Eine gute Federgabel ist wie eine E-Gitarre: Trotz vor Anstrengung weißer Fingerknöchel und voll aufgedrehter Lautstärke lässt sie euch auf dem Trail euer Solo spielen! Zwar kann man mit allen Federgabeln fahren, aber nur mit den besten könnt ihr abgehen wie Angus Young, wenn er bei AC/DCs „Back in Black“ die Seiten seiner Gitarre malträtiert. Wir haben neun der heißesten Federgabeln mit 150–160 mm auf dem Markt getestet, um herauszufinden, mit welcher man am besten abgehen kann.

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Was macht eine gute Federgabel aus?

„Die besten Federgabeln geben den gesamenten federweg nur frei, wenn man es auch wirklich braucht.“

Eine Federgabel soll die gröbsten Schläge auf dem Trail aufsaugen und dabei sensibel genug sein, um auch kleinere Schläge zu schlucken und dennoch direktes Feedback vom Untergrund zu vermitteln. Im Inneren befinden sich zwei Hauptkomponenten: die Luftfeder und die Dämpfung. Die Luftfeder nimmt die Aufschlagenergie auf, isoliert so den Trail vom Fahrer und speichert die Energie. Die Dämpfung steuert die Geschwindigkeit, mit der die Feder auf die Einschläge reagiert, und verwandelt die gespeicherte Energie in Wärme um. Die besten Dämpfungen reagieren schnell auf kleine Schläge und Unebenheiten, bleiben aber auch bei großen Schlägen oder in Steilkurven kontrolliert und bieten so eine hohe Fahrstabilität. Die besten Federgabeln sacken beim Bremsen oder bei Gewichtsverlagerungen nur geringfügig ein und geben den gesamten Federweg nur frei, wenn man es auch wirklich braucht. Außerdem lassen sie sich einfach auf alle Trail-Begebenheiten einstellen, ohne das man einen Doktor in Fahrwerkseinstellung gemacht haben muss.

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Was es bei Federgabel zu beachten gilt

Die Achse: Bei den meisten Gabeln kommt inzwischen eine 15-mm-Steckachse zum Einsatz, die werkzeugfrei geklemmt wird. Manche Hersteller wie FOX setzen in
Einzelfällen immer noch auf eine geschraubte Klemmung, die zwar leichter und steifer ist, zur Entnahme des Rades aber auch Werkzeug voraussetzt. Lösungen mit einem Schnellspannsystem sind gut für alle, die ihr Vorderrad oft herausnehmen müssen, um bspw. das Bike im Auto zu verstauen.

Boost: Die meisten Federgabeln sind schon mit dem neuen Boost-Standard verfügbar. Diese Federgabeln besitzen eine 110 mm breite Achsaufnahme statt der üblichen 100 mm. Dadurch wird der Speichenwinkel flacher, was den Flex reduziert und neben der erhöhten Stabilität auch den Einbau breiterer Reifen ermöglicht.

Losbrechmoment: Um das Fahrwerk in Gang zu setzen, muss zuerst das Losbrechmoment überwunden werden. Je geringer diese Kraft ist, desto sensibler ist die Gabel bei kleinen Schlägen. Es kommen oft Negativfedern zum Einsatz, die gegen die Hauptfeder arbeiten, um das Losbrechmoment zu reduzieren.

Casting/Tauchrohre: Vor wenigen Jahren litten viele Modelle noch unter hohem Flex und mangelhafter Spurtreue, aber neue Designs und Materialien brachten massive Verbesserungen in Sachen Stabilität und Steifigkeit. Die Standrohre der Trail-Gabeln sind 34–36 mm dick und damit ausreichend steif. Doch die steifste Gabel liefert nicht unbedingt die beste Performance, denn sie bietet keinerlei Flex, ist zu direkt und dadurch oft sehr anstrengend zu fahren.

SAG: Der SAG, auch Negativfederweg genannt, beschreibt die Differenz zwischen dem durch den Fahrer belasteten Fahrwerk und der unbelasteten Neutralstellung. Der SAG erlaubt es der Gabel, Schlägen nicht nur nachzugeben, sondern Unebenheiten im Trail auch zu folgen und so Traktion und Kontrolle zu bewahren.

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Dämpfung: Die Dämpfung absorbiert die Energie von Schlägen, indem sie Bewegungsenergie in Reibung durch den Fließwiderstand des Öls umwandelt. Wenn die Federgabel komprimiert wird, fließt das Öl durch winzige Öffnungen, die zusammen mit den Shims die Geschwindigkeit des Einfederns regeln, Schläge abdämpfen und so die Kontrolle des Fahrers erhöhen. Ohne Dämpfung hätte man nur einen Pogo-Stick.

High Speed Compression: Die High Speed Compression (HSC oder Highspeed-Druckstufe) absorbiert die Energie schneller Schläge. Eine zu geringe HSC lässt die Gabel durch den Federweg rauschen, zu viel macht die Gabel hart und unsensibel.

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Plattform-Dämpfung: Manche Gabeln sind mit einer Plattform-Dämpfung ausgestattet, die für ein fast vollständiges Verhärten und dadurch für eine gesteigerte Effizienz bei Anstiegen und auf Asphalt sorgt. Wer öfter auf Asphaltstraßen fährt, sollte diese Funktion im Hinterkopf behalten. Da die Dämpfungen immer besser werden, findet man kaum noch ein klassisches Lock-out die im Vergleich zu Plattformdämpfungen auch bei harten Schlägen nicht überwunden werden können.

