Wer heute im Downhill- , Enduro- oder Cross-Country-Weltcup ganz nach vorne fahren will, überlässt nichts mehr dem reinen Bauchgefühl. Überall sieht man filigrane Kabel und kleine Boxen an den Bikes, die jede Bewegung von Gabel und Dämpfer millisekundengenau protokollieren. Ganz vorne mit dabei: die Telemetrie-Spezialisten von BYB Tech aus Italien. Gegründet vom ehemaligen Elite-Master-DH-Champion und Automatisierungsingenieur Enrico Rodella, hat sich das kleine Team in den letzten Jahren von einer ambitionierten Kickstarter-Kampagne im Jahr 2018 zu einem der wichtigsten Telemetrie-Ausstattern im Weltcup-Zirkus hochgearbeitet. Heute besteht die Firma aus drei festen Mitarbeitern und einer Teilzeitkraft – und liefert Daten-Insights, die früher kaum Teams zugänglich waren.
Doch wozu der ganze Aufwand? Reichen ein gutes Gespür und der klassische Gummi-O-Ring am Standrohr nicht mehr aus? Die Italiener versprechen mit ihrem V3 Pro-System ein Werkzeug, das aus Bauchgefühl belastbare Daten macht und die Fahrwerksabstimmung nachvollziehbar sowie reproduzierbar gestaltet. Doch rechtfertigt die Datenflut den stolzen Preis? Und vor allem: Versteht man die Auswertung überhaupt, ohne Luft- und Raumfahrttechnik studiert zu haben?
Was steckt im Paket und was lässt sich messen?
Für den beachtlichen Anschaffungspreis von 2.799 € erhält man ein nach Schutzklasse IP65 staub- und spritzwassergeschütztes System. Das Herzstück ist die zentrale Akquisitionsbox, die Daten mit einer Frequenz von bis zu 1.000 Hz (also 1.000 Messungen pro Sekunde) verarbeitet.

Zum Lieferumfang gehören:
- V3 Pro-Datenerfassungseinheit: speichert die Messdaten und ist mit einem 3-achsigen Beschleunigungssensor sowie einem Gyroskop ausgestattet
- Zwei Linear-Potentiometer: zur Erfassung des Federwegs an Gabel und Dämpfer
- Bremssensoren: messen, ob die Bremse gezogen wird
- Externer GPS-Empfänger: zeichnet Strecke und Geschwindigkeit auf
- Magnetsensor: zur exakten Geschwindigkeitsmessung direkt am Laufrad
- Umfangreiches Montagezubehör
Wer noch tiefer in die Analyse einsteigen will, kann die Box per ANT+ oder Bluetooth mit externen Sensoren wie Herzfrequenzgurten und Leistungsmessern koppeln. Auch Action-Kameras lassen sich synchronisieren. Der Kamera-Sync ist ein mächtiges Werkzeug. Er ermöglicht es, Datenkurven direkt mit dem Videobild zu überlagern. So lässt sich im Nachgang präzise rekonstruieren, warum an einer bestimmten Stelle eine Belastungsspitze entstanden ist und ob es an einem Fahrfehler, einer verpatzten Linie oder schlicht an einer unsauberen Landung lag.
Montage: Kabelbinder, doppelseitiges Klebeband und eine Prise Geduld
Die Erstmontage des BYB Tech-Systems erfordert Konzentration und ein wenig handwerkliches Geschick. Wer genau weiß, was er tut, erledigt den Aufbau in etwa 15 bis 20 Minuten. Für Neulinge kann die Prozedur beim ersten Mal jedoch deutlich länger dauern. Besonders Rahmenkonstruktionen, bei denen der Dämpfer tief im Unterrohr sitzt oder durch das Sitzrohr verläuft, erfordern eine kreative Montage des Dämpfer-Sensors. An unseren Testbikes, Trek Fuel+ EX und YT DECOY SN, ließ sich das System jedoch problemlos montieren. Für einige Bike-Modelle stellt BYB passende Halterungen als kostenlose 3D-Druckvorlagen zum Download bereit, die selbst gedruckt werden können.

