Vor etwas mehr als einem Jahr hat SRAM mit der XX1 Eagle und der X01 Eagle eine neue Benchmark in Sachen Kettenschaltung gesetzt. Mit der neuen SRAM GX Eagle werden die Technologien der exklusiven 12-fach-Gruppen nun für jedermann erschwinglich. Wir haben die neue Schaltung bereits einige Wochen im Test und verraten euch, wie sie sich geschlagen hat.

Die SRAM XX1 war die erste Schaltgruppe, die speziell für den 1-fach-Einsatz entwickelt wurde – und fünf Jahre nach ihrer Einführung ist aus dem Nischenprodukt eine Massenbewegung geworden. Viele Hersteller entwickeln ihre Bikes nur noch auf 1-fach-Antriebe und die Akzeptanz in der Bike-Community ist über die Jahre stetig gewachsen. SRAMs theatralische Trauerrede für den Umwerfer liegt mehr als ein Jahr zurück, doch sie ist heute passender denn je – mit der GX Eagle werden SRAMs Top-Technologien nun für jedermann erschwinglich und 1-fach-Kritikern wird eines der letzten Argumente geraubt.

Back to school – Warum überhaupt 1-fach?

Für die meisten von euch dürfte diese Frage bereits ein alter Hut sein, doch viele Biker sind immer noch mit zwei oder gar drei Kettenblättern unterwegs, daher hier noch mal kurz und knapp die Vorteile eines 1-fach-Antriebs. Durch den Wegfall des Umwerfers wird nicht nur Gewicht gespart, es gibt auch weniger Teile, die kaputtgehen können und gepflegt werden müssen. Das Schalten erfolgt intuitiver, da es nur noch einen Schalthebel gibt. Das spezielle Zahnprofil der meisten 1-fach-Kettenblätter hält die Kette zuverlässig an Ort und Stelle, auf eine Kettenführung kann in den meisten Fällen verzichtet werden. Daraus ergibt sich ein weiterer Vorteil, denn 1-fach-Antriebe sind deutlich leiser im Gelände.

1-fach = einfach! Der Verzicht auf den Umwerfer bringt jede Menge Vorteile mit sich.

Der Wegfall des zweiten Schalthebels sorgt für ein cleaneres Cockpit, der freigewordene Platz wird zusehends von den Bedienhebeln der Sattelstützen besetzt, etwa dem neuen 1x-Remotehebel für die RockShox Reverb. Last but not least gibt der Verzicht auf den Umwerfer Bikeherstellern mehr Freiräume bei der Entwicklung und Hinterbau-Kinematiken lassen sich besser auf den Antrieb abstimmen – kein Wunder, dass an immer mehr neuen Bikes keine Umwerfer-Montage mehr möglich ist.

SRAM GX Eagle Einführungs-Video

Das alles für einen Gang mehr?

In der SRAM GX Eagle steckt deutlich mehr als ein zusätzlicher Gang.

Ja, die Eagle-Schaltgruppen haben 12 Gänge, doch wer SRAMs neue 1-fach-Systeme darauf reduziert, begeht einen großen Fehler. Viele Bauteile der neuen Gruppen wurden im Detail optimiert und sorgen für eine bessere Schaltperformance, geringere Geräuschentwicklung und längere Haltbarkeit. Die SRAM GX Eagle bekommt dabei die wesentlichen Merkmale der teureren Gruppen spendiert, lediglich Materialwahl und Verarbeitung fallen günstiger aus.

Bei den 1×11-Schaltungen wurde noch der einfache Wechsel der Kettenblätter beworben, bei der GX Eagle ist das überflüssig: Die Bandbreite lässt keine Wünsche offen.

Für viele scheint die Berechnung der Übersetzung immer noch ein Mysterium, doch wer sich die Mühe macht, wird feststellen, dass man gegenüber SRAMs 11-fach-Gruppen im Grunde nicht einen, sondern zwei zusätzliche Gänge bekommt. Eine Eagle-Schaltung mit einem 34er-Kettenblatt verfügt z. B. über einen leichteren kleinsten Gang als eine 1×11 mit 30er-Kettenblatt, der größte Gang entspricht aber dem einer 1×11 mit 34 Zähnen vorne. Wir empfanden beim Wechsel auf die Eagle ein Kettenblatt mit zwei zusätzlichen Zähnen als ideal, so erhält man rechnerisch an beiden Enden des Spektrums einen zusätzlichen Gang.

Gewichte und Preise – die harten Fakten

Die gesamte Gruppe ist ca. 250 g schwerer als die X01 Eagle und 300 g schwerer als die XX1 Eagle, wobei die Gewichtsunterschiede bei Kurbel und Kassette mit Abstand am größten ausfallen. Gegenüber der 11-fach-GX-Gruppe hat die GX Eagle gerade mal 40 g zugelegt, da die schwerere Kassette durch eine leichtere Kurbel zum Teil wieder ausgeglichen wird. Bevor man sich über die paar zusätzlichen Gramm beklagt, sollte man bedenken, dass die GX Eagle-Gruppe immer noch etwas leichter ist als eine Shimano XT 1×11 mit 11–46er-Kassette.

Gewicht XX1 Eagle X01 Eagle GX Eagle GX 1×11
Kurbel (GPX) 465 g 495 g 628 g 680 g
Schalthebel 122 g 126 g 122 g 122 g
Schaltwerk 264 g 276 g 290 g 265 g
Kasette 360 g 360 g 450 g 394 g
Kette 250 g 250 g 270 g 259 g
Gesamt 1.461 g 1.507 g 1.760 g 1.720 g

SRAMs 1×11-Gruppen gibt es in fünf Preisstufen: XX1, X01, X1, GX und NX. Bei der Eagle entfällt die X1, was zur Folge hat, dass die GX Eagle mit 519 € satte 780 € günstiger ist als die X01 Eagle. Der Straßenpreis dürfte sich mit der Zeit noch eine ganze Ecke niedriger einpendeln und die SRAM GX Eagle zur perfekten Nachrüstgruppe machen. Tipp für Sparfüchse: Wer bereits eine SRAM-Kurbel hat, die mit Direct Mount-Kettenblättern kompatibel ist, kann diese ohne Probleme weiterverwenden und mit einem Eagle-Kettenblatt aufrüsten. Alle Eagle-Gruppen sind miteinander kompatibel, XX1- und X01-Fahrer können also bei Verschleiß oder Defekt auch auf die günstigen GX-Parts zurückgreifen.

Preis XX1 Eagle X01 Eagle GX Eagle
Kurbel (GPX) 463 € 458 € 145 €
Schalthebel 170 € 145 € 35 €
Schaltwerk 304 € 240 € 110 €
Kasette 458 € 392 € 200 €
Kette 92 € 66 € 29 €
Gesamt 1487 € 1301 € 519 €

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