Zwei Marken haben bei unserer Leserumfrage für mächtig Aufregung gesorgt: Santa Cruz und YT Industries. Santa Cruz baut eurer Meinung nach die besten Bikes, kaufen würden sich die meisten jedoch ein YT. Welche Marke das bessere Trailbike baut, haben wir bei diesem Duell herausgefunden. Ring frei für das Duell: Hightower vs. JEFFSY.

Eine große Gemeinsamkeit haben beide Bikes: Sie haben im letzten Jahr für mächtig Trubel und Aufmerksamkeit gesorgt. Die Frage, wer zur Hölle JEFFSY ist, hat wochenlang den Trailtalk dominiert. Und am Tag der Einführung des Hightower stand die Bikewelt gefühlt kurz still, so fasziniert war jeder von dem neuen Geschoss aus Kalifornien.

Echte Alleskönner – die Bikes für jedermann

Beide Räder sind echte Alleskönner. Dank ihrer großen 29″-Laufräder, gepaart mit jeweils rund 140 mm Federweg und einer leichten Ausstattung, sollen sie sowohl auf der schnellen Runde auf dem Hometrail als auch bei langen Abenteuertouren mit massig Höhenmetern bergauf wie bergab eine gute Figur machen. Aus diesem Grund haben wir sie auch genau so auf die Probe gestellt und waren mit den Bikes nicht nur auf schnellen, flowigen Singletrails, sondern auch im Bikepark unterwegs und haben in langen Stunden im Sattel die Tourentauglichkeit getestet.

Santa Cruz Hightower CC X01 AM

Santa Cruz Hightower CC X01 AM | 140 / 135 mm (v / h) | 12,80 kg | 7.499 €

Das Santa Cruz Hightower ist die neueste Kreation aus Kalifornien. Anders als viele vorherige Modelle der Amerikaner besitzt es eine aggressive Geometrie mit deutlich längerem Reach (450 mm Gr. L). Herzstück ist auch bei ihm ein VPP-Hinterbau. Dieser verfügt über 135 mm Federweg. Der Rahmen kann sowohl mit 29″ als auch 27.5+ Laufrädern gefahren werden, hier sollte jedoch via Flip-Chip an der unteren Dämpferaufnahme die Tretlagerhöhe angepasst werden. Santa Cruz empfiehlt beim 29er eine Federgabel mit 140 mm Federweg und bei Plus-Bereifung 150 mm. Der Rahmen ist in zwei Carbon-Ausführungen erhältlich, C oder CC. Die C-Modelle sind je nach Größe ca. 250 g schwerer, besitzen jedoch die gleiche Steifigkeit, Geometrie und Haltbarkeit wie die deutlich teureren CC-Rahmen.

Federgabel: RockShox PIKE RCT3
Dämpfer: RockShox Monarch RT3
Schaltung: SRAM X01
Bremse: SRAM Guide RSC
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Turbine
Lenker: Santa Cruz Carbon
Reifen: MAXXIS Minion DHR
Laufradgröße: 29″
Felgen / Naben: Race Face ARC 27 / DT Swiss 350

Klassiker
Typisch Santa Cruz: Auch das Hightower besitzt einen VPP-Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt. Dieser erwies sich im Test als äußerst antriebsneutral und steckte dennoch selbst härteste Schläge einfach weg.
Gut geschützt
Der dicke Kettenstrebenschutz schützt nicht nur die Carbonfasern, er dämpft auch sämtliche Geräusche einer schlagenden Kette und sorgt so für Ruhe.
Variabel
Mit dem in die Dämpferaufnahme integrierten Flip-Chip kann die Geometrie für die Verwendung von 29″ bzw. 27.5+ Reifen angepasst werden. Allerdings sollte laut Santa Cruz auch die Einbauhöhe der Federgabel angepasst werden – ein teures Upgrade.

YT JEFFSY CF PRO

YT JEFFSY CF PRO | 140 / 140 mm (v / h) | 12,46 kg | 4.499 €

Das YT JEFFSY war schon vor seiner Präsentation in aller Munde. Die Marketingkampagne zur Einführung des Bikes war genial! YT verspricht, dass das JEFFSY nicht nur optisch den bisherigen Bikes der Marke ähnelt, sondern auf dem Trail mindestens genauso viel Fahrspaß vermitteln soll. „Ein Trailbike mit YT-Genen“ lautet das Versprechen. Insgesamt sechs Modelle des JEFFSY hat YT aktuell im Angebot, drei mit Alu- und drei mit Carbonrahmen. Alle besitzen einen Flip-Chip in der unteren Dämpferaufnahme, über den der Lenkwinkel abgeflacht und das Tretlager abgesenkt werden kann – wir bevorzugten diese Einstellung im gesamten Test. Außerdem verfügen alle Rahmen über einen Boost-Hinterbau und sind auch mit einem 2-fach-Antrieb kompatibel – würden wir jedoch nicht empfehlen. Um ein optimal ausbalanciertes Handling zu garantieren, verfügt das YT bei Größe L und XL über eine um 5 mm längere Kettenstrebe (440 mm).