Low Speed Compression: Die Low Speed Compression (LSC oder Lowspeed-Druckstufe) regelt die Funktion der Federgabel bei langsamen Bewegung, wie sie beim Bremsen oder bei der Gewichtsverlagerung auftreten. Eine zu geringe LSC sorgt für ein Wegsacken der Gabel beim Anbremsen, im Wiegetritt oder in engen Kurven. Zu viel LSC macht die Federgabel unsensibel und unkomfortabel.

Zugstufendämpfung/Rebound: Die Zugstufendämpfung regelt, wie schnell die Federgabel nach dem Einfedern wieder ausfedert. Eine zu geringe Zugstufe lässt die Gabel zu schnell ausfedern und macht sie unruhig und unkontrolliert. Zu viel Zugstufendämpfung wiederum macht die Gabel so langsam, dass sie nicht mehr schnell genug auf Schläge reagieren kann und immer weiter einfedert.

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Federkennlinie: Das Volumen in der Luftkammer definiert die Federkennlinie. Eine lineare Kennlinie bewegt sich gleichmäßig durch den Federweg, während die Feder bei einer progressiven Kennline härter wird, je weiter man einfedert. Bei manchen Federgabeln kann man Volumenspacer verbauen, um das Luftvolumen der Kammer zu reduzieren und so die Kennlinie progressiver zu gestalten. Racer und aggressive Fahrer bevorzugen meist eine progressive Kennlinie, um Durchschläge bei schnellen oder größeren Schlägen zu verhindern.

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Das Testfeld: die üblichen Verdächtigen

Bei unserem Test haben wir neun der spannendsten Federgabeln an ihr Limit gebracht. Modelle mit bis zu 160 mm Federweg müssen leicht sein, ohne bei harten Einsätzen in den Alpen oder bei endlosen Runden im Bikepark zu versagen. Wir hatten natürlich die üblichen Verdächtigen im Programm: die legendäre FOX 36 FLOAT Factory mit dem neuen E16-Dämpfungs-Setup, die RockShox Lyrik und die heiß begehrte BOS Deville FCV. Aber es waren auch aufregende Exoten am Start, wie die dem Motorsport entwachsene Öhlins RFX 34, die von Bikern für Biker gebaute DVO Diamond und die Manitou Mattoc, die Manitou wieder zurück an die Spitze bringen soll. Underdogs gab es auch, z. B. die leichtgewichtige FOX 34 FLOAT Factory und die RockShox PIKE, die beide bei diesem Vergleich deutlich über ihrer Gewichtsklasse kämpfen, oder die deutlich günstigere SUNTOUR DUROLUX, die für alle interessant ist, denen der Preis nicht ganz egal ist. Nach einer schwierigen Zeit ist auch Marzocchi wieder am Start und war heiß darauf, ihre neue Enduro 350 CR mit 160 mm Federweg in den Kampf zu senden – aber leider kam die Federgabel nicht rechtzeitig zu unserem Test an. Klar gibt es noch mehr Federgabeln, doch aufgrund eingeschränkter Verfügbarkeit mussten wir uns auf die wichtigsten Modelle beschränken.

Marke Federweg Gewicht Einbauhöhe Preis
DVO Diamond 150 mm • 160 mm 2.190 g 555 mm 1.049 €
FOX Factory 34 Float 110mm • 120mm • 130 mm • 140 mm • 150 mm • 160 mm 1.800 g 543 mm 1.159 €
FOX Factory 36 Float 100mm • 140 mm • 150 mm • 160 mm • 170mm • 180 mm 2.006 g 549 mm 1.259 €
Öhlins RXF 34 120mm • 140 mm • 160 mm 2.100 g 570 mm 1.218 €
Manitou Mattoc Pro 558 140mm • 150 mm • 160 mm 1920 g 555 mm 750 €
BOS DEVILLE RaRe FCV 150 mm • 160 mm 1990 g 556 mm 1.300 €
RockShox Pike RCT3 140 mm • 150 mm • 160 mm 1850 g 542 mm 1.075 €
RockShox Lyrik RCT3 160 mm • 170 mm • 180 mm 2090 g 552 mm 1.075 €
SR Suntour Durolux R2C2 160 mm • 170 mm • 180 mm 2.350 g 563 mm 699 €

DVO Diamond | 2.190 g | 1.049 €
DVO Diamond | 2.190 g | 1.049 €

Fox Factory 34 Float | 1,800 g | 1,159 €
FOX Factory 34 Float | 1.800 g | 1.159 €

Fox Factory 36 Float | 2,006 g | 1,259 €
FOX Factory 36 Float | 2.006 g | 1.259 €

Öhlins RXF 34 | 2,100 g | 1,217 €
Öhlins RXF 34 | 2.100 g | 1.217 €

Manitou Mattoc Pro 558 | 1,920 g | 7,9,99 €
Manitou Mattoc Pro 558 | 1.920 g | 750 €

BOS DEVILLE RaRe FCV | 1,990 g | 1,300 €
BOS DEVILLE RaRe FCV | 1.990 g | 1.300 €

RockShox Pike RCT3 | 1.850 g
RockShox Pike RCT3 | 1.850 g | 1.075 €

RockShox Lyrik RCT3 | 2,090 g
RockShox Lyrik RCT3 | 2.090 g | 1.075 €

Suntour Durolux R2C2 | 2.350 g | 699 €
SR Suntour Durolux R2C2 | 2.350 g | 699 €

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.