Die dünne Bergluft reizt unsere Lungen, als wir die letzten Meter zum Gipfel erklimmen, das Carbon glänzt in der Sonne. Wir fahren Bikes, die eigentlich als Design-Herausforderung begannen, von Fahrern für Fahrer. Heute, nach fünf Jahren Wartezeit, richten wir das Hope HB.160 talwärts, lösen die Bremsen und droppen ins Ungewisse.

Hope HB.160 | 160/160 mm (v/h) | 7.500 € | 14 kg

Guillaume Leon, der Chef-Designer des Hope HB.160, wird nicht müde es zu sagen: „Wir wollten beim Entwurf des Hope Bikes nicht an Konventionen festhalten. Wir wollten einfach ein gutes Mountainbike bauen.“ Dieser Ansatz ist erfrischend für eine Szene, die von Hype und Marketing-Versprechen lebt – aber für wen ist das neue Hope HB 160 gemacht? Vor allem für jemanden mit großem Geldbeutel, denn das Bike wird 7.500 Pfund kosten und erstmal nur in UK erhältlich sein. Preise für Deutschland folgen. Doch allein der Name Hope und die Exklusivität der Marke wird dieses Bike zu einem Lustobjekt für viele Fans werden lassen.

Die Ausstattung des Hope HB.160 im Detail

Das 27,5“ Hope HB 160 ist eine Demonstration der Ingenieurskunst im Hause Hope, der Hingabe zum Design, die perfekte Symbiose aus einem Carbon-Hauptrahmen und einem CNC-gefrästen Alu-Hinterbau – und beides entsteht in der Hope Fabrik in Barnoldswick. Es wird nur ein Modell geben, das bestens ausgestattet ist: der FOX Factory Float X2 Dämpfer arbeitet perfekt mit der FOX Factory 36 Float RC2 mit 160 mm zusammen. Neben dem verlässlichen und effektiven SRAM XX1 11-fach Antrieb und der RockShox Reverb ist alles andere, erwartungsgemäß, von Hope. Kurbel, Kassette, Steuersatz, Vorbau, Lenker, Griffe, Felgen, Naben und Bremsen tragen alle das Logo der Briten. Die Komponenten werden Hope-Fans glücklich machen, besonders wenn sie hören, dass das Bike in allen Hope-Farben lieferbar ist – zum ersten Mal auch im exklusiven Hope Team Green!

Gabel: FOX Float 36 Factory RC2 160 mm
Dämpfer: FOX Float X2 160 mm
Schaltung: SRAM XX1
Bremsen: Hope E4
Lenker: Hope Carbon 780 mm
Vorbau: Hope AM 35 mm
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth
Naben: Hope Pro4
Felgen: Hope Tech 35 W
Reifen: MAXXIS Highroller II

Gelebte Ingenieurskunst
Betrachtet man die radiale Bremsaufnahme, fragt man sich, warum das nicht die Norm ist. Elegant und deutlich cleaner als die normalen Post-Mount-Standards.
Neue Standards
Der 130 mm Hinterbau und die radiale Bremsaufnahme am kompakten Hinterbau machen Fersenabrieb und Steinschläge zu einem Ding der Vergangenheit.
Steif und stabil
Die 30 mm Achse der Hope Kurbel bringt Steifigkeit in das Innenlager und macht es so haltbar wie das HB.160 selbst.

Die Geometrie des Hope HB.160

Betrachtet man die Geometrie des Hope HB160 ist man doch überrascht, denn es ist unkonventionell konventionell: einen langgezogene Reach oder steilen Sitzwinkel sucht man vergebens. Während „lang und flach“ gerade den Markt dominiert, hat sich Hope auf die Geometrie konzentriert, die sie schon vor drei Jahren erprobt haben. Das Bike in Größe Large, das wir testeten, hatte einen 438,6 mm kurzen Reach, der zusammen mit den 435 mm langen Kettenstreben einen Radstand von 1195,5 mm ergibt. Die Winkel sind ähnlich konventionell: der Lenkwinkel liegt bei 66,5°, der Sitzwinkel bei 74°. Die größte Diskussion gibt es derzeit um die Einführung vieler neuer Standards. Aber bevor sich wieder jemand aufregt und anfängt mit Dingen um sich zu werfen, sei gesagt, dass das gesamte Bike als ein einziges System von einem weißen Blatt Papier weg entwickelt wurde. Es soll den Status Quo zwar in Frage stellen, aber nicht den Markt mit neuen Standards revolutionieren. Wer dieses Bike kauft, kauft die Denkart von Hope und wird ein Teil der Hope-Familie.

