Es ist 22.30 Uhr, als wir in unser Hotel für diese Nacht einchecken, vom Nachtportier keine Spur, und auch unser Bett müssen wir selbst beziehen. Dennoch hat es mehr Sterne zu bieten als ein Ritz Carlton – und auch das Freizeitangebot ist deutlich besser.

Der Urlaub meines besten Kumpels ist kürzlich im wahrsten Sinne des Worte ins Wasser gefallen. Da hatte er extra wochenlang in der Mittagspause nach dem besten und günstigsten Hotel gesucht, alles perfekt geplant, schon Tage vor der Abfahrt die Koffer gepackt, um dann am Urlaubsort von einer Woche Dauerregen begrüßt zu werden. Pech gehabt! Wäre es da nicht viel besser, wenn man einfach immer dorthin fährt, wo gerade die Sonne scheint, und sein Hotelzimmer selbst mitbringt? Wir haben beschlossen, genau das zu machen, und sind mit einem von SpaceCamper umgebauten VW T6 losgezogen.


Unser Campingmobil – ein SpaceCamper VW T6

Für diese Geschichte nutzten wir einen von SpaceCamper nach allen Regeln der Kunst umgebauten VW T6 Caravelle. Er verfügt neben dem Panorama-Schlafdach über die SpaceCamper Classic-Ausstattung mit praktischen Schränken, einer Küchenzeile und smarter Bettkonstruktion. Ein besonderes Highlight ist ganz klar die Warmwasseranlage. Mit einem Gesamtpreis von knapp 90.000 € ist dieses Auto kein Schnäppchen, doch SpaceCamper bietet auch individuelle Umbauten zu deutlich günstigeren Preisen. Alle Informationen findet ihr auf Spacecamper.de


#Vanlife

Sucht man das Hashtag #vanlife auf Instagram, findet man ca. 2.097.074 Posts von Menschen, die entweder mit ihrem Bus unterwegs sind oder es gerne wären. Und auch wir sind mit dem Vanlife-Virus infiziert! Es ist einfach so viel besser, unabhängig und selbstbestimmt zu reisen, immer dorthin, wo die Trails gerade am lautesten rufen, und dabei Land und Leute viel direkter kennenzulernen, als man es von einer stickigen Hotelburg aus je könnte. Im Hotel weiß man ja schon im Aufzug nie, was man sagen soll.

Das Camping 1×1

Wie man sich bettet, so liegt man.“ Die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz lohnt sich!
Bei inoffiziellen Schlafplätzen sollte man spät kommen und früh abreisen, um Ärger zu vermeiden.
Hinterlasst keinen Müll.
Offenes Feuer nur an geeigneten Plätzen machen.
Kauft das Essen vor Ort – entdeckt lokale Spezialitäten!
Nachts wird es oft kalt, eine Daunenjacke plus Mütze sollte ins Gepäck.
Pro-Tipp für Pärchen: Schlafsäcke lassen sich oft koppeln! Achtet auf die Position des Reißverschlusses.

Südtirol always delivers!

Das Ziel unserer Reise an diesem Wochenende: Südtirol. Während Deutschland mal wieder nur Schmuddelwetter zu bieten hat, ist die Wettervorhersage für die Region südlich des Brenners deutlich besser. Also nichts wie weg, ab nach Bruneck und St. Vigil! Erst Tiefenmeter am Kronplatz vernichten und am Samstag noch eine Tour im Fanes-Gebiet fahren.

Die Trails am Kronplatz sind genial! Vom superlangen Haupttrail namens Herrnsteig zweigen immer wieder alternative Varianten ab. Unsere Favoriten sind die beiden Trails „Hans“ und „Franz“, die um einiges kurviger sind als Heidi Klums gleichnamige Brüste. Anders als die Hauptstrecke sind sie komplett von Hand geschaufelt und gerade mal etwas breiter als ein Lenker. Wer hier schnell fahren will, muss voll konzentriert sein. Immer wieder folgen steile Kurven, in denen man unten von einem Anlieger gefangen wird. Voll Enduro setzen wir am Kurveneingang das Hinterrad leicht um und lassen uns dann einfach hineinfallen.

