Die RockShox PIKE markierte vor gut vier Jahren einen echten Quantensprung in der Performance von Federgabeln. Seither gilt sie als Benchmark, an der sich alle anderen Modelle messen müssen. Jetzt hat RockShox ihre härteste Konkurrentin vorgestellt: eine komplett neue PIKE.

RockShox hat der Erfolgsfedergabel PIKE weit mehr als nur ein kleines Facelift verpasst. Keine Schraube des neuen Modells gleicht dem alten. Die einzige Gemeinsamkeit: die klassische RockShox-Optik. Die neue PIKE soll leichter, feinfühliger und noch potenter sein als ihre Vorgängerin. Wir haben sie auf den abwechslungsreichen Trails in Latsch/Südtirol für euch schon einem ersten Test unterzogen.

RockShox hat die PIKE für die neue Saison grundlegend überarbeitet.

Was wurde an der neuen PIKE geändert?

Die Antwort auf die Frage ist einfach: fast alles! Das Casting wurde ebenso wie die Charger-Dämpfung und die Luftkammer grundlegend überarbeitet. Gleich geblieben ist nur die Optik, bei der sich auf den ersten Blick bis auf die Decals nur wenig getan hat. Mit ihrem geringeren Gewicht soll sich die PIKE klarer als bisher von der Lyrik abgrenzen und wird von RockShox vor allem für den Einsatz an Trailbikes empfohlen.

Alt vs. neu – eine große Neuerung ist die überarbeitete Charger-Dämpfungskartusche.

Die Eckdaten der neuen RockShox PIKE auf einen Blick

  • bis zu 160 mm Federweg bei 27,5″ bzw. 140 mm bei 29″
  • 150 g leichter als ihre Vorgängerin (1.841 g bei 27,5″)
  • neuer überarbeiteter Charger 2-Dämpfer
  • neue DebonAir-Luftkammer für feinfühligeres Ansprechverhalten und mehr Support
  • Reifenfreiheit bis 2,8″ (27,5″ x 3,0″ große Reifen passen in die 29er-Version)
  • 180 mm PM-Bremsaufnahme
  • kompatibel mit Torque-Cap
  • weiterhin 35-mm-Standrohre
  • sowohl als RCT3- als auch RC-Variante erhältlich (RC nur für Hersteller)
  • Preis: 970–1.100 €

Das Chassis der neuen PIKE

RockShox hat nicht versucht, das Casting der PIKE nochmal spürbar steifer zu machen – und das ist gut so. Der Kompromiss aus Flex und direktem Handling war bereits beim Vorgänger sehr gut gewählt, daher wurde die Steifigkeit auch nur minimal erhöht. Allerdings gelang es den Amerikanern, das Gewicht des Castings zu reduzieren und die Reifenfreiheit zu erhöhen. Die neue PIKE ist sowohl in der 27,5″- als auch in der 29″-Variante erhältlich und bietet jeweils Platz für bis zu 2,8″ breite Reifen. In der 29er-Version können auch 3,0″ breite 27,5″-Reifen gefahren werden. Alle Modelle verfügen über eine Steckachse mit 110 x 15 mm. Bremsscheiben mit 180 mm Durchmesser können ab sofort ohne Adapter direkt an der PM-Aufnahme montiert werden.

Leichter und dennoch sogar minimal steifer: RockShox hat beim neuen Chassis ganze Arbeit geleistet.
Die Bremsleitung wird mit einer Schraube geklemmt.
Die Torque Cap-Aufnahme erhöht dank der vergrößerten Auflagefläche die Steifigkeit und bringt Lenkpräzision. Die Technologie kann von Nabenherstellern von nun an lizenzfrei genutzt werden.

Die DebonAir-Luftkammer der RockShox PIKE

Bisher kannte man die Bezeichnung DebonAir vor allem von den RockShox-Dämpfern. Dabei handelt es sich um eine vergrößerte Negativ-Luftkammer, die ein feinfühligeres Ansprechverhalten und mehr Support im mittleren Federwegsbereich bieten soll. Auch bei der RockShox Lyrik kam bereits eine größere Negativ-Luftkammer zum Einsatz. Wie beim Vorgänger kann auch bei der neuen PIKE die Progression mithilfe von Tokens verändert werden. Zum Einsetzen der Tokens benötigt man nun ein Kassetten-Tool. Es soll das Verkratzen der Verschlusskappe verhindern, das mit einem 24-mm-Gabelschlüssel häufig auftrat.

