Plant ihr eine Reise nach Schottland? Habt ihr schon von mal von Bothys gehört – den versteckten Berghütten, die überall in den Highlands verteilt sind? Nein? Dann müssen wir euch wohl ein Geheimnis verraten. Aber pssst, nicht weitererzählen …

Bothys sind kleine Behausungen für Entdecker in den Bergen. Sie sind die Kronjuwelen der schottischen Politik des freien Zugangs in der Natur: Das Netz von Berghütten, das einfachste Schuppen ebenso umfasst wie charmante kleine Landhäuser, steht das ganze Jahr über zur Verfügung und kann kostenlos von allen Reisenden genutzt werden, egal ob sie übernachten wollen oder nur kurz einen Schutz vor den Elementen suchen. Die Bothys wurden nie touristisch vermarktet und Hinweise, wie man sie findet, wurden lange nur mündlich weitergegeben. Seit Generationen suchen Entdecker diese Unterkünfte auf, und auch Bike-Packern, die die Schönheit der schottischen Highlands kennenlernen wollen, bieten sie den idealen Unterschlupf.

Die schottische Bikepacking-Kultur

Die schottischen Highlands sind das ideale Reiseziel für einen mehrtägigen Bikepacking-Ausflug, eine Tour mit Übernachtung oder ein verlängertes Wochenende. Nicht nur, weil die Landschaft einzigartig und spektakulär ist, sondern auch, weil die Erholung in der Natur in Schottland lange Tradition hat und durch die Gesetzgebung unterstützt wird: Solange Biker auf andere Trailnutzer und die Umwelt Rücksicht nehmen und sich generell verantwortungsbewusst verhalten, dürfen sie überall in der Wildnis mit dem Bike unterwegs sein – auf allen Fußpfaden und Wegenetzen, ohne Einschränkungen. Dieser tolerante Ansatz eröffnet Mountainbikern atemberaubende Bergkämme und einige der rauhesten und naturbelassensten Bergpfade der Welt. Doch wenn ihr das wahre Schottland erleben wollt, ist nichts besser als eine Nacht in einem Bothy!

Bothy bezeichnet (in Schottland) eine Hütte oder ein Cottage, insbesondere zur Unterbringung von Landarbeitern oder als Bergschutzhütte

Traditionell war die genaue Lage der vielen Bothys in Schottland ein streng gehütetes Geheimnis, wodurch sie vor übermäßiger Nutzung geschützt wurden. Ihre Namen wurden auf keiner Karte genannt, es waren nur unbenannte Gebäude hoch oben in den Bergen verzeichnet. Doch 2009 veröffentlichte die Mountain Bothies Association (MBA) im Geiste einer „Offen-für-alle“-Politik die Ortsangaben aller 81 von ihr verwalteten Hütten. Die meisten waren ursprünglich einstöckige Crofts (so werden winzige Bauernhöfe in Schottland genannt) oder Schäferhütten. Aber der Zusammenbruch der Landwirtschaft in den Highlands und die Landflucht während der industriellen Revolution sorgten dafür, dass viele dieser entlegenen Gebäude leer standen. Schließlich wurden sie umfunktioniert und sind seither Horte der Wärme und Zuflucht für müde Bergreisende.

Bothys und Radfahrer

Dank der zunehmenden Beliebtheit von Bikepacking in Schottland wagen sich immer mehr erfahrene und abenteuerlustige Biker tiefer in die Highlands hinein, erschließen neue Abfahrten und entdecken vergessene Stellen. Ein Bothy kann die perfekte Basis sein, um ein entlegenes Gebiet zu erkunden, aber auch einfach, um sich am Feuer Geschichten und Witze zu erzählen – hier ergibt sich oft wie von selbst die Art von nächtlicher Unterhaltung zwischen Freunden, die wirklich von Bedeutung ist.

Was könnt ihr von einem Bothy erwarten?

Das ist eine sehr gute Frage. Die allgemeine Antwort darauf lautet: gar nichts. Manche Bothys sind gut ausgestattet, doch die meisten sind einfache Hütten zum Schutz vor Wind und Regen – kein fließendes Wasser, kein Strom, keine Kochmöglichkeit, kein Klo. Euren Komfort müsst ihr selbst mitbringen und das gilt auch für jeglichen Übernachtungsbedarf. Es mag romantisch klingen, in einer Berghütte zu schlafen, doch die schottischen Bothys sind nicht vergleichbar mit den ausgebauten und bewirtschafteten Hütten, die man in den Alpen so findet. Bothys sind oft feucht, kalt und dunkel, aber wenn das Feuer erst ordentlich brennt und der Single Malt fließt, dann können sie euch Erinnerungen bescheren, die ein Leben lang halten.

