Das Canyon Strive ging als Titelverteidiger in diesen Vergleich, mittlerweile ist die Konkurrenz allerdings härter geworden. Kann sich der ehemalige Testsieger mit seinem einzigartigen Shapeshifter und seinem super vielseitigen Handling noch immer an der Spitze positionieren?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Canyon Strive CFR 9.0 LTD | 160/150 mm | 14,26 kg | 6.999 €

Edler geht’s fast nicht! Das Canyon Strive CFR 9.0 LTD sieht aus wie der wahr gewordene Traum aller Bike-Part-Fetischisten. Nachdem wir im letzten Test das Team-Modell unter die Lupe genommen haben, war diesmal die LTD-Variante dran. Die Basis, der Rahmen, ist aber die gleiche. Das Bike verfügt über 29”-Laufräder, 150 mm Federweg am Heck und den im Umlenkhebel versteckten Shapeshifter. Mit ihm kann man den Federweg, die Kennlinie und die Geometrie des Bikes mit einem Klick vom Lenker aus verstellen, um so bergauf und bergab weniger Kompromisse eingehen zu müssen. Anders als die Team-Variante mit 170 mm verfügt die LTD-Version lediglich über 160 mm Federweg in Front. Sie werden von einer FOX 36 Factory mit FIT4-Kartusche bereitgestellt. Wir hätten uns hier allerdings das noch feinfühligere GRIP2-Modell gewünscht. Sie lässt sich noch besser an die eigenen Vorlieben und bevorzugten Trails anpassen und ist dank Setup-Guides noch immer einfach abzustimmen.

Die restliche Ausstattung sorgt für mächtig feuchte Hände. Ein optisches Highlight sind die ENVE M730-Felgen, die an super hochwertige Chris King-Naben gespeicht wurden – eine Kombination, die man nicht häufig an einem Serien-Bike sieht. Allerdings sind die Felgen sehr steif und fahren sich dadurch sehr direkt.

Intuitiv
Hat es beim alten 27,5”-Strive noch etwas Geschick gebraucht, um zwischen den Fahrstufen zu wechseln, muss man bei der neuen Shapeshifter-Generation nur noch den jeweiligen Hebel drücken. Der Shapeshifter springt dann automatisch bei der nächsten Gelegenheit in den gewählten Modus.
Leider nur FIT4
An falscher Stelle gespart
Die FIT4-Kartusche der FOX 36 Factory soll dank weniger Einstellmöglichkeiten das Setup erleichtern. Leider kann sie aber in ihrer Performance nicht mit der GRIP2-Variante mithalten. An einem Edel-Bike wie dem Canyon Strive CFR 9.0 LTD hätten wir uns das Optimum gewünscht.
Passend
Das hauseigene Canyon G5-Cockpit passt perfekt ins Gesamtbild des Bikes. Der Vorbau besitzt die passende Länge (40 mm) und der Lenker die richtige Breite (780 mm). Optisch ist der Vorbau allerdings Geschmackssache.

Canyon Strive CFR 9.0 LTD

6.999 €

Ausstattung

Federgabel FOX 36 Factory FIT4 160 mm
Dämpfer FOX FLOAT DPX2 Factory 150 mm
Sattelstütze FOX Transfer Performance Elite 150 mm
Bremsen SRAM Code RSC 200/180 mm
Schaltung SRAM XX1 Eagle 32 - 10/50
Vorbau Canyon G5 45 mm
Lenker Canyon G5 Carbon 780 mm
Laufradsatz ENVE M730 / Chris King 29

Technische Daten

Größe S, M, L, XL
Gewicht 14,26 kg


Ein echter Traum
Der Hinterbau des Strive CFR funktioniert mit dem FOX DPX2 noch feinfühliger als mit dem RockShox Super Deluxe, mit dem wir es das letzte Mal getestet haben. So saugt das Rad kleine Unebenheiten einfach weg, ohne dabei zu tief im Federweg zu versacken.
Übertrieben edel
Die ENVE M730-Laufräder sind sehr steif und fordern dadurch den Fahrer. Speziell auf langen Abfahrten kosten sie Kraft und verzeihen wenig Fehler. Die Chris King-Naben dagegen sind ein echter Traum und begeistern mit ihrem sehr feinen Auslösewinkel!
Service-freundlich
Das geschraubte BSA-Tretlager lässt sich im Service-Fall einfach und schnell ersetzen.

Geometrie und Größe des Canyon

Dank des einzigartigen Shapeshifters lässt sich die Geometrie des Canyon Strive auf Knopfdruck vom Lenker aus verstellen. Das ermöglicht es Canyon unter anderem, dem Rad ein besonders tiefes Tretlager zu verleihen. Bei den restlichen Werten ist das Strive dagegen alles andere als extrem– und das aus gutem Grund. Denn die ausgewogene Geometrie trägt maßgeblich zum vielseitigen Handling des Bikes bei.

