Einen Van kaufen, die besten Trails des Landes suchen, im Bikepark Queenstown abheizen und die Inseln entdecken – mehr hatten Daniel und seine zwei Freunde nicht für ihren Neuseeland-Aufenthalt geplant. Gut fünf Monate später blicken sie auf die wohl beste Zeit ihres Lebens zurück.

Eine Reise ins Ungewisse

Jeden Winter das gleiche Spiel. Während wir in Europa depressiv durch Matsch und Schnee pedalieren, posten die Pro-Rider regelmäßig Bilder von staubigen Trails und bestem Bike-Wetter auf Facebook und Instagram. Doch diesen Winter sollte sich das ändern. Jojo, Tom und ich hatten beschlossen, den Winter in Neuseeland zu verbringen. Mit begrenztem Budget und wenig Background-Infos über das Land, dafür aber einer ordentlichen Portion Optimismus und jeder Menge Lust aufs Biken hatten wir uns im November auf den Weg gemacht.

Good morning, Queenstown! Nach 27 h in vier verschiedenen Flugzeugen landeten die Jungs in Neuseeland. #dasabenteuerbeginnt
Good morning, Queenstown! Nach 27 h in vier verschiedenen Flugzeugen landeten die Jungs in Neuseeland. #dasabenteuerbeginnt

Drei Jungs, fünf Bikes, ein Van

Da standen wir also, mit riesigem Jetlag und allem Bargeld, dass das Limit unserer Kreditkarten hergab. In einem Hotel, Hostel oder anderem festen Gebäude wollten wir nicht absteigen, wir wollten mit einem Van das Land erkunden. Das Problem: Es war keiner in Aussicht, der auch nur annähernd genug Platz hatte, um fünf Bikes, drei Jungs und ihre Unmengen an Übergepäck zu beherbergen. Wir entschieden uns letzten Endes für einen rostigen und eigentlich viel zu kleinen Ford Transit. „Wird schon passen!“ – was blieb uns auch anderes übrig?
Mit nur wenig handwerklichem Geschick und quasi null Erfahrung schafften wir es noch am gleichen Tag, ein Bett in unseren Transporter zu bauen und die Fenster höchst professionell mit Panzertape abzukleben. Läuft! Endlich waren wir wirklich angekommen.

Entweder eine der besten oder die schlechteste Idee – buy a fucked-up van: check! #couldlookbetter #couldsmellbetter
Entweder eine der besten oder die schlechteste Idee – buy a fucked-up van: check! #couldlookbetter #couldsmellbetter
Eigentlich gar kein so gutes Gefühl, seine halben Ersparnisse für einen Van auszugeben, der schon auf den ersten Blick schrottreif ist! #yolo
Eigentlich gar kein so gutes Gefühl, seine halben Ersparnisse für einen Van auszugeben, der schon auf den ersten Blick schrottreif ist! #yolo

Queenstown livin’

Und jetzt? Fahrradfahren! Für schlappe 800 $ kauften wir die Saisonkarte für den Bikepark in Queenstown. Dafür wurde unsere Ernährung auf Haferflocken mit Milch zum Frühstück und Nudeln mit Tomatensauce zum Abendessen beschränkt, aber das war es absolut wert! Der Skyline MTB Queenstown Park bietet unzählige, perfekt geshapte Strecken – ein Paradies für jeden Mountainbiker. Und dann wäre da noch der Queenstown Mountainbike Club, ein Verein, der sich mit dem Bau von Trails beschäftigt und diese auch pflegt. So gibt es zahlreiche Loops, die mit der Bikeparkgondel kombiniert werden können und so eine perfekte Feierabendrunde ergeben. So gut, dass wir uns ganze drei Monate in Queenstown aufhielten.

Kelly’s Dreamtrack. #braaap #RIP #perfectshape
Kelly’s Dreamtrack. #braaap #RIP #perfectshape
DCIM101GOPRO New-Zealand-web-1

Wer drei Monate lang mit einem klapprigen Van im Bikepark vorfährt, fällt auf. So dauerte es nicht lange, bis wir „zee German friends“ der Locals wurden. An jedem Tag hatte irgendjemand einen Day Off, um uns seine Secret Trails zu zeigen, bis dann um 16 Uhr der Rest der Gruppe zum Feierabend im Bikepark dazustieß. Danach ein paar Bier am Seeufer – uns hätte nichts Besseres passieren können, als diese Jungs zu treffen.

