Für wen ist dieses Bike geschaffen? Eine Frage, die wir uns bei jedem Biketest stellen. Häufig ermöglicht schon ein Blick auf das Rad, seine Ausstattung und die Geometrietabelle erste Rückschlüsse – nicht so beim Fuji Auric. Bei diesem Test suchen wir nach der Lösung.

Fuji Auric 27,5 1.5 | 160 mm / 160 mm | 14,04 kg | 2.699 €

Fuji ist im Trailsegment eine noch eher unbekannte Marke. Dabei gibt es sie schon seit dem Jahr 1899. Benannt wurde die Marke damals nach dem Vulkan Mount Fuji, dem höchsten Berg Japans, und für seine Landsleute ein Zeichen von Stärke und Beständigkeit. Das Auric soll trotz 160 mm Federweg Berge mit Leichtigkeit erklimmen und in der Abfahrt seinem Fahrer jede Menge Fahrspaß vermitteln – an sich nichts Neues.

Helm: iXS Trail RS Evo | Jacke: ONE Industries Ion Windbraker | Shorts: Sombrio Pinner Shorts

Die Besonderheit: der MLink-Hinterbau

Was das Auric von anderen Bikes unterscheidet, ist sein Hinterbaukonzept. MLink nennt Fuji das System, bei dem sich ein Drehpunkt in der Mitte der Kettenstreben befindet.Das System gleicht dem eines klassischen VPP mit virtuellem Drehpunkt. Doch Fuji zufolge führt das einzigartige Design nicht nur zu einer optimalen Kennlinie für beste Effizienz, sondern auch dazu, dass längere Umlenkhebel für geringeren Lager-Verschleiß und kurze Kettenstreben realisiert werden konnten. Mit einer Länge von 438 mm sind Letztere jedoch alles andere als kurz – zumindest im Vergleich zur Konkurrenz.

Betrachtet man die Geometrie, fällt auf, dass sie nach heutigen Gesichtspunkten für ein Rad mit 160 mm eher kompakt und steil ausfällt. In Zeiten, in denen Lenkwinkel immer flacher und Hauptrahmen immer länger werden, wirkt das Fuji in etwa wie ein VW Golf I auf der IAA – ungewöhnlich, aber nicht uninteressant.

Die Geometrie des Fuji Auric

Das Fuji Auric im Detail

Federgabel: RockShox Pike RC 160 mm
Dämpfer: RockShox Monarch RT 3 160 mm
Bremsen: Shimano XT
Schaltung: Shimano XT
Sattelstütze: KS Lev Integra
Vorbau: Oval Concepts 60 mm
Lenker: Oval Concepts 760 mm
Laufradsatz: DT Swiss M 1900 Spline
Reifen: Schwalbe Nobby Nic
Gewicht: 14,04 kg
Preis: 2.699 €

Einzigartig
Der MLink-Hinterbau nimmt Schläge souverän auf und ist dabei erstaunlich antriebsneutral und effizient. Leider besitzt das Rad aufgrund des Drehpunkts keinen Kettenstrebenschutz, was zu unschönen Lackschäden führt.
Überfordert
Die Schwalbe Nobby Nic-Reifen besitzen zwar einen geringen Rollwiderstand, limitieren aber aufgrund von mangelndem Grip die Fahreigenschaften des Bikes. Gut, dass Fuji für die neue Saison zumindest am Topmodell nachgebessert hat.
Passend
An einem klassischen Enduro wäre der Vorbau mit 60 mm vermutlich zu lang. Beim Fuji passt er jedoch gut ins Gesamtbild und kann den sehr kurzen Rahmen etwas kompensieren.

Das Fuji Auric auf dem Trail

Genug der blassen Theorie – wie fährt sich das Fuji Auric? Bei dem von uns getesteten Rad handelt es sich um ein 2016er-Modell. Für die neue Saison wurde die Ausstattung von Fuji bereits überarbeitet und einige Kritikpunkte, die in diesem Test aufgetaucht sind, wurden ausgebessert. Der Rahmen blieb jedoch nahezu unverändert. Direkt nach dem Aufsteigen macht sich der kurze Hauptrahmen bemerkbar. Sehr kompakt sitzt man auf dem Rad, der Sitzwinkel ist mit 73° eher flach, dennoch hat man nicht den Eindruck, von hinten zu pedalieren. Wie von Fuji versprochen, arbeitet der Hinterbau sehr antriebsneutral und effizient. So marschiert das Rad ordentlich vorwärts, auch dank der leicht rollenden Schwalbe Nobby Nic-Reifen. Sie wurden für die neue Saison beim Topmodell gegen eine robustere Kombination geändert – und das ist auch gut so. In der Abfahrt fehlte es ihnen nämlich spürbar an Grip und Pannenschutz.

„Wie von Fuji versprochen, arbeitet der Hinterbau sehr antriebsneutral und effizient.“

Auf flowigen Trails fährt sich das Fuji Auric extrem verspielt, es setzt Lenkimpulse sehr schnell um und motiviert den Fahrer, links und rechts neben dem Trail Kanten und Wellen in die Abfahrt zu integrieren. Es erfordert wenig Körpereinsatz und kommt Fahrern entgegen, die sich nicht immer super aktiv auf dem Bike bewegen. Dank des relativ tiefen Tretlagers macht das Rad auch in Kurven eine gute Figur. Die 160 mm Federweg nutzt das Fahrwerk effektiv und komfortabel, sackt aber nicht weg – sehr gut! Bei Highspeed und in verblocktem Gelände gerät das Auric jedoch an sein Limit. Hier zollen der steile Lenkwinkel und der kurze Rahmen ihren Tribut und limitieren den Vorwärtsdrang im Vergleich zu anderen Rädern mit gleichem Federweg spürbar.

Fazit

Das Fuji Auric von vornherein in eine Schublade zu stecken, funktioniert nicht: Trotz viel Federweg ist es kein klassisches Enduro. Es richtet sich vielmehr an Fahrer, die Wert auf ein sehr agiles Handling legen und sich gleichzeitig ein Plus an Komfort wünschen. Wer bereit ist, etwas Mehrgewicht in Kauf zu nehmen, findet hier ein sehr gutmütiges Tourenbike für lange Ausflüge mit guten Klettereigenschaften, er sollte jedoch bei höheren Geschwindigkeiten die Reißleine ziehen.

Stärken:

  • effizienter Hinterbau
  • gute Klettereigenschaften
  • komfortabel

Schwächen:

  • bei höheren Geschwindigkeiten nervös
  • Reifen bieten wenig Grip

Mehr Infos zum Bike: fujibikes.com

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Text: Hannes Janzen Fotos: Valentin Rühl

Über den Autor

Hannes Janzen

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.