Während viele Hersteller mit Zahlen-Rekorden werben, verfolgt Atherton einen anderen Ansatz: ride feel first. Das neue Atherton S.170E kombiniert einen CNC-Alurahmen aus Wales, 180/170 mm Federweg und das Avinox M2S-System zu einem gravity-orientierten E-MTB. Ist das der neue Maßstab für kompromisslose Full-Power-Bikes?

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Atherton S.170E | Avinox M2S/700 Wh | 180/170 mm (v/h) | 24 kg in Größe 8
8.549,05 € | Hersteller-Website

Mit Zahlen lässt sich vieles vereinfachen. Vieles erklären. Leistung in Watt, Drehmoment in Newtonmetern, Federweg in Millimetern. Zahlen geben Orientierung, schaffen Vergleichbarkeit und sie erzählen Geschichten.

Auch Atherton hat eine Historie, die sich problemlos in Zahlen ausdrücken lässt. Die Familie hat sie auf Startnummern getragen, auf Ergebnislisten nach oben geschoben und stand in unzähligen Rennen auf dem Podium. Ob Platz 1, 2 oder 3 – Weltcups, Titel, Bestzeiten. Rein statistisch betrachtet, ist die Bilanz klar.

Highs

  • hervorragendes Ökosystem
  • sehr leise Drive-Unit
  • Schnellladen
  • sicke RAW-Optik

Lows

  • Akku nicht entnehmbar

Key Facts

  • CNC-gefräster Alu-Rahmen
  • DW-Link-Hinterbau
  • 180/170 mm Federweg (v/h)
  • Avinox M2S-Motorsystem
  • fest verbauter 700-Wh-Akku
  • 24 kg in Größe 8
  • zwölf Größen

Doch ihr Anspruch an die eigenen Bikes war nie numerisch. Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis der Brand. Denn während andere zuerst das Datenblatt schreiben und danach das Bike bauen, dreht Atherton die Reihenfolge um. Für die Waliser beginnt Entwicklung nicht mit einem Leistungsdiagramm, sondern mit einer simplen, aber entscheidenden Frage: Wie fühlt es sich an?

Ride feel came first, everything else builds from that.
-Atherton

Während andere Bike-Brands längst ihre dritte oder vierte E-MTB-Generation eines Modells präsentieren, haben die Waliser gewartet. Nicht aus Zurückhaltung, sondern aus Anspruch. Ein E-MTB sollte sich für sie nicht wie ein Kompromiss anfühlen, weder in der Geometrie noch im Fahrwerk, der Gewichtsverteilung oder Optik.

Genau aus diesem Anspruch heraus ist das neue Atherton S.170E entstanden. In das Layout aus 180/170 mm Federweg (v/h), DW-Link-Hinterbau und Mullet-Setup bettet Atherton das neue Avinox M2S-Motorsystem ein. In Kombination mit der fest integrierten 700-Wh-Batterie liefert das System bis zu 1.500 Watt und 150 Nm Drehmoment.

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Unser getestetes Build 1 liegt mit seiner hochwertigen Ausstattung bei vergleichsweise fairen 8.549,05 € ohne Steuern und Versand – und bringt in Größe 8 selbstbewusste 24 kg auf die Waage. Doch gelingt den Walisern damit der erfolgreiche Einstieg ins E-MTB-Segment?

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Gleiche Handschrift: Raw-Look, klare Linien und gefräste Alu-Muffen. Die Herkunft aus Wales ist sowohl dem analogen S.150 …
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… als auch dem neuen S.170E auf den ersten Blick anzusehen.

Das neue S.170E gehört zur S-Reihe von Atherton Bikes und definiert sich über die Fertigung: Statt Carbon setzt die Brand auf ein in Wales gefertigtes Chassis aus hochfestem 7075-Aluminium im markanten Raw-Finish. Die Hauptrahmen bestehen aus Aluminiumrohren, die über präzise gefräste Muffen miteinander verbunden werden. Das „S” steht für „subtractive” und beschreibt das zugrundeliegende CNC-Verfahren.

Aus massiven Aluminiumblöcken wird überschüssiges Material entfernt, bis die Verbindungselemente vollendet sind. Auch der Hinterbau wird aus dem Vollen gefräst. Das ist zwar aufwendig, aber extrem kontrollierbar, und Wandstärken, Toleranzen und Materialverteilung lassen sich präzise regulieren. Atherton hat auch das additive Verfahren der A-Reihe getestet, doch gerade im stark belasteten Motorbereich eines E-MTBs ist die subtraktive Fertigung die robustere, effizientere und damit auch wirtschaftlichere Wahl.

