5.999 € für ein Saisonticket? Ja, denn das Canyon Torque:ON 9 ersetzt jedes Shuttle! Es beamt euch zum Start der nächsten Jumpline und liegt dank seinem hohen Gewicht ähnlich stabil in der Luft wie eine Motocross-Maschine. Aber raubt die große Masse dem Torque:ON 9 Agilität? Das haben wir im Bikepark-Vergleichstest herausgefunden.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Bikepark-Party-Bike 2021 – 6 Modelle im Test

Canyon Torque:ON 9 | Shimano EP8/504 Wh | 180/175 mm (v/h)
24,2 kg in Größe L | 5.999 € | Hersteller-Website

Lange Warteschlangen und schlecht belüftete Gondeln sind die Probleme der anderen! Mit dem 5.999 € teuren Canyon Torque:ON 9 bekommt ihr den „Saisonpass“ direkt beim Kauf dazu, schließlich bringt euch das Bike entspannt zum Start der nächsten Jumpline. Canyon verspricht, mit dem Torque:ON 9 das ultimative E-Mountainbike für Freerider geschaffen zu haben. Unserer Meinung nach eignet es sich am besten für fette Jumplines, die nicht durch einen Lift erreichbar sind, und fette Freeride-Missionen. Schon von Weitem ist beim Torque:ON erkennbar, dass es sich um ein E-Mountainbike handelt: Der massive Alu-Rahmen mit dickem Unterrohr beherbergt den 85 Nm starken Shimano EP8-Motor mit 504-Wh Akku. Das ist zwar der kleinste Akku für ein EP8-System, doch er lässt sich einfach tauschen und bringt euch dennoch einige Male an den Start vom Trail. Canyon bietet außerdem ab Herbst 2021 einen optionalen Zusatzakku inklusive zweitem Akkucover beim Kauf an. So könnt ihr innerhalb von kürzester Zeit den Akku tauschen und direkt weiter zur nächsten Runde. Das Shimano E7000-Display am Lenker zeigt euch hier zuverlässig den Akku-Ladezustand und die Fahrstufe an. Wer auf ein cleanes Cockpit steht, kann das Display durch einen Bluetooth-Dongle tauschen und die Informationen über sein Handy ablesen. Handy oder GoPro laden ist am Torque:ON 9 übrigens kein Problem, denn das Oberrohr besitzt einen USB-C-Ladeport. Auch Platz für eine Trinkflasche findet sich im Rahmen und das Motorcover dient automatisch als Bashguard – top!

Die Ausstattung des Canyon Torque:ON 9 im Detail

Das hochwertige Fahrwerk des Torque:ON 9 besteht aus einer FOX 38 Factory GRIP2-Gabel mit 180 mm Federweg und einem FOX X2 FLOAT Factory-Dämpfer, der die 175 mm am Heck verwaltet. Ordentlich Gewicht bringt das Ganze auch mit sich und so kommt das Canyon auf 24,2 kg, also fast 10 kg mehr als Bikes wie das YT CAPRA und das Nukeproof Giga ohne Motor. Zu spüren bekommt ihr das, sobald es mit dem Bike talwärts geht. Um die Masse zu kontrollieren, hat Canyon mit der SRAM CODE RSC-Vierkolbenbremse vorgesorgt und eine fette 220-mm-Scheibe an der Front verbaut. Gepaart mit der 200-mm-Scheibe am Heck ist das die stärkste SRAM-Bremse, die ihr momentan bekommt. Als Extratuning hat Canyon an unserem Test-Bike noch organische Trickstuff-Bremsbeläge verbaut, leider auf die davor mit metallischen Belägen genutzten Scheiben. Dadurch kann die Bremse nicht ihren vollen Biss entfalten – schade! Bremsbeläge und Scheiben sollten immer zusammenpassen und man sollte Scheiben, die mit metallischen Belägen genutzt wurden, nicht auf organisch umstellen. Das Gleiche gilt natürlich auch andersherum. Bei der Reifenwahl hat Canyon ebenfalls von unserem Tuning-Angebot Gebrauch gemacht und robuste MAXXIS-Reifen mit 3C MaxxGrip-Gummimischung aufgezogen: einen ASSEGAI in Doubledown-Karkasse an der Front und einen Minion DHR II mit DH-Karkasse am Heck. Montiert sind die Pneus auf einem stabilen DT Swiss 1700 Hybrid Alu-Laufradsatz. Genau mit diesen Reifen hätten wir das Bike auch ausgestattet!

