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Trek Bike Attack 2014: Tobis Renntagebuch Tag 2 – Qualifying

“-Brzzt- Aua. Wo ist mein Bike? -Brzzt- AAaaah, blöder Elektrozaun! -Brzzt- Wärksverdammt kann mir hier mal jemand raushelfen!? -Brzzt- Fuck!! -Brzzt- DAMNITARKSGGRMMPFFF! JETZT SCHALT DOCH ENDLICH MAL JEMAND DAS SCHEIß DING AB!!” – Bleibender Eindruck des heutigen Tages von meinem Teamkollegen Aaron. Aber der Reihe nach.

Nachdem mein gestriges Training eher kurz ausgefallen war, stehe ich jetzt etwas aufgeregt in der Gondel auf dem Weg zum in den Wolken liegendem Rothorngipfel. Dort starten gleich in 15-Sekunden-Abständen die Fahrer zum Qualilauf. Wer hier eine gute Zeit fährt, kann beim morgigen Massenstart von den vorderen Reihen aus starten.
Beim Einsteigen hat die Gruppe neben mir noch intensiv darüber diskutiert, ob der Felsabsatz der linken Linie im zweiten Steinfeld besser zu überspringen oder zu umrollen ist. “Ja, doch, Felsen habe ich gestern auch einige gesehen, stimmt” denke ich mir. Aber was an Vorbereitung fehlt, muss eben mit Wagemut ausgeglichen werden.
In der Nacht hat es fast durchgehend geregnet und auch jetzt noch rollen die Tropfen an den Gondelfenstern runter. Ensprechend schlammig sieht auch der Trail unter uns aus, den wir gleich runter müssen. Zwischen den Anliegern sind große Pfützen zu erkennen und die steileren Stücke machen einen ziemlich rutschigen Eindruck.

Stundenlanger Regen lässt viel Schlamm erwarten

Stundenlanger Regen lässt viel Schlamm erwarten

Da ich bis zu meinem Start noch etwas Zeit habe, steige ich an der Mittelstation aus und laufe zur Strecke, die hier direkt vorbeiführt. Nach kurzer Zeit kommen auch schon die ersten Fahrer vorbei. Ein steiles Wiesenstück geht direkt vor mir in eine offene Kurve über. Einige der Fahrer schaffen es gerade noch stark genug abzubremsen um auf dem nassen Gras nicht wegzurutschen, andere schlittern mit querstehendem Bike von der Strecke. Mit jeder Durchfahrt wird die Kurve etwas matschiger und ich suche schon mal nach einer Alternativlinie für meinen Lauf. Vielleicht kann man schon etwas früher das Tempo rausnehmen, die Kurve weiter oben anfahren und so auf dem bis jetzt noch intakten Gras bleiben. Leider sind die Tore hier sehr eng gesteckt und so bleibt nicht viel Spielraum für eigene Varianten.

Aufgeweichte Wiesen verlangen viel Gefühl an der Bremse

Aufgeweichte Wiesen verlangen viel Gefühl an der Bremse

Die richtige Linienwahl bringt hier entscheidende Sekunden

Die richtige Linienwahl bringt hier entscheidende Sekunden

Während meiner Weiterfahrt zum Gipfel hört es auf zu regnen und stellenweise ist sogar etwas Sonne zu sehen. Hoffentlich trocknet bis zu meiner Abfahrt der Trail noch möglichst weit ab. Das könnte genau der gesuchte Vorteil sein, durch den mein mangelhaftes Training etwas ausgeglichen wäre. Auf dem Gipfel bereiten sich gut hundert Fahrer auf ihren Start vor und auch ich checke noch mal gewissenhaft mein Bike. Vorne etwas weniger Luft für mehr Kurvengrip, hinten habe ich es gestern leider nicht geschafft auf Tubeless umzubauen, trotz Tankstellenkompressor und sämtlichen Tricks. Da also lieber noch etwas mehr Luft rein, um auf den vielen Steinen keinen Platten zu riskieren.