Für die meisten Bikes reichen jedoch die mitgelieferten Universalhalterungen aus. Fixiert wird das Ganze mit Kabelbindern und doppelseitigem Klebeband. Wer das System jedoch häufiger an- und abbaut, sollte auf Klettband umsteigen. Das spart Zeit und Nerven beim Umbau. Wichtig ist hierbei Präzision: Die Sensoren müssen fest sitzen. Sobald eine Halterung minimal wackelt, registriert das System Scheinschwingungen, was dann die Messergebnisse in der Software verfälscht.
Die Auswertung: Tiefgehende Analyse, aber nicht für Einsteiger
Die im Preis enthaltene Software bildet den eigentlichen Kern des Systems. Hier werden Federwegsnutzung, Fahrwerk, Geschwindigkeiten, Bremsvorgänge und zahlreiche weitere Kennwerte dargestellt.
Der Funktionsumfang ist groß und bietet viele Möglichkeiten zur detaillierten Analyse. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass sich die Software klar an ambitionierte Nutzer richtet. Wer bisher noch nie mit einem Telemetrie-System gearbeitet hat, muss zunächst viel Zeit in die Einarbeitung investieren.
Die wichtigsten Features sind folgende:
- Im „Dashboard“ werden durchschnittliche und maximale Werte sowie weitere Kennzahlen von Gabel und Dämpfer dargestellt, darunter die Position sowie die Geschwindigkeiten in Druck- und Zugstufe.
- Der „Stack view” gibt einen guten Überblick darüber, wie viel Federweg in welchen Abschnitten des Trails genutzt wurde und wie sich die Nutzung über die Fahrt verteilt.
- Die „Position distrib” zeigt, wie viel Federweg prozentual über die Zeit genutzt wurde. Damit lässt sich gut erkennen, ob Gabel und Dämpfer ähnlich arbeiten und das Fahrwerk insgesamt harmonisch im Federweg liegt.
- Die „Velocity distrib“ stellt die Ein- und Ausfedergeschwindigkeiten prozentual über die Zeit dar. Daraus lässt sich ableiten, ob Zugstufe und Druckstufe im Verhältnis zueinander passen und das Fahrwerk sauber arbeitet.
- Die „Summary“ fasst die wichtigsten durchschnittlichen Kennwerte einer Fahrt kompakt zusammen und erleichtert so den schnellen Vergleich zwischen verschiedenen Runs.
- Das „Auto tuning”-Feature liefert zudem automatische Setup-Vorschläge für SAG, Bottom-Out sowie Low- und High-Speed-Druck- und Zugstufe auf Basis der aufgezeichneten Daten und dient vor allem als Orientierungshilfe bei der weiteren Abstimmung.

Für den Einstieg ist zudem das zweistündige Video-Tutorial von BYB Tech sehr hilfreich, das allerdings separat bezahlt werden muss. Es erleichtert den Zugang zur Software deutlich, gerade wenn man sich erstmals mit den komplexeren Diagrammen und Zusammenhängen beschäftigt.
Die Smartphone-App eignet sich gut für schnelle Analysen direkt am Trail. Für eine detaillierte Auswertung führt hingegen kein Weg an der Desktop-Software vorbei.
Hilfreich ist das Autotune-Feature, das Setup-Vorschläge generiert. Die von Autotune vorgeschlagene Abstimmungsrichtung erwies sich im Test meist als nachvollziehbar. Allerdings war der Verstellbereich des Fahrwerks nicht immer groß genug, um die empfohlenen Zielwerte exakt umzusetzen. Entsprechend ließ sich der von der Software als optimal markierte grüne Bereich nicht in allen Fällen erreichen.

In der Praxis: Schnell startklar, kleine Schwächen im Detail
Ein großer Pluspunkt des BYB-Systems ist die unkomplizierte Inbetriebnahme. Nach der Montage muss praktisch nichts kalibriert oder eingelernt werden. Das System erkennt den Nullpunkt automatisch, sobald das Fahrwerk während der Fahrt einmal vollständig entlastet wird – etwa durch einen Sprung oder wenn man das Bike kurz anhebt. Dadurch kann man direkt losfahren und die ersten Daten sammeln, ohne sich zunächst durch Einrichtungsmenüs arbeiten zu müssen.
Die Verbindung zur Smartphone-App oder Desktop-Software erfolgt per WLAN und funktionierte im Test grundsätzlich zuverlässig. In der Praxis empfiehlt es sich jedoch, einzelne Abfahrten statt kompletter Touren aufzuzeichnen. Große Datensätze verlängern die Übertragungszeit deutlich. Bei unserem ersten Test zeichneten wir eine rund dreistündige Tour am Stück auf, wodurch eine etwa 600 MB große Datei entstand. Deren Übertragung erwies sich als Geduldsprobe und musste mehrfach neu gestartet werden, bevor die Daten vollständig auf Smartphone bzw. Rechner übertragen waren. Für den Alltag empfiehlt es sich daher, die Aufzeichnung auf die relevanten Runs zu beschränken.
Weniger gelungen sind die Tasten an der Datenerfassungseinheit. Deren Druckpunkt könnte klarer ausfallen, sodass wir teilweise mehrmals drücken mussten, bis die Aufnahme tatsächlich gestartet wurde. Praktisch ist deshalb die automatische Pausenfunktion, die Aufzeichnungen anhand von Bewegung oder Geschwindigkeit selbstständig startet und stoppt. Gerade während unserer Testphase kam es immer wieder vor, dass wir vor einer Messfahrt schlicht vergessen hatten, den Aufnahme-Button zu drücken. Wenn man – wie in unserem Fall – denselben Trail zehn- oder mehrmals am Tag fährt, ist ein fehlender Datensatz besonders ärgerlich.

