35 Jahre sind bereits vergangen, seit Grayson Bain, Jacob Heilbron und Sam Mak in Vancouver die Firma Rocky Mountain gegründet haben. Seit ihrem Beginn in einer Garage hat sich die Bikeschmiede in der Zwischenzeit zu einer der begehrtesten Radmarken entwickelt. In den dreieinhalb Jahrzehnten hat sich einiges verändert, doch vieles ist noch immer wie damals …

Dazu zählt unter anderem die Liebe zu den Trails und den Wäldern im Norden Vancouvers. Die Berge hinter der Stadt, die North Shore Mountains, haben die Bike-Welt geprägt! Legendäre Filme wie. die North Shore Extreme-Reihe, die wohl jeder Biker auf VHS-Kassette besessen hat, sind nur einen Steinwurf von der Millionenstadt Vancouver entstanden.

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Es sind die Trails, auf denen das Team von Rocky Mountain damals wie heute seine neuesten Prototypen testet. Genau die Trails, für die die Bikes der kanadischen Firma entwickelt werden und auch genau die Trails, die dann manchmal als Namenspate für neue Modelle dienen. Bestes Beispiel: das Pipeline, das nach dem Hometrail von Wade Simmons am Mt. Fromme benannt wurde.

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Kein Wunder designt die Crew von Rocky Mountain ihre Bikes schon immer etwas anders. Was für die Jungs und Mädels seit jeher zählt: Fahrspaß! Und das vor allem bergab. Wie das perfekte Rad für die Shore-Trails aussehen muss, zeigen die BC-Edition-Modelle. Mehr Federweg, robustere Reifen, breiteres Cockpit – die Trails hier sind deutlich anspruchsvoller und in den Erzählungen über die lokale XC-Runde kommt von Shredden bis Jumps fast alles vor, außer Leichtbau, Watt und Leistung.

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Von außen ist es ein unscheinbarer Industriekomplex, in dem sich die Entwicklungs- und Marketingabteilung von Rocky Mountain in North Vancouver befindet. Der einzige Hinweis: das Firmenlogo über der kleinen Eingangstür. Direkt nebenan schwitzen gestählte Typen in einem Crossfit-Studio. Im Inneren empfängt einen Nostalgie – nicht in Form eines Büros mit dem Flair einer englischen Bibliothek, sondern durch alte Bike-Rahmen wie den legendären Suzi Q oder ein Altitude-Hardtail aus den Anfängen der Firma. Direkt neben den Bikes befinden sich die Arbeitsplätze des Teams. Typisch kanadisch arbeiten nahezu alle der 25 Mitarbeiter hier gemeinsam in einem großen Raum. Zwischen den Schreibtischen findet man das eine oder andere weitere Relikt vergangener Tage. Wer kennt ihn nicht, den RM7-Rahmen mit dem einzigartigen Flammendesign? Hier liegt er eingestaubt auf einem Regal.

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Richtig spannend wird es jedoch, wenn man vom Büro durch die Kaffeeküche in eine große Industriehalle schlendert. Dort befinden sich ein kleines Prüflabor, das Lager, Montageplätze, ein Kickertisch und die Prototypenwerkstatt. Alles wirkt etwas ungeordnet, nahezu chaotisch, hat aber am Ende doch seinen Platz und versprüht diesen kreativen Charme, der zeigt, dass hier tatsächlich erschaffen, getüftelt und experimentiert wird. Es ist das Reich von Billy Chang, der bereits seit mehr als 25 Jahren Teil der Rocky Mountain-Familie ist. Er dreht, fräst und schweißt Bauteile für die neuesten Prototypen und alle Neuheiten der letzten Jahre sind einmal durch seine Hände gewandert.

An einem der Prüfstände treffe ich Tom. Er ist Head of Development, entwickelt mit seinem Team aber nicht nur neue Bikes, sondern erzählt mir voller Stolz von neuen Features auf einem Trail genannt Pingu, den wir später fahren werden. Tom hat eine Partnerschaft für den Trail übernommen, pflegt ihn, baut ihn aus und sorgt so in zweierlei Hinsicht dafür, dass alle mehr Spaß am Biken haben – durch neue Räder und einen perfekten Trail.

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Durch Gespräche wie dieses wird deutlich, was Rocky Mountain auszeichnet: Es ist zum einen die tiefe Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln hier in Vancouver, mit den eigenen Teamfahrern wie z. B. Wade Simmons, der schon seit 20 Jahren Teil der Erfolgsgeschichte ist, aber auch mit den eigenen Mitarbeitern wie Billy.

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Gleichzeitig ist es aber auch die Liebe zum Sport. Die Jungs und Mädels erschaffen hier die Bikes, auf die sie auch selbst richtig Bock haben und konzentrieren sich auf das, was sie am besten können. Deshalb sind vor einigen Jahren auch Rennräder aus dem Produktportfolio verschwunden. Um kurz nach 17 Uhr steht nahezu die gesamte Belegschaft vor dem Büro, belädt die Pick-ups und macht sich auf den Weg zu einem gemeinsamen After-Work-Ride.
„Love the Ride“ ist hier nicht nur ein Werbeslogan, dieser Satz wird auch gelebt. Und das ist am Ende wohl auch der Schlüssel zum Erfolg.

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Verpasst nicht unseren Rocky Mountain Pipeline Test und den Test des Thunderbolt BC Edition, sowie unsere First Looks des brandneuen Enduros Slayer, des Element XC-Bikes und des Reaper Kids-Bikes.

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.