Eine Bikepark-Strecke sieht für einen Erwachsenen völlig anders aus als für ein Kind. Um einen Eindruck davon zu bekommen, müsst ihr euch nur auf ihre Augenhöhe bringen und allein die Bremswellen werden euch riesig erscheinen! Rad und Protektoren sorgen für eine sichere Fahrt, aber es gibt noch andere Dinge, die in den Bergen zu beachten sind. Es ist Zeit, die Bikes einzusauen – ab in den Bikepark!

Die richtige Einstellung

Nachdem ihr euren Kids die Grundlagen beigebracht und die richtigen Protektoren ausgesucht habt, ist es Zeit für die Action! Egal ob jung oder alt, die Höhenmeter sind für jeden Anfänger ein wichtiger Faktor. Wenn man dorthin möchte und auf das, was kommt, vorbereitet ist, wird der Schock, den große Sprünge und endlose Steinfelder verursachen können, deutlich geringer sein. Die meisten Parks sehen es nicht gerne, wenn man die Strecken zu Fuß begeht, was euch aber nicht daran hindern sollte, es nach Streckenschluss zu tun. Ein Anfänger sollte sich ohnehin auf ein oder zwei Strecken in einem Park konzentrieren, nehmt euch also die Zeit und lauft sie ab. Ziel ist es, den Fahrer mit den Elementen der Strecke vertraut zu machen, um die spätere Überraschung zu minimieren. Ihr wollt schließlich, dass sich die Kids aufs Fahren konzentrieren und nicht von Überraschung und Überforderung abgelenkt werden.

  Das richtige Gefühl beginnt oft schon, bevor man überhaupt in der Gondel sitzt.
Das richtige Gefühl beginnt oft schon, bevor man überhaupt in der Gondel sitzt.

Seid ihr der beste Guide?

Findet ihr euch auf dem Trail zurecht, wenn ihr übermäßig abgelenkt seid? Könnt ihr eure Bike-Skills vermitteln? Könnt ihr nach einem Sturz eures Nachwuchses ihr Wohlbefinden objektiv einordnen? Viele Bikeparks haben inzwischen klasse Anfänger-Programme. Die Guides kennen die Trails und wissen, wie man für Anfänger wichtige Techniken erklärt. Es ist schön und lohnend, mit euren Jüngsten die Berge zu erkunden, es ist aber auch absolut beängstigend. Ich bin im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis einem Guide und meinem Kind gefolgt und fühlte mich durch seine Aufmerksamkeit und Fachkenntnis beruhigt. Ich würde nicht zögern, bei diesen Profis eine Privatstunde zu nehmen.

Die Guides wissen, wie sie mit den Kids umzugehen und was sie ihnen zu sagen haben.
Die Guides wissen, wie sie mit den Kids umzugehen und was sie ihnen zu sagen haben.

Ein ganzer Tag?

Ein Halbtagsticket könnte eine gute Idee sein, da ein ganzer Tag am Berg höchstwahrscheinlich zu viel sein wird. Tatsächlich gibt es in den meisten Parks auch Tickets für eine einfache Fahrt. Zwei Abfahrten klingen nicht nach viel, wenn allerdings jede eine Stunde dauert, passt das schon. Plant am Nachmittag eine Wanderung oder einen Schwimmbadbesuch und macht euch für den nächsten Tag auf dem Bike bereit, wenn eure Muskeln und Hirne wieder aufnahmebereit sind.

Runden auf dem Pumptrack können genauso lohnend sein wie Abfahrten im Bikepark.
Runden auf dem Pumptrack können genauso lohnend sein wie Abfahrten im Bikepark.

Das Wetter

Nur weil ihr eure Ausrüstung dabei habt und in den Bergen seid, heißt das nicht, dass ihr fahren müsst. Nasse Trails beeinflussen die Performance eines Bikes dramatisch und damit die Erfahrungen eines Anfängers. Es lohnt sich also, auf bessere Bedingungen zu warten, bevor ihr eure Kids auf die Trails lasst. Haben sie einmal Angst vor einer Sektion, ist diese schwer zu überwinden.

Das Wetter kann manches Hindernis zum Albtraum machen, achtet also darauf.
Das Wetter kann manches Hindernis zum Albtraum machen, achtet also darauf.

Trail-Stau

Gibt es eine optimale Zeit, um mit euren Kids zu fahren? Auf jeden Fall! Dann nämlich, wenn auf den Trails nicht zu viel los ist. Das bedeutet meist früh am Morgen oder am späten Nachmittag, um die Massen zu vermeiden. Volle Trails sind stressig für Anfänger und damit gefährlich für den Nachwuchs. Die Fahrer geben hier Vollgas, egal ob es ein Anfängertrail oder einer für Fortgeschrittene ist. Wenn sie einen Zusammenstoß nicht verhindern können, gibt es ein Desaster. Während eine Kollision der GAU ist, ist allein das Stresslevel schon schlimm genug. Wenn man eingeschüchtert ist und sich nur Gedanken über den Fahrer hinter einem macht, konzentriert man sich nicht aufs Fahren und macht Fehler, was zu Stürzen führen kann. Tut also alles, um zu ruhigeren Zeiten auf die Trails zu kommen, bis alle Beteiligten so schnell unterwegs sind, dass sie auf dem Trail kein Risiko mehr eingehen.

Leere Trails bieten den Kids die Möglichkeit, die Bremse offen zu lassen!
Leere Trails bieten den Kids die Möglichkeit, die Bremse offen zu lassen!

Folgen oder führen?