Ebenfalls aufgefallen ist die Geräuschentwicklung des Systems. Die Sensoren und Kabel können auf ruppigen Trails hörbar klappern. Das ist zwar störend, relativiert sich aber schnell, da das BYB-System primär als Analysewerkzeug für Test- und Abstimmungsfahrten konzipiert wurde und nicht dafür gedacht ist, dauerhaft am Bike montiert zu bleiben.

Was bringt die Telemetrie tatsächlich?
Die Telemetrie liefert jede Menge spannende Einblicke – besonders dann, wenn man die Grundlagen der Fahrwerksabstimmung kennt. Wer sein Wissen auffrischen oder vertiefen möchte, findet in unserem Guide MTB-Fahrwerk richtig einstellen ausführliche Erklärungen zu den wichtigsten Begriffen und Einstellmöglichkeiten.
Im Rahmen unseres Tests haben wir gezielt jeweils nur einen Parameter an Gabel oder Dämpfer verändert, um dessen Auswirkungen isoliert bewerten zu können. Ziel war es, die Effekte der einzelnen Einstellbereiche nachvollziehbar zu machen und sie anschließend in der Software wiederzuerkennen.
Als Basis diente eine vielseitige Teststrecke, die sowohl flowige Abschnitte mit Anliegern und Sprüngen als auch ruppige Passagen und steile Abfahrten umfasste. Insgesamt kamen so über die vergangenen Monate mehr als 80 aufgezeichnete Testfahrten auf derselben Strecke zusammen, was eine ausgezeichnete Vergleichsbasis für die Auswertung geschaffen hat. Die auf dieser Grundlage erarbeiteten Setups wurden anschließend zusätzlich in den Alpen, im Bikepark sowie auf weiteren Trails in Mittelgebirgen überprüft und validiert.
Dieser Ansatz diente für uns als Grundlage, um die Software und ihre Analysewerkzeuge überhaupt richtig verstehen zu lernen. Erst als wir nachvollziehen konnten, wie sich einzelne Änderungen an Zug- und Druckstufe in den Diagrammen widerspiegeln, begannen wir damit, die Daten gezielt für die Entwicklung unseres persönlichen Fahrwerk-Setups zu nutzen. Der Fokus lag dabei klar auf Gabel und Dämpfer. Die Analyse von Bremsverhalten, Linienwahl oder Geschwindigkeit haben wir bewusst ausgeklammert, da diese Funktionen aus unserer Sicht vor allem für Rennfahrer interessant sind, die ihre Runs auch anhand von Zeiten vergleichen möchten. Unser Ziel war dagegen, das für uns bestmögliche Fahrwerk-Setup zu erarbeiten.
Das war allerdings nicht immer einfach. Je nach Dämpfer bzw. Gabel ist die Einstellbandbreite teilweise relativ gering, sodass Fahrfehler oder eine andere Linie im Trail mitunter größere Auswirkungen haben können als etwa das vollständige Öffnen oder Schließen der High-Speed-Compression. Nichtsdestotrotz ließen sich über die Zeit gewisse Tendenzen erkennen.
Besonders die Zugstufe war dabei in allen Gabel- und Dämpfermodellen deutlich nachvollziehbar. Bei der Druckstufe kam es hingegen auf das jeweilige Modell an. Bei manchen Fahrwerken waren kaum Unterschiede spürbar und auch in der Software nur geringe Veränderungen sichtbar, während sich bei anderen deutlich klarere Effekte in den Daten und beim Fahren erkennen ließen.
Besonders hilfreich war die Analyse des dynamischen SAGs. Der dynamische SAG beschreibt dabei die tatsächlich während der Fahrt genutzte Einfederung des Fahrwerks unter realen Belastungen – also nicht den statisch eingestellten SAG im Stand, sondern den Arbeitsbereich, in dem sich Gabel und Dämpfer im Einsatz tatsächlich im Schnitt bewegen.
Bei unseren Setups ohne das BYB-System lagen die Gabeln meist 5 bis 10 % unter dem dynamischen SAG der Dämpfer. Diese Einstellung beruhte wahrscheinlich auf Erfahrungswerten aus der Vergangenheit, dabei wurde der Support der Gabel hauptsächlich über den Luftdruck eingestellt, während die Druckstufe meist weit geöffnet blieb. Wurde die Druckstufe stärker zugedreht, wurden viele Gabeln schnell unkomfortabel. Mit modernen Gabelgenerationen hat sich dieses Verhalten jedoch verändert: Der Support im mittleren Federwegsbereich lässt sich heute sehr gut über die High-Speed-Druckstufe steuern, ohne dass die Gabel dabei übermäßig an Komfort verliert.
Mit dem BYB-System wird der dynamische SAG tatsächlich sichtbar und zeigt sehr klar, wo sich das Fahrwerk während der Fahrt hauptsächlich bewegt. Durch die Angleichung von Gabel und Dämpfer sowie eine Anpassung der High-Speed-Druckstufe zeigte sich, dass das Fahrwerk auch bei höherem dynamischem SAG stabil bleibt und nicht unkontrolliert tief einsinkt. Stattdessen wirkte es harmonischer und komfortabler.