It doesn't just work for asians ... #pussymagnet #yolo #confidence
It doesn’t just work for asians … #pussymagnet #yolo #confidence
Spontanes Massenstartrennen mit über 100 Teilnehmern? Sowas gibt’s nur in Queenstown! #biketown #livingthedream
Spontanes Massenstartrennen mit über 100 Teilnehmern? Sowas gibt’s nur in Queenstown! #biketown #livingthedream
(burm railen queenstown)
Anlieger railen in Queenstown.

Vor allem auf Kurt, einen Weltcup-Mechaniker, der während der Off-Saison in einem lokalen Bikeshop arbeitet, waren wir relativ schnell häufiger angewiesen, als uns allen lieb war. Drei Monate mit Endurobikes im Bikepark Queenstown abheizen? Mit 4X-Hardtails im Freestylepark von Kelly McGarry moshen? Man hatte uns vorgewarnt, doch das wollten wir nicht hören. Nach nicht einmal einer Woche waren zwei Laufräder ausgespeicht und die Luftkartuschen eines Dämpfers und einer Gabel explodiert. In der zweiten Woche war der erste Hinterbau gebrochen. Für alles fanden wir ziemlich schnell Ersatz – die Abendessen, die wir Kurt schuldig waren, sahen nur leider wesentlich besser aus als unsere …
So verflogen unsere Tage in Queenstown, die wir durch wilde Partynächte zu verlängern versuchten. Durch das tägliche Pushen unserer Limits im Bikepark, verrückte Klippensprungaktionen und andere Dinge, über die man besser nicht schreibt, wurde diese Zeit für uns alle unvergesslich.

Der Verschleiß steigt ins Unermessliche … #didntseethatcoming
Der Verschleiß steigt ins Unermessliche … #didntseethatcoming
Gaps with a view! #onlyqueenstownthings #steeze
Gaps with a view! #onlyqueenstownthings #steeze

Road to Crankworx

Mit Tränen in den Augen verabschiedeten wir uns von Queenstown. Zuerst in Richtung Südwesten ins Fiordland, dann wieder Richtung Nelson, vorbei an Bergen, Gletschern und Seen bis ganz in den Norden der Südinsel. Die unglaublich beeindruckenden Aussichten auf unseren Wanderungen erinnerten uns daran, weshalb die meisten Leute eigentlich nach Neuseeland kommen. Die Natur war absolut atemberaubend, jedes weitere Wort hierzu wäre überflüssig – die Bilder sprechen für sich.

Queenstown fühlte sich für die drei mittlerweile fast wie zu Hause an – zum Glück hatte das Zuhause Räder und sie konnten es mitnehmen. Off to Crankworx!
Queenstown fühlte sich für die drei mittlerweile fast wie zu Hause an – zum Glück hatte das Zuhause Räder und sie konnten es mitnehmen. Off to Crankworx!

Doch trotz oder gerade wegen der grandiosen Wanderwege, auf denen Biken leider streng verboten ist, gingen uns unsere Räder nie aus dem Kopf. Bei ausgedehnten Wanderungen diskutierten wir oft, ob Stellen fahrbar waren oder welche Linie die schnellste wäre, und wünschten uns nichts mehr, als auf den Bikes zu sitzen. Zum Glück gibt es aber nicht nur in Queenstown, sondern in ganz Neuseeland Mountainbike-Clubs und unglaublich gute Trails und BMX-Tracks. Spätestens hier war klar: Es hatte sich gelohnt, ein Trail- statt einem Downhillbike mitzunehmen, und endlich arbeiteten wir wieder etwas an unserer verlorenen Kondition.

