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On Tour: Das Focus Trail Team bei der EWS #5 – Winterpark, CO

Und erneut ging es für das Focus Trail Team auf eine lange Reise! Diesmal ging es über den großen Teich nach Winterpark, Colorado. Dünne Luft und Jetlag erschwerten die Akklimatisierung an das neue Umfeld – hier der Bericht vom spannenden Wochenende in den USA aus Sicht des Teams!

Das Focus Trail Team ist mal wieder on the road bzw besser gesagt in the air! Für Markus und mich ging es nach Colorado zur World Series in Winter Park.

Fabian Scholz prügelt das Focus SAM durch die Wälder Colorados.

Fabian Scholz prügelt das Focus SAM durch die Wälder Colorados.

Bei der Sicherheitskontrolle wurden wir per Zufallssystem zu einem genaueren Check heraus gezogen und kontrolliert. Leider hatte Markus sein kaputtes Handy im Handgepäck, was die Sicherheitsbeamten gar nicht lustig fanden. Die Regel schreibt vor, dass nur funktionierende Geräte mit ins Flugzeug genommen werden dürfen. Nach langem hin und her mit Polizeieskorte durften wir dann doch mitfliegen… und das 15min vor Abflug! Glücklicherweise sind wir noch Rechtzeitig gekommen und waren somit 10 Stunden später in Denver.

Von dort aus ging es mit dem Mietwagen nach Winter Park. Wir reisten Dienstagnachmittag an, damit wir uns an die Zeitverschiebung und die Höhe gewöhnen konnten. Winter Park liegt auf 2800m ü. NN. und das Rennen startet auf 3200m. Da kann es in Sachen Höhenkrankheit schon mal gefährlich werden. Also war am ersten Tag erst mal Ruhe angesagt, doch weit gefehlt, der Bikepark sah so einladend aus, so dass wir uns gleich auf unsere Bikes schwingten. Da einige Stages wieder im Bikepark sein sollten, wollten wir natürlich auch schon mal auf gut Glück ein paar Stages fahren. Die meisten anderen Fahrer waren schon länger vor Ort um sich besser an die Höhe zu gewöhnen.

Auch Steinfelder gehörten zu den anspruchsvollen Strecken in Winterpark.

Auch Steinfelder gehörten zu den anspruchsvollen Strecken in Winterpark.

Am Donnerstag erwachten wir leider beide mit Halsschmerzen. Jetlag, Klima im Flieger und die Höhe hatten uns ziemlich zugesetzt. Doch Jammern half nichts, das Training ging Punkt 12 los. Erst dann wurden die beiden ersten Stages bekannt gegeben, beide natürlich im Bikepark. Nachdem wir unsere Startnummer geholt hatten, fuhren wir jede Stage zwei Mal ab. Die erste Stage war sehr physisch und ging über eine Art A-Line durch den gesamten Park. Die zweite Stage führte teilweise über die Downhillstrecke und kreuzte quer durch den Park. Mit unseren 4 Trainingsruns fühlten wir uns zwar auf so langen Stages noch nicht super sicher, wollten aber auch nicht zu viel Energie vergeuden.

Am Freitag ging es uns leider noch schlechter und eine fiese Erkältung hatte sich eingenistet. Mit Nasenspray und Taschentüchern bewaffnet fuhren wir zum Start von Stage 1. Dass diese Stage kein Zuckerschlecken werden sollte, war klar. Über 10min Fahrtzeit bei gerade einmal 400 Tiefenmetern bedeutet extrem viel pedalieren. Im Ziel angekommen hatte man einen schönen Blut Geschmack im Mund. Wir waren also bestens aufgewärmt für Stage 2. Diese war mit 7 Minuten deutlich kürzer und auch technisch anspruchsvoller. Markus kam noch nicht so klar und platzierte sich in den Top 80 während ich mit Platz 54 und 57 auch nicht gerade zufrieden war. “Naja es kamen ja noch 5 Stages.”

Markus Reiser durfte fast aufgrund verschärfter Flugsicherheitsregelungen nicht in die USA einreisen.

Markus Reiser durfte aufgrund verschärfter Flugsicherheitsregelungen fast nicht in die USA einreisen.

Eine davon durfte am Nachmittag trainiert werden. Stage 3 war zur Abwechslung ein natürlicher Singletrail und enthielt ein berüchtigtes Steinfeld, bei dem sich letztes Jahr schon einige Fahrer die Bremsscheiben verbogen hatten. Gegen Ende der Stage wurde es dann wieder sehr flach und pedalieren war angesagt. Wir fuhren die Stage nur einmal ab, da sie etwas abseits lag und äußerst zeitaufwendig war. Am Abend fuhren wir erst mal zum Apotheke um uns mit Medikamenten einzudecken. Witzigerweise bekommt man in den USA nahezu alles ohne Rezept, nur bei stärkeren Mitteln muss der Führerschein registriert werden. Wir kauften uns natürlich gleich was Starkes und hofften auf schnelle Besserung.

Die Arbeitsgeräte der beiden Focus Trail Teamfahrer.

Die Arbeitsgeräte der beiden Focus Trail Teamfahrer.

Am nächsten Tag hatte sich unser Gesundheitszustand leider nur etwas verbessert. Am Morgen wurden Stage 4 und 5 bekannt gegeben, diese durften dann gleich trainiert werden, um danach Stage 3, 4 und 5 zu racen. Stage 4 und 5 waren frisch angelegte Singletrails. Der sandige Untergrund sorgte für viel Spaß und gute Drifts! Beide Stages konnten nur einmal abgefahren werden, denn anschließend ging es gleich zu Stage 3. Leider hatten einige Fahrer die „geheimen“ Stages schon gefunden und trainiert. Aus der geplanten Startzeit wurde auch nichts, da sich die Veranstalter mit den Trainingszeiten verkalkuliert hatten und auf Stage 4 noch die Amateur Men zu Gange waren. Nach geschlagenen 55 Minuten Verspätung machten wir uns erneut warm, um bei dünner Luft und flachem Geläuf die Lungen zum brennen zu bringen.