Größe S M L XL
Sattelrohr 400 mm 440 mm 455 mm 500 mm
Oberrohr 602 mm 629 mm 662 mm 697 mm
Steuerrohr 95 mm 100 mm 110 mm 130 mm
Lenkwinkel 65,5-67° 65,5-67° 65,5-67° 65,5-67°
Sitzwinkel 73,5-75° 73,5-75° 73,5-75° 73,5-75°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
Tretlagerabsenkung 32 mm 32 mm 32 mm 32 mm
Radstand 1.166 mm 1.193 mm 1.227 mm 1.266 mm
Reach 409 mm 434 mm 464 mm 494 mm
Stack 630 mm 635 mm 644 mm 663 mm
Helm Giro Tyrant MIPS | Brille Oakley Airbrake PRIZM Trail | Jersey Fox Drirelease Jersey | Short Fox Ranger Cargo Shorts | Knieschoner Fox Enduro Pro

Das Canyon Strive CFR 9.0 LTD im Test

In Zeiten von immer extremeren Geometrien wirkt das Strive im ersten Moment nahezu altbacken. So ist der Lenkwinkel von 65,5°eher steil und der Reach mit 464 mm (Gr. L) nicht übertrieben lang. Auffallend ist jedoch der hohe Stack von 644 mm, zu dem das mit 32 mm Absenkung sehr tiefe Tretlager seinen Teil beiträgt. Der Shapeshifter verfügt über zwei Hebel, wodurch man wahlweise die Uphill- oder Downhill-Einstellung aktiviert. Hat man einmal den Modus gewählt, ändert das Canyon ihn bei der nächsten Gelegenheit dank eines Rückschlagventils automatisch. Im Uphill-Modus erhöht sich das Tretlager, der Federweg wird auf 135 mm reduziert und Sitz- und Lenkwinkel werden um 1,5° steiler – das ist dann aber noch immer nicht steil genug. Es empfiehlt sich immer noch, den Sattel nach vorn zu schieben, um möglichst zentral im Bike zu sitzen. Dann klettert das Strive auch willig bergauf. Dank 165 mm kurzer Kurbeln setzt man selbst bei technischen Uphills nicht mit den Pedalen auf und der noch immer aktive Hinterbau mit dem reduzierten Federweg generiert sehr gute Traktion. Auch bei Antritten beschleunigt das Rad willig.

Immer alles unter Kontrolle – das Strive fährt sich extrem berechenbar.

Bergab steht man super integriert im Canyon Strive CFR 9.0 LTD und hat auch ohne große Gewichtsverlagerung perfekten Grip an beiden Laufrädern. So lassen sich offene Kurven sehr einfach durchfahren. Sobald das Terrain steiler und anspruchsvoller wird, ist das Strive in seinem Element. Es besitzt trotz des geringen Federwegs am Heck massig Reserven und punktet mit hoher Laufruhe bei gleichzeitig sehr guter Agilität. Muss man im Steinfeld einmal eine Linie korrigieren oder möchte spontan mit einer Highline in die Kurve, setzt das Canyon Lenkimpulse präzise und direkt um, ohne dabei nervös zu wirken. Der Hinterbau arbeitet ausgesprochen effektiv und schluckt selbst große Schläge absolut bereitwillig. Mit dem FOX DPX2-Dämpfer arbeitet das Heck sehr feinfühlig und bietet dennoch wirklich guten Pop. Dank einer exzellent gewählten Endprogression fühlen sich die 150 mm Federweg nach deutlich mehr an.

Die Bling-Bling-Ausstattung des LTD-Modells macht zwar einiges her, auf dem Trail zahlt sich der Mehrpreis aber nicht aus.

Wie fährt sich das Canyon Strive CFR im Vergleich zur Konkurrenz?

Das Canyon Strive positioniert sich in diesem Test zwischen agilen Bikes wie dem Trek Slash oder dem CUBE Stereo und potenten Bikes wie dem Nukeproof Mega C290 oder dem Rocky Mountain Slayer. Es ist eines der vielseitigsten Räder im Test, kann im super harten Gelände aber nicht mit den besten Baller-Bikes mithalten. Wer regelmäßig auch auf gemäßigten Trails unterwegs ist, findet mit dem Strive jedoch einen top Allrounder!

Tuning Tipp: Sattel nach vorne schieben | das Team- statt das LTD-Modell bestellen: Es besitzt die funktionalere Ausstattung zum günstigeren Preis

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das Canyon Strive CFR 9.0 LTD punktet noch immer mit einem grandiosen Gesamtpaket. Es brilliert bergab mit einem sehr ausgewogenen Handling sowie großen Reserven und fährt sich dennoch ausgesprochen agil und präzise. Es vermittelt nicht nur viel Sicherheit, sondern macht auch super viel Spaß und klettert obendrein sehr gut bergauf. Das macht das Rad noch immer zu einem top Allrounder, auch wenn es nicht mehr ganz zum Testsieg reicht.

Stärken

  • Handling sehr ausgewogen
  • spaßig und laufruhig zugleich
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Schwächen

  • Sitzwinkel könnte bergauf noch steiler sein
  • leider nur eine FIT4 statt einer GRIP2-Kartusche

Mehr Informationen zum Canyon Strive CFR 9.0 LTD findet ihr auf canyon.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2020

Alle Bikes im Test: Canyon Strive CFR 9.0 LTD | CUBE Stereo 170 SL 29 | Giant Reign Advanced 29 0 | Ibis Mojo HD5 | Norco Sight C1 29 | Nukeproof Mega 275C RS | Nukeproof Mega 290C Pro | Orbea Rallon M-LTD | Pole Stamina 180 LE | RAAW Madonna V2 FOX Factory Built | Rocky Mountain Slayer Carbon 90 29 | Santa Cruz Megatower CC X01 Reserve | SCOTT Ransom 900 Tuned | Specialized S-Works Enduro 2020 | Specialized Turbo Kenevo Expert | Trek Slash 9.9 X01 AXS | Yeti SB150 T2 | YT CAPRA 29 CF Pro Race

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer / Finlay Anderson / Markus Frühmann

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.