Das Resultat ist ein extrem belastbarer Rahmen, der sogar auf EFBe Category 5 getestet wurde. Auch wenn das Komplettbike aufgrund der Motorfreigabe als Category 4 läuft, zeigt das, wie hoch Atherton die Haltbarkeit ansetzt.

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Wie alle Modelle der S-Reihe setzt auch das S.170E auf gefräste Aluminium-Muffen, in die die runden Aluminiumrohre verklebt und teilweise verschraubt werden.

Welche Detaillösungen hat das neue Atherton S.170E?

Geschützt wird der Alurahmen durch verschiedene Protektoren. Das Motorcover soll die Drive Unit vor harten Aufsetzern bewahren – an unserem Testbike noch als 3D-gedruckte Vorserienlösung ausgeführt, in der Serie soll hier dann eine deutlich robustere Version zum Einsatz kommen. Die übrigen Kunststoffteile sind funktional, optisch wie haptisch aber eher schlicht und einfach gehalten. Der Kettenstrebenschutz verhindert effektive Kettengeräusche, besteht aber nur aus aufgeklebtem Gummi – ausreichend, aber nicht besonders hochwertig.

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Die Leitungen am S.170E laufen klapperfrei über Gummi-Cable-Ports am Steuerrohr in den Rahmen. Allerdings blieben die einfachen Gummiführungen nach längerem Testen nicht an Ort und Stelle und sind ins Rahmeninnere gerutscht. Die noch aus der Vorserie stammenden Cable-Ports werden für die Serienproduktion aber durch deutlich robustere Lösungen ersetzt. Am Hinterbau verlaufen die Züge durch Hülsen, die mit Kabelbindern fixiert sind. Vor allem im Bereich der Batterie ist die Führung des Dropper-Kabels recht eng gelöst, was im Alltag oder bei Servicearbeiten etwas fummelig werden könnte.

Der neue Avinox M2S-Motor im Atherton S.170E

Das neue Avinox M2S-System war für Atherton der technologische Schlüssel zum ersten E-MTB der Marke. Erst die kompakte Bauform des Motors ermöglichte es den Herstellern, Proportionen, Gewichtsverteilung und Rahmenlayout exakt so umzusetzen, wie sie es wollten. Dazu passt auch der 700-Wh-Akku, dessen runde Zellform Atherton konstruktiv ebenfalls entgegenkam. Gerade für die markentypische Formsprache des Rahmens erwies sich das als echter Glücksfall. A match made in heaven!

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Auch technisch gehört der Akku zu den spannendsten Lösungen am Markt. Er wiegt 3,18 kg und kommt damit auf eine extrem hohe Energiedichte von 220 Wh/kg. Beim Laden setzt Atherton – je nach Ausstattungsvariante – auf ein 4- oder 12-A-Ladegerät. Mit dem 12-A-Charger lässt sich der 700-Wh-Akku in unter zwei Stunden wieder füllen. Der Ladeport stammt direkt von Avinox, sitzt sauber integriert im Rahmen und wird von einer gefederten, magnetischen Abdeckung geschützt, die im Test nicht besonders heraussticht, aber funktioniert.

In Kombination mit den leistungsstarken Zellen liefert der Avinox M2S im Atherton S.170E eine Peak-Leistung von bis zu 1.500 Watt und ein maximales Drehmoment von 150 Nm. Entscheidend ist dabei aber weniger die nackte Zahl als die Art, wie sich diese Leistung auf dem Trail abrufen lässt. Gerade im technischen Uphill zeigt sich schnell, dass kontrollierbare Unterstützung mehr bringt als rohe Gewalt, dazu später mehr. Gesteuert wird das System über die bekannten Doppel-Remotes am Lenker und das sauber ins Oberrohr integrierte Touch-Display, das zu den besten Lösungen am Markt zählt. Auch die Avinox Ride-App für umfangreiche Einstellmöglichkeiten überzeugt auf ganzer Linie.

