
Kaum ein Bike-Segment entwickelt sich aktuell so rasant wie Downcountry. Moderne Bikes sollen bergauf möglichst leichtfüßig und effizient klettern, auf anspruchsvollen Trails aber längst nicht mehr wie verkappte XC-Bikes wirken. Genau diesen Spagat will Canyon mit dem komplett neuen LUX Trail meistern. Dafür haben die Koblenzer ihrem leichten Trail-Fully nicht nur mehr Federweg und eine deutlich abfahrtslastigere Geometrie spendiert, sondern versprechen gleichzeitig einen um 200 g leichteren Rahmen.
Das Ziel ist klar: Die Klettereigenschaften und das niedrige Gewicht des bisherigen LUX Trail sollen mit den souveränen Abfahrtseigenschaften des Neuron CF verschmelzen. Das Topmodell bringt dabei bei unserem Testbike lediglich 13,0 kg auf die Waage und kostet 5.999 €. Herauskommen soll eines der leichtesten, gleichzeitig aber auch potentesten Downcountry-Bikes auf dem Markt. Ob diese Rechnung aufgeht? Unsere ersten Eindrücke zum neuen Canyon LUX Trail 2027.
Welche Detaillösungen bietet das neue Canyon LUX Trail 2027?
Herzstück des neuen LUX Trail ist sein komplett überarbeiteter Carbonrahmen. Trotz des um 20 mm auf 140 mm an der Front und um 11 mm auf 125 mm am Heck gewachsenen Federwegs soll der Rahmen laut Canyon in Größe M lediglich 1.850 g wiegen – rund 200 g weniger als beim Vorgänger. Gleichzeitig bleibt die Freigabe nach Kategorie 3 erhalten. Neben dem zusätzlichen Federweg hat Canyon die Geometrie deutlich in Richtung Trail-Einsatz weiterentwickelt – mehr dazu im entsprechenden Geometrie-Kapitel.
Unser Testbike in Rahmengröße L brachte fahrfertig inklusive der beiden im Rahmen verstauten Tools exakt 13,0 kg auf die Waage. Damit liegt das LUX Trail zwar ein gutes Stück über der Herstellerangabe von 12,1 kg für Rahmengröße M, ist aber trotzdem deutlich leichter als durchschnittliche Trail-Bikes.
Am Hinterbau setzt Canyon weiterhin auf einen einteiligen Flex-Stay-Hinterbau. Durch den Verzicht auf ein zusätzliches Lager spart diese Konstruktion Gewicht, erhöht die Steifigkeit und reduziert gleichzeitig den Wartungsaufwand durch den Entfall eines Lagers an der Hinterachse. Positiv fällt auf, dass bei den vorhandenen Lagern Anzugsdrehmomente direkt an den jeweiligen Lagerpunkten aufgedruckt sind.
Auch der Stauraum im Unterrohr wurde beim neuen LUX Trail überarbeitet. Er fällt größer aus als beim Vorgänger, ist wasserdicht ausgeführt und verfügt über einen neuen, gut zu bedienenden Verschlussmechanismus. Im Inneren befinden sich neben einer Tool Sleeve auch ein Multitool, das Canyon bereits serienmäßig mitliefert. Außerdem offenbart sich hier die einlaminierte Kabelführung, was ein klapperfreies Erlebnis auf dem Trail versprechen dürfte. Zusätzlich bietet ein Tool-Mount auf dem Oberrohr Platz für weiteres Zubehör.
Beim Rahmenschutz zeigt Canyon ebenfalls Liebe zum Detail. Der weit nach vorne gezogene Kettenstrebenschutz schützt effektiv, ohne unnötig aufzutragen, und auch der gummierte Unterrohrschutz hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Weniger gelungen finden wir dagegen den fehlenden Schutz an der filigranen Sitzstrebe sowie am Hauptdrehpunkt zwischen Hinterbau und Sitzrohr, wo Schmutz und Steinschläge ungehindert angreifen können.
Was kann die Ausstattung des neuen Canyon LUX Trail CF9?
Als Topmodell der neuen LUX-Trail-Baureihe setzt das Canyon LUX Trail CF 9 auf eine kompromisslos hochwertige Ausstattung. An der Front arbeitet die neue FOX 36 SL Factory mit 140 mm Federweg und GRIP X-Kartusche, die eine gelungene Balance aus geringem Gewicht, hoher Sensibilität und guter Einstellbarkeit verspricht. Am Heck übernimmt ein FOX Float Factory-Dämpfer die Arbeit und entlockt dem Hinterbau 125 mm Federweg. Komplettiert wird das FOX-Paket mit Kashima-Beschichtung von einer FOX Transfer Factory-Sattelstütze mit 170 mm Hub.
