Vor einiger Zeit haben wir uns in unserem Gruppentest die Enduro-Gabeln zur Brust genommen und sind Zeuge geworden, wie der Newcomer Öhlins RXF 34 der Konkurrenz die Show stahl und sich so den Sieg sicherte. Wir haben uns jetzt die größere Öhlins RXF 36 und den Öhlins TTX-Stahlfederdämpfer angeschaut, um zu sehen, ob Haltbarkeit und Performance vergleichbar sind.

Der TTX-Stahlfederdämpfer – noch zuverlässiger als die RXF 36-Gabel.
Der TTX-Stahlfederdämpfer – sogar noch zuverlässiger als die RXF 36-Gabel.
Die Öhlins RXF36 Gabel ist optisch ein Leckerbissen.
Die Öhlins RXF36 Gabel ist optisch ein Leckerbissen.

Auch wenn es für unseren Gruppentest zu spät war, konnten wir ein fabrikfrisches Set aus RXF 36 und TTX-Dämpfer mit 50 mm Hub ergattern. Wie hat sich dieses schwedische Pärchen also auf 600 km unterschiedlichster Trails angestellt?

Die Öhlins-Feder gibt es in seltsamen Härten, für unseren 89 kg schweren Tester nahmen wir eine 548er.
Die Öhlins-Feder gibt es in seltsamen Härten, für unseren 89 kg schweren Tester nahmen wir eine 548er.
Open-, Trail- und Uphill-Einstellung werden vom schwarzen Hebel gesteuert und kontrollieren die Lowspeed-Dämpfung.
Open-, Trail- und Uphill-Einstellung werden vom schwarzen Hebel gesteuert und kontrollieren die Lowspeed-Dämpfung.

Öhlins TTX-Optionen

Seit 1967 ist Öhlins ein Synonym für viele Disziplinen des Motorsports, 200 Weltmeistertitel konnten sie mit ihrem Fahrwerk gewinnen, 300 mit anderen Produkten. Erst in den letzten Jahren machten sie sich daran, die Welt des MTB zu erobern, zusammen mit Specialized, deren High-end-Modelle sie mit Luft- und Stahlfederdämpfern ausrüsteten. Und erst dieses Jahr haben sie sich dank der erfolgreichen Kooperation dazu durchgerungen, ihre Fahrwerke auch anderen Herstellern zugänglich zu machen. Es gibt sieben Einbau- und Hublängen und die unterschiedlichsten Montagekits.

Der äußere schwarze Ring regelt die Highspeed-Druckstufe und die Stufen “Climbing”, “Trai”l und “Descending”. Unser Tester beließ die Einstellung immer offen. Die blaue Schraube im Inneren regelt die Lowspeed-Druckstufe.
Der äußere schwarze Ring regelt die Highspeed-Druckstufe und die Stufen “Climbing”, “Trai”l und “Descending”. Unser Tester beließ die Einstellung immer offen. Die blaue Schraube im Inneren regelt die Lowspeed-Druckstufe.
Die Zugstufenregelung findet sich am Ausfallende, wie auch bei anderen Modellen.
Die Zugstufenregelung findet sich am Ausfallende, wie auch bei anderen Modellen.
Die einfache, aber stabile Achse hat nur zwei Schrauben zur Klemmung, die Abdeckung des Luftventils für die Progressionskammer ist leicht zu verstauen.
Die einfache, aber stabile Achse hat nur zwei Schrauben zur Klemmung, die Abdeckung des Luftventils für die Progressionskammer ist leicht zu verstauen.

Die RXF 36 wartet mit ein paar netten Spielereien auf, die sie von der Konkurrenz unterscheiden. Zum einen müsst ihr euch keine Gedanken darüber machen, eure Gabel bei einem Radgrößenwechsel ebenfalls zu tauschen, denn die RXF passt zu den meisten Rahmen mit 29″, 29+, 650b+ oder 650b-Laufrädern. Dank dem eingebauten, kugelgelagerten Steuersatz von Öhlins wird die Gabel steifer und man spart ein paar Gramm. Krone und Schaft sind eins und machen die Gabel steifer. Dank einer eigenen Progressionskammer ist man das Gebastel mit Tokens los und kann die Progression auch unterwegs justieren. Es gibt die Öhlins RXF 36 derzeit mit verschiedenen Federwegen: 120, 140, 150 und 160 mm – außerdem machen Gerüchte um eine 170-mm-Version die Runde.