Tuning Can Be a Crime
Die Idee, mit den organischen Trickstuff Power+ Belägen ein Extra an Bremspower einzubauen, war super. Leider wurden sie mit den alten Bremsscheiben kombiniert, die davor mit metallischen Belägen gefahren wurden – schade! Dadurch kann die Bremse nicht ihren vollen Biss entfalten.
Massiv
Canyon verbaut standardmäßig 220-mm-Bremsscheiben an der Front, kombiniert mit der SRAM CODE RSC-Vierkolbenbremse sorgt das für ordentlich Power. Wären da nicht die Bremsbeläge …
Genau so …
… haben wir uns das vorgestellt, als wir die Hersteller um Tuning für unseren Bikepark-Test gebeten haben! Canyon hat daraufhin einen superrobusten Downhill-Reifen am Heck montiert.
Einzelgänger
Das Canyon Torque:ON 9 setzt auf den 85 Nm starken Shimano EP8-Motor und ist damit das einzige E-Mountainbike im Test.

Canyon Torque:ON 9

5.999 €

Ausstattung

Motor Shimano EP8 85 Nm
Battery Shimano STEPS 504 Wh
Display Shimano SC-E7000
Federgabel FOX 38 Factory GRIP2 180 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 175 mm
Sattelstütze Iridium Dropper 150 mm
Bremsen SRAM CODE RSC 220/200 mm
Schaltung SRAM GX Eagle 12-Speed 10–52
Vorbau Canyon:ON 40 mm
Lenker Canyon ON 800 mm
Laufradsatz DT Swiss H1700 Hybrid 27,5"
Reifen MAXXIS DHF 3C MaxxGrip DD / MAXXIS DHR II 3C MaxxGrip DH 2,5 /2,4

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 24,2 kg

Besonderheiten

organische Trickstuff-Bremsbeläge
robustere Reifen


Ruckzuck
Der 504-Wh-Akku am Torque:ON ist mit wenigen Handgriffen gewechselt, wenn ein Ersatzakku erhältlich ist. Canyon versichert, ab Herbst 2021 wieder liefern zu können.
Grün heißt Go!
Der Start-Button ist im Oberrohr integriert und leuchtet beim Anschalten kurz grün. Wer das Bedürfnis hat, sein Handy zu laden, findet hier auch einen USB-C-Anschluss. Wir haben damit die Musikbox geladen, während wir Sprünge geschaufelt haben.
Spoiler
Der breite und am Heck erhöhe Sattel ähnelt eher dem getunten BMW vom Nachbarn und ist genauso störend. Im Stehen schränkt er zusammen mit dem hohen Sattelrohr die Bewegungsfreiheit ein.
Braaap!
Bei starken Kompressionen im Anlieger verwindet sich das Heck so stark, dass die Kette lautstark am Reifen schleift.

Die Geometrie des Canyon Torque:ON 9 erklärt

Das Torque:ON 9 ist in vier Rahmengrößen von S bis XL verfügbar. Unser getestetes Modell in Rahmengröße L soll Fahrer mit einer Größe von 183 bis 192 cm abdecken. Für unsere Testfahrer hat das gut gepasst. Bei dieser Rahmengröße besitzt das Canyon einen Reach von 485 mm und kombiniert ihn mit einer recht niedrigen Front. Die Kettenstrebenlänge beträgt in allen Größen 430 mm und ist besonders für ein E-Mountainbike sehr kurz. Das Sitzrohr hat eine Länge von 460 mm und schränkt die Bewegungsfreiheit im Stehen ein; hier würde ein schmalerer Sattel etwas Abhilfe schaffen.

Das Canyon Torque:ON 9 klebt förmlich am Boden. Das ermöglicht es, auch flache Kurven mit richtig viel Speed zu nehmen, sorgt aber dafür, dass selbst kleine Flugeinlagen einen richtigen Absprung benötigen.

Größe S M L XL
Sattelrohr 440 mm 440 mm 460 mm 500 mm
Oberrohr 612 mm 639 mm 667 mm 694 mm
Steuerrohr 115 mm 125 mm 135 mm 145 mm
Lenkwinkel 63,5° 63,5° 63,5° 63,5°
Sitzwinkel 74,0° 74,0° 74,0° 74,0°
Kettenstrebe 430 mm 430 mm 430 mm 430 mm
BB Drop 15 mm 15 mm 15 mm 15 mm
Radstand 1.214 mm 1.244 mm 1.273 mm 1.302 mm
Reach 435 mm 460 mm 485 mm 510 mm
Stack 616 mm 625 mm 634 mm 643 mm
Helm POC Coron Air SPIN | Goggle POC Ora Clarity | Shirt Bicycle Thrift Shop Pinky
Hose Too Skinny Jeans

So fährt sich ein E-Mountainbike im Bikepark – Wir haben das Canyon Torque:ON 9 getestet

Auf flowigen Strecken klebt das Torque:ON so richtig am Boden. Das gibt ordentlich Traktion, auch in offenen Kurven, und ermöglicht es euch, an Bikes wie dem Norco Shore und Nukeproof Giga vorbeizuziehen. Das intuitive Handling und der enorme Grip kommen vor allem Einsteigern zugute, allerdings besitzt das Fahrwerk nicht genug Gegenhalt, um an kleinen Sprüngen abzuziehen oder in Anliegern zu pushen. Euer Impuls versackt im Dämpfer und kleine Sprungeinlagen, wie sie mit dem Specialized Status möglich sind, kosten richtig Kraft – schließlich müsst ihr knapp 10 kg mehr in die Luft ziehen. Das Heck verwindet sich in Anliegern mit starker Kompression sehr und die Kette streift dann lautstark am Hinterreifen, was zusätzlich zum klappernden EP8-Motor nervig ist.