Gerade bei Stahlfederdämpfern zahlt sich das System besonders aus, da hier keine klassische O-Ring-Referenz vorhanden ist, um den tatsächlich genutzten maximalen Federweg zuverlässig abzulesen.
Spannend war außerdem, dass sich die Progression des Fahrwerks klar in den Daten ablesen ließ. Bei einem unserer Testbikes konnte man mit Hilfe eines Flip Chips zwischen 20 % und 25 % Progression auswählen. Bei identischem Luftdruck zeigte die 25-%-Einstellung rund 2,5 % mehr dynamischen SAG als die 20-%-Einstellung. Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied, entspricht in der Praxis aber durchaus einer spürbaren Veränderung. Zum Vergleich: Einen ähnlich großen Effekt auf den dynamischen SAG konnten wir beim Wechsel von einer 375er- auf eine 350er-Stahlfeder oder bei einer Reduzierung des Luftdrucks um etwa 5 psi beobachten. Die Daten zeigten damit, dass sich selbst kleine Änderungen an Luftdruck, Stahlfeder oder Progression nicht nur theoretisch, sondern auch messbar auf das Fahrwerksverhalten auswirken.

Mit 20 % Rahmenprogression lag der dynamische SAG bei 33,6 %. Bei 25 % waren es 36,1 % dynamischer SAG – also 2,5 % mehr.
Die Empfehlung von BYB ist es, zunächst den dynamischen SAG korrekt einzustellen. Erst wenn dieser passt, folgt die Feinarbeit an Druck- und Zugstufe. Dabei geht es – ähnlich wie beim SAG – darum, die Kennlinien für Ein- und Ausfedergeschwindigkeit von Gabel und Dämpfer möglichst aufeinander abzustimmen, damit das Fahrwerk harmonisch arbeitet. Auffällig war zudem, dass das „Auto tuning”-Feature häufig zu einer deutlich offeneren Zugstufe tendierte. In der Folge fuhren wir bei einer FOX 38 mit DHX2-Dämpfer (beide aus dem Jahr 2025) die Zugstufe schließlich komplett offen – ein Setup, das wir aus dem klassischen Parkplatztest heraus so nie gewählt hätten. Dort wirkt eine sehr schnelle Zugstufe zunächst ungewohnt, zudem liegen viele Herstellerempfehlungen für ein Fahrergewicht von rund 75 kg meist im mittleren Bereich für die Zugstufe.

