Obwohl er so klein und unscheinbar ist und seine Aufgabe doch eher überschaubar scheint, gibt es eine Fülle von Varianten des guten, alten Reifenhebers. Wir haben die beliebtesten Modelle unter die Lupe genommen, um den besten zu finden.

Sie fristen ihr Dasein in der dunkelsten Ecke eures Rucksackes, bis Stein auf Felge trifft oder ein Dorn stärker ist als eure Karkasse. Unter uns: Wie viele Gedanken habt ihr bisher daran verschwendet, wenn ihr euch einen Reifenheber gekauft habt? Wenn ihr überhaupt einen gekauft und nicht einen als Werbegeschenk abgegriffen oder einem Kumpel abgeluchst habt!

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Die Reifenheber, die wir getestet haben, hatten die verschiedensten Formen und dienten doch alle dem gleichen Zweck. Sie unterschieden sich trotzdem, wenn es um Handling, Flexibilität und Effektivität geht. Vielleicht solltet ihr euren Rucksack mal ausleeren, Kleingeld und Reifenheber aufsammeln und die Wahl des Letzteren überdenken. Die Modelle, die wir getestet haben, sind günstige Varianten, die für den Rucksack gedacht sind und nicht für die Werkstatt.

Was macht einen guten Reifenheber aus?

Preis

Beim Kauf eines solch einfachen Werkzeugs ist vor allem der Preis entscheidend, denn niemand will unnötig Geld aus dem Fenster werfen!

Leistung

Alle Reifenheber bringen den Reifen von der Felge, bei manchen braucht es mehr Kraft (und Fluchen) als bei anderen. Was die Heber wirklich unterschied, war die Fähigkeit, unter die Reifenwulst zu kommen und sich dort festzuklammern, bis der Reifen von der Felge gewuchtet war.

Nutzerfreundlichkeit

Da es kompakte Reifenheber für unterwegs sein sollten, haben wir darauf geachtet, wie viel Platz sie verbrauchen, ob und wie gut sie zusammensteckbar sind und wie sie sich beim Gebrauch anfühlen.

Langlebigkeit

Einer der wichtigsten Faktoren! Wir wollen natürlich alle Reifenheber, die lange halten und nicht wie ein Zahnstocher auseinanderbrechen, wenn wir gerade einen Reifen wechseln wollen. Die Front wird beim Weg unter den Reifen ganz schön geschunden und je nach Plastik beeinflusst auch das schnell die Leistung.

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Wie wir die Reifenheber getestet haben

Wir haben einen sehr strengen und wissenschaftlichen Testprozess durchgeführt – wir haben Reifen gewechselt. Die Reifen wurden auf 25 psi aufgepumpt, abgelassen und dann von der Felge gezogen. Dabei haben wir auf verschiedene Faktoren wie Komfort, Einfachheit und Verwindung geachtet und diese den Aspekten Langlebigkeit, Preis und Gewicht entgegengesetzt.

Der beste Reifenheber: Pedros-Reifenheber

Preis: 3,99 € Gewicht: 22 g
Preis: 3,99 € Gewicht: 22 g

Auf der Verpackung prangt die Phrase „ergonomisch geformt“, die Pedros schmeicheln der Hand und halten damit dieses Versprechen. Steckt man sie unter den Reifen, gleiten sie einfach unter die Wulst und heben den Reifen gut von der Felge. Trotz ihrer dickeren Bauart sind sie aber nicht vor einem Abrutschen gefeit. Das Material der Pedros ist dick, hart und unnachgiebig, was für eine lange Lebensdauer spricht. Dies wird unterstützt von der „lebenslangen Garantie“, die Pedros gibt. Damit sind sie unsere Testsieger. Klein genug für die Tour, aber robust genug für die Werkstatt – die Pedros lassen euch nicht im Stich.

Dicht auf den Fersen: Der Schwalbe-Reifenheber

Preis: 4,90 € Gewicht: 14 g
Preis: 4,90 € Gewicht: 14g

Der Reifenheber von Schwalbe übt sich im Vergleich zu seinen Konkurrenten beim Design in Understatement. Seine Funktionalität hebt ihn jedoch deutlich hervor. Er ist sehr dünn und gleitet leicht unter den Reifen, das Abziehen des Reifens klappt hervorragend und ohne Abrutscher. Der Schwalbe ist ein Reifenheber, der einen überall hin begleitet: minimalistisch, leicht und absolut praktikabel! Die Kehrseite der dünnen Spitze ist, dass sie leichter abbricht als andere, was beim Punkt Langlebigkeit Abzüge gibt. Auch wenn der Schwalbe-Reifenheber die beste Performance lieferte, trat er der Langlebigkeit und Robustheit wegen hinter dem Pedros zurück. Solltet ihr euch trotzdem für ihn entscheiden, werden Schimpftiraden euren Reifen gegenüber dennoch der Vergangenheit angehören.

Continental MTB-Reifenheber

Preis: 2,99 € Gewicht 11 g
Preis: 2,99 € Gewicht 11 g

Die Continental-Reifenheber kommen dem klassischen Bild eines Reifenhebers wohl am nächsten, auch wenn sie recht schmal wirken, wenn man sie in der Hand hat. Beim Reifenabziehen lieferten sie anständige Arbeit, taten sich dabei aber weder positiv noch negativ hervor. Die Spitze ist lang und recht dick, weswegen sie nicht so einfach unter den Reifen gleitet wie andere Modelle, dafür rutscht man mit den Continental aber nicht ab. Das Material ist anfällig für Abplatzer; es ist trotzdem recht flexibel und scheint nicht spröde zu sein, weshalb es sich verbiegt, bevor es bricht.

Crankbrothers Speedier-Reifenheber

Preis: 7,99 € Gewicht 27 g
Preis: 7,99 € Gewicht 27 g

Beim ersten Zupacken fühlten wir uns bei den Crankbrothers und ihrer ergonomischen Form gut aufgehoben, sogar die Knöchel waren geschützt. Die Spitze gleitet leicht unter den Reifen und macht das Abziehen einfach, ohne abzurutschen. Die Montage-Seite ist eine clevere Idee, um bei der Reifenmontage den Schlauch nicht zu beschädigen. Das funktionierte gut, bis die Crankbrothers im letzten Viertel, als es enger wurde, zwischen Reifen und Felge stecken blieben.

Park Tool TL 4 (ersetzt durch TL 4.2)

Preis: k. A. Gewicht: 16 g
Price: n/a Weight: 16 g

Die Park Tool-Reifenheber fühlen sich klein in der Hand an und haben keinen wirklichen Hebel, um den Reifen anzuheben. Der Hochglanzlook ist nicht griffig und alles andere als das, was man sich bei einer regnerischen Notfallreparatur neben dem Trail wünschen würde. Die aufgeraute Oberfläche ist eine gute Idee, die man leider durch ein großes Logo mit der gleichen rutschigen Beschaffenheit zunichte gemacht hat. Das Plastik ist widerstandsfähig und wird lange halten, die Form ist angenehm und sorgt für ein bequemes Verstauen im Rucksack.

Unior-Reifenheber

Preis: 2,50 € Gewicht: 17 g
Preis: 2,50 € Gewicht: 17 g

Nimmt man die Unior in die Hand, fällt sofort die angenehme Haptik der griffigen, matten Oberfläche auf, die sogar eine Mulde für den Daumen bietet und gut in der Hand liegt. Leider setzte sich das nicht in der Performance fort, denn die Unior rutschten häufig ab. Sie waren unter den dicksten und härtesten Reifenhebern im Test, ihre Langlebigkeit sollte also hervorragend sein. Die Tatsache, dass im Set vier Reifenheber enthalten sind, macht die Montage einfach. Ein einzelner von ihnen kommt aber leider nicht an die Leistung der Konkurrenten heran.

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Text & Fotos: Ross Bell