Die SRAM Eagle ist die wohl begehrteste Mountainbike-Schaltung auf dem Markt und für viele Kunden ein wichtiges Kriterium beim Bikekauf. Doch was macht die Schaltung so gut und SRAM so erfolgreich? Wir haben es bei unserem Hausbesuch herausgefunden.

9.00 Uhr. Es ist ein kalter Dienstagmorgen, ich sitze auf dem großzügigen Campus von SRAM in Schweinfurt. An der Wand ticken zahlreiche Uhren: 9.00 Uhr, 17.00 Uhr, 4.00 Uhr … Sie zeigen an, wie international das ursprünglich amerikanische Unternehmen aufgestellt ist, dessen Entwicklerherz mittlerweile im Ingenieursland Deutschland schlägt. Mir gegenüber sitzen zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der linken Seite der deutsche Frank Schmidt, Leiter der Entwicklungsabteilung, groß gewachsen, kleine Brille, spricht ruhig und überlegt. Neben ihm Chris Hilton, ein charismatischer US-Amerikaner, der bereits im Kindesalter der amerikanischen Maxime „dream big“ folgte und zu unkonventionellen Maßnahmen griff. So hat Chris schon mit sieben Jahren seine Kumpels mit einem Pick-up in Alabama in die Schule gefahren. Heute ist er Head of Product-Management im Drivetrain-Bereich. Beide arbeiten gemeinsam an einem Ziel: der perfekten Mountainbike-Schaltung. Beide teilen eine Passion und beide stehen sinnbildlich für den Erfolg von SRAM.

SRAM hat den Dreh raus

Seitdem SRAM im Jahr 1987 in Chicago gegründet wurde, ist einiges passiert. Angefangen hat alles als kleine Hinterhof-Firma mit sechs Mitarbeitern, mittlerweile hat sich das Unternehmen zu einem echten Global Player entwickelt, mit unzähligen Standorten und Produktionsstätten weltweit. Am Anfang stand ein Drehgriff namens GripShift, damals eine Revolution! Mittlerweile umfasst das Produktportfolio von SRAM nahezu Bestandteile eines Fahrrads – außer den Rahmen und einiger Kleinteile. Die Produkte werden an verschiedensten Orten der Welt designt und hergestellt. SRAM-Schaltungen haben aber alle den gleichen Geburtsort: Schweinfurt.

Warum gerade Schweinfurt?

„Schweinfurt ist das Silicon Valley der Kugellagerindustrie.“

Seien wir ehrlich, denkt man an Schweinfurt, denkt man nicht gerade an eine Fahrrad-Hochburg. Echte Berge sind in weiter Ferne, das Klima ist mit Orten wie Kalifornien nicht vergleichbar und doch gab es für SRAM einen guten Grund, sich in Schweinfurt niederzulassen. Der Grund hieß SACHS und war damals der Branchenprimus in Sachen Getriebenaben. Im Jahr 1997, gerade einmal zehn Jahre nach Firmengründung, kaufte SRAM die Fahrradsparte der Franken und damit jede Menge Know-how und Technik. Das war der Startschuss für sämtliche Schaltungsentwicklungen. Nach dem Start mit der SRAM X0 folgte die SRAM XX und dann 2012 die erste reine 1×11-Schaltung, die SRAM XX1.

Couchflair statt Industrielärm

In den letzten Jahren hat sich der Standort in Schweinfurt extrem verändert. In den lokalen Wäldern finden sich nicht nur etliche weitere Trails, auch innerhalb der Mauern des SRAM-Komplexes wurde ordentlich angepackt. Anfangs waren die großen Hallen geprägt vom metallenen Lärm der Nabenproduktion. 2010 wurde die Produktion jedoch nach Taiwan verlagert und machte somit Platz für einige Umstrukturierungen. Eine davon ist der brandneue Think Tank, die Ideenschmiede bei SRAM.
Statt im tristen Grau der ehemaligen Produktionshalle erstrahlen die Wände dort jetzt in klinischem Weiß. Statt Lärm herrscht Ruhe und statt einer riesigen Halle gibt es jetzt abgekapselte Areas mit Konferenzräumen, Couches und einer Cafébar – schließlich kommen einem dort oft die besten Ideen.

Alles an Ort und Stelle

Alle Komponenten der Schaltung werden direkt in Schweinfurt entwickelt, die Prototypen werden gefertigt und anschließend im riesigen eigenen Prüflabor sowie in der Praxis getestet. Ein enormer Vorteil, schließlich greift beim Schalten jedes Bauteil in ein anderes und jeder Parameter beeinflusst den nächsten. Die kurzen Wege ermöglichen es, neue Ideen schnell umzusetzen und mögliche Veränderungen in der Entstehung schnell anzupassen.

Typisch deutsch

Wir Deutschen sind nicht nur dafür bekannt, gerne Tennissocken in Sandalen zu tragen, Unmengen an Bier zu trinken oder enorme Mengen an Schweinebraten zu vertilgen, sondern auch für unsere pedantische Ader und unseren Hang zur Perfektion. Während wir von ENDURO die ersten drei Klischees natürlich nicht bestätigen können/wollen (na gut, Punkt 2 schon!), trifft Letzteres sicherlich auf so manchen Deutschen zu. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch die SRAM-Ingenieure die deutsche Liebe zu technischen Details besitzen. Das merkt man im Gespräch mit Frank: Jedes Detail wird mit knallharten Fakten untermauert. Mit Diagrammen und Messdaten bewaffnet gewinnt er jede Diskussion und kann ganz genau begründen, warum beispielsweise die neue 12-fach Kassette genau diese Abstufung oder die Zähne des Kettenblatt einen bestimmten Winkel besitzen.

Prototypen werden im hauseigenen Musterbau gefertigt.
Typisch deutsch: Extrem penibel werden die Prüfstände gecheckt.

Was zählt, ist die Performance

Doch dieses technische Know-how ist nur die halbe Miete, um ein Produkt erfolgreich zu vermarkten, und genau da kommt Chris ins Spiel. Er sitzt an der Schnittschnelle zwischen Ingenieuren und Marketing und hat zur Aufgabe, Produkte nicht nur im Markt zu positionieren, sondern auch Aufklärung zu betreiben. Schließlich muss ein Produkt verstanden werden, damit es auch gekauft wird – in sehr wichtige Aufgabe in Anbetracht der vielen Innovationen aus dem Hause SRAM und der Scheu vor neuen Standards/Technologien, speziell bei uns Deutschen. Bereits nach zwei Sätzen unserer Unterhaltung hänge ich an seinen Lippen. Seine Worte formen Geschichten, technische Details sind ihm nahezu egal. Was die neue Eagle wiegt? Für ihn völlig nebensächlich! Was zählt, ist die Funktion der Schaltung – und dass sie dabei nicht zu schwer ist, dafür haben Frank und sein Team ja schon gesorgt.

Einfach awesome!

Wenig später sitzen wir alle auf dem Rad. Jeder ist motiviert, jeder freut sich, die Mittagspause im Wald zu verbringen. Für uns Deutsche war es kalt, matschig, rutschig, aber lustig. Während wir, Frank und ich sehr kritisch, aufgefächert und häufig vielleicht etwas negativ denken, zählt für Chris nur die Erfahrung bzw. das Erlebnis. Und das fasst er mit einem Wort zusammen: awesome! Genauso awesome wie die neue Eagle.

Für weitere Informationen klickt auf sram.com!

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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.