Laufräder in 27.5″ oder 27.5+? Flacher oder steiler Lenkwinkel? Lange oder kurze Kettenstreben? Das ROTWILD R.X1 FS EVO gibt sich multifunktional und bietet dem Fahrer zahlreiche Möglichkeiten, das 145-mm-Trailbike an seine Bedürfnisse anzupassen. Wir haben die EVO-Ausstattungsvariante eine Saison lang in den verschiedenen Einstellungen getestet – wie sie sich geschlagen hat und welches Setting uns am besten gefiel, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

ROTWILD R.X1 FS 27.5+ EVO (2016) | 13,59 kg | 4.999 €

Schon seit den Anfängen des Mountainbikesports träumen wir vom „Bike für alles“. Fahrer und Hersteller jagen der eierlegenden Wollmilchsau hinterher, die in allen erdenklichen Szenarien glänzen und sich auf jedem Trail genau richtig anfühlen soll. Und tatsächlich sind moderne Bikes dank neuer Entwicklungen und fortgeschrittener Technologien so vielfältig und leistungsfähig wie nie zuvor. Doch die Erfahrung zeigt auch, dass selbst die beste Geometrie irgendwann an ihre Grenzen stößt und man Kompromisse eingehen muss. Das hat auch ROTWILD erkannt und setzt beim R.X1 FS 27.5 statt auf Wischiwaschi-Geometrie auf einen variablen Rahmen, bei dem man Laufradgröße, Lenkwinkel und Kettenstrebenlänge aus insgesamt 6 Kombinationen selbst wählen kann.

Deutlich erkennbar: Mit dem Steuerrohr-Insert lässt sich der Lenkwinkel um 1,5° anpassen.

Das ROTWILD R.X1 FS – die eierlegende Wollmilchsau?

Während sich der Lenkwinkel klassisch per Angleset (+/- 1,5°) und mit etwas Zeit in der Werkstatt ändern lässt, ist die Kettenstrebenlänge dank der durchdachten Einsätze an den Ausfallenden in weniger als 5 min angepasst. Das geht so schnell und einfach, dass man das Bike auch im Alltag an die Charakteristik der geplanten Tour anpasst – sehr gut! Bei den mitgelieferten 27.5″-Laufrädern lässt sich sowohl die kurze (422,5 mm) als auch die lange (435 mm) Einstellung fahren. Wechselt man auf 27.5+ Laufräder, ist die lange Einstellung aus Platzgründen Pflicht.

Geometrie R.X1 EVO

Größe S M L XL XXL
Oberrohr 560 mm 595 mm 610 mm 635 mm 678 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 120 mm 130 mm 135 mm
Lenkwinkel 67.7 ° 67.0 ° 67.0 ° 67.0 ° 67.0 °
Sitzwinkel 74° 74° 74° 74° 74°
Reach 400 mm 423 mm 450 mm 475 mm 500 mm
Stack 591 mm 600 mm 610 mm 619 mm 628 mm
Maximale Reifenfreiheit: Die FOX 34 FLOAT 140 27.5+ FIT4 LSC Factory Kashima bietet auch Platz für Plusreifen.
Der FOX FLOAT 3-Pos DPS Evol LSC Factory-Dämpfer meistert auch wilde Abfahrten souverän.
Bissig, standfest und gut zu dosieren: Abgesehen vom regelmäßig wandernden Druckpunkt funktionierten die verbauten Shimano XT-Bremsen gut. Shimano hat das Problem inzwischen im Griff.
Die DT Swiss-Laufräder mit XM 481-Felgen überstanden die Saison klaglos.

Die Ausstattung des ROTWILD R.X1 FS EVO

Auch über die vielen Einstellmöglichkeiten hinaus weiß der Rahmen des ROTWILD R.X1 mit technisch-elegantem Design, innenverlegten Zügen, hochwertigem Finish und soliden Kugellagern zu gefallen. In Sachen Ausstattung setzt ROTWILD beim R.X1 FS 27.5+ EVO auf Bewährtes: ein hochwertiges FOX-Fahrwerk, ein 2-fach Shimano XT-Antrieb, bissfeste Shimano XT-Bremsen, stabile DT Swiss-Felgen, ein Crankbrothers-Cockpit und eine Kind Shock-Sattelstütze sind für 4.999 € ein fairer Deal, insbesondere in Anbetracht des hochwertigen Rahmens. Lediglich die verbauten Continental Mountain King Racesport-Reifen haben wir schon nach den ersten Ausfahrten gegen stärker profilierte Reifen getauscht, was gleich für deutlich mehr Spaß auf dem Trail sorgte.
Übrigens: Wer – wie wir – für sein Einsatzgebiet die Simplizität eines 1-fach-Antriebs bevorzugt, wird sich freuen, dass ROTWILD beim 2017er-Modell des R.X1 FS 27.5 auf das zweite Kettenblatt verzichtet.