Federgabel: FOX 34 FLOAT FACTORY
Dämpfer: FOX FLOAT DPS FACTORY
Schaltung: SRAM X01
Bremse: SRAM Guide Ultimate
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Renthal Apex
Lenker: Renthal Flatbar Carbon
Reifen: Onza Ibex
Laufradgröße: 29″
Laufräder: DT Swiss XMC 1200 SPLINE

Super praktisch
Innenverlegte Züge sehen zwar schick aus, können aber auch ganz schön nerven! YT verlegt Schaltzug und Bremsleitung daher auf dem Unterrohr und vermeidet so nicht nur störendes Geklapper, sondern erleichtert auch den Service. We like!
Sonderanfertigung
Ein Trailbike braucht einen Flaschenhalter! Da im Rahmen des JEFFSY jedoch nur wenig Platz zur Verfügung steht, hat YT kurzerhand einen eigenen Halter inkl. Flasche entwickelt. Leider besitzt die Flasche lediglich ein Volumen von 0,5 l.
Rise it up!
YT weiß, wie wichtig die passenden Kontaktpunkte sind und spendiert dem JEFFSY einen Renthal-Carbonlenker mit 35 mm Rise. Er sorgt für Big-Bike-Feeling auf dem agilen Trailbike, nice!
Diese Bikes sind echte Alleskönner und überzeugen mit massig Fahrspaß – bergauf wie bergab!

Die nackten Zahlen

Betrachtet man die nackten Zahlen beider Bikes, fällt auf: Sie sind sich extrem ähnlich. Die Geometrie beider Räder unterscheidet sich nur um wenige Millimeter. Das Hightower besitzt einen um 5 mm längeren Reach (450 mm) und um 5 mm kürzere Kettenstreben, das JEFFSY hingegen einen um minimale 0,1° flacheren Lenkwinkel und einen um 0,4° steileren Sitzwinkel. Bei der Tretlagerabsenkung sind sich beide Bikes ebenfalls sehr ähnlich. Am Ende zählt das Gesamtkonzept, und das ist bei beiden Bikes durchaus ausgewogen. In Sachen Gewicht hat das JEFFSY die Nase vorn, es ist knapp 340 g leichter.

Helm Troy Lee A1 | Jersey ION TEE SS TRAZE_AMP | Short ION BIKESHORT TRAZE_AMP

Der Elefant im Raum

Eine Zahl steht bei diesem Vergleich von Anfang an wie ein Elefant im Raum: der Preisunterschied. Schließlich kostet das Santa Cruz Hightower satte 3.000 € mehr als das YT JEFFSY. Doch in diesem Test zählt vor allem eins: die Performance. Ob die gegebenenfalls den Mehrpreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, letztlich ist der Bike-Kauf ja auch eine sehr emotionale Sache. Das günstigste Carbon-Hightower ist ab 4.299 € erhältlich, das günstigste Carbon-JEFFSY ab 3.599 € bzw. in Aluminium ab 1.999 €.

Das Herzstück eines jeden Bikes – der Rahmen

Beide Bikes verfügen über einen extrem schicken Carbonrahmen mit smarter Zugführung und Boost-Hinterbau. Das Hightower punktet obendrein mit einem geschraubten Tretlager, das den Austausch erleichtert, und trumpft mit der Möglichkeit auf, das Rad auch mit Plus-Reifen zu fahren. Allerdings ist das Rad erst ab Rahmengröße Medium erhältlich – bitter für alle kleinen Fahrer, die so von vornherein ausgeschlossen werden und mit einem Bronson oder Tallboy Vorlieb nehmen müssen. YT hingegen bietet das JEFFSY in vier Rahmengrößen von S–XL.

Das JEFFSY fährt sich wie ein sehr gutes Trailbike, das Hightower hingegen nahezu wie ein potentes Enduro.