Campingplätze sind für uns das Sinnbild der Spießigkeit

Nach einem Tag auf dem Bike wartet noch eine Herausforderung: einen geeigneten Schlafplatz finden. Booking-Websites mit den schicksten, most epic Camping-Locations gibt es schließlich nicht. Klar könnte man einfach auf einen Campingplatz, aber das ist so ziemlich das Letzte, worauf wir Bock haben. Man muss ja schließlich seinen Kumpels auf Instagram auch etwas bieten! Die Suche bei Dunkelheit hat uns schon so manches Mal einige Nerven gekostet, doch ein paar Minuten mehr Zeit zu investieren lohnt sich immer. Wichtige Faktoren, die es bei der Suche nach dem perfekten Schlafplatz zu beachten gibt: Ruhe, Morgensonne, möglichst nicht total illegal und natürlich einigermaßen eben – wer will schon mit Kopf nach unten schlafen?

Unser Reisemobil – ein Sterne-Hotel auf vier Rädern

An unserem Campingspot angekommen, heißt es erst mal duschen, danach abendessen. Dank integrierter Warmwasseranlage und smarter Duschvorrichtung an der Heckklappe fällt die Körperpflege für Camping-Verhältnisse extrem luxuriös aus. Hier ist nichts mit Biker-Mief! Im Innenraum hat der Bus gleich vier Schlafgelegenheiten, wobei wir uns für die Nacht natürlich in den ersten Stock zurückziehen – unten schlafen dafür die Räder sicher verstaut im Auto. Die Möglichkeit, das Panorama-Schlafdach einfach via Reißverschluss zu öffnen und dann direkt unterm Sternenhimmel zu übernachten, ist genial.

Die modulare Ausstattung mit den smarten Features und dem genialen Panorama-Schlafdach macht den Space-Camper zum Traum-Van für Biker!

Nach einer Runde Zähneputzen und einem Kaffee auf dem Balkon – ja, unser Schlafwagen steht einem Hotel in fast nichts nach – geht es am nächsten Tag vom Auto aus auf Tour hoch zur Fanes-Hütte zum Mittagessen. Der am Morgen noch wolkenverhangene Himmel reißt gegen Mittag auf und so strahlen die farbenfroh gefärbten Bäume, eingehüllt in das schroffe Felsmassiv. Es fühlt sich wahnsinnig nach Alaska an, ist aber mitten in Europa und nur wenige Stunden von zu Hause entfernt. Nach einer spaßigen Abfahrt auf dem anspruchsvollen Trail voller Geröll und losem Gestein sind wir am Nachmittag zurück am Van.

Traumtrails rund um den Kronplatz

Wer auf massig Tiefenmeter und gebaute Trails steht, findet am Kronplatz beides – in großen Mengen! Wer dagegen auch gerne aus eigener Kraft die Berge erklimmt und Abfahrten auf natürlichen Wanderwegen bevorzugt, der kann vom Talschluss aus in Pederü einige grandiose Touren starten. Den Berg hoch geht es auf zum Teil steilen Forststraßen, runter je nach Tour auf grandiosen Naturtrails, die jedoch ein hohes Maß an Fahrtechnik voraussetzen.

Spontan eine Nacht dazu gebucht

Normalerweise hätte man am Sonntagmorgen bereits aus dem Hotel ausgecheckt. Wir dagegen checken nach der Tour den Wetterbericht und statt zurück ins nasse Deutschland zu fahren, verlängern wir den Trip spontan um eine Nacht. Auf der Rückfahrt legen wir einen Zwischenstopp in Brixen ein. Abends gibt es dort zum Abschluss feinste Pasta in der verwinkelten Altstadt und eine weitere Nacht im Million-Star-Hotel. Am nächsten Morgen klingelt dann allerdings um 5.00 Uhr früh der Wecker, wir haben ja noch 240 km vor uns bis zum 9.30-Uhr-Meeting im Büro. Verdammt, niemand hat gesagt, dass Camping so anstrengend ist! Mit Armlehnen-Sessel-Feeling und automatischer Abstandsregelung cruist es sich aber super entspannt gen Heimat. Und dank #vanlife wird jede noch so karge Autobahn-Raststätte zum relaxten Zwischenstopp, schließlich haben wir ja das Wohnzimmer dabei.

Text: Christoph Bayer Fotos: Valentin Rühl