DCIM101GOPRO New-Zealand-web-65

Wenn du höflich fragst, lassen dich die Locals nicht nur ihre Dirtjumps fahren, sondern auch auf ihrem Grundstück campen! #notgermany #easyliving

 

#vanlifeatitsfinest!
#vanlifeatitsfinest!
Afterride-campfires at the beach #goodtimes
Afterride-campfires at the beach #goodtimes
(mt cook)
Mt. Cook

Und weil das alles sonst irgendwie viel zu seriös gewesen wäre, entschieden wir uns kurz vor der Überfahrt zur Nordinsel, auf ein Technofestival zu gehen, für das man uns auf einem Parkplatz einen Flyer in die Hand gedrückt hatte. Dystopia-Festival, ein Datum, eine ungenaue Wegbeschreibung und wirre Zeichnungen – mehr war nicht auf dem Flyer.
20 km irrten wir in unserem Van durch den Wald, bis wir plötzlich an einer Lichtung ankamen, auf der zwei Bühnen aufgebaut waren, um die etwa 300 Menschen zu Techno tanzten. Auf die Frage, ob das hier legal sei, antwortete man uns: „It’s Facebook-legal, have fun! Or haven’t you brought any drugs?“ Auch wenn wir das natürlich nicht hatten, möchte ich irgendwann wieder nach Neuseeland einreisen dürfen und schreibe daher besser schnell über etwas anderes weiter…

Crankworx

Seit Jahren lese ich die Artikel über die Crankworx-Festivals und will an einem der Rennen teilnehmen. Nun war es soweit: Angemeldet für das Enduro- und Downhill-Rennen sowie die Pumptrack-Challenge waren wir in Rotorua angekommen, voller Vorfreude auf eine Woche voller Party und Fahrradfahren.
Bereits nach wenigen Tagen konnten wir dann aber das Fahrradfahren abhaken und uns voll auf Party konzentrieren. Beim Enduro-Rennen hatte ich gegen das Pro-Starterfeld mehr oder weniger versagt und Tom hatte bei der Pumptrack-Challenge ein weiteres Vorderrad ausgespeicht. Doch das war alles nichts gegen Jojo, der beim Downhillrennen mit seinem 160-mm-Endurobike an den Start ging, um sich nach zwei Trainingsläufen bewusstlos und mit dem nächsten gebrochenen Rahmen am Boden wiederzufinden.
Dann eben Party. Doch auch das ist manchmal gar nicht so stressfrei, wenn man mit zwei anderen Jungs in einem Van lebt und sich im Club darüber streiten muss, wer mit welchem Mädel jetzt das Vorrecht auf den Bus hat. Und egal, wie sehr ich Erster sein wollte (also fürs Bett, nicht im Bett) – lasst euch sagen, dass es kein Mädel der Welt wert ist, eure Travelmates auszusperren, wenn es draußen schneit. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich mir anhören musste!

#goodtimes im Medictent! Das ziemlich schnelle Ende einer nicht so guten Idee ...
#goodtimes im Medictent! Das ziemlich schnelle Ende einer nicht so guten Idee …
Top 20 klingt doch ganz gut, wenn man nicht weiß, wie groß das Starterfeld war, oder? #nosedivedani
Top 20 klingt doch ganz gut, wenn man nicht weiß, wie groß das Starterfeld war, oder? #nosedivedani

Gibt’s das? Zu viel Fahrrad?

Kaum zu glauben, aber irgendwie war nach etwas mehr als vier Monaten auf dem Fahrrad die Luft raus. Wir schickten die Räder zurück nach Deutschland und entdeckten im Surfen einen neuen Zweitlieblingssport. Surfen ist irgendwie wie Airtime beim Fahrradfahren, nur eben viel länger. So verbrachten wir unsere letzten Wochen in Neuseeland auf der Jagd nach den besten Wellen, bevor wir uns wieder in einen Flieger zurück nach Deutschland setzen mussten. Hier angekommen bin ich nun damit beschäftigt, mich mit Banken und Versicherungen herumzuschlagen. Nicht, weil ich neue Verträge abschließen muss, sondern weil ich sie kündige. Die Abenteuerlust hat mich gepackt – Next Stop: Whistler!

(Sandsurfen) #nowater #muchfun #awesome
Sandsurfen #nowater #muchfun #awesome
Surfen ist irgendwie wie Airtime beim Fahrradfahren, nur eben viel länger.
Surfen ist irgendwie wie Airtime beim Fahrradfahren, nur eben viel länger.

 

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Text & Fotos: Daniel Schlicke