Die wichtigsten technischen Infos zum neuen Avinox M2S-Motorsystem

  • max. Leistung: 1.500 W
  • max. Drehmoment: 150 Nm
  • Akku: 700 Wh (3,18 kg, 220 Wh/kg)
  • Gewicht Drive Unit: ca. 2,63 kg

Weitere Ausstattungsvarianten des E-MTBs

Atherton setzt an unserem Top-Modell, dem Build 1, an der Front auf die neue FOX 38 Factory-Federgabel mit GRIP X2-Kartusche, am Heck auf einen FOX X2 Factory-Dämpfer und generiert so 180/170 mm Federweg (v/h). Geschaltet wird mit der elektrischen SRAM X0 Eagle AXS Transmission, kombiniert mit einer GX-Kassette und -Kette. Bei bis zu 150 Nm Drehmoment ist sauberes Schalten unter Last Pflicht, das die Transmission auch unter hoher Kettenlast sauber und präzise erledigt.

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Bei den Bremsen setzt Atherton auf Hayes Dominion A4 mit 203 mm großen Scheiben vorne wie hinten. Die Dominion gehört zu den standfestesten Vierkolbenbremsen am Markt, liefert viel Power bei gleichzeitig hervorragender Dosierbarkeit und erfordert erfreulich wenig Hebelkraft in ihrer Bedienung.

Unser Testbike kam noch mit Stans-Laufrädern, die in Serie aus den Mavic E-Deemax Wheels aus Aluminium bestehen – robust und in Kombination mit den Continental Kryptotal-Reifen in robuster DH-Karkasse und SuperSoft-Mischung vorne wie hinten, top. Die DH-Karkasse sorgt für enorme Stabilität und Pannenschutz, bringt aber natürlich zusätzliches Gewicht und erhöhten Rollwiderstand durch die SuperSoft-Mischung am Hinterrad mit sich. Wer außerdem auf ein langlebigeres Setup setzen will, tauscht, sobald der Hinterreifen in der SuperSoft-Mischung runtergefahren ist, auf einen Reifen mit Soft-Gummimischung am Heck.

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Am Cockpit verbaut Atherton einen FSA Gradient-Carbon-Lenker mit 25 mm Rise und einen 35-mm-Vorbau. Die FOX Transfer Factory mit 210 mm Hub ergänzt das Setup sinnvoll mit ausreichend Hub für ein modernes E-MTB und lässt sich vorbildlich ganz im Sitzrohr versenken. Nice, das sorgt für ordentlich Bewegungsfreiheit bergab. Der Prologo Proxim 450-Sattel bleibt Geschmackssache, passt aber zum sportlichen Ansatz.

Tuning-Tipp: Reifen mit härterer Gummimischung am Heck aufziehen für mehr Haltbarkeit

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Atherton S.170E

8.549 €

Specifications

Motor Avinox M2S 150 Nm
Battery Avinox 700 Wh
Display Avinox 2" O-LED
Fork FOX 38 Factory GRIP X2 180 mm
Rear Shock FOX Float X2 Factory 170 mm
Seatpost FOX Transfer Factory 210 mm
Brakes Hayes Dominion A4 203/203 mm
Drivetrain SRAM X0 Eagle AXS Transmission 1x12
Stem FSA Gradient 35 mm
Handlebar FSA Gradient Carbon mm
Wheelset Mavic E-Deemax 29"/27,5"
Tires Continental Kryptotal DH Super Soft/ Continental Kryptotal DH Super Soft 2.4"/2.4"

Technical Data

Size 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Weight 24 kg

Specific Features

Das Atherton S.170E im Geometrie-Check: Größenwahnsinn?

Während vereinzelt Hersteller kleine Rahmengrößen mit kleineren Akkus abspeisen oder Kompromisse bei Geometrie eingehen, geht Atherton den entgegengesetzten Weg. Zwölf Rahmengrößen – mit identischer Batterie, identischer Performance und voller Dropper-Integration über das gesamte Line-up hinweg. Für Atherton ist Passform kein Komfort-Feature, sondern ein Performance-Faktor.

Fit is performance
-Atherton

Die Größenstaffelung reicht von 405 mm Reach (Size 1) bis zu satten 515 mm Reach (Size 12) in sauberen 10-mm-Schritten. Wer zwischen zwei Größen liegt, kann entweder zwischen einem etwas agileren oder laufruhigeren Fahrverhalten wählen.

Der Lenkwinkel liegt konstant bei 63,6° – modern, aber nicht überzogen flach. In Kombination mit dem Mullet-Setup soll das für hohe Laufruhe sorgen, ohne die Agilität schon im Kurveneingang zu opfern. Der Sitzwinkel bewegt sich zwischen 75,6° in den kleineren Größen und 77,6° in den großen Größen. Die Kettenstreben wachsen größenabhängig von 435 mm auf 445 mm mit. Das soll für ein möglichst einheitliches Fahrgefühl über alle Größen hinweg sorgen. Auf einen Flip Chip verzichtet das Team von Atherton bewusst.

