Was passiert, wenn Gravity-Legenden wie die Athertons ein eigenes Bike bauen? Das S.200 verspricht Maßarbeit und Ingenieurskunst aus Aluminium und kompromisslose Park-Performance. Doch kann ein Bike ohne Spielereien, aber mit klarer Linie im Vergleichstest bestehen? Wir haben es für euch herausgefunden.

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Atherton S.200 | 200/200 mm (v/h) | 17,4 kg in Größe 11 | 6.325 € | Hersteller-Website

Kaum eine Familie hat den Gravity-Sport so geprägt wie die Athertons – egal ob Downhill World Cup, Rampage oder wilde Film-Segmente: Die Bilanz ist legendär, die Bikes ihrer eigenen Marke sind fast schon Stammgäste in unseren Vergleichstests und haben schon einige Titel abgeräumt. Wie alle Bikes der britischen Firma setzt auch das S.200 auf eine besondere Fertigungsmethode, die sich klar vom Rest abhebt. Statt konventioneller Rahmenbauweise kommen bei der S-Serie 7075er-Alu-Rohre zum Einsatz, die mit CNC-gefrästen Muffen verklebt werden – ein Verfahren, das als subtraktive Fertigung bekannt ist. Das ermöglicht nicht nur ein sehr individuelles Design, sondern auch stolze 12 Rahmengrößen. So speziell die Fertigung auch ist, so minimalistisch zeigen sich die Rahmendetails: keine Spielereien, keine Gimmicks – einfach ein puristischer Alu-Rahmen mit 4-Bar-Hinterbau im DW-Link-Stil.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Bikepark-Bike 2025 – 6 Modelle im Test

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Ausstattung und Detaillösungen des Atherton S.200

Für ca. 6.325 € bekommt ihr mit dem Atherton S.200 nicht nur einen puristischen Alu-Rahmen, sondern auch eine passende Ausstattung: 17,4 kg bringt das Bike in Größe 11 auf die Waage. Angeboten wird das S.200 in drei Komplettausstattungen – wer’s individueller mag, kann sich über die Website aber auch seinen ganz eigenen Custom-Spec zusammenstellen.

In unserem Test rollte das Bike mit einem FOX Factory-Fahrwerk an, angeführt von der FOX 40 Factory-Federgabel samt GRIP X2-Kartusche – aktuell das Beste, was FOX im Programm hat. Die Einstellbarkeit ist top, die Performance auf höchstem Niveau. Am Heck arbeitet ein FOX DHX2-Stahlfederdämpfer – allerdings noch in der älteren Version. Dennoch bietet auch er zahlreiche Einstelloptionen, aber achtet beim Kauf darauf, gleich die richtige Federhärte zu wählen. Gebremst wird mit den Hayes Dominion A4 – eine absolute Top-Bremse, die bei unserem großen Bremsenvergleich den Testsieg eingefahren hat. Kombiniert mit 200-mm-Scheiben vorne und hinten sorgt das für kraftvolle und zuverlässige Verzögerung, auch wenn wir uns bei einem echten Park-Bike noch größere Scheiben wünschen würden.

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Hinkucker
Der puristische Alu-Rahmen mit 4-Bar-Hinterbau im DW-Link-Stil setzt ein echtes Statement.
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Einfach und effektiv
Das Atherton braucht keine fancy Detaillösungen. Eine Aussparung mit Gummistopfen erfüllt hier seinen Job.

Die Leitungsverlegung ist pragmatisch gelöst: Alle Züge verlaufen durch Cable Ports in den Rahmen und sind mit Gummistopfen an den Anschlüssen befestigt. Eine Klemmung an Ein- und Ausgang fehlt, dafür sind die Leitungen mit Kabelbindern fixiert – das Bike war damit überraschend leise auf unseren Testfahrten. Das Heck verfügt über gefräste Streben, um Gewicht zu sparen, dort verlaufen die Leitungen außenliegend, aber gut versteckt. Beim Antrieb kommt das robuste SRAM X0 DH-Schaltwerk zum Einsatz. 7 Gänge, mehr braucht es nicht. Der aufgeklebte Kettenschutz ist funktional, aber im Vergleich zu anderen Bikes im Test eher schlicht. Dafür gibt’s eine MRP-Kettenführung samt Bashguard für volle Sicherheit am Kettenblatt.

