Als Aaron Gwin bei TRP unterschrieb, waren wir zugegebenermaßen mehr als nur etwas überrascht. Ging es um High-End-Bremsen, war TRP kein Name, an den man dachte. Aber man sollte den Underdog niemals unterschätzen, am Ende steht man nur einem muskulösen Pitbull mit Aggressionsproblemen gegenüber. Deshalb haben wir uns die erste Serie der TRP G-Spec Quadiem-Bremse genauer angeschaut.

Das neue Flaggschiff von TRP, die G-Spec Quadiem, hat ein Satin-Finish, das nach Aufmerksamkeit schreit – und die Bremspower reicht, um eure Reifen in Slicks zu verwandeln.

Die G-Spec Quadiem ist die große Schwester der mehr an Trailbikes orientierten TRP G-Spec Slate und verankert sich mit ihren vier Kolben im DH-Sektor. Das erste, was an der 219 € teuren TRP G-Spec Quadiem auffällt (nur die Bremse, Scheiben werden einzeln verkauft), ist der cleane und präzise Look. Die Bremshebel sind aus geschmiedetem Aluminium, das erst poliert und dann anodisiert wurde, um einen teuer wirkenden, spiegelgleichen Glanz zu erhalten. Die langen, an Motocross erinnernden Bremshebel sehen schwer aus, unsere Waage kam aber auf 316 g pro Bremse (samt 1 m Bremsleitung und Flüssigkeit), nur 15 g mehr als die Shimano Saint.

Der schön gemachte Bremshebel hat eine griffige Einstellschraube für den Hebelweg und funktioniert angenehm unauffällig.
Die werkzeugfreie Einstellung des Hebelwegs erlaubt schnelle und präzise Veränderungen.
Die hochwertige, zweiteilige Klemmung hat ein Scharnier, damit wird die Montage zum Kinderspiel.
Die großen Bremszangen haben einen standardisierten Entlüftungsanschluss sowie CNC-Kühlrippen und lassen sich mit Shimano Saint M810-Bremsbelägen kombinieren. Die vier Kolben sind aus Stahl mit einem Keramikeinsatz, um den Wärmetransport zu optimieren.

Spezifikationen der TRP G-Spec Quadiem

Die Montage der TRP G-Spec Quadiem ist sehr einfach, die klappbare Klemmung öffnet sich leicht und eine Reihe von I-Spec-Adaptern hilft allen, die ihr Cockpit aufgeräumt halten wollen. Die großen geschmiedeten Bremszangen beherbergen vier Stahlkolben mit Keramikeinsätzen, die dem Wärmetransport zugutekommen, dasselbe tun die CNC-Kühlrippen, die die Bremszange überziehen. Titanschrauben halten das Gewicht unten.

Bei dieser Bremse kommt Mineralöl zum Einsatz, was allen eher durchschnittlichen Schrauben entgegenkommt, und es sind sehr zu unserer Freude Bremsbeläge verbaut, die mit den Shimano Saint M810-Belägen kompatibel sind. Das dürfte die Ersatzsuche unterwegs deutlich vereinfachen. Zum Entlüften schraubt man einen Schnellanschluss an den Entlüftungsanschluss am Griff. Danach muss man lediglich die Gummikappe des Anschlusses abnehmen und schon kann man das Mineralöl von der Bremszange aus mit Spritze und Entlüftungskit durch die Leitungen drücken. Nicht ganz so clever wie das Bleeding Edge-System von SRAM, aber einfach und tropffrei.

Wir haben die TRP G-Spec Quadiem mit Bremsscheiben à 203/180 mm für maximale Bremspower kombiniert.

Test der TRP G-Spec Quadiem – der erste Eindruck

Bei der Ergonomie holt sich TRP die vollen 10 Punkte: Der Bremsgriff ist lang und angenehm geformt, die genoppte Oberfläche bietet den Fingern guten Halt. Wir waren von der Funktion des Hebels beeindruckt, präzise und spielfrei bei kräftigem Druckpunkt. Bei vollem Druck hat die TRP genug Power, um euch das Gesicht vom Schädel zu ziehen, in etwa so, als bekäme man einen Stock in die Speichen. Damit wird sie zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für jede andere DH-Bremse, gerade weil sie bis zu diesem Punkt sehr fein zu dosieren ist. Man spürt den Vorteil großer Beläge, die eine große Scheibe greifen und dabei nur wenig Druck am Hebel verlangen – kein verkrampftes Zupacken, einfach nur mühelose Kontrolle.

An unserem Pole EVOLINK 140 bot die TRP G-Spec Quadiem exzellente Bremspower, die fein dosierbar serviert wurde. Wir fühlten uns direkt schneller und hatten die Lage stets unter Kontrolle.

Nachdem wir die Scheiben eingebremst hatten, entwickelte die TRP G-Spec Quadiem ihre volle Kraft – genug, um jeden Reifen an seine Grenzen zu bringen. Tatsächlich erhöhten wir die Lowspeed-Druckstufe um zwei Klicks, um die Gabel bei der Arbeit mit der neuen Bremse zu unterstützen. Die Dosierbarkeit gibt viel Sicherheit und wir erwischten uns, wie wir schneller und zuversichtlicher in Kurven rasselten und dabei sanfter und später bremsten. Wir haben es hier mit einer völlig neuen Bremse zu tun und sie wird zeigen müssen, wie sie sich über die Zeit anstellt. Aber wenn die Verlässlichkeit mit ihrer Performance mithalten kann, hat TRP einen echten Sieger im Stall.

Wir werden beobachten müssen, wie sich die TRP G-Spec Quadiem auf langen alpinen Abfahrten macht, aber generell stellt sie bei Abfahrten eine phänomenale Leistung zur Verfügung.

Wie gut ist die TRP G-Spec Quadiem?

Bevor wir sie getestet hatten, gingen wir davon aus, dass die TRP G-Spec Quadiem eine überteuerte Signature-Series-Bremse sein würde. Ja, auch Aaron Gwin fährt sie, aber 219 € pro Bremse ist eine ganz schöne Ansage von TRP. Wie falsch lagen wir? Unser erster Eindruck zeigt uns, dass die TRP G-Spec Quadiem eine phänomenale Bremse ist, mit einem Feingefühl am Bremshebel, der das Premium-Label wert ist. Wir würden sogar so weit gehen und sagen, dass die TRP G-Spec Quadiem eine der besten Gravity-Bremsen auf dem Markt ist.

Mehr Informationen gibt es auf: trpbrakes.com

Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Seit den frühen 90ern mit dem Bike-Virus infiziert, arbeitete Trev zunächst als Wissenschaftler und Statistiker, bevor ihn Bikes und Berge endgültig zu sich riefen. Nach sieben Jahren als Mountainbike-Guide wechselte er dann zu ENDURO, wo er sich seitdem von unserem UK-Office aus um News, Storys und Testberichte für unsere Website und die Ausgaben kümmert.