Viel befahrene Trails führen zu einer wichtigen Frage: folgen oder führen? Aus Sicherheitsgründen raten wir dazu, zu folgen, denn so seid ihr sozusagen die Pufferzone für eure Kids. Wenn ihr einen anderen Fahren kommen hört, könnt ihr euch so breit machen und an schwierigen oder unübersichtlichen Stellen ein gefährliches Überholen verhindern. Eure Aufgabe ist es, für die Sicherheit zu sorgen. Nehmt also Geschwindigkeit raus und fahrt an die Seite, sobald es möglich ist, um die schnelleren Fahrer passieren zu lassen. Wenn ihr führt, könnt ihr die Linienwahl vorführen und die Geschwindigkeit vorgeben. Am besten fährt ein Kind natürlich zwischen zwei erfahrenen Fahrern, was aber natürlich nicht immer möglich ist.

Wenn ihr folgt, könnt ihr eure Kids besser schützen und besser guiden.
Wenn ihr folgt, könnt ihr eure Kids besser schützen und besser guiden.

Sessellift oder Gondel?

Wie bekommt ihr eure Kurzen zum Gipfel? Wenn es ein Sessellift ist – bekommt ihr zwei Bikes und euer Kind gehandelt? Sobald ihr sitzt, tut euer Kind das auch oder flippt es aus? Gondeln sind natürlich immer stressfreier für alle Beteiligten, ein Sessellift kann aber auch funktionieren. Ihr solltet nur wissen, worauf ihr euch einlasst. Vielleicht wollt ihr zuerst eine Runde ohne Bikes im Lift drehen, um zu sehen, wie es klappt und den Ein- und Ausstieg in den bzw. aus dem Lift zu üben.

Sessellift oder Gondel? Alles, was die Kurzen interessiert, ist den Berg runterzufahren!
Sessellift oder Gondel? Alles, was die Kurzen interessiert, ist den Berg runterzufahren!

Bremswellen

Bremswellen sind für kleinere Menschen ganz anders, es gibt aber ein paar Tricks, um mit ihnen klarzukommen. Denkt daran, dass die Bremswellen nicht nur für Erschütterung, sondern auch für eine Minderung der Bremswirkung sorgen. Bringt euren Kids bei, von der Mitte des Trails wegzubleiben, wenn die Bremswellen zu grob sind. Dadurch werden sie nicht ganz so schlimm durchgeschüttelt. Es ist allerdings das Gegenteil dessen, was man intuitiv tun würde, ihr werdet euch also wiederholen müssen.

Erinnert euren Nachwuchs, dorthin zu schauen, wohin sie fahren wollen.
Erinnert euren Nachwuchs, dorthin zu schauen, wohin sie fahren wollen.

Anlieger

Heiliger Bimbam, Anlieger können schon einschüchternd sein! Ein großer, geshapter Anlieger wird Anfänger dazu verleiten, auf der Innenlinie zu fahren, was genau das Gegenteil dessen ist, was sie tun sollten. Vergegenwärtigt euch, dass Anlieger nicht für jeden nach Spaß aussehen und haltet an, um sie zusammen in Augenschein zu nehmen. Macht euren Kids die Kurve ein paar Mal vor, damit sie wissen, wie es geht.

Anlieger sehen für Anfänger deutlich größer aus, helft ihnen bei der Linienwahl!
Anlieger sehen für Anfänger deutlich größer aus, helft ihnen bei der Linienwahl!

Steilstücke

Genau wie Anlieger sind Steilstücke einschüchternd und verlangen Übung. Lasst eure Kurzen die Sektion zuerst ein paar Mal ablaufen. Ihr werdet euch wundern, wie schnell sie vom Ablaufen zum Fahren wechseln, wenn man sich nicht unter Druck setzt.

Erinnert die Kids daran, ihr Gewicht auf Steilstücken hinten zu halten.
Erinnert die Kids daran, ihr Gewicht auf Steilstücken hinten zu halten.

Ermüdung

Die geistige Ermüdung kann beim Erlernen neuer Dinge (wie dem Fahren im Bikepark) fast so gefährlich sein wie die des Körpers. Die Lernkurve eines Anfängers ist ziemlich steil und sie werden sich mit jeder Abfahrt verbessern. Erinnert euch daran, wie es wart, als ihr angefangen habt – es war anstrengend! Ein Erwachsener hat gelernt, seinen Körper so zu fordern, dass er den ganzen Tag fit bleibt, Kinder wissen dagegen selten, wann sie dehydriert sind. Zudem verschleiert das Adrenalin oft die Signale übermüdeter Muskeln.

Wenn man müde ist, fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Macht genug Pausen und haltet den Tag kurz.
Wenn man müde ist, fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Macht genug Pausen und haltet den Tag kurz.

Vielen Dank an den Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis für die neuen Einblicke und einen Ort, um unsere Theorien testen zu können!

Die Fahrer:

Alex ist 8 Jahre alt und fährt ein COMMENCAL SUPREME in 24″.
Drew ist 6 Jahre alt und fährt ein Propain Frechdax in 20″.

Habt ihr die erste beiden Teile der Serie verpasst? Kein Problem, ihr könnt sie hier nachlesen:

Little Shredders Teil 1 – Das perfekte Kids-Bike für den Bikepark
Little Shredders Teil 2 – Sicherheitsausrüstung für den Bikepark

Seit ihr noch auf der Suche nach dem perfekten Bike für eure Kids? Dann werft doch einen Blick in unsere Kaufberatung für Kinder-Mountainbikes

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Text & Fotos: Evan Phillips