Stimmung am Berg

Stimmung am Berg

Ein letztes Mal entspannen..

Ein letztes Mal entspannen…

...bevor es dann heißt, die volle Konzentration auf den Start zu legen.

…bevor es dann heißt, die volle Konzentration auf den Start zu legen.

Etwas später rollt der letzte Fahrer vor mir aus dem Startgatter und meine 15 Sekunden fangen an zu laufen. Piep,Piep,Piep,Piep,PIIEEEEEP – Ich sprinte los und gebe alles, um auf dem geraden Stück bis zur ersten Kurve möglichst schnell auf Speed zu kommen. Die nächsten Kehren und Steinfelder laufen auch ganz gut, viel besser als gestern. Bremse auf und das Vorderrad seinen Weg suchen lassen ist definitiv schneller als verkrampft zwischen jedem Kiesel die Ideallinie treffen zu wollen, wie ich es gestern versucht hatte.
Nach einem kleinen Sprung über ein paar fies aussehende Steinspitzen landet mein Hinterrad mit einem metallenem Klong irgendwo, wo es nicht hätte landen sollen. Bittenichtbittenichtbitteni-pffffffffffff! NEIN, das kann doch nicht wahr sein! Ist es aber leider und so reiße ich hektisch Ersatzschlauch und Pumpe aus dem Rucksack, während ein Fahrer nach dem Anderem an mir vorbeizieht. Aus dem Versuch einen neuen Rekord im Schlauchwechseln aufzustellen wird leider nichts und so fahre ich etwas später mit über zehn Minuten Zeitverlust weiter.
Dafür bin ich nach der Zwangspause gut erholt und kann einige Fahrer wieder einholen. An der schwierigen Wiesenkurve fällt mir viel zu spät ein, auf die vorher angeschaute Außenlinie zu ziehen. Macht aber nichts, inzwischen ist das Ding trocken genug um auch so gut durchzukommen. Ab hier beginnt der technisch eigentlich sehr einfache Bikeparkteil. Ich bin aber inzwischen ziemlich fertig und so ist es nochmal eine echte Herausforderung, auf den ganzen schnellen Anliegern meine Körperspannung und damit den Speed aufrecht zu erhalten. In der vorletzten Kurve erwischt es mich dann auch und ich rutsche mitten in ein tiefes Matschloch. Das Ziel erreiche ich mit 28:45 Minuten, was für morgen ein Start im hinteren Drittel bedeutet.

Bremse auf und Rollen lassen

Bremse auf und Rollen lassen

Wer hier die Line verfehlt ist schnell am Pumpen

Wer hier die Line verfehlt ist schnell am Pumpen

Aufgeheitert werde ich aber sehr schnell durch Aarons Fahrtbericht. Er hatte an fast der gleichen Stelle wie ich auch einen Platten, nur ist ihm seine Pumpe während des Aufpumpens um die Ohren geflogen. Beim Runterrollen zur Mittelstation hat er dann einen Elektrozaun mit einem durchfahrbarem Weidegitter verwechselt. Der Rest ist Geschichte.

Tobias zwischen mentalem Training und erschöpfter Nullaktivität nach dem Rennen

Tobias zwischen mentalem Training und erschöpfter Nullaktivität nach dem Rennen

Die Gewinnerinnen des Qualifying: Alba Wunderlin, gefolgt von Birgit Braumann und Elke Rabeder

Die Gewinnerinnen des Qualifying: Alba Wunderlin, gefolgt von Birgit Braumann und Elke Rabeder

Die schnellsten der Männer: Claudio Loureiro , danach Marco Arnold und Mirco Widmer

Die schnellsten der Männer: Claudio Loureiro , danach Marco Arnold und Mirco Widmer

Das GoPro bzw. RolleiCam Video meiner Fahrt – nach der Platten Aktion – gibt es hier:

Update: Hier geht’s zum dritten Teil von Tobis Renntagebuch – dem Bericht vom Rennen am Sonntag. Teil 1 findet ihr hier.

Text:Tobias Döring Fotos:Tobias Döring / Aaron Steinke

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