Wenn ihr schon mal auf einem der größeren Rennen wart, habt ihr sie bestimmt gesehen, rastlos, am Limit, immer mit hoher Geschwindigkeit – wir meinen aber nicht die Fahrer, sondern die Fotografen. Keiner arbeitet härter als die Media Teams auf der Jagd nach dem perfekten Foto. Wenn ihr euch je gefragt habt, was sie in ihren großen, schweren Taschen haben, seid ihr hier richtig – die Fotografen und Filmer des ENDURO Teams öffnen exklusiv für euch ihre Rucksäcke.

Der Nächste in unserer Kamerataschen Serie ist UK Redakteur Treve Worsey. Er fotografiert nicht nur die Scottish Enduro Series in seiner Heimat, sondern stürzt sich auch gerne ins Presse Getümmel der EWS.

Race timings are essential, you have to keep on top of who is where...
Startzeiten sind essentiell. Man sollte immer im Auge haben, wer wann wo ist…

Die meisten meiner Shoots finden in der Wildnis von Schottland statt, die ich dann irgendwie erst mal erreichen muss. Am liebsten fotografiere ich aber auf Rennen! Es gibt nichts Besseres als 400 Verrückte, die Vollgas geben und coole Bilder haben wollen. Mir gefällt außerdem der „Presse-Umzug“. Wenn man ein Event wie die EWS dokumentieren will, muss man ständig in Bewegung bleiben: von den Presse-Shuttle-Stationen zu den Stages und dort in Position gehen, ein paar gute Shots machen und wieder zurück zum Shuttle flitzen, um vor den Fahrern bei der nächsten Stage zu sein. Es ist wirklich anstrengend und manchmal habe ich das Gefühl, dass die Rennen für die Fotografen anstrengender sind als für die Fahrer. Ich halte meine Ausrüstung deswegen so minimalistisch wie möglich. Mit 11 kg Gesamtgewicht ist das schon ganz in Ordnung – wenn ich noch die Blitze weglassen könnte, die ich sowieso selten nutze, wäre es noch besser! Aber sie sind wirklich praktisch, wenn das Licht mal gar nicht passen will.

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Foto Equipment

Ich fotografiere mit einer mitgenommenen Canon 5D MkIII, die schon öfter im schottischen Schlamm untergegangen ist und zwei Mal komplett den Dienst versagt hat, aber immer wieder von den Toten zurückkehrt und trotzdem super Bilder macht. Besonders von ihrer Leistung im fast Dunklen und vom schnellen Fokus bin ich begeistert. Ich habe meist eine wasserdichte Hülle dabei, aber immer, wenn ich sie benutze, beschlägt sie und bringt mich fast um den Verstand – ich sollte sie eigentlich wegwerfen. An Objektiven nutze ich meist das typische 70-200 mm f2.8 IS2, das auch die meisten der Shots hervorbrachte, die ich verkaufen konnte. Den IS, also den Bildstabilisator, habe ich meist aus, weil das Objektiv dann schneller fokussiert (ich hätte also auch die billigere Variante kaufen können). Kürzlich habe ich mich in das Sigma 35 mm f1.4 verliebt, das wunderschöne Weitwinkelporträts schießt und deshalb oft zum Einsatz kommt. Aber es bedarf durch die wahnsinnig geringe Tiefenschärfe einigen Fingerspitzengefühls und ist nicht spritzwassergeschützt. Außerdem habe ich ein Canon 100 mm f2.8 Macro für Komponenten oder Nahaufnahmen dabei, ein Canon 15 mm f2.8 Fisheye für die Action am Podium (da ist immer noch ein bisschen Champagner von der schottischen EWS Runde drin …), und ein Canon 17-40 mm f4.0, das wunderschöne Landschaftsaufnahmen macht und auch im Wald sehr stimmungsvolle Bilder bringt. Ich hätte es gern mit einer 2.8er Blende, um schnellere Bewegungen einzufangen, aber ich nutze es ohnehin nur abgeblendet und die Bilder sind einfach super scharf.

Essentials

In meiner Tasche habe ich außerdem ein paar schottische Klassiker, zum Beispiel ein Mückennetz (gegen die menschenfressenden Viecher der Highlands), um es mir an schlimmen Tagen über den Kopf zu werfen, eine leichte Jacke für kalte Tage und ein paar Spanngurte, um meine Blitze an Ästen zu befestigen. Dann habe ich noch ein cooles Klappmesser von einem SRAM-Pressecamp dabei, von dem ich überzeugt bin, dass es für die Verteidigung gegen Bären dienen soll, auch wenn ich damit nur meine Sandwichs schneide. Das Wichtigste in der Tasche sind die jeweiligen Zeitpläne der Rennen, auf denen ich arbeite, damit ich weiß, wer wann und wo zu welcher Zeit ist. Außerdem habe ich ein Diktiergerät und eine Eyefi SD-Karte dabei, die mir einen direkten Upload aus meiner 5D über mein iPhone erlaubt, um Rennberichte so zeitnah wie möglich zu liefern.

Ein paar Tipps zum Fotografieren auf Events

Enduro ist mit Sicherheit die am schwierigsten abzulichtende Radsportdisziplin für einen Fotografen: Das Gelände ist riesig und es ist wirklich schwer, immer vor den Fahrern Stellung zu beziehen. Den besten Tipp, den ich geben kann, ist, sich so gut wie möglich vorzubereiten. Wenn ihr die Strecke während des Trainings abfahrt, wird es auch euch viel leichter fallen, die perfekte Kurve zu finden oder Stages auszuschließen, die keine guten Bilder versprechen. Wenn das Rennen erst mal läuft, solltet ihr stets eine Liste mit den Startzeiten ausgedruckt parat haben und alle Fahrer markieren, von denen ihr unbedingt Fotos schießen wollt. Wenn euer Zeitplan ins Wanken gerät, lasst lieber eine Stage aus, um wieder an die Spitze des Feldes zu kommen.

Wenn eure ausgewählte Position an der Strecke nicht die richtigen Bilder liefert, habt keine Scheu, weiter zu ziehen und in Bewegung zu bleiben, sonst verpasst ihr die ganze Action. Seid nett zu den anderen Fotografen, speziell wenn ihr noch relativ unerfahren seid. Versucht zu verstehen, wie sie an der Strecke arbeiten. Wenn jemand „euren Platz“ blockiert, stellt euch nicht in den Weg, sondern versucht es mit einer anderen Perspektive. Schaut euch die Arbeit anderer Fotografen auf Instagram und in Magazinen an, ich habe z.B. viel von unserem Fotografen Christoph Bayer gerlernt, der enorm gute Bilder macht. Es ist wichtig, euren eigenen Stil zu entwickeln, aber zugleich die Arbeit der Anderen wertzuschätzen.

Eine Sammlung von Trevs Shots

Mehr von Trev findet ihr auf seinem Instagram-Feed.

Mehr Artikel zur Serie gibt es hier:
Ein Blick in die Kameratasche unseres Fotografen Noah Haxel
Ein Blick in die Kameratasche unseres Fotografen Christoph Bayer
Ein Blick in die Kameratasche unseres Fotografen Ross Bell

Text & Bilder: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.