Auf der RXF 36 findet sich jeweils eine Tabelle zum Luftdruck jeder Kammer, wir fuhren die Progressionskammer mit etwas mehr Druck.
Auf der RXF 36 findet sich jeweils eine Tabelle zum Luftdruck jeder Kammer, wir fuhren die Progressionskammer mit etwas mehr Druck.

Einstellung des Öhlins TTX-Dämpfers und der RXF 36-Gabel

An der Gabel finden sich zwei externe Einstellungen zur Druckstufe, einmal Highspeed (5 Klicks) und einmal Lowspeed (24 Klicks). An der Krone ist außerdem das Ventil der Hauptluftkammer. An den Ausfallenden befinden sich die Zugstufeneinstellung (24 Klicks) und das Ventil der Progressionskammer. Da unser Tester einen recht aggressiven Fahrstil hat und 89 kg schwer ist, fuhr er die Hauptkammer auf 95 psi und die für die Progression auf 140 psi. Die Zugstufe war auf 4 Klicks rausgedreht, die Highspeed-Druckstufe komplett offen und die Lowspeed auf 6 Klicks. Manchmal änderten wir etwas daran, aber grundsätzlich waren das unsere Einstellungen. Den TTX-Dämpfer fuhren wir mit einer 538er-Feder, den Zugstufenregler auf 4 der möglichen 6 Klicks und die Lowspeed-Druckstufe auf 11 von 20.

Da die RXF 36 mit Plus-Größen und Boost-Naben kompatibel ist, hat unser 29er Boost-Laufrad ordentlich Platz.
Da die RXF 36 mit Plus-Größen und Boost-Naben kompatibel ist, hat unser 29er Boost-Laufrad ordentlich Platz.

Technik in der Öhlins RXF 36 und dem Öhlins TTX

Das Team von Öhlins kam auf die Idee einer doppelten Luftkammer in einem MTB-Dämpfer, als es den DB-Luftdämpfer für Cane Creek entwickelte. Man bat Öhlins 2004 um Beratung, woraufhin zwei Öhlins-Ingenieure bei der Entwicklung des Dämpfers halfen. Der TTX nutzt eine einzigartige, mit Stickstoff gefüllte Druckblase statt der sonst üblichen Kolben. Das soll das Fahrwerk über den gesamten Federweg geschmeidig halten. Das Gewicht beläuft sich auf 2.080 bis 2.150 g bei der RXF 36 (je nach Federweg) und 423 bis 454 g beim TTX-Dämpfer (je nach Hub und Einbaulänge).

Montage von der Öhlins RXF 36 und dem Öhlins TTX

Der Einbau von Gabel und Dämpfer war ein Klacks, ohne Unterschiede zu anderen Produkten. Uns gefielen allerdings die klaren Linien und die Boost-Kompatibilität der RXF-Steckachse besser als bei einer Maxle. Da Achsen, wenn es um Radmontage geht, schnell mal kompliziert werden, beschränkt man sich bei Öhlins auf einen 5-mm-Inbus, mit dem Achsklemmung und die Achse selbst festgezogen werden können. So wird die Radmontage so einfach, wie es bei einer Nicht-Maxle-Achse nur möglich ist.

Selbst bergauf über kleine Unebenheiten und auf sanften Trails fühlt sich das Öhlins-Fahrwerk satt an.
Selbst bergauf über kleine Unebenheiten und auf sanften Trails fühlt sich das Öhlins-Fahrwerk satt an.

Bergauf mit der Öhlins RXF 36 und dem Öhlins TTX

Sobald man auf dem Trail ist, kann man das sensible Ansprechverhalten nicht mehr ignorieren. Auf ebenen, aber ruppigen Trails und im mittleren (Trail-)Setting fühlt sich das Bike an, als könnte der Grip nur durch die falsche Reifenwahl eingeschränkt werden. Das reaktive Fahrwerk saugt sich förmlich am Boden fest, egal wie sehr sich der Trail dagegen zu wehren versucht. Unserem Tester gefiel die offene Einstellung der Highspeed-Druckstufe in den meisten Situationen am besten.

Bergauf setzt man sich nur selbst durch die Kraft der eigenen Beine Grenzen und, erneut, durch den Grip der Reifen. Unsere einzige Kritik am TTX ist, dass sich der Hinterbau nicht genug versteift, um Wippen völlig zu unterbinden, insbesondere im heftigen Wiegetritt.