Zum Einsetzen der Tokens wird die Luftkammer von nun am mit einem Kassetten-Tool geöffnet.
Beim Setup empfiehlt RockShox, sich an die Vorgaben der Tabelle zu halten. Der SAG ist häufig zu ungenau. E-Mountainbiker sollten 10 psi mehr in ihrer Federgabel fahren.
Speziell auf den ersten 50 mm Federweg soll die neue PIKE deutlich feinfühliger ansprechen als ihre Vorgängerin.

Der überarbeitete Charger 2-Dämpfer der RockShox PIKE

Die neue RockShox Charger 2-Einheit im Inneren der PIKE ist wieder eine geschlossene Dämpfungskartusche, bei der das Öl beim Komprimieren der Federgabel in eine Bladder gedrückt wird. Diese Bladder ist nun konisch vorgeformt, wodurch die Ölmenge reduziert wurde. Hauptaugenmerk bei der neuen Charger 2-Dämpfung lag auf einem vergrößerten Zugstufen-Einstellbereich (vor allem für leichte Fahrer klasse) und einer erweiterten Lowspeed-Verstellung im Open-Mode. Außerdem ist die Dämpfungseinheit nun auch mit dem OneLoc-Remotehebel kompatibel, mit dem sich das Fahrwerk vom Lenker aus verhärten lässt. Wie ihre Vorgängerin ist auch die neue PIKE als RC und RCT3-Variante erhältlich, wobei Erstere nur von Herstellern erworben werden kann.

Die neue Charger-Kartusche ermöglicht eine breitbandigere Zug- und Druckstufeneinstellung.
Die neuen Verstellknöpfe sind flacher, kantiger, edler.

Wie funktioniert die neue RockShox PIKE auf dem Trail?

Steine, Wurzeln, Bremswellen, Anlieger – die Trails im sonnenverwöhnten Vinschgau sind vielfältig und das ideale Testrevier, um einer Federgabel einmal ordentlich auf den Zahn zu fühlen. Getestet haben wir eine PIKE DebonAir RCT3 mit 150 mm Federweg in einem COMMENCAL META AM. Zu Beginn starteten wir mit einem Grundsetup. Den Luftdruck bestimmten wir nach der aufgedruckten Tabelle – das wird von SRAM empfohlen, da die Ermittlung des SAG ggf. zu ungenau sein kann. Mit zwei Tokens in der Luftkammer, nur wenigen Klicks Lowspeed-Druckstufe (4) und einer eher schnellen Zugstufe ging es los. Im ersten Uphill verhärteten wir die PIKE mittels der bekannten Verstellung. Diese funktionierte gewohnt effektiv, aufgrund persönlicher Vorlieben nutzten wir dieses Feature im weiteren Test jedoch nicht mehr.

Selbst im gröbsten Gelände gerät die neue PIKE nicht aus der Ruhe und filtert Schläge souverän weg.
Die überarbeitete Zugstufe sorgt für viel Traktion, speziell in Kurven.

Der Fokus lag jedoch auf der Abfahrt – und hier weiß die PIKE ebenfalls zu überzeugen. Am besten beschreibt man ihre Funktion als absolut unauffällig. Schon mit dem Setup, das wir auf dem Parkplatz gewählt hatten, funktioniert sie sehr gut. Spricht extrem feinfühlig an. Steht beim Anbremsen hoch im Federweg, sackt nicht weg und nutzt immer genau so viel Hub, wie es der jeweilige Schlag erfordert.

Vergesst verkrampfte Hände, die neue PIKE saugt Unebenheiten förmlich auf!
Auch beim Anbremsen steht die PIKE hoch im Federweg und sackt nicht weg.

Während der Abfahrten spielten wir etwas mit verschiedenen Zugstufen-Einstellungen, wobei die Gabel bei einer eher schnell eingestellten Zugstufe die beste Traktion bot. Das machte sich vor allem auf offenen Kurven bemerkbar, wo das Vorderrad sehr gut die Linie hielt. Lenkimpulse setzt sie sehr direkt um, ohne aber zu steif und damit unkomfortabel zu sein.

Fazit

Die neue RockShox PIKE kann alles noch besser als ihre Vorgängerin: Sie ist leichter, arbeitet feinfühliger, bietet mehr Traktion und steht noch stabiler im Federweg. Im immer härter umkämpften Federgabelmarkt braucht sie sich nicht vor der Konkurrenz zu verstecken und überzeugt obendrein mit einem intuitiven und einfachen Setup.

RockShox verpasst zudem den Gabeln Lyrik, Yari und Revelation einige Updates

Mehr Informationen findet ihr unter sram.com

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Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Victor Lucas

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.