Die Kür aka die Ausstattung

Machen wir es kurz: Bei beiden Bikes gibt es bei der Ausstattung sehr viel Licht und kaum Schatten. Egal ob Antrieb, Bremsen oder Cockpit – alles top! Hier weiter ins Detail zu gehen ist unnötig, die Unterschiede sind marginal und oft von persönlichen Vorlieben abhängig. Das YT begeistert auf den ersten Blick außerdem mit den super teuren und leichten DT Swiss Carbon-Laufrädern, die sich jedoch im Verlauf des Tests als Schwachstelle entpuppten.

Up the hill – welches Bike klettert besser?

Uphill ist die Disziplin, in der sich beide Bikes keine Schwächen erlauben dürfen. Als klassische Trailbikes sind sie nicht nur dafür designt, dem Fahrer bergab ein dickes Grinsen ins Gesicht zu zaubern, sondern ihn auch entspannt zu jedem Gipfel zu bringen – und das tun sie beide sehr gut. Die Sitzposition ist nahezu identisch und jeweils sehr komfortabel. Beide Hinterbauten wippen auch im Wiegetritt kaum und sacken im steilen Gelände nicht weg. Beim JEFFSY empfiehlt sich jedoch der Griff zum Verstellhebel am Dämpfer, um optimalen Vortrieb zu erhalten, hier zeigt sich das Hightower noch antriebsneutraler. Unterschiede gibt es auch im Antritt und beim Komfort. Dank superleichter Carbonlaufräder und des geringeren Gewichts sprintet das JEFFSY williger nach vorn als das Hightower, auch wenn sein Hinterbau etwas mehr Flex besitzt. Im technischen Uphill bietet es allerdings nicht ganz den Komfort und die Traktion des Santa Cruz – natürlich beide Bikes im offenen Modus.

„29″ rocks! Nie waren die großen Laufräder spaßiger und potenter!“

Party Hard on the Downhill

Wie der Blick auf die Geometrietabelle bereits vermuten lässt, gibt es in Sachen Handling keine gravierenden Unterschiede. Beide Bikes begeistern mit hoher Agilität und setzen Richtungswechsel sehr direkt um. Als Fahrer steht man super integriert zwischen den großen Laufrädern und dank der Tretlagerabsenkung hat man in Kurven bei beiden viel Druck auf den Pedalen. Sowohl das JEFFSY als auch das Hightower sind extrem gut ausbalanciert, wodurch sich beide Räder sehr berechenbar navigieren lassen.

Helm Troy Lee A1 | Brille Oakley Jawbreaker | Jersey ION TEE LS SCRUB_AMP | Knieschoner ION K_LITE R | Short ION BIKESHORT SCURB_AMP

Auf flachen und flowigen Trails liefern sich die Bikes ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die progressiven Hinterbauten vermitteln viel Feedback und bieten sehr guten Popp, wodurch sich mit beiden Bikes sehr gut an Kanten abziehen lässt. Auch verspielte Fahrmanöver und Manuals machen mit beiden richtig Laune. Die geringe Überstandshöhe beider Bikes gibt dem Fahrer sehr viel Raum, sich auf dem Bike zu bewegen, top!

Die RockShox PIKE und die FOX 34 Factory arbeiten auf nahezu identischem, sehr hohem Niveau. Wird das Gelände jedoch rougher, zieht ein Bike klar davon: das Hightower. Trotz nominell 5 mm weniger Federweg klebt sein Hinterbau spürbar satter am Untergrund und bietet mehr Traktion. Das JEFFSY ist zwar nicht überfordert, bedarf jedoch eines deutlich beherzteren Fahrstils, um auf Kurs zu bleiben. Das Vorderrad des im Uphill sehr guten DT Swiss XMC 1200-Laufradsatzes flext trotz Carbonfelge in der Abfahrt deutlich, was sich speziell beim Anbremsen bemerkbar macht. Das JEFFSY fährt sich wie ein sehr gutes Trailbike, das Hightower hingegen nahezu wie ein potentes Enduro.

Fazit

In diesem Vergleich gibt es zwar einen klaren Sieger, aber keinen klaren Verlierer. Das Santa Cruz Hightower ist das potentere und vielseitigere Bike. Es klettert identisch gut, bietet mehr Komfort und hat bergab spürbar mehr Reserven, ohne sich dabei träger zu fahren. Doch auch das YT JEFFSY CF Pro hat weit mehr zu bieten als nur ein grandioses Preis-Leistungs-Verhältnis. Es ist ein Spaßbike erster Güte, das seinem Fahrer auf langen Touren und flowigen Trails ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubert und mit einer hervorragenden Verarbeitungsqualität überzeugt.

Mehr Informationen findet ihr unter santacruzbicycles.com und yt-industries.com!

Text & Fotos: Christoph Bayer