Hometrails langweilig, Wetter bescheiden, kein Geld für den neuen Carbonrahmen – vergesst ihr manchmal auch ganz kurz, warum ihr Biken eigentlich so grandios findet? Dann ist der siebenjährige Lois der richtige, um euch dran zu erinnern. Und um zu erklären, was Eltern unbedingt auf Touren dabei haben müssen.

Hallo, ich bin Lois! Ich bin sieben Jahre und gehe in die zweite Klasse. Ich fahre gerne Fahrrad, am liebsten runter. Mein zweitliebstes Hobby ist Fußball – aber das macht lange nicht so viel Spaß, da fehlt die Action.
Zum Glück macht Fahrrad fahren meinen Eltern auch viel Spaß. Sie bringen anderen sogar bei, wie es richtig geht. Aus diesem Grund verbringe ich im Sommer viele, viele Stunden auf meinem Frechdax.

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Aller Anfang ist hart pink

An mein erstes Bike kann ich mich gut erinnern. Es war nämlich pink! Das alte Puky-Laufrad von meiner großen Schwester Leni. Leni fährt auch gerne Bike. Sie ist 11 Jahre alt. Mir hat das echt nix ausgemacht, dass ich ein Mädchenrad hatte. Weil ich damit Tricks machen konnte, die sonst keiner bei uns in der Straße gemacht hat. Eines Tages kam Papa vom Flohmarkt und hat mir ein blaues Bike mitgebracht. Es stand der gleiche Name drauf wie auf seinem. Das fand ich echt cool.

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Wo die coolen Kerle springen

„Angst habe ich nur, wenn es richtig, richtig steil ist.“

Mit dem blauen Bike bin ich meistens nur von zu Hause zum Kindergarten und so geradelt. Aber mit dem Streamliner, den ich danach bekommen habe, konnte ich richtig ins Gelände. Das hatte Federung und vorne eine Scheibenbremse und ich konnte immer über Hindernisse drüberfahren. Letzten Sommer waren wir in einem großen Bikepark. Da gab es riesige Sprünge, wo die coolen Jungs drüber sind. Mir taten immer die Hände so weh, wenn es lange ohne Pause runterging. Da haben alle gesagt: „Du brauchst andere Bremsen.“ Jetzt hab ich ein Bike mit Scheibenbremsen vorne und hinten. Da kann ich ganz lange ohne Pausen runterfahren. Meine Lieblingsstrecke ist in Sölden die Teäre Line. Das ist eine Art Murmelbahn für Bikes. Früher musste ich da mindestens fünf oder sechs Mal anhalten. Ich hab dann immer „Stopp“ gerufen, damit Mama oder Papa auch bremsen konnten und wussten, dass ich eine Pause brauche. Da hatte ich manchmal Angst, dass meine Finger die Bremse nicht mehr ziehen können. Mit den neuen Bremsen geht es jetzt super.

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Kleines Bike, große Träume und ein riesiges Luftkissen

Mein neues Bike heißt Frechdax – das ist so cool. Voll die gute Federung! Wir haben Papa beim Freeride-Camp in Livigno besucht. Wir haben gecampt und ich konnte gleich morgens aus dem Bus raus und auf mein Bike. Da gab es ein Luftkissen und ich wollte unbedingt da reinspringen, aber Mama wollte mich nicht springen lassen. Sie hat manchmal ganz schön Angst. Und dann ruft sie meist Papa an und fragt ihn, ob ich das springen oder fahren darf. Mama hat gesagt, dass ich warten muss, bis Papa mit seiner Gruppe kommt. Das war schon mal ein gutes Zeichen. Der Anlauf war auch echt krass, der war steil. Aber ich hab mir schon die ganze Zeit angeschaut, wie die anderen das machen. Als Papa dann da war, zeigte er mir, wo ich losfahren kann, damit ich schnell genug bin. Denn von dem Sprung, und der ist aus Eisen, ist bis zum Kissen eine große Lücke. Papa hat dann ein Zeichen gegeben, wann ich losfahren kann. Ich war ganz schön aufgeregt, aber als ich losgerollt bin, war es super und plötzlich – wupp – war ich in der Luft, und Papa hat gesagt, dass ich ja den Lenker festhalten soll die ganze Zeit. Hab ich auch gemacht, und ich war ganz schön lange in der Luft. Oh, ich war so stolz! Mama hat gar nicht hingeguckt, so viel Angst hatte sie. Braucht sie doch nicht.

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Immer diese großen Schwestern

Natürlich schmeißt es mich auch manchmal … Vor Kurzem bin ich mit Papa zum ersten Mal auf die Zache Line in Sölden, da sind zwei ganz schön steile Abfahrten. Da hab ich echt richtig Angst gehabt und am schlimmsten war, dass mir meine große Schwester zeigen wollte, wie sie es schafft. Sie gibt dann immer so an. Aber Papa hat sich dann in eine Kurve reingestellt und mir gezeigt, wo ich hinschauen soll. Dann bin ich durchgekommen und die nächste ging dann auch.
Und dann kam so ein Sprung, den hab ich schon mal geschafft, und jetzt bin ich wieder hin und voll schräg geflogen. Auf dem Holzbalken gelandet und zur Seite runtergefallen. Voll auf so einen Felsen und in die Brombeeren, das war so blöd und tat voll weh am Ellenbogen. Ich hab richtig geweint. Erst wollte ich nicht mehr fahren, aber nur, weil ich sauer war auf mich. Ich kann das nämlich. Aber wir haben dann kurz Pause gemacht, Mama hatte Gummibärchen und was zu trinken für mich. Mama hat auch kurz mit Papa geschimpft. Sie wollte nämlich nicht, dass ich da springe. Aber sie hat dann auch Gummibärchen gegessen und sich beruhigt und wir sind alle weitergefahren. Das nächste Mal schaff ich es! Angst hab ich eigentlich nur, wenn es ganz steil runtergeht. Aber wenn Papa sich dann hinstellt, dann fahr ich immer. An Papa find ich super, dass er mich fast alles probieren lässt. Klar tu ich mir manchmal schon weh, aber es macht halt trotzdem richtig Spaß. Manchmal sagt er aber auch, dass jetzt Feierabend ist, obwohl ich gern noch länger fahren würde.

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Bergauffahren nervt!

„Bergauffahren nervt! Ich will, dass es bergab geht!“

Mama will manchmal auch längere Biketouren mit mir fahren, bergauf halt. Da wünschte ich mir, ich hätte auch mehr Gänge, so wie meine große Schwester. Deshalb binden Mama oder Papa manchmal auch einen Schlauch an meinen Lenker und an ihr Bike. So können sie mir ein bisschen helfen, wenn es länger hochgeht. Meine Schwester muss da immer selber hochfahren. Aber eigentlich find ich hochfahren doof.

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Das nächste Ziel

Zu Hause geh ich mit meinem Bike auch auf die Skateboardbahn um die Ecke. Da kann man super Tricks üben und meine Eltern müssen da nicht mit. Mein größter Wunsch ist, dass ich einen Wheelie lerne. Mein Kumpel Ben kann ihn, aber der ist auch schon älter. Jetzt geh ich bis zum Winter immer ins BMX-Training. Da lerne ich noch besser springen und vielleicht kann ich dann auch bald einen Wheelie.

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Text: Karen Eller / Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer