Mit Vollgas geht es über den Trail, plötzlich eine Linkskurve, der Finger greift kraftvoll in die Bremse – zu spät! Es folgt ein Abflug ins Gebüsch, danach der Gedanke: F§%&, ist das neue Santa Cruz Nomad 4 schnell – gefährlich schnell!

Next Level of Speed – das neue Santa Cruz Nomad 4 mit seinen 170 mm Federweg ist eine echte Waffe!

Eine Spritze V10-Gene – der neue Hinterbau des Santa Cruz Nomad

Die bisherigen drei Generationen des Santa Cruz Nomad hatten alle eines gemeinsam: einen von oben angelenkten Dämpfer. Beim neuen Nomad lenkt Santa Cruz den Dämpfer, ähnlich wie beim Downhillbike V10, von unten an. Ziel bei der Entwicklung war es, dem Bike eine möglichst progressive Kennlinie zu verleihen, die im mittleren Federwegsbereich jede Menge Feedback bietet. Der VPP-Hinterbau des neuen Nomad lässt sich sowohl mit einem Luft- als auch mit einem Stahlfederdämpfer fahren und besitzt 170 mm Federweg.

Der Dämpfer liegt über dem Tretlager und wird von dem Umlenkhebel unten angelenkt.
Die Sitzstreben steuern die obere Schwinge an.
Typisch Santa Cruz: Auch das Nomad besitzt einen VPP-Hinterbau.

Gewohnt geil: der Rahmen des Santa Cruz Nomad

Das neue Nomad ist zu Beginn in den beiden bekannten C- und CC-Carbonvarianten erhältlich. Beide Bikes verfügen über eine identische Geometrie und eine vergleichbare Steifigkeit, beim CC konnte aber aufgrund eines anderen Layups und anderer Fasern etwas mehr Gewicht gespart werden. Für den Herbst hat Santa Cruz außerdem eine Aluvariante des Nomad angekündigt. Die Carbonrahmen verfügen beide über die bekannten Features, wie z. B. ein geschraubtes Tretlager, eine durchdachte Zugführung (oben rein, am Ziel wieder raus) und eine lebenslange Garantie (inkl. Lager).

Für Pick-up-Fahrer: Das Shuttle-Pad am Unterrohr soll den Rahmen schützen.
Im Rahmendreieck ist genug Platz für eine Trinkflasche – nice!
Die Bremsleitung verläuft auf dem Oberrohr, das erleichtert die Montage und schont die Nerven.
Das geschraubte Tretlager ist bei Bedarf einfach zu ersetzen.
Der Hinterbau des Nomad bietet Platz für alle gängigen Dämpfer. Spannend: Rechts neben dem Dämpfer verläuft trotz der geringen Wandstärke das Kabel für die Teleskopstütze.
Eigentlich müssten die Einstellungen des Flip-Chips „Low“ und „Lower“ heißen. Wirklich „High“ ist keine der beiden Optionen.

Size up – die Geometrie des neuen Santa Cruz Nomad

Ganz schön lang ist es geworden, das neue Santa Cruz Nomad. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Reach im Schnitt nun eine Rahmengröße größer. Ein damaliger L-Rahmen entspricht jetzt der Größe M. Das angenehm kurze Sitzrohr und das tief gezogene Oberrohr sorgen für viel Bewegungsfreiheit auf dem Rad, zusätzlich kann man als Fahrer jetzt meist zwischen zwei Rahmengrößen wählen – je nach persönlicher Vorliebe.

Außerdem kann man beim neuen Nomad die Geometrie via Flip-Chip in zwei Positionen verstellen. Doch selbst die steile Einstellung ist bereits sehr flach und tief. So beträgt der Lenkwinkel wahlweise 65° bzw. 64,6°, der Sitzwinkel liegt bei 74,5° bzw. 74,1° und der BB-Drop bei 10 mm bzw. 15 mm. Das Nomad ist in fünf Rahmengrößen von XS–XL und in zwei Farben erhältlich. Obendrein gibt es von Juliana Bikes mit dem Strega noch eine Lady-Variante, die über die identische Geometrie verfügt.

Größe XS S M L XL
Sattelrohr 375 mm 390 mm 420 mm 450 mm 480
Oberrohr 541 mm – 540 mmm 574 mm – 573 mm 598 mm – 596 mm 621 mm – 619 mm 654 mm – 653 mm
Steuerrohr 90 mm 100 mm 110 mm 120 mm 130 mm
Lenkwinkel 64,6° – 65° 64,6° – 65° 64,6° – 65° 64,6° – 65° 64,6° – 65°
Sitzwinkel 74,1° – 74,5° 74,1° – 74,5° 74,1° – 74,5° 74,1° – 74,5° 74,1° – 74,5°
Kettenstrebe 431 mm – 430 mm 431 mm – 430 mm 431 mm – 430 mm 431 mm – 430 mm 431 mm – 430 mm
Tretlagerhöhe 339 mm – 344 mm 339 mm – 344 mm 339 mm – 344 mm 339 mm – 344 mm 339 mm – 344 mm
Radstand 1135 mm – 1134 mm 1169 mm – 1168 mm 1194 mm – 1192 mm 1218 mm – 1217 mm 1252 mm – 1251 mm
Reach 386 mm – 390 mm 416 mm – 420 mm 436 mm – 440 mm 456 mm – 460 mm 486 mm – 490 mm
Stack 587 mm – 584 mm 596 mm – 593 mm 605 mm – 602 mm 614 mm – 611 mm 623 mm – 620 mm

Die Qual der Wahl – die Ausstattung des Santa Cruz Nomad

Santa Cruz bietet das neue Nomad nicht nur mit zwei verschiedenen Carbonrahmen und mit Luft- oder Stahlfederdämpfer, sondern auch in unzähligen Ausstattungsvarianten an. Anders als in der Vergangenheit gibt es nun keine ENVE-Laufräder, sondern die von Santa Cruz selbst entwickelten Reserve-Carbonlaufräder als Upgrade-Option.

Die Santa Cruz Reserve-Carbonlaufräder besitzen eine Innenbreite von 30 mm und sollen einen guten Kompromiss aus Flex und Steifigkeit besitzen.
Bis auf das günstigste Modell verfügen alle Nomads über eine SRAM Code-Bremse.
An allen Nomads ist eine RockShox-Federgabel verbaut. Die günstigen haben eine Yari, der Rest hat eine Lyrik.

Alle Ausstattungsvarianten im Überblick


Nomad C R 27.5

Federgabel: RockShox Yari RC 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe R 170 mm
Bremsen: SRAM Guide R
Schaltung: SRAM NX
Sattelstütze: Race Face Aeffect R
Vorbau: Race Face Ride
Lenker: Race Face Aeffect R
Felgen: WTB ST i29 TCS
Naben: Novatec
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 5.599 €

Nomad C S 27.5

Federgabel: RockShox Lyrik RC 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe R 170 mm
Bremsen: SRAM Code R
Schaltung: SRAM GX Eagle
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Aeffect R
Lenker: Race Face Aeffect R
Felgen: E13 TRS
Naben: Novatec
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 5.999 €


Nomad C XE 27.5

Federgabel: RockShox Lyrik RCT3 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Coil / or Air RCT 170 mm
Bremsen: SRAM Code RSC
Schaltung: Shimano XT
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Aeffect R
Lenker: Santa Cruz Am Carbon
Felgen: E13 TRS
Naben: Novatec
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 6.499 €

Nomad CC X01 27.5

Federgabel: RockShox Lyrik RCT3 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Coil / or Air RCT 170 mm
Bremsen: SRAM Code RSC
Schaltung: SRAM X01 Eagle
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Aeffect R
Lenker: Santa Cruz Am Carbon
Felgen: E13 TRS +
Naben: DT 350
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 7.699 €


Nomad CC X01 27.5 Reserve

Federgabel: RockShox Lyrik RCT3 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Coil / or Air RCT 170 mm
Bremsen: SRAM Code RSC
Schaltung: SRAM X01 Eagle
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Aeffect R
Lenker: Santa Cruz Am Carbon
Felgen: Santa Cruz Reserve 30 Carbon
Naben: DT 350
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 9.199 €

Nomad CC XX1 27.5

Federgabel: RockShox Lyrik RCT3 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Coil / or Air RCT 170 mm
Bremsen: SRAM Code RSC
Schaltung: SRAM XX1 Eagle
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Turbine R
Lenker: Santa Cruz Am Carbon
Felgen: E13 TRS +
Naben: i9 Torch Classic
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 8.999 €


Nomad CC XX1 27.5 Reserve

Federgabel: RockShox Lyrik RCT3 170 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Coil / or Air RCT 170 mm
Bremsen: SRAM Code RSC
Schaltung: SRAM XX1 Eagle
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Vorbau: Race Face Turbine R
Lenker: Santa Cruz Am Carbon
Felgen: Santa Cruz Reserve 30 Carbon
Naben: i9 Torch Classic
Reifen: Maxxis Minion DHF 3 / Maxxis Minion DHR II
Preis: 10.499 €


Schwitzige Hände und jede Menge Adrenalin – das Santa Cruz Nomad auf dem Trail

Drei Tage wollten wir das neue Nomad eigentlich auf den Trails von Sospel/Frankreich bis Molini/Italien testen. Dummerweise war nach einem Sturz bereits nach einem Tag Schluss. Dennoch waren die Eindrücke nach sechs Abfahrten extrem beeindruckend! Das neue Nomad ist vor allem eins: schnell, verdammt schnell! Grundlage hierfür ist sein extrem potentes Fahrwerk, gepaart mit der aggressiven Geometrie. Mit dem neuen Nomad verschiebt man den eigenen Grenzbereich und gerät in so manche brenzlige Situation – gleichzeitig rettet einen das Bike dann aber auch genau daraus wieder!

Go big or go home! Mit dem neuen Nomad gibt es keine Ausreden mehr!

Auf den steinigen und schnellen Trails klebt der Hinterbau mit dem RockShox SuperDeluxe RCT förmlich am Boden und erledigt Unebenheiten effizienter als Großmutter mit ihrem Bügeleisen. Dennoch fährt sich das Rad nicht undefiniert – im Gegenteil! Selten haben wir in Kompressionen oder aus Anliegern so viel Speed mitgenommen wie mit dem neuen Nomad. Als Fahrer steht man extrem gut integriert zwischen den beiden Laufrädern. Das Tretlager wirkt schon in der steilen Einstellung und mit 30 % SAG extrem tief. Wir fuhren den Dämpfer anfangs komplett offen, dann mit fünf Klicks Lowspeed-Druckstufe, wodurch er etwas höher im Federweg stand. Der lange Hauptrahmen erfordert zusammen mit dem flachen Lenkwinkel etwas Gewöhnung und auf den ersten Abfahrten fehlte es uns an Druck auf dem Vorderrad. Das änderte sich aber im Lauf des Tages und so stieg von Fahrt zu Fahrt das Selbstbewusstsein – und damit auch der Speed. Dieses Bike schult die Reflexe seines Fahrers und erfordert völlig neue Bremspunkte. Die bei fast allen verbaute SRAM Code-Bremse besitzt zwar eine hohe Bremspower, ihr fehlt es mit den kleinen 180-mm-Scheiben auf langen Abfahrten aber an Standfestigkeit. Hier ist ein Upgrade auf 200-mm-Scheiben absolut sinnvoll.

Das Nomad ist gefährlich schnell! Bremspunkte müssen mit diesem Bike neu definiert werden.
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wird das Bike zum echten Kurvenkiller.
Auch lange Touren sind mit dem Nomad dank seiner guten Klettereigenschaften kein Problem.

Wer jetzt glaubt, das Bike wäre nicht agil oder würde sich schlecht bergauf fahren, der irrt! Hat man sich einmal an das Rad mit seinem langen und flachen Hauptrahmen gewöhnt, lässt es sich mit ihm dank der kurzen 430-mm-Kettenstreben sehr gut auch durch enge Kurven heizen. Wer gerne Kurven anflickt, wird dieses Bike lieben! Bergauf klettert das Nomad dann trotz seiner 170 mm Federweg und des sensiblen Hinterbaus sehr antriebsneutral und effektiv. So antriebsneutral, dass wir die zuschaltbare Plattform am Stahlfederbein nicht genutzt haben. Leider führte ein Sturz auf der vorletzten Abfahrt des ersten Tages dazu, dass wir das neue Nomad noch nicht in der flachen Einstellung und auch noch nicht mit einem Luftdämpfer testen konnten. Das werden wir aber nachholen und natürlich berichten!

Braap – im anspruchsvollen Terrain vermittelt das Nomad dank plushem Fahrwerk und hoher Laufruhe massig Sicherheit!

Fazit

Das neue Santa Cruz Nomad 4 2017 ist vor allem eins: verdammt schnell! Wer auf der Suche nach einem extrem potenten Bike mit superbem Hinterbau, brachialem Handling und edler Verarbeitung ist, wird das neue Nomad lieben! In Kombination mit der lebenslangen Garantie und der durchdachten Ausstattung gibt es keinen Grund, nicht zum Nomad zu greifen – vorausgesetzt, ihr habt Trails, die dem Bike gerecht werden, und das nötige Budget.

Für mehr Informationen besucht die Santa Cruz-Website.

Text: Christoph Bayer Fotos: Sven Martin, Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.