Tuning-Tipps: zusätzliche Spacer im Dämpfer | EP8-Motor kann ohne Display gefahren werden

Moto-Style
So stabil wie das Canyon Torque:ON liegt kaum ein anderes Bike in diesem Vergleichstest auf dem Trail.

Bei großen Sprüngen und fetten Anliegern werden geübte Fahrer dafür die super Laufruhe und Stabilität des Torque:ON spüren. Das gibt ordentlich Selbstvertrauen und lässt einen auch die ganz fetten Sprünge mitnehmen! In der Luft liegt das Bike wie das Norco Shore sehr stabil. Große Whips benötigen allerdings gute Vorarbeit im Absprung und die Airtime ähnelt hier eher einer Motocross-Maschine als einem agilen Mountainbike. So erfordern Tabletops und Scrubs große Impulse und der sehr breite Sattel mit dem hohen Sitzrohr schränkt eure Bewegungsfreiheit in der Luft ein. Zusätzlich werden harte Landungen mit einem schmerzhaften Durchschlag quittiert. Hier würden zusätzliche Volumenspacer im Dämpfer Abhilfe schaffen. Von den Jumplines ins steile Technische abgebogen, spielt das Canyon erneut seine starke Traktion aus und man kann Hindernisse selbst im Wurzelteppich spontan umfahren. Mal kurz abziehen ist aber durch das hohe Gewicht und das schluckfreudige Fahrwerk auch hier nicht drin und frühzeitiges Bremsen wird essenziell, denn die große Masse schiebt im Steilen richtig. Trotz niedriger Front und kleinem Laufrad vermittelt das Torque:ON aber auch dort viel Sicherheit, solange eure Bremse mitmacht.

Typisch Shimano: Der EP8-Motor klappert bergab auch im Torque:ON enorm und zusammen mit der schleifenden Kette ist die Geräuschkulisse sehr präsent

Fazit

Das Canyon Torque:ON 9 macht definitiv Spaß! Obwohl das hohe Gewicht und das schluckfreudige Fahrwerk das Bike am Boden kleben lassen, bringt die hohe Traktion vor allem Einsteigern viel Sicherheit. Auch Erfahrene können mit ihm im Park Spaß haben, denn bei Highspeed glänzt es mit hoher Laufruhe und vermittelt selbst in der Luft viel Sicherheit. Spielereien und Flugeinlagen benötigen jedoch deutliche Impulse und das Shuttle im Bikepark ersetzt das Torque:ON 9 nur, solange der Akku reicht.

Stärken

  • Shuttle beim Kauf inklusive (nur solange der Akku reicht)
  • sehr hohe Stabilität in der Luft
  • hohe Traktion in offenen Kurven und technischem Gelände

Schwächen

  • Geräuschkulisse mit EP8-Motor und der streifenden Kette
  • hohes Gewicht lässt das Bike am Boden kleben
  • wenig Gegenhalt am Heck
  • Bremsscheibe mit den falschen Belägen kombiniert

Mehr Informationen findet ihr unter canyon.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Bikepark-Party-Bike 2021 – 6 Modelle im Test

Alle Bikes im Test: Canyon Torque:ON 9 | Norco Shore 1 (Zum Test) | Nukeproof Giga 290 Carbon Factory (Zum Test) | Propain Spindrift CF Mix (Zum Test) | Specialized Status 160 (Zum Test) | YT CAPRA 29 CORE 4 (Zum Test)

Text: Peter Walker Fotos: Robin Schmitt

Über den Autor

Peter Walker

Peter ist als technischer Redakteur nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten. Mit ernsthaften Bike- und Schrauber-Skills, seiner Motocross-Historie, diversen EWS-Teilnahmen und über 150 Bikepark-Tagen in Whistler – ja, der Neid der meisten Biker auf diesem Planeten ist ihm gewiss – ist für Peter kein Bike zu kompliziert und kein Trail zu steil. Gravel und Rennrad kann er übrigens auch! Das für unsere redaktionelle Arbeit wichtige Thema Kaufberatung hat Peter in Vancouvers ältestem Bike-Shop von der Pike auf gelernt und setzt sein Know-how auch im journalistischen Alltag um. Wenn er nicht gerade die Stuttgarter Hometrails auf neuen Test-Bikes unsicher macht, genießt er das Vanlife mit seinem selbst ausgebauten VW T5. Dass er dazu noch ausgebildeter Notfallsanitäter ist, beruhigt seine Kollegen bei riskanten Fahrmanövern. Zum Glück mussten wