Gutes Erbgut kann man nicht verstecken. Wenn man die Finger um die Deathgrip-Griffe des DMR SLED schließt, wird der DMR Wing-Lenker zu einer 800 mm langen Erweiterung des Arms. Schon hier spürt man den Spirit des Bikes und seiner Marke, die eine ganze Generation dazu gebracht hat, mit Schaufeln bewaffnet in die Wälder zu ziehen.

DMR SLED | 160/160 mm | 14,7 kg | 3.499 £

Diesen Januar schlug das DMR SLED ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel. DMR ist eher bekannt für „Hardcore“-Stahl-Hardtails und Big Bikes, die für filmreife Airtime gebaut wurden. Niemand hatte erwartet, dass die Briten mit einem 160-mm-Endurobike um die Ecke kommen würden. Das SLED besitzt schnittige Linien und eines signalrote Lackierung (es ist aber auch in Schwarz erhältlich). Alles in allem sieht es ganz so aus, als müsste man sich auf einiges gefasst machen, als müsste man es beinahe fürchten. Die harten Zahlen unterstützen die flache und aggressive Optik, 65,5° Lenkwinkel erscheinen uns als gute Wahl, der Reach von 462,3 mm (in L) passt perfekt dazu. Die geringe Überstandshöhe des Bikes erlaubt es Fahrern, zum größeren Modell zu greifen, falls sie sich noch mehr Reach wünschen. Die 430 mm langen Kettenstreben sorgen für eine gute Balance und machen Manuals und das Durchpreschen von Anliegern zum Kinderspiel, sie bewahren aber genug Stabilität für Abfahrten mit Mach 3. Mit 14,7 kg Gewicht ist das SLED kein Leichtgewicht, der 74°-Sitzwinkel und der geräumige Reach sorgen trotzdem für unangestrengte Tage im Sattel.

Die Ausstattung des DMR SLED

Gabel: RockShox Pike RCT3 160 mm
Dämpfer: RockShox Monarch RT3 Debonair 160 mm
Bremsen: SRAM Guide-R
Antrieb: SRAM GX
Sattelstütze: X-Fusion 125 mm
Vorbau: DMR Defy50+
Lenker: DMR Wingbar 780
Laufräder: DMR Zone 275
Reifen: WTB Convict 2.5 TCS Light / WTB Trailboss 2.4 TCS Light FR

Beim Blick auf die Komponenten wird schnell klar, dass DMR hier den Fokus auf Spaß und Haltbarkeit gelegt hat. Der Rahmen aus 6051er-Aluminium wird kombiniert mit stabilen Umlenkungen, großen Industrielagern und Drehpunkten, die auch einem Supermotobike stehen würden. Das SLED ist ein Bike für alle, die fahren und nicht reparieren wollen. Das bewährte 73-mm-Innenlager freut alle, die viel fahren. Der massive Eindruck setzt sich beim Cockpit fort, wo der 35 mm lange DMR Defy-Vorbau den DMR Wing-Lenker mit 20 mm Rise klemmt. Die DMR Axe-Kurbel ist so flexibel wie ein Katholik bei der Heiratsfrage und die SRAM GX-Gruppe ist zwar nicht so exklusiv wie teurere Gruppen, verrichtet aber tadellos ihren Dienst und ist im Fall der Fälle günstig zu ersetzen. In Deutschland ist das SLED leider nur als Frame-Set erhältlich.

Jacke Race Face Agent | Hose Alpine Stars Drop 2 | Helm Sweet Protection Bushwhacker | Brille BBB Summit BSG50

Das DMR SLED im Detail

Für die Ewigkeit gemacht
Die Umlenkung samt Lagern sind groß und breit abgestützt. Ja, das bringt etwas mehr Gewicht, dafür aber auch Haltbarkeit.
Zwei Arme für ein Hallelujah
TDie massiven, hohlgeschmiedeten Kurbelarme der DMR AXE sind super stabil und steif.
Unterbesetzt
Eine Teleskopstütze ist Pflicht, die X-Fusion Manic besitzt mit 125 mm jedoch etwas wenig Verstellbereich.
Das Herz der Maschine
Der Orbit Link-Hinterbau hat ein großes, konzentrisches Lager, das das Tretlager umschließt und euch auf dem Trail eine Menge Grip und Kontrolle gibt.

Die Geometrie des DMR SLED

Größe S M L XL
Oberrohr 595 mm 615 mm 635 mm 650 mm
Steuerrohr 115 mmm 115 mm 115 mm 125 mm
Sattelrohr 375 mm 425 mm 450 mm 470 mm
Lenkwinkel 65.5 ° 65.5 ° 65.5 ° 65.5 °
Sitzwinkel 74 ° 74 ° 74 ° 74 °
BB Drop 10 mm 10 mm 10 mm 10 mm
Kettenstrebe 430 mm 430 mm 430 mm 430 mm
Radstand 1169 mm 1189 mm 1209 mm 1225.5 mm
Reach 422.3 mm 442.3 mm 462.3 mm 473.7 mm
Stack 592.2 mm 592.2 mm 592.2 mm 601.2 mm

Das DMR SLED auf dem Trail

Das Highlight am Rahmen ist das prägnante Orbit Link-Fahrwerk, entworfen von David Earle von Sotto Group. Das VPP-Design hat einen großen, konzentrischen Drehpunkt um das Innenlager, was für Steifigkeit sorgt und den Ingenieuren erlaubte, an der Kennlinie zu feilen. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Die Kinematik und der angepasste RockShox Monarch RT3-Dämpfer passen perfekt zur DNA des Bikes: am Anfang schön soft, um auch mal ein Steinfeld überstempeln zu können, gefolgt von einem progressiven Abschnitt, um perfekt mit Schwung über größere Jumps zu fliegen. Das tiefe Oberrohr erlaubt es, das SLED spielerisch durch Kurven zu dirigieren. Der Hinterbau klebt wie mit Klett am Boden und auch in Kurven oder bei „Oh Fuck“-Bremsungen mit der SRAM Guide R konnten wir ihn nicht aus der Ruhe bringen. Das Fahrgefühl ist das eines Range Rovers mit einem V8 Supercharged-Motor: absolut entspannt und laufruhig und doch stets bereit, mit voller Gewalt loszusprinten. Wer auf epische Ausfahrten steht und auf Trails am liebsten Vielfliegermeilen sammelt, wird das DMR SLED und seine Flugeigenschaften lieben. Der Grip der WTB Convict-/Trail Boss-Reifen ließ niemals Unsicherheiten aufkommen.

In England gibt es das SLED für 3.499 £ (ca. 4.000 €) und es gibt kaum etwas, das man am DMR SLED nicht mögen kann. Es ist etwas schwerer als andere Bikes, klettert aber zügig und ist auch für lange Touren zu haben. Wir finden, dass die L- und XL-Modelle von einer längeren Stütze als der X-Fusion Manic mit 125 mm profitieren würden und dass die etwas trägen DMR Zone-Laufräder nicht so präzise sind wie andere. Für Bikepark-Fahrer wäre ein Dämpfer mit Ausgleichsbehälter angesagt, besonders da der Rahmen mehr als genug Platz dafür bietet. Der RockShox Monarch ist aber für die meisten Situationen im Trail-Alltag ausreichend.

Fazit

Die besten Marken bewahren sich eine Designsprache, damit man immer weiß, ob man gerade in einem Ferrari oder einem Porsche sitzt. Das Gleiche gilt für das DMR SLED – ein durchweg modernes Endurobike, das sein DMR-Erbe stolz zur Schau trägt. Ein Bike für kultivierte Rabauken, erwachsen genug für ausgedehnte Touren in den Bergen und trotzdem so verspielt und nachsichtig, dass auch Flug-Asse und Junggebliebene voll auf ihre Kosten kommen.

Stärken

+ hervorragende Fahrwerkskinematik
+ geniales Handling

Schwächen

– Sattelstütze zu kurz
– mit 14,7 kg etwas wuchtig

Mehr Informationen findet ihr unter dmrbikes.com

Text & Fotos: Trev Worsey