 125 mm 135 mm 145 mm
Lenkwinkel 65,0° 65,0° 65,0° 65,0° 65,0°
Sitzwinkel 74,0° 74,0° 74,0° 74,0° 74,0°
Kettenstrebe 428 mm 428 mm 428 mm 428 mm 428 mm
BB Drop 15 mm 15 mm 15 mm 15 mm 15 mm
Radstand 1.147 mm 1.171 mm 1.195 mm 1.219 mm 1.243 mm
Reach 400 mm 420 mm 440 mm 460 mm 480 mm
Stack 609 mm 618 mm 627 mm 636 mm 645 mm

Ja, das Canyon Torque ist sowohl bergauf als auch bergab langsamer als die besten Bikes, aber wenn man es mit einem riesigen Gap in Morzine aufnehmen will oder einen zweiwöchigen Bikepark-Trip plant, dann würden wir immer zu diesem Bike greifen.

Helm MET Roam | Brille Oakley Race Jacket | Jersey Canyon | Hose Specialized Demo Pants | Schuhe ION Rascal

Just gonna send it – Das Canyon Torque AL 6.0 auf dem Trail

Lasst uns zunächst eine Sache klarstellen: Das Canyon Torque ist wirklich kein guter Kletterer. Sobald man zum ersten Mal bergauf fährt, versetzen einen die kompakten Abmessungen (es fühlt sich eine Größe kleiner an, als der Rest der getesteten Bikes) und der 74°-Sitzwinkel weit über das Hinterrad des Bikes. Sein hohes Gewicht von 15,8 kg und die ineffiziente Sitzposition fordern viel Energie und das Torque klettert nur sehr gemächlich zum Trail-Einstieg. Es ist zwar auch kein ganz schlechter Kletterer, aber reiht sich in dieser Kategorie in unserem Vergleichstest ganz hinten ein. Auch bergab spielt das Canyon Torque in einer eigenen Liga, aber nicht, weil es so irrsinnig laufruhig ist, wenn es eine Line halten soll oder weil es so wahnsinnig schnell ist, denn das ist es nicht.

Stattdessen ist das Canyon Torque ein freundlicher Mittelfinger an die Leute, die die Qualität eines Bikes nur an seiner Geschwindigkeit messen. Beim Torque steht etwas anderes im Fokus: der Fahrspaß! Die kompakten Dimensionen und sein enormer Federweg bedeuten für verspielte Fahrer eine geradezu himmlische Kombination. Die Kinematik bietet massig Support und die ultra kurzen Kettenstreben sorgen dafür, dass man mit dem Bike massig Airtime generiert und in der Luft sehr viel Platz für allerlei Tricks hat. Keine Landung ist zu schräg und fette Cases spielen keine Rolle, wenn man fast 180 mm an Federweg zur Verfügung hat. Und auch die ein oder andere Inside-Line schnappt sich das Bike dank seiner hohen Agilität leichtfüßig.

Am wohlsten fühlt sich das Torque AL 6.0 im Bikepark. Das Handling des Torque ist präzise und direkt und der sehr progressive Hinterbau bietet reichlich Support, um das Bike bei jeder Gelegenheit in die Luft zu katapultieren. Dank der satt integrierten, aufrechten Fahrposition geht das eigene Selbstvertrauen durch die Decke. Das Casting der RockShox Lyrik Select ist auch mit 180 mm Federweg noch steif genug und gerät, wie auch das Heck, nicht einmal bei den härtesten Schlägen ins Schwitzen. Bei der super progressiven Kennlinie ist es schier unmöglich, den Dämpfer zu einem Durchschlag zu bringen. Auch der Laufradsatz ist gut gewählt, denn die DT Swiss E 1900-Laufräder sind stabil und leichter als so manch andere günstige Alternative auf dem Markt. Ein Bike wie das Torque sollte jedoch mit stabilen Double Down-Karkassen ausgerüstet sein, zumindest am Heck. Letztendlich passt das Canyon zu Fahrern, die ohnehin schon wissen, dass sie es wollen. Die Frage lautet daher nicht „Sollte ich das Torque nehmen oder Bike X?“, sondern vielmehr geht dem Kauf ein Statement voraus: „Ich brauche unbedingt ein Bike wie das Torque, damit ich endlich das größte Gap springen kann“. Es ist sicher nicht für jeden gemacht und fällt in diesem Vergleichstest ab, da es bergab nicht super schnell ist oder bergauf sonderlich komfortabel. Aber das heißt noch lange nicht, dass es ein schlechtes Bike ist. Vielmehr ist es ein spezielles Bike für einen speziellen Zweck.

Wie schlägt sich das Canyon Torque im Vergleich zu den anderen Bikes im Test?

Es ist ein wenig, als würde man Äpfel und Birnen miteinander vergleichen, denn das Canyon passt nicht so wirklich in diesen Vergleichstest. Es ist auf einer Enduro-Stage mit Sicherheit langsamer als das Nukeproof Mega, Privateer 161 oder YT CAPRA und liegt auch weniger sicher auf dem Trail als das GIANT Reign und Ibis Ripmo. Doch wenn ihr zu der Sorte Fahrer gehört, die es lieben, quer durch die Luft zu fliegen und die letztjährige Saisonkarte des Bikeparks noch in den Bike-Shorts haben, dann ist das Canyon Torque für euch DAS Bike und obendrein ein totales Schnäppchen.

Tuning-Tipps: Reifen mit Doubledown-Karkasse am Heck montieren | kauft eine Saisonkarte im Bikepark

Riding Characteristics

12

Uphill

1
  1. sluggish
  2. efficient

Agility

2
  1. cumbersome
  2. playful

Stability

3
  1. nervous
  2. confident

Handling

4
  1. demanding
  2. balanced

Suspension

5
  1. harsh
  2. plush

Fun Factor

6
  1. planted
  2. poppy

Value for money

7
  1. terrible
  2. very good

Intended Use

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Auch wenn das Canyon Torque vielleicht nicht das beste Enduro-Bike ist – als Bike für maximalen Fahrspaß und für den Einsatz im Bikepark ist es genial! Wenn ihr euren Fahrspaß in Whips und Fist Bumps messt und euch nicht die Bohne für Strava-Segmente interessiert, dann ist es wie für euch gemacht. Das Canyon Torque AL 6.0 ist am besten geeignet für Fahrer, die direkt neben einem Bikepark leben oder ein Shuttle-Unternehmen vor ihrer Haustüre haben. Mit dem Torque hält Canyon Freeride am Leben!

Tops

  • progressiver Hinterbau passt perfekt zum Zweck des Bikes
  • agil und verspielt in der Luft
  • ein echtes Schnäppchen mit grandioser Ausstattung

Flops

  • klettert sehr gemütlich
  • braucht einen stabilen Hinterreifen

Mehr Informationen findet ihr unter canyon.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste 2020er Enduro-Bike unter 3.500 € – 9 Bikes im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Torque AL 6.0 | GIANT Reign SX 29 (Zum Test) | Ibis Ripmo AF Coil (Zum Test) | MERIDA ONE-SIXTY 700 (Zum Test) | Nukeproof Mega 290 Expert (Zum Test) | Privateer 161 (Zum Test) | Propain Tyee CF (Zum Test) | Trek Slash 8 29 (Zum Test) | YT Capra Comp 29 (Zum Test)


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Text: Fotos: Trev Worsey, Finlay Anderson