Das Unterrohr ist durch eine dünne Kunststoffplatte vor Steinschlägen geschützt. Cockpit und Vorbau stammen von FSA – eine stabile und solide Ausstattung. Die Stan’s Flow EX3 Alu-Laufräder sind im Mullet-Setup verbaut und robust genug für den Park-Einsatz. Als Reifen kommen – wie bei vielen Bikes im Test – die bewährten Continental Kryptotal in Downhill-Karkasse: vorne in SuperSoft, hinten in Soft – ein super Kompromiss aus Grip und Haltbarkeit.

Robust, simpel und auf das Nötigste reduziert. Das Atherton S.200 hat alles, was man braucht, um im Park richtig Spaß zu haben.

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Atherton S.200

6.325 €

Specifications

Fork FOX 40 Factory GRIP2 200 mm
Rear Shock FOX DHX2 Factory 200 mm
Brakes Hayes Dominion A4 200/200 mm
Drivetrain SRAM X01 DH 1x7
Stem FSA Gradient 50 mm
Handlebar FSA Gradient Alu 800 mm
Wheelset Stan’s NoTubes Flow EX3 29"/27,5"
Tires Continental Kryptotal FR SuperSoft DH/Continental Kryptotal RE Soft DH 2,4"/2,4"

Technical Data

Size 1 - 12
Weight S.200

Specific Features

Tuning-Tipps: keine

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3D-Druck und Kabelbinder
Alle Züge sind sauber geführt und gut geklemmt.
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Was will man mehr?
Der Kettenstrebenschutz fällt sehr dünn aus und dennoch hält er das Bike schön leise.
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Ingenieurskunst
Die gefrästen Alu-Teile lassen Herzen höher schlagen.

Die Geometrie des Atherton S.200

Dank des besonderen Herstellungsverfahrens gibt es das S.200 in ganzen 12 Rahmengrößen. Die Länge der Aluminiumrohre kann je nach Größe einfach angepasst werden, wodurch sich der Reach in 10-mm-Schritten feinjustieren lässt. Ein supercooles Feature, gerade für Fahrerinnen und Fahrer, die genau zwischen zwei Größen liegen. Unser Testbike kam in Größe 11 mit satten 510 mm Reach, was viel Platz bietet. Alle Größen – selbst die größten – verfügen über ein super niedriges 420-mm-Sitzrohr, was maximale Bewegungsfreiheit ermöglicht. Gefahren wird das S.200 ausschließlich im Mullet-Setup, Anpassungsoptionen wie Flip-Chips oder verstellbare Kettenstreben sucht man hier vergeblich – wer das Bike kauft, bekommt eine selbstbewusst gewählte Geometrie.

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Größe 1 8 12
Sattelrohr 420 mm 420 mm 420 mm
Steuerrohr 100 mm 120 mm 120 mm
Lenkwinkel 63° 63° 63°
Sitzwinkel 76° 76° 76°
Kettenstrebe 445 mm 455 mm 455 mm
BB Drop 5 mm 5 mm 5 mm
Radstand 1221 mm 1321 mm 1361 mm
Reach 410 mm 470 mm 520 mm
Stack 628 mm 645 mm 645 mm
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Helm SMITH Hardline | Goggle SMITH Rythm | Shirt ION SS DR | Hose ION Ionic LT | Schuhe VAUDE Moab Tech

Das Atherton S.200 auf dem Trail

Das Atherton S.200 überzeugt durch sein intuitives Handling, das selbst Einsteiger auf Anhieb ein gutes Gefühl vermittelt. Auch an langen Tagen im Park, wenn die Konzentration nachlässt, lässt sich das Bike noch entspannt und präzise bewegen – genau das, was man sich von einem soliden Park-Bike wünscht. Im Vergleich zu anderen Bikes im Test steht man etwas höher auf dem Bike und nicht im Bike: Sowohl die Front als auch das Tretlager fühlen sich höher an, was für viel Bewegungsfreiheit sorgt und das Bike angenehm agil in engen Kurven und Anliegern macht, auch wenn es nicht ganz so viel Sicherheit vermittelt, wie z. B. das Orbea oder GHOST. Dennoch ist das Atherton eines der wendigsten Bikes im Test – und unter den Bikes mit 200 mm Federweg ist es definitiv am agilsten.

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Durch die höhere Position im Bike bekommt man gut Druck aufs Fahrwerk, kann aktiv pushen und das Bike durch Kurven tanzen lassen. Im Gegenzug klebt es nicht so am Boden wie etwa das Canyon Sender oder das Orbea Rallon, wodurch man zwar etwas Traktion und Laufruhe einbüßt, aber dafür in verspielten Sektionen mehr Fahrspaß hat. Der Hinterbau fühlt sich linear an, gibt allerdings weniger Feedback darüber, was genau unter einem passiert. Dennoch bügelt es souverän alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. Das S.200 fährt sich dadurch fast schon „sorglos“ – es macht die Arbeit für dich, ohne viel Aufhebens. Das Atherton mag in keiner einzelnen Disziplin herausragend sein, aber es zeigt durchweg eine außergewöhnlich gute Leistung. Es ist kein Spezialist, aber ein echter Allrounder – und genau das ist auch seine Stärke. Denn im Park will man ein zuverlässiges Bike, das auf allen Strecken funktioniert. Das i-Tüpfelchen: Es bleibt dabei schön leise.

Mit seinem intuitiven Handling findet jeder schnell Gefallen am Atherton und auch der letzte Run geht noch sicher über die Trails.

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Durch das intuitive Handlung fühlt man sich schnell wohl und man kann die Drops direkt in der ersten Runde mitnehmen.
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Durch seinen hohen Stand ist das S.200 schön agil und man kann es leicht durch enge Kurven zirkeln.

Für wen ist das Atherton S.200?

Das Atherton S.200 ist das perfekte Bike für alle, die ein robustes, zuverlässiges Freeride- und Bikepark-Bike mit Doppelbrücke suchen – ohne dabei gleich Renn-Ambitionen zu haben. Es fühlt sich im Vergleich zu den anderen beiden Downhill-Bikes im Test weniger rennorientiert an, punktet dafür aber mit einem geradlinigen Design und seinen Allround-Eigenschaften. Genau richtig für alle, die ein Bike wollen, das man einfach in die Ecke stellen und beim nächsten Park-Tag wieder rausholen kann – ohne sich Gedanken um ausgefallene Carbonrahmen oder vergessene Riegeln im Staufach machen zu müssen.

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Das Fazit zum Atherton S.200

Das Atherton S.200 überzeugt mit intuitivem Handling und robuster Ausstattung und legt den Fokus eher auf Spaß statt einer schnellen Zeit. Wer ein zuverlässiges Bike mit Doppelbrücke sucht, das einfach funktioniert und nur wenig Wartungsaufwand benötigt, wird hier fündig. Es ist vielleicht nicht das schnellste Bike im Test, dafür aber ein souveräner Allrounder für lange Tage im Park – auspacken, fahren, Spaß haben.

Tops

  • intuitives Handling
  • robustes, simples Design
  • starke Ausstattung
  • besonderes Bike

Flops

  • wenig sensibler Hinterbau
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Mehr Infos findet ihr auf der Website von Atherton Bikes.


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier:
Das beste Bikepark-Bike 2025 – 6 Modelle im Test

Alle Bikes im Test:
Atherton S.200 | Canyon Sender CFR Team (Zum Test) | Ghost POACHA Full Party (Zum Test) | Orbea Rallon D LTD 2026 (Zum Test) | Specialized Status 2 170 DH (Zum Test) | YT DECOY Core 4 (Zum Test)

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Text: Peter Walker Fotos: Peter Walker