Größe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Oberrohr 569 mm 579 mm 589 mm 599 mm 600 mm 610 mm 620 mm 630 mm 632 mm 642 mm 652 mm 662 mm
Sattelrohr 395 mm 395 mm 395 mm 395 mm 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 440 mm 460 mm 460 mm 460 mm
Steuerrohr 110 mm 110 mm 110 mm 110 mm 120 mm 120 mm 120 mm 120 mm 140 mm 140 mm 140 mm 140 mm
Lenkwinkel 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6° 63,6°
Sitzwinkel 75,6° 75,6° 75,6° 75,6° 76,6° 76,6° 76,6° 76,6° 77,6° 77,6° 77,6° 77,6°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 440 mm 440 mm 440 mm 440 mm 445 mm 445 mm 445 mm 445 mm
Tretlagerabsenkung 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm 7 mm
Radstand 1.194 mm 1.204 mm 1.214 mm 1.224 mm 1.243 mm 1.253 mm 1.263 mm 1.273 mm 1.297 mm 1.307 mm 1.317 mm 1.327 mm
Reach 405 mm 415 mm 425 mm 435 mm 445 mm 455 mm 465 mm 475 mm 485 mm 495 mm 505 mm 515 mm
Stack 638 mm 638 mm 638 mm 638 mm 647 mm 647 mm 647 mm 647 mm 665 mm 665 mm 665 mm 665 mm
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Welche weiteren Ausstattungsvarianten hat das neue Atherton S.170E?

Atherton bietet das S.170E in drei fest definierten Ausstattungsvarianten von 6.649,05 € bis 8.549,05 € an. Alle Builds basieren auf dem identischen Rahmen, der gleichen Kinematik und dem gleichen Antriebskonzept. Alle Varianten setzen zudem auf Hayes Dominion A4-Bremsen, Mavic E-Deemax-Laufräder sowie Continental Kryptotal-Reifen. Nice! Unterschiede bestehen daher hauptsächlich in Sachen Fahrwerk und Antrieb.

S170E
Atherton S.170E | Avinox M2S/700 Wh | 180/170 mm (v/h) | 6.649,05 € | Hersteller-Website

Den Einstieg macht das Atherton S.170E Build 3 mit einem RockShox Select-Fahrwerk mit ZEB Select-Federgabel und Vivid Air-Dämpfer. Geschaltet wird mit einer mechanischen SRAM Eagle 90 Transmission. Am Cockpit kommt ein FSA Gradient-Alu-Lenker zum Einsatz.

S170E
Atherton S.170E | Avinox M2S/700 Wh | 180/170 mm (v/h) | 7.599,05 € | Hersteller-Website

Das 7.599,05 € teure Atherton S.170E Build 2 positioniert sich als ausgewogene Variante innerhalb des Line-ups. Es setzt auf ein RockShox Ultimate-Fahrwerk mit ZEB Ultimate-Federgabel an der Front und Vivid Air Ultimate-Dämpfer im Heck. Die Schaltarbeit übernimmt die elektronische SRAM GX Eagle Transmission, die direkt über den Hauptakku gespeist wird. Auch hier ist die FSA Gradient-Alu-Combo verbaut.

Wie fährt sich das neue Atherton S.170E auf dem Trail?

Wie ist die Uphill-Performance?

Bergauf ist die Sitzposition auf dem Atherton S.170E ausgewogen, wirkt jedoch etwas gestreckter und weniger tourenorientiert. Für kürzere Anstiege passt das gut ins sportliche Gesamtbild, für lange Transfers und Tage im Sattel ist das S.170E kein Komfort-Tourer und bleibt auch bergauf ein gravity-orientiertes Bike.

Der DW-Hinterbau arbeitet effizient und wippt auf der Forststraße kaum. Gleichzeitig bleibt die Traktion am Hinterrad hoch. Die größte Auffälligkeit bergauf entsteht aber durch die Motorcharakteristik. Der Avinox M2S schiebt mit Nachdruck, bleibt dabei aber gut dosierbar. Unterhalb von etwa 1.000 Watt arbeitet die Drive Unit sehr leise und unauffällig. Erst wenn man die volle Leistung abruft, hört man dann ein lauteres elektrisches Surren, das die enorme Kraftentfaltung aber passend unterstreicht.

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Die hohe Leistung verändert die Fahrweise in technischen Sektionen bergauf deutlich. Statt technische Anstiege im Grenzbereich der Balance mit niedrigem Tempo hochzufahren, jagt man viele Passagen mit deutlich höherer Grundgeschwindigkeit. Wo man sonst im Bereich von 8–10 km/h präzise dosieren müsste, stehen hier oft über 20 km/h auf dem Tacho. Die hohe Geschwindigkeit stabilisiert das Bike. Lose Steinrampen oder steile Wurzelpassagen fährt man so mit gleichmäßigem Druck am Pedal und deutlich höherem Grundtempo.

Dadurch verschiebt sich das Limit. Traktion bleibt wichtig, wird aber seltener zum Engpass, weil der Motor immer genügend kontinuierlichen Schub liefert, um über technische Sektionen hinwegzutragen. Der M2S reagiert sehr direkt auf Fahrerimpulse, gibt seine Leistung schnell frei, wirkt dabei aber nie hektisch. Die Dosierbarkeit bleibt immer noch berechenbar und intuitiv.

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Mit bis zu 1.500 Watt Peak-Leistung ist das Avinox M2S-Motorsystem leistungsmäßig in einem Bereich, der aktuell im E-MTB-Segment heraussticht. Ob das Leistungsniveau langfristig sinnvoll oder notwendig ist, darf man kritisch hinterfragen. In der Praxis funktioniert das aber überraschend kontrolliert und eröffnet bergauf Möglichkeiten, und macht das S.170E bergauf zu einem starken Kletterer.

Wie fährt sich das neue Atherton S.170E bergab?

Schon nach den ersten Kurven fällt auf, wie selbstverständlich man sich auf dem Bike bewegt. Das Atherton S.170E ist bergab kompromisslos ausgerichtet. Die hohe Front, mit angenehm hohem Stack, in Kombination mit dem tiefen Stand im Bike sorgt sofort für Vertrauen. Man fühlt sich nicht exponiert auf dem Rad, sondern gut integriert zwischen den beiden Rädern positioniert. Gerade in steilem Gelände bringt das viel Sicherheit.

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Auch die Steifigkeit des Rahmens spielt dabei eine Rolle. Das Aluminium-Chassis hat in schnellen Anliegern, bei harten Bremsmanövern oder in tiefen Kompressionen erstaunlich wenig Flex. Das Bike fühlt sich definiert an, nicht bockhart, sondern kontrolliert. Gerade in schnellen und harten Steinfeldern sorgt das für Präzision und das Bike fängt nicht an, ungewollt unter einem zu arbeiten.

Das Fahrwerk ist eines der größten Stärken des S.170E. Es kombiniert sehr hohe Traktion mit ausreichend Support und liefert ein extrem potentes Setup. Die FOX 38 arbeitet mit spürbarem Midstroke-Support und viel Reserven nach oben. Sie bleibt hoch im Federweg, ohne Schläge ungefiltert weiterzugeben und spricht sensibel an. Der FOX X2 ergänzt das mit einer sehr gelungenen Balance aus Sensibilität und Progression. Der Hinterbau nutzt viel Federweg, ohne hart durchzuschlagen oder sich undefiniert anzufühlen. Gerade bei schnell aufeinanderfolgenden Schlägen bleibt das Heck auffällig ruhig und vermittelt viel Sicherheit.

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Daraus entsteht ein erstaunlich hohes Tempo-Gefühl – das S.170E fühlt sich bergab extrem schnell an und hält die angesteuerte Linie zuverlässig. Statt aktiv an jeder Kante abzuziehen und Airtime zu sammeln, sucht es durch die hohe Traktion eher den Bodenkontakt. Manuals und schnelle Gewichtsverlagerungen aufs Hinterrad funktionieren, verlangen aber aktiven Input. Das S.170E ist kein verspielter Gefährte, sondern ein Bike, das Geschwindigkeit über Traktion generiert. Durch diese liegt es in Kombination mit der stabilen, laufruhigen Geometrie extrem satt auf dem Trail und fährt mit erstaunlich hohem Groundspeed.

Auch auf dem Flowtrail zeigt sich die Charakteristik: sehr viel Sicherheit, eine extrem gute Balance und viel Grip am Hinterrad. Sowohl im technischen Gelände als auch in schnellen Passagen wirkt das Bike souverän und berechenbar. Einziger Kritikpunkt ist die Geräuschkulisse, die mit zunehmender Fahrzeit leicht zugenommen hat. Vermutlich liegt das an der nicht optimal geführten Zugverlegung am Steuerrohr.