Egal ob Up- oder Downhill, nichts scheint einen mit diesem mächtigen Fahrwerk aufhalten zu können.
Egal ob Up- oder Downhill, nichts scheint einen mit diesem mächtigen Fahrwerk aufhalten zu können.
Nehmt das nächste Steinfeld einfach aufs Korn und genießt das Gefühl überragender Kontrolle!
Nehmt das nächste Steinfeld einfach aufs Korn und genießt das Gefühl überragender Kontrolle!

Abwärts mit der Öhlins RXF 36 und dem Öhlins TTX

Auf Abfahrten, insbesondere bei größeren Drops und Kompressionen, macht sich die Progressionskammer bezahlt, denn durch sie kann die Hauptkammer immer noch recht weich gefahren werden. So bleibt das Fahrwerk geschmeidig und trotzdem vor Durchschlägen geschützt. Die Trails fühlten sich nie nach „zu viel“ für dieses Fahrwerk an, denn der feinfühlige Dämpfer arbeitet mit der geschmeidigen Gabel in perfekter Harmonie zusammen, sodass man auch auf härteren Strecken mit den großen Jungs Schritt halten kann – sehr zu deren Überraschung!

Bei Sprüngen fühlte sich der Stahlfederdämpfer ganz anders an als ein Luftdämpfer und war einfach deutlich berechenbarer. Auch bei größeren Jumps war die Landung dank der Progression immer eine kontrollierte Sache.

Egal über welchen Absprung oder Drop ihr mit dem Öhlins-Fahrwerk fliegt – euch erwartet eine sanfte Landung.
Egal über welchen Absprung oder Drop ihr mit dem Öhlins-Fahrwerk fliegt – euch erwartet eine sanfte Landung.
Es braucht schon einige harte Schläge, um den TTX-Dämpfer durchschlagen zu lassen – die Progressionskammer der RXF 36 scheint dem stets gefeit!
Es braucht schon einige harte Schläge, um den TTX-Dämpfer durchschlagen zu lassen – die Progressionskammer der RXF 36 scheint dem stets gefeit!

Verbesserungen

Uns hätte ein stabilerer Climb-Modus am TTX gut gefallen, eine Option, die von Öhlins zertifizierte Service-Partner anbieten. An der RXF 36 haben wir nur zu bemängeln, dass wir sie gerne in dem hochwertigen, goldanodisierten Look gesehen hätten, der viele Öhlins Motorsport-Fahrwerke auszeichnet.

Eine Inspektion des Inneren der RXF 36 nach unserem Test zeigte ein beeindruckendes Bild.
Eine Inspektion des Inneren der RXF 36 nach unserem Test zeigte ein beeindruckendes Bild.

Wartung

Der TTX-Dämpfer musste nach zwei Wochen zum Service, weil es ein Problem mit dem Druckstufen-Hebel gab, der ohne Funktion war. Nach der Reparatur gab es keinerlei Probleme mehr. Das Testbike wurde im Testzeitraum viel auf Trails und Rennen gefahren und hat dabei vielleicht so viele Kilometer gesehen, wie der Normalsterbliche über ein ganzes Jahr fährt. Es wurde mit einem Hochdruckreiniger gereinigt und gefettet, um bereit für den nächsten Ritt zu sein. Wir waren gespannt, wie das Innere der RXF 36 bei einem Service aussehen würde. Und es zeigte sich, dass die Low-Friction-Dichtungen und -Buchsen zusammen mit der selbstschmierenden Kartusche einen guten Job gemacht hatten: nur eine Winzigkeit Dreck im Inneren und kaum Zeichen von Abnutzung!

Fazit

Die Öhlins RXF 36-Gabel kostet 1.323 €, der TTX-Dämpfer 860 € (inkl. Feder). Wir sind begeistert, wie viel beide mitgemacht haben und dass sie dabei immer noch wie neu wirken. Wenn man die Servicekosten anderer mit der Performance der Öhlins-Produkte und ihrem extremen „Bling-Faktor“ aufwiegt, liegt das Ergebnis auf der Hand! Für uns ist das Öhlins-Fahrwerk sein Gewicht in Gold wert – schade nur, dass es die Komponenten nicht wirklich auch komplett in Gold gibt.

Mehr Informationen findet ihr auf ohlins.eu

Text: Jim Buchanan Fotos: Doc Ward

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