Beim Antrieb setzt Canyon konsequent auf hochwertige SRAM-Komponenten. Die elektronische SRAM X0 Eagle Transmission übernimmt die Gangwechsel, während die passende X0-Kurbel bereits serienmäßig mit einem integrierten Powermeter ausgestattet ist.
Auch bei den Laufrädern vertraut Canyon auf Eigenentwicklungen und kombiniert den leichten Carbonrahmen mit den hauseigenen XC 30 CF-Carbonlaufrädern. Bei den Reifen setzt Canyon vorne auf einen MAXXIS Dissector und hinten auf den flacher profilierten MAXXIS Rekon, jeweils mit EXO-Karkasse und Dual Compound-Gummimischung. Für den vorgesehenen Einsatzbereich als abfahrtsstärkeres Trail-Bike würden wir am Hinterrad allerdings mindestens zur robusteren EXO+-Karkasse greifen. Das höhere Gewicht fällt kaum ins Gewicht, die deutlich verbesserte Pannensicherheit dagegen umso mehr.
Für die Verzögerung sorgt die SRAM Motive Ultimate mit vier Kolben, Carbon-Bremshebeln und Titanschrauben. Gemeinsam mit den serienmäßigen 180-mm-HS2-Bremsscheiben vorne und hinten passt die Bremsanlage gut zum sportlichen Einsatzbereich des Bikes. Wer allerdings regelmäßig lange oder besonders steile Abfahrten fährt, dürfte mit einer 200-mm-Bremsscheibe von zusätzlicher Power und Standfestigkeit profitieren.
Am Cockpit setzt Canyon auf einen Race Face Era Carbon-Lenker, kombiniert mit einem Race Face Turbine SL-Vorbau und Ergon-Griffen.
Weitere Ausstattungsvarianten des Canyon LUX Trail 2027
Das neue Canyon LUX Trail wird in vier Ausstattungsvarianten ab attraktiven 2.999 € angeboten. Unabhängig vom Preis setzt Canyon bei allen Modellen auf denselben Carbonrahmen sowie 180-mm-Bremsscheiben an Front und Heck. Unterschiede gibt es dagegen bei Fahrwerk, Antrieb, Laufrädern und Anbauteilen. Während das Einstiegsmodell noch auf Aluminiumlaufräder setzt, rollen alle höherwertigen Varianten auf hauseigenen Carbonlaufrädern. Einheitlich fällt dagegen die Reifenwahl aus: Vom günstigsten bis zum teuersten Modell verbaut Canyon die Kombination aus MAXXIS Rekon am Heck und Dissector an der Front – jeweils mit Dual Compound-Gummimischung. Bei den Modellen CF 6, CF 7 und CF 8 kann jeweils zwischen zwei unterschiedlichen Lackierungen gewählt werden.


Mit einem Einstiegspreis von nur 2.999 € ist das LUX Trail CF 6 eine echte Kampfansage. Trotz des günstigen Preises setzt Canyon bereits auf den leichten Carbonrahmen und gibt ein Gesamtgewicht von lediglich 13,2 kg an. Geschaltet wird mit einer mechanischen Shimano XT-Gruppe und passenden XT-Vierkolben-Bremsen die Verzögerung übernehmen. Beim Fahrwerk arbeitet vorne eine FOX 34 Rhythm mit GRIP-Kartusche, am Heck ein passender FOX Float Rhythm-Dämpfer. Im Unterschied zu den höherwertigen Modellen rollt das CF 6 auf hauseigenen Aluminiumlaufrädern, Cockpit und Sattelstütze stammen ebenfalls aus eigener Fertigung.
Für 1.000 € Aufpreis bringt das LUX Trail CF 7 bereits einige spürbare Upgrades mit. An der Front arbeitet nun die neue FOX 36 SL mit GRIP-Kartusche, am Heck ein FOX Float Performance-Dämpfer. Zudem hält SRAM Einzug: Geschaltet wird mit der mechanischen Eagle 90 Transmission, gebremst mit den neuen SRAM Motive Bronze-Bremsen. Hinzu kommen die hauseigenen XC 30 CF-Carbonlaufräder, die ihren Beitrag zum laut Hersteller auf 12,8 kg reduzierten Gesamtgewicht leisten. Lenker, Vorbau und Sattelstütze stammen weiterhin von Canyon.