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Helm Troy Lee Designs A3 | Brille Oakley Sutro | Jacke Rapha Men´s Trail Lightweight
Schuhe Shimano GE900 HS

Für wen ist das neue Atherton S.170E das richtige E-MTB?

Das Atherton S.170E richtet sich klar an Fahrer, die bergab das Maximum suchen. An Rider, die viel Tempo, hohe Traktion und ein extrem starkes Fahrwerk schätzen und für die Verspieltheit oder Tourenkomfort zweitrangig ist. Wer lange, gemütliche Ausfahrten mit entspannter Sitzposition und Mehrtagestouren plant, wird hier nicht die Eigenschaften finden, die er erwartet. Trotz seiner klaren Gravity-DNA ist das Handling erstaunlich zugänglich und spricht damit eine breite Fahrergruppe mit unterschiedlichen Skill-Level an. Das Bike fordert keine extreme Fahrtechnik, sondern vermittelt vom ersten Meter an Vertrauen.

Our goal is to create bikes that feel spot on from the first turn.
-Atherton

Das haben die Waliser geschafft!

Das richtige Bike für:
Highspeed-Jäger
Wer bergab vor allem eins will – maximalen Groundspeed –, wird mit dem Atherton richtig glücklich. Das Bike generiert enorm viel Traktion, liegt extrem ruhig auf dem Trail und hält seine Linie auch dann noch stoisch, wenn es richtig schnell und ruppig wird.

Race-DNA-Rider
Wer ein Bike sucht, das sich nicht weichgespült oder gefällig anfühlt, sondern klar aus einer Gravity- und Racing-DNA heraus gedacht ist, wird mit dem Atherton schnell warm. Das S.170E will nicht alles nur ein bisschen können, sondern vor allem bergab verdammt viel richtig machen.

Nicht das richtige Bike für:
Tourenfahrer
Wer lange, gemütliche Ausfahrten, entspannte Sitzpositionen und maximalen Komfort auf Transfers sucht, wird hier nicht die passenden Eigenschaften finden. Trotz starker Klettereigenschaften fährt sich das Atherton auch bergauf nie wie ein klassischer Tourer.

Flowtrail-Jibber
Wer auf dem Flowtrail vor allem spielen, pushen, pumpen und jede Welle in Airtime umwandeln will, findet im S.170E nicht das verspielteste Werkzeug. Das Bike bleibt lieber am Boden und generiert dort brutal viel Speed.

Fazit zum neuen Atherton S.170E

Die Waliser haben gewartet, bis Technologie und Anspruch zusammenpassen. Das merkt man in der gut ausbalancierten Gewichtsverteilung, der potenten Geometrie und in der starken Fahrwerk-Performance. Das Bike klebt am Boden, generiert irrwitzige Traktion und vereint Laufruhe mit Präzision auf einem sehr hohen Niveau. Bergauf klettert es dank kraftvollem und zugleich gut dosierbarem Motorsystem extrem souverän. Abstriche macht es bei der Kabelintegration, die eine Portion Premium-Feinschliff vertragen könnten. Aber im Kern steht hier ein kompromisslos durchdachtes E-MTB, das seine Racing-DNA nicht verwässert, sondern konsequent elektrifiziert.

Tops

  • Extrem starkes, ausgewogenes Fahrwerk
  • Massive Traktion und hohe Laufruhe
  • Extrem hohe, konstant abrufbare Motorleistung
  • Zwölf Rahmengrößen

Flops

  • Zugverlegung mit Optimierungspotenzial

Weitere Infos zum Atherton S.170E findet ihr bei Atherton.


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Text: Benedikt Schmidt Fotos: Peter Walker, Lars Engmann

Wer schreibt hier?

Benedikt Schmidt
Editor

Benedikt ist Experte für das E-MTB-Segment bei 41 Publishing und leitet die groß angelegten Vergleichstests. Nach seinem Einstieg mit Fokus auf Urban Mobility verantwortet er heute die Planung und Durchführung der weltweit aufwendigsten Testreihen für das E-MOUNTAINBIKE Magazin. Sein Schwerpunkt liegt auf tiefgreifenden technischen Deep-Dives, in denen er Antriebssysteme, Geometrien und Komponenten-Innovationen präzise analysiert. Als verantwortlicher Projektleiter liefert er fundierte, datenbasierte Kaufberatungen für den High-End-Sektor.

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