Auf dem Trail zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Bremswellen und schnelle Schlagfolgen waren deutlich komfortabler zu fahren. Die schnellere Zugstufe sorgte dafür, dass das Fahrwerk nach Schlägen zügig wieder ausfedern konnte, statt „einzusacken“. Als Gegenbeispiel fuhren wir die Zugstufe komplett zu. In der Software ließ sich dabei beobachten, dass der dynamische SAG anstieg. Der Grund: Das Fahrwerk konnte sich nach aufeinanderfolgenden Schlägen nicht mehr vollständig erholen und blieb dadurch tiefer im Federweg. Interessant ist, dass der Unterschied im dynamischen SAG wieder nur etwa 2–3 % betrug – im Fahrgefühl war er deutlich spürbar.
Auf dem Trail zeigte sich ein klares Bild: Bei allen Fahrwerken landeten wir am Ende bei einer deutlich offeneren Zugstufe, kombiniert mit etwas weniger Luftdruck bzw. einer geringeren Federhärte. Bei der Dämpfung setzte sich ein Setup mit viel Highspeed-Kompression und mit einer wenig bis mittleren Low-Speed-Kompression durch.
In dieser Abstimmung wirkte das Fahrwerk insgesamt spürbar lebendiger und gleichzeitig kontrollierter. Es reagierte komfortabler auf kleine wie große Schläge, blieb dabei aber gut im Arbeitsbereich und nutzte den Federweg effizient aus – gefühlt machte das Setup das Fahrwerk noch einmal eine Stufe besser.
Unsere Erfahrungen teilten wir auch mit Enrico, also dem Besitzer von BYB Tech. Er erzählte uns daraufhin, dass er ähnliche Beobachtungen bereits mit Profi-Fahrern gemacht habe. Bei einem Fahrer nahm man beispielsweise 25 psi (!) aus der Gabel. Das Feedback des Profis war zunächst, dass sich das Setup deutlich langsamer anfühlt – die Zeit auf der Strecke sagte jedoch etwas anderes: Er war 2,5 Sekunden schneller. Enrico erklärte das so: Mit einem sehr straffen Setup sei es ein bisschen wie mit einem Fiat Panda auf die Autobahn zu fahren. Es fühlt sich schnell an, ist es aber nicht.
Wer braucht das BYB Tech Telemetry V3 Pro?
Für Gelegenheitsfahrer ist das System nicht geeignet und auch für viele ambitionierte Fahrer nur bedingt sinnvoll. Sowohl die Anschaffungskosten als auch der Zeitaufwand für die Einarbeitung sind vergleichsweise hoch.
Anders sieht es bei folgenden Zielgruppen aus:
- Racer: Die auf der Jagd nach den letzten Hundertstelsekunden sind und ihr Material perfekt auf die jeweilige Rennstrecke abstimmen müssen.
- Gewerbliche Tuner: Die ihren Kunden ein datenbasiertes, maßgeschneidertes Fahrwerks-Setup anbieten wollen, anstatt sich auf subjektive Fahreindrücke zu verlassen.
- Enthusiasten & Tech-Nerds: Die das absolute Maximum aus ihrem High-End-Fahrwerk herausholen wollen und Spaß an tiefgehender Datenanalyse haben.
Für alle, die zwar ein sehr gutes Setup suchen, aber nicht zwingend das letzte Quäntchen Performance für den Renneinsatz benötigen, bietet BYB Tech mit dem Standard-V3-System eine günstigere Alternative. Der Hauptunterschied liegt in der geringeren Abtastrate von 500 Hz, dem Verzicht auf die Bremssensorik sowie einem insgesamt reduzierten Funktionsumfang in der Software. Die im Text beschriebenen Kern-Analysefunktionen bleiben jedoch erhalten, wodurch die 1.399 € (ohne MwSt) teure V3-Version eine interessante Alternative darstellt.
Fazit zum BYB Tech Telemetry V3 Pro
Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage: Muss man Luft- und Raumfahrttechnik studiert haben? Ganz klar nein. Allerdings braucht es Zeit, sich intensiv mit den Daten auseinanderzusetzen, um einen Mehrwert zu generieren. Für viele Hobbyfahrer dürfte deshalb ein Termin beim Fahrwerkstuner die sinnvollere Lösung sein.
In unserem Test hat das System unsere Fahrwerke spürbar verbessert und vor allem dabei geholfen, ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge zu entwickeln. Durch die Messdaten entwickelt man ein besseres Gefühl dafür, welche Änderungen welche Auswirkungen haben.
Tops
- objektive Analyse von Fahrwerksänderungen
- automatische Kalibrierung spart Zeit
- umfangreiche Sensorik und hohe Messgenauigkeit
- Setups lassen sich reproduzierbar dokumentieren
- hilfreich für Racer, Tuner und Enthusiasten
Flops
- hoher Anschaffungspreis
- Software erfordert viel Einarbeitung
- Video-Tutorial kostet extra
- Tasten der Hardware könnten besser ausfallen
Weitere Informationen findet ihr auf der Website von BYB.
Tester: Reynaldo Ilagan und Peter Walker
Einsatzbereich: Mountainbike, E-MTB
Testdauer: 6 Monate
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Text & Fotos: Reynaldo Ilagan