Markus Reiser auf den Strecken Winterparks.

Markus Reiser auf den Strecken Winterparks.

Stage 4 sollte mit gerade einmal 1,5 Minuten die kürzeste Stage des Rennens werden. Stage 5 zog sich länger über den frischen Singletrail und enthielt einige kleine Gegenanstiege und einen Schlusssprint. Als wir die 3 Stages hinter uns gebracht hatten, durften wir zur Freude noch Stage 6 und 7 trainieren. Ehrlich gesagt waren wir nach 3 Stages schon platt und versuchten uns kurz in der Unterkunft zu regenerieren. Viel Zeit zum trainieren hatten wir nicht mehr und so reichte es nur noch für einen Trainingsrun pro Stage.

Unsere Laune besserte sich durch Stage 6 auch nicht gerade, da diese Stage eher einer XC Strecke glich. Geschätzte 7 Minuten ging es durch einen fast ebenen, engen Singletrail und endete mit einem Highspeed Downhill Waldweg. Während des Trainings war die Stage leider noch nicht fertig getaped, so dass wir nur erahnen konnten, wo sich das Ziel befindet. Viele Fahrer beschwerten sich über die Stage und es wurde tatsächlich überlegt die Stage aus dem Rennen zu nehmen. Letztendlich wurde sie aber im Rennen gelassen. Stage 7 sollte dann noch den krönenden Abschluss bilden und die technisch anspruchsvollste Stage des Rennens werden. Da wir bereits 6 Stages gefahren waren, rollten wir diese Stage nur einmal durch und schauten nur gefährlich Stellen mit Steinfeldern und Sprüngen genauer an. Wir waren einfach zu fertig um uns alles in Ruhe anzuschauen. Die Aufnahmen unserer Rollei Cam sollten dann für die nötige Sicherheit sorgen. Am Abend fielen wir völlig erschöpft ins Bett, um dank Jetlag um 6 Uhr wieder hell wach zu sein.

Markus wartet auf den Startschuss der Stage.

Markus wartet auf den Startschuss der Stage.

Sonntag und damit letzter Renntag hielt einige Überraschungen für uns bereit. Der Tret-Transfer zur Stage 6 wurde gestrichen und wir durften mit dem Lift zum Start fahren. Dort angekommen passiert nach den ersten 30 Damen und ca. 15 Herren nichts mehr. Erst herrschte Unklarheit was los ist, dann wurde aber Licht ins Dickicht gebracht und die Infos lautete: Eine Frau ist schwer gestürzt und die ersten 15 Männer konnten ihren Run nicht zu Ende bringen. Da das ganze am Ende der Stage passierte, wurde heftig diskutiert wie man weiter macht. Am Ende einigten die Fahrer sich drauf die Stage zu wiederholen. Bis alle wieder am Start waren bzw. bis alle Entscheidungen getroffen waren, vergingen gut und gerne 2 Stunden.

Und dann ging es los!

Und dann ging es los!

Zeitweise herrschte viel Tumult und Unmut über die Entscheidung. Im Nachhinein war es aber wohl die fairste Entscheidung. Nachdem alles geklärt war, durften auch wir uns auf den Cross Country Kurs begeben und noch einmal unter Beweis stellen, dass sich der Körper in so kurzer Zeit nicht an den mangelnden Sauerstoff gewöhnen kann. Über 10 Minuten bei ca. 200 Tiefenmetern, mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Schlussendlich nahmen wir noch Stage 7 in Angriff. Diese Wertungsprüfung war nochmal eine extreme Herausforderung was die körperliche Fitness anging. Bereits nach der Hälfte brannten Arme und Beine. Einige große Sprünge am Ende der Stage verlangten nochmal volle Konzentration und Kraft. Völlig ausgepowert warteten wir im Zielbereich auf die Zeiten. Doch wie schon die Tage zuvor sollten mehrere Stunden vergehen, bis das Ergebnis feststand. Für uns unerklärlich!

Fabian Scholz wurde 53. in der 5. Runde der Enduro World Series in Winterpark, Colorado.

Fabian Scholz wurde 53. in der 5. Runde der Enduro World Series in Winterpark, Colorado.

Am Ende wurde es ein 59er Platz für Markus und ein 53ter Platz für mich. In Anbetracht der Umstände ein einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis. Die Organisation des Events war leider mehr als enttäuschend. Auch bei der World Series hat man mit Problemen wie Training auf eigentlich geheimen Stages, Wartezeiten und schlechter Ausschilderung zu kämpfen. Irgendwie muss man sich auch fragen, wieso ein Rennen in solch einer Höhe stattfindet. Für alle die aus normaler Höhe kommen, ist es super schwer und auch gefährlich dort sportliche Höchstleistungen zu erbringen. Selbst eine ganze Woche reicht nicht, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Zweiwöchige Aufenthalte können sich nur die Großen Teams leisten. Sodass private Fahrer oder Teams mit geringem Budget deutlich im Nachteil sind. Locals sind durch diesen Umstand natürlich deutlich im Vorteil, was auch die Ergebnissliste widerspiegelt. Ungewöhnlich viele Amerikaner sind in den Top20 während viele Europäer weiter hinten als gewöhnlich platziert sind. Nichts desto trotz hat uns die Woche in Colorado gefallen und um einige Erfahrungen reicher sind wir auch.

Mehr Informationen auf www.focus-bikes.com

Text: Fabian Scholz | Bilder: Daniel Dunn

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