Euren Komfort müsst ihr selbst mitbringen.

Wie man Bothys richtig nutzt

Bothys kann man nicht reservieren, niemand hat Vorrang und man sollte immer dafür sorgen, dass auch andere sich willkommen fühlen. Das Gebot „Für einen mehr ist immer Platz“ ist kulturell fest verankert. Kommt nicht in Gruppen von mehr als sechs Leuten und nehmt unbedingt euren Müll mit, wenn ihr geht. Sammelt und hackt etwas Feuerholz für die nächsten Besucher, und wenn ihr es mit der Tradition halten wollt, lasst ein kleines Geschenk da – Kerzen oder Streichhölzer kommen immer super an. Ansonsten gelten der gesunde Menschenverstand und die Regel „Verlasse das Bothy so, wie du es gerne auffinden möchtest“. Solange ihr euch daran haltet, wird dieses wunderbare Netzwerk noch vielen Generationen auf Highland-Abenteuern Zuflucht bieten.

Was ihr dabeihaben solltet

Wenn ihr eine Tour plant und in Bothys schlafen wollt, braucht ihr alles, was ihr auch zum Übernachten unter freiem Himmel dabeihaben würdet, auch Isomatten, Schlafsäcke und Kochzeug. Wer in den Sommermonaten ein beliebtes Bothy aufsuchen will, sollte am besten ein leichtes Zelt dabeihaben, falls der Boden bzw. die Stockbetten schon belegt sind.

Was ist mit Feuer?

Viele Bothys haben eine Feuerstelle oder einen Ofen für die kalte Jahreszeit, also bringt ein paar Briketts oder Kohle mit und ersetzt das Feuerholz, das ihr verwendet habt. Wenn ihr selbst welches sammeln wollt, achtet darauf, nur totes Holz zu nehmen und auch sonst die sensible Natur nicht zu schädigen.

Wie finde ich raus, wo es Bothys gibt?

Für viele ist die Suche nach den Bothys Teil des Abenteuers, aber manchmal ist das einfach nicht so praktisch. Wenn ihr mehr Infos zum Bothy-Netz braucht, findet ihr sie auf der Website der Mountain Bothies Association. Außerdem gibt es seit einiger Zeit die „Scottish Bothy Bible“, in der – durchaus umstritten – detaillierte Beschreibungen und Fotos von den beliebtesten und den verstecktesten Bothys Schottlands veröffentlicht sind.

Unsere Top Drei für eure erste Bothy-Erfahrung


  • Ben Alder Cottage. Diese abgelegene frühere Jagdhütte, in der es angeblich spukt, befindet sich direkt unterhalb des Ben-Alder-Massivs. Das große Bothy mit drei Zimmern verfügt über einen Ofen und Stockbetten sowie eine ideale Lage für die epischen Trails rund um den Ben Alder.
  • Hutchinson Memorial Hut. Versteckt im Herzen des Cairngorms-Nationalparks, an der beliebten Strecke zum Ben Macdui, liegt die Hutchinson Memorial Hut. Das winzige Bothy erreicht ihr über einen gepflegten Pfad am Linn of Dee vorbei. Weil es so klein ist, hat der Ofen mächtig Power, wenn er erst mal läuft.
  • Craig Bothy. Für alle, die schon den schwarzen Gürtel im Bikepacking haben, können wir das Craig Bothy empfehlen. Mit seiner Lage tief im Herzen der Torridon Hills ist das Craig Bothy das Nirvana für alle, die wirkliche Abgeschiedenheit suchen, und man ist dort umgeben von einer der schönsten Landschaften Schottlands. Nur für Abenteurer geeignet.

Wenn ihr es richtig anstellt, könnt ihr bei einer Bothy-Übernachtung die Seele der Highlands erleben, so unverdünnt und kraftvoll wie der Single Malt, der hier herkommt.


Dieser Artikel ist aus ENDURO Ausgabe #033

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Text & Fotos: Trev Worsey