Nach diesem Test haben wir uns gefragt: Was hat sich Specialized beim Enduro Coil Carbon nur gedacht? Das Bike auf lediglich 200 Stück weltweit zu limitieren, grenzt schon fast an ein Vergehen an der Bike-Community! Wir verraten, weshalb.

Während Manowar sich selbst als „Kings of Metal“ bezeichnet haben, sind die Jungs von Öhlins da schon etwas zurückhaltender. Dabei verfügen sie über enormes Know-how – auch in Sachen Metall, noch mehr jedoch im Bereich Dämpfung. Seit einiger Zeit baut der Fahrwerksexperte sein Produktportfolio im Mountainbike-Segment aus und ein Partner war von Anfang an Specialized. Mit dem Specialized Enduro Coil Carbon gibt es jetzt eine auf 200 Stück limitierte Sonderedition, deren Fokus klar auf dem Stahlfeder-Fahrwerk liegt: Carbon meets Metal.

Specialized Enduro Coil 29 | 160/165 mm | 14,40 kg | 5.999 €

Ähnlich unaufgeregt wie viele Manowar-Songs findet auch der Erstkontakt mit dem Enduro Coil statt. Ganz in Schwarz gehüllt, versprüht es eine ordentliche Portion Understatement. Die gelbe Stahlfeder in der Mitte verrät aber genauso wie die Kutte eines Rockers, dass mit diesem Bike nicht zu spaßen ist.

Harte Gitarrenriffs, Headbangen, Moshpit – das Enduro Coil ist heavy Metal!

Die Ausstattung des Specialized Enduro Coil 29

Die Ausstattung des Specialized Enduro Coil ist definitiv mehr Metal-Festival als Glamour-Gala. Unnötigen Chic sucht man an diesem Bike vergebens! Die gebotene Leistung, sprich die Ausstattung, ist günstig und funktional, der Preis dafür ähnlich wie ein wirklich gesalzenes Konzertticket. Ein SRAM GX-Antrieb und günstige SRAM Guide R-Bremsen sind wie eine Bockwurst im Brötchen – klar macht sie satt, wenn man dafür aber 8 € bzw. im Fall des Enduro 5.999 € bezahlt, hätte man sich etwas mehr erwartet.

Gabel Öhlins RXF 36 160 mm
Dämpfer Öhlins TTX Custom 165 mm
Bremsen SRAM GUIDE R
Schaltung SRAM GX
Sattelstütze Specialized Command Post IRCC
Vorbau Specialized Trail
Lenker Specialized DH 780 mm
Reifen Specialized Butcher Grid / Specialized Slaughter Grid
Laufräder Roval Traverse 29″

Das Specialized Enduro Coil 29 im Detail

Die integrierte SWAT-Box bietet Platz für die wichtigsten Trail-Essentials wie z. B. einen Schlauch und eine kleine Pumpe. Der 60 mm lange Vorbau ist angesichts der Ambitionen des Bikes in etwa so deplatziert wie weiße Sneaker auf einem Acker im Regen. Um das volle Potenzial des Bikes zu entfalten, sollte man ihn definitiv gegen ein etwas kürzeres Modell tauschen.

Herz aus Stahl
Der Öhlins TTX-Dämpfer besticht nicht nur durch seine Optik, sondern vor allem durch seine grandiose Performance.
Alles an Bord
Das Enduro Coil Carbon verfügt über die Specialized-typische SWAT-Box. In ihr finden die wichtigsten Trail-Essentials Platz und der Rucksack wird auf kurzen Touren überflüssig – super nice!
Integriert
Die innenverlegten Züge verleihen dem Bike zusammen mit dem schwarzen Lack seinen extrem cleanen Look.
Speziell
Der Specialized Slaughter ist genauso wie Heavy-Metal-Musik nicht jedermanns Sache. Insgesamt bietet er aber deutlich mehr Grip, als sein flaches Profil vermuten lässt.

Die Geometrie des Specialized Enduro Coil

Größe S M L XL
Sattelrohr 396 mm 430 mm 468 mm 523 mm
Oberrohr [A] 555 mm 575 mm 600 mm 625 mm
Steuerrohr 95 mm 95 mm 110 mm 125 mm
Lenkwinkel [D] 66,0° 66,0° 66,0° 66,0°
Sitzwinkel [B] 76,5° 76,5° 76,5° 76,5°
Kettenstrebe [C] 432mm 432 mm 432 mm 432 mm
Radstand [E] 1159 mm 1179 mm 1205 mm 1231 mm
Reach [G] 410 mm 430 mm 450 mm 470 mm
Stack [H] 609 mm 609 mm 622 mm 636 mm
BB Drop [J] 19 mm 19 mm 19 mm 19 mm

Das Specialized Coil auf dem Trail

Bergauf marschiert das Specialized Enduro Coil gemächlich. Trotz des feinfühligen Stahlfeder-Dämpfers wippt der Hinterbau nicht übermäßig und falls es doch stört, kann man ihn mit einer kleinen Drehung an der Lowspeed-Druckstufe effektiv ruhigstellen. Die Sitzposition ist super komfortabel und absolut langstreckentauglich. Einzig der Setback der Command Post IRcc sowie der geringe Verstellbereich sind etwas störend – hier macht ein Upgrade Sinn.

Helm Specialized Ambush | Jersey ION TEE LS SEEK_AMP | Shorts ION BIKESHORTS SCRUB_AMP

Wenn man das erste Mal mit dem Specialized Enduro Coil auf einen Trail abbiegt, dann ähnelt das dem ersten Gitarrenriff eines Metalsongs – es herrscht Gänsehaut-Atmosphäre. Das Rad klebt förmlich am Untergrund und vermittelt ein Maß an Traktion, wie wir es bis dato noch nicht „erfahren“ haben. Kurz danach geht’s richtig ab! Dank der enormen Fahrsicherheit, die das Enduro Coil besitzt, kann man das Gas ordentlich stehen lassen. Schläge hämmern schneller auf das Öhlins-Fahrwerk ein als der Schlagzeuger auf seine Double-Bass-Drum.

Die Stahlfederelemente zeigen sich von all dem unbeeindruckt und schreien förmlich nach mehr. Selbst auf sehr langen Abfahrten arbeiten sie mit konstanter Performance und zeigen sich von sämtlichen Unwegsamkeiten unbeeindruckt. Die Geometrie des Enduro Coil Carbon entspricht exakt der des klassischen 29er Enduro und so ist es nicht verwunderlich, dass das Rad sich auch sehr ähnlich handeln lässt. Trotz seiner harten Schale zeigt es bei Kurven seinen weichen Kern und erledigt Richtungswechsel mit wenig Nachdruck und sehr flink.

Fazit

Das Specialized Enduro Coil Carbon ist die Freikarte zu einem Metalkonzert für jedermann. Geprägt wird der Charakter des Bikes von seinem Öhlins-Stahlfeder-Fahrwerk, das über jeden Zweifel erhaben ist. Eingerahmt in den stimmigen Carbonrahmen, ergibt das ein phantastisches Gesamtkonzept, mit dem selbst die härtesten Trails ihren Schrecken verlieren. Ganz umsonst gibt es so viel Fahrspaß aber nicht, der Preis für das Enduro Coil Carbon ist gesalzen.


Stärken

  • brutal feinfühliges Stahlfeder-Fahrwerk
  • grandioses Handling
  • geiler Look

Schwächen

  • schwer und wenig spritzig
  • zu viel Bike für easy Trails

Mehr Infos unter: specialized.com

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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.