Um uns im Großstadtdschungel zurechtzufinden, besitzen wir Navigationsgeräte und den Fahrplan der U-Bahn, wir checken per App Öffnungszeiten, vergleichen Flugpreise online, nur beim Setup unseres Fahrwerks verlassen wir uns aufs Bauchgefühl. Doch damit ist jetzt Schluss! Das verspricht zumindest das Quarq ShockWiz-Tool. Ob das Gerät wirklich den Weg zum optimalen Setup kennt, haben wir herausgefunden.

Das Quarq ShockWiz sieht unscheinbar aus, hat es aber in sich!

Ein Bike funktioniert nur so gut, wie es abgestimmt ist. In Zeiten, in denen Federelemente immer komplexer werden und über immer mehr Einstellungen verfügen, soll das Quarq ShockWiz-Tool helfen, schnell und einfach das perfekte Setup zu finden und so die optimale Performance aus dem Bike herauszukitzeln.

ShockWiz kann sowohl an der Federgabel als auch am Dämpfer verwendet werden.

Was ist das Quarq ShockWiz?

Bei ShockWiz handelt es sich um eine kleine Einheit, die an die Luftkammer der Federgabel oder an den Dämpfer angeschlossen wird und dann via Bluetooth mit dem Smartphone kommuniziert. Dort wird in einer eigenen App das Fahrwerk analysiert und es werden Empfehlungen zum Setup gegeben. Dem Fahrer stehen dabei vier verschiedene Fahrmodi (Efficient, Balanced, Playful und Aggressive) zur Auswahl. ShockWiz startete als Kickstarter-Kampagne und wurde dann von der SRAM-Tochter Quarq übernommen, die das kleine Wunderteil zur Marktreife entwickelte.

ShockWiz besteht aus dem Rekorder an der Federgabel und einer Smartphone-App. Auf jede Tour muss man das Telefon deshalb aber nicht mitnehmen, das Gerät verfügt über einen internen Speicher.

Wie funktioniert das Quarq ShockWiz?

Während der Fahrt analysiert ShockWiz bis zu 100 Mal pro Sekunde das Federelement. Dabei misst es den aktuellen Druck in der Luftkammer und die Zeit, die die Änderung dauert. Darüber können Rückschlüsse auf den Luftdruck, die Federkennlinie, die Druckstufendämpfung sowie die Zugstufendämpfung gewonnen werden. Ein ShockWiz-Gerät checkt lediglich ein Federelement. Will man bei einem Fully direkt beide Federelemente abstimmen, benötigt man zwei Geräte oder muss den Test nacheinander durchführen. Zwei ShockWiz-Geräte kommunizieren aber nicht miteinander, sprich die Federgabel weiß nicht, was der Dämpfer macht, und vice versa. Es hilft also nicht, die optimale Balance des Fahrrads zu finden, das ist nach Angaben von Quarq aber auch nicht nötig.

ShockWiz funktioniert aufgrund seiner Messmethode ausschließlich mit Federgabeln und Dämpfern, die über eine feste Positiv-Luftkammer verfügen. Modelle wie die Öhlins RFX oder Manitou-Gabeln mit einem wandernden Trennkolben werden nicht unterstützt. Auf folgender Liste erfahrt ihr, mit welchen Modellen ShockWiz nicht kompatibel ist.

Über zwei verschiedene Verbindungsstücke lässt sich das Gerät optimal am Dämpfer oder an einer Federgabel montieren.
Eine kleine Batterie versorgt das System mit Strom. Ist sie einmal leer, kann sie kinderleicht getauscht werden.

Die Installation und Kalibrierung von ShockWiz

… geht kinderleicht und wird in den folgenden Videos umfassend erklärt. Während die Installation nur einmal zu Beginn erfolgen muss, kann es sein, dass die Kalibrierung während des Abstimmungsprozesses der Federgabel bzw. des Dämpfers mehrfach durchgeführt werden muss – immer dann, wenn die Größe der Luftkammer verändert wird.