Das LUX Trail CF 8 markiert den Einstieg in die Oberklasse und drückt das Gewicht laut Hersteller auf nur noch 12,3 kg. Die größte Neuerung steckt im Fahrwerk: Die FOX 36 SL erhält die sensiblere und deutlich vielseitiger einstellbare GRIP X-Kartusche. Auch die Bremsanlage wird mit den SRAM Motive Silver aufgewertet, deren Druckpunkt sich zusätzlich einstellen lässt. Geschaltet wird nun elektronisch mit der SRAM GX Eagle Transmission. Race Face-Cockpitkomponenten sowie eine exklusive zweifarbige Lackierung runden das Gesamtpaket ab.
An der Spitze der Modellpalette steht das LUX Trail CF 9 für 5.999 €. Gegenüber dem CF 8 spendiert Canyon dem Topmodell einen SRAM X0 Eagle Transmission-Antrieb inklusive Powermeter, eine FOX Transfer-Sattelstütze sowie einen Carbon-Sattel von Ergon. Laut Hersteller sinkt das Gewicht dadurch nochmals um rund 200 g.


Das neue Canyon LUX Trail 2027 im Geometrie-Check
Mit dem neuen LUX Trail hat Canyon nicht nur den Federweg erhöht, sondern dazu auch die Geometrie konsequent überarbeitet. Mehr Stack, ein deutlich flacherer Lenkwinkel und ein längerer Radstand zeigen klar, wohin die Reise geht: Das LUX Trail soll auf anspruchsvollen Trails mehr Sicherheit und Reserven bergab bieten, ohne seinen sportlichen XC-Charakter komplett aufzugeben.
Erhältlich ist das LUX Trail in fünf Rahmengrößen von XS bis XL und deckt laut Canyon Körpergrößen von 150 bis 205 cm ab. Der Reach wächst dabei in gleichmäßigen 20-mm-Schritten von 410 mm in Größe XS bis auf 490 mm in XL. Im Vergleich zu vielen modernen Trail-Bikes fallen die Reach-Werte dennoch eher kompakt aus und unterstreichen den weiterhin sportlichen Charakter des Bikes.
Den größten Schritt macht Canyon beim Lenkwinkel: Mit nun 64,8° fällt er ganze zwei Grad flacher aus als beim Vorgänger – ein enormer Sprung, der in Kombination mit dem gewachsenen Radstand deutlich mehr Laufruhe und Vertrauen auf steilen Abfahrten verspricht.
Bei den Kettenstreben setzt Canyon auf zwei Längen. Die Rahmengrößen XS, S und M kommen auf 435 mm, während L und XL auf 440 mm anwachsen. So soll das Handling über alle Rahmengrößen hinweg möglichst ausgewogen bleiben.
| Größe | XS | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 554 mm | 574 mm | 595 mm | 616 mm | 641 mm |
| Sattelrohr | 390 mm | 400 mm | 420 mm | 450 mm | 480 mm |
| Steuerrohr | 93 mm | 93 mm | 95 mm | 108 mm | 125 mm |
| Lenkwinkel | 64,8° | 64,8° | 64,8° | 64,8° | 64,8° |
| Sitzwinkel | 76,4° | 76,2° | 76,1° | 76,1° | 76,0° |
| Kettenstrebe | 435 mm | 435 mm | 435 mm | 440 mm | 440 mm |
| Tretlagerabsenkung | 38 mm | 38 mm | 38 mm | 38 mm | 38 mm |
| Radstand | 1.160 mm | 1.179 mm | 1.200 mm | 1.231 mm | 1.258 mm |
| Reach | 410 mm | 430 mm | 450 mm | 470 mm | 490 mm |
| Stack | 603 mm | 603 mm | 605 mm | 616 mm | 633 mm |
Fazit zum Canyon LUX Trail CF 9 2027
Mit dem neuen LUX Trail verfolgt Canyon einen spannenden Ansatz: Mehr Federweg, eine deutlich modernere Geometrie und trotzdem ein nochmals leichterer Carbonrahmen sollen die Effizienz eines XC-Bikes mit echten Trail-Qualitäten verbinden. Auf dem Papier wirkt das Konzept äußerst vielversprechend. Das finale Urteil müssen allerdings unsere Trailtests liefern. Das Testbike steht bereits bei uns – ein ausführlicher Fahreindruck folgt in Kürze und wird diesen Artikel ergänzen.
Weitere Infos findet ihr auf der Website von Canyon.
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Text: Lars Engmann Fotos: Benedikt Schmidt