Größe S M L XL
Sattelrohr 405 mm 440 mm 475 mm 510 mm
Oberrohr 570 mm 590 mm 615 mm 647 mm
BB Drop 15 mm 15 mm 15 mm 15 mm
Lenkwinkel 655° 65,5° 65,5° 65,5°
Sitzwinkel 74° 74° 74° 74°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
Radstand 1148 mm 1169 mm 1195,5 mm 1228 mm
Reach 397,5 mm 416,2 mm 438,6 mm 469,3 mm
Stack 601,5 mm 606 mm 615 mm 619,7 mm
„Wer das Hope HB.160 kauft, kauft sich in die Denkweise von Hope, in die Hope-Familie selbst ein.“

Während alle anderen ihre Hinterbauten auf Boost-Breiten aufblasen, hat Hope das Gegenteil getan und ihr Heck auf 130 mm Breite reduziert, indem sie den freien Raum auf der Nichtantriebsseite genutzt und eine radiale Bremsaufnahme verbaut haben. Das bedeutet zwar auch, dass besondere Naben und Bremsen nötig sind, womit Hope aber natürlich kein Problem hat. Vom Blickwinkel eines Ingenieurs, ist die Lösung mit kompakten Ausfallenden und radialer Bremsaufnahme natürlich deutlich eleganter, gerade im Vergleich zur normalen Bremsaufnahme. Hope hat auch die Hinterachse überarbeitet und sie auf 17 mm vergrößert für maximale Steifigkeit. Anfangs waren wir enttäuscht, dass sich Hope für ein Press-Fit Innenlager mit 30 mm entschieden hat, aber der austauschbare Aluminiumschaft ist ein nettes Detail.

Das Hope HB.160 in Action

Wie viele, die das Hope Race Team Siege in der britischen Enduro-Serie einheimsen sahen, dachten auch wir, dass das HB.160 ein reines Racebike sein würde, gebaut für die steilsten und härtesten Enduro-Strecken der Welt. Schon bei den ersten Fahrten merkten wir, dass dies nicht der Fall war. Es ist kein super-aggressives, kompromissloses Ballerbike, sondern eine gut ausbalancierte und trittsichere Bergziege. Mit 30% Sag am FOX X2 ist der Hinterbau straff und progressiv, mehr wie eine flinke Gazelle als ein wilder Bulle, mit der man an der Grenze zum Grip entlang tanzen kann. Durch den kompakten Reach hat man eine aufrechte Sitzposition, die bei langen Anstiegen sehr angenehm ist. Während des Tests merkten wir, dass das hohe Sitzrohr es für kleinere Fahrer schwierig macht, auf einen größere Rahmen zu wechseln. Nach unserem Feedback reduzierte Hope das Sitzrohr um 5 mm bei den M- und um 10 mm bei den L- und XL-Rahmen.

Helm Fox Metah | Jersey Troy Lee Sprint 50/50 | Shorts Troy Lee Spring 50/50 | Jacket Ion Shell Amp Vario | Brille Oakley Radar EV Prizm

Sobald es bergab geht, liefert das HB.160 eine Performance ab, die weder New- noch Old-School ist, sondern einfach Spaß macht. Sicherheit und Vielseitigkeit stehen im Vordergrund und besonders in engen, harten Kurven macht das Bike richtig Laune. Der Horst-Link-Hinterbau beschleunigt so explosiv aus Kurven wie ein Kampfjet. Dieses Bike wurde gemacht, um die höchsten Gipfel zu erklimmen, um dann die technischsten Trails bergab zu nehmen. Die großzügige Innenlagerhöhe gibt auf felsigen Passagen genug Freiraum und das kompakte, schmale Heck ist eine Klasse für sich, wenn es um Bewegungsspielraum geht. Bei wiederholten schnellen Schlägen schlägt die Kette etwas öfter gegen die CNC-Kettenstrebe, aber die Verarbeitungsqualität des Bikes steht über allem, wie es bei einem Hope-Produkt nicht anders zu erwarten ist. Das easy-going Handling und die Sicherheit, die das HB.160 vermittelt, machen es einfach, sich in das Bike zu verlieben – und die wunderschön laminierten Carbonfasern kann man stundenlang betrachten.

„Als wir das Hope Bike entwickelt haben, wollten wir uns nicht auf eine Kategorie beschränken. Wir wollten einfach ein Mountainbike bauen.“

Fazit

Hope wollte ein Bike entwickeln, das geltende Regeln ignoriert und auf den Trails die sie selbst fahren, perfekt funktioniert. Dieses Ziel haben sie erreicht! Das Hope HB.160 ist ein easy-going Bike, es ist vielseitig, spaßig und eine Herausforderung an die „lang und flach“-Fraktion. Ein modernes Bike mit klassischem Ethos, ein Bike, um Gipfel zu erobern, weit entfernte Ziele anzuvisieren und ein Bike das man Jahre lang behalten wird. Wer eins der ersten 500 HB.160 kauft, kauft sich in die Hope-Familie ein – für viele Fans wird das zu verlockend sein, um es zu ignorieren.


Stärken

– Spaßiges und leichtgängiges Handling
– Innovativer Hinterbaustandard

Schwächen

– Man muss Hope mögen
– Kettenschlagen


Weitere Informationen findet ihr auf hopetechhb.com

Text: Trev Worsey Fotos: Ru Fowler