Installation

Kalibrierung

Der Umfang der ShockWiz-App

Nachdem das ShockWiz-Gerät kalibriert wurde, steht sein voller Funktionsumfang zur Verfügung. Hauptaufgabe von ShockWiz ist, das Fahrwerk optimal auf den Fahrer und die Strecke abzustimmen. Darüber hinaus hilft ShockWiz mit jeder Menge praktischer Erklärungen aber auch dabei, besser zu verstehen, wie das Fahrwerk überhaupt arbeitet.

Jede Einstellung wird ausführlich erklärt.
Deutliche Empfehlungen helfen beim Setup. Diese sollten immer von oben nach unten durchgeführt werden. Jede Änderung erfordert eine neue Testsession.

Für wen ist ShockWiz also wirklich gemacht?

Nach Angaben von Quarq ist ShockWiz für jeden, egal ob Profi oder Anfänger. Für diesen Test haben sowohl erfahrene Tester als auch weniger versierte Fahrer in unserem Umfeld das Gerät ausprobiert.

Hier heißt es noch mehr Fahren. Reichen die Daten noch nicht für klare Empfehlungen, sagt ShockWiz das auch.
Perfekt! Mit ShockWiz wird der Weg zum optimalen Setup deutlich erleichtert.

Bekommt man durch ShockWiz ein besseres Fahrwerks-Setup?

Diese Frage stellt sich wohl jeder, der überlegt, 400 € für das kleine Gerät zu investieren. Eine klare Antwort ist jedoch schwierig. Fakt ist: Bei jedem unserer Tester hat ShockWiz noch etwas Optimierungspotenzial entdeckt – manchmal jedoch nur einen Klick Zugstufen-Dämpfung oder einen Volumenspacer mehr oder weniger. Speziell bei komplexen Dämpfern spielt das kleine Gerät jedoch seine Stärken voll aus. Beim FOX FLOAT X2 z. B. lag zwischen dem empfohlenen Base-Setup und dem von ShockWiz vorgeschlagenen Setup eine gefühlte Welt. Das System empfahl uns hier, deutlich die Druckstufendämpfung zu reduzieren und den Rebound zu verlangsamen. Das Ergebnis war ein ruhigeres und feinfühligeres Fahrwerk. Top!

Je komplexer der Dämpfer/die Federgabel, umso praktischer ist ShockWiz.

Häufig empfahl uns ShockWiz, die Dämpfung bei Dämpfern ohne externe Druckstufen-Verstellung zu verändern. Hier hat man als Fahrer jedoch keine Möglichkeiten, das Fahrwerk anzupassen. Die Information bietet dann also wenig Mehrwert.

Sind wir ShockWiz länger gefahren, ohne regelmäßig eine neue Session zu starten, änderten sich auch die Empfehlungen je nach vorher gefahrener Strecke minimal, da dann der Pufferspeicher im Gerät mit neuen Daten überschrieben wird. Es eignet sich also durchaus, um das Fahrwerk auf verschiedene Strecken optimal abzustimmen, das erfordert aber einige Zeit und ist daher vermutlich v. a. für Downhill-Fahrer interessant, die immer wieder die gleiche Strecke fahren. Tourenbiker hingegen erhalten ein sehr gutes Base-Setup, das jedoch an sich auch einen kleinen Kompromiss darstellt.

Mit einem optimal eingestellten Fahrwerk sind solche Steinfelder gleich nur noch halb so schlimm.

Unser Fazit zum Quarq ShockWiz

Das Quarq ShockWiz lässt sich ganz gut mit einem Auto-Navi vergleichen: In einer ungewohnten Umgebung hilft es ungemein, kennt man sich jedoch schon etwas aus und weiß, wo man hin will, bietet es nur noch einen geringen Mehrwert. Der Preis von 400 € ist hoch, aber die Investition gemeinsam mit ein paar Kumpels dennoch durchaus lohnenswert. Wir sind gespannt, wie sich das System weiterentwickelt, und ob wir es in Zukunft vielleicht fix integriert in Fahrwerken vorfinden.

Mehr Informationen findet ihr unter quarq.com

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Text & Fotos: Christoph Bayer