Gabel: FOX 34 FLOAT LSC Factory Kashima 140 mm
Dämpfer: FOX FLOAT 3-Pos DPS Evol LSC Factory
Bremsen: Shimano XT
Sattelstütze: Kind Shock Lev Integra 150 mm
Vorbau: Crankbrothers Iodine 1
Lenker: Crankbrothers Cobalt 11 Carbon 780
Laufräder: DT Swiss XM 481 Rotwild Edition
Reifen: Continental Mountain King Racesport 27.5 x 2.4
Gewicht: 13,59 kg
Preis: 4.999 €

Der Shimano XT-Antrieb mit XTR-Schaltwerk erwies sich als gewohnt zuverlässig. Ebenfalls im Bild: das Insert zum Einstellen der Kettenstrebenlänge.
Mit zwei Kettenblättern ist man für alle Eventualitäten gerüstet.
Mit langem Radstand wird das ROTWILD zum Großwild.

Das ROTWILD R.X1 FS EVO auf dem Trail

Beim Aufsitzen gefällt die äußerst ausgewogene, zentrale Sitzposition mit ordentlich Druck auf der Front. Dank des langen Hauptrahmens ist das ROTWILD schon in der kurzen Einstellung angenehm laufruhig, ohne dabei träge zu wirken. Stellt man den Lenkwinkel auf die flache Einstellung (65,5°) und das Insert am Ausfallende in die „Long“-Position, wird das ROTWILD zum Großwild und verwandelt sich in eine Abfahrtsmaschine, die sich weder durch grobe Brocken noch durch fiese Stufen oder hohe Geschwindigkeiten aus der Ruhe bringen lässt. „Festhalten und laufen lassen“ lautet die Devise! Lediglich auf sehr steilen Abfahrten hätten wir uns eine etwas höhere Front gewünscht – hier schafft schon ein Lenker mit etwas mehr Rise schnelle Abhilfe.

Der Hinterbau des ROTWILD R.X1 FS 27.5+ EVO konnte voll überzeugen.

Unabhängig vom gewählten Geometrie-Setting konnte das Fahrwerk des ROTWILD R.X1 FS 27.5+ EVO voll überzeugen: Bergauf selbst bei offenem Dämpfer nahezu wippfrei und im Trail-Modus absolut antriebsneutral – zusammen mit dem breitbandigen 2-fach-Antrieb und der effizienten Sitzposition nimmt das R.X1 so auch langen und steilen Anstiegen den Schrecken. Lediglich das vergleichsweise hohe Gesamtgewicht (13,59 kg) macht sich hier etwas bemerkbar. Für rund 1.000 € Aufpreis bietet ROTWILD mit dem R.X2 eine Carbonversion der gleichen Geometrie an, die rund 800 g leichter ist.

Das ROTWILD fühlt sich auch in anspruchsvollerem Terrain zu Hause.

Auf dem Trail erfreut das ROTWILD mit herausragender Traktion und einer sportlich-straffen Abstimmung, die eine aktive Fahrweise fördert und es ermöglicht, aus jeder Bodenwelle und jedem Anlieger ordentlich Schwung mitzunehmen – fantastisch. Speziell in der Einstellung mit langem Radstand (lange Kettenstrebe, flacher Lenkwinkel) kann das X1 selbst in anspruchsvollem Gelände mit vielen 160-mm-Enduros mithalten. Weniger Komfort, aber gleicher Speed: nicht schlecht für ein 145-mm-Trailbike!

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Die Saison mit dem ROTWILD R.X1 FS 27.5″

Abgesehen von den obligatorischen Feierabendrunden auf den eher harmlosen Trails rund um Stuttgart standen für das ROTWILD im Saisonverlauf auch einige echte Herausforderungen auf dem Programm. Doch egal ob liftunterstützte Tiefenmeterjagd auf den EWS-Strecken in Samoëns und La Thuile, Shuttle-Urlaub in Finale Ligure oder der gelegentliche Bikepark-Besuch, das R.X1 FS 27.5 meisterte alles mit Bravour und steht auch jetzt noch gut da. Dämpferbuchsen, Lager, Lack, Laufräder – alles spitze! Lediglich die Kind Shock-Sattelstütze neigte gegen Ende gelegentlich zum Verkanten und erforderte entsprechend etwas Feingefühl bei der Betätigung. Das Fahrwerk, insbesondere die Gabel, ist jetzt reif für einen Service – absolut im Rahmen nach so einer Saison. Die meiste Zeit waren wir mit flachem Lenkwinkel und robusteren Reifen als den original verbauten Continental Mountain King unterwegs, die Kettenstrebenlänge haben wir häufig variiert.

Fazit

Nach einer Saison steht fest: Das ROTWILD R.X1 FS 27.5 ist ein zuverlässiger Allrounder, der sowohl bergauf als auch bergab mit seiner ausgewogenen Geometrie und dem klasse Fahrwerk glänzt. Über die verschiedenen Optionen zur Geometrieanpassung lässt sich das vielseitige Bike noch weiter an die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Wer Wert auf ein leichtes Bike legt, sollte auch die Carbonversion, das ROTWILD R.X2 FS 27.5, in Betracht ziehen.

Mehr Informationen zum R.X1 FS 27.5+ auf der Rotwild Website

Text: Aaron Steinke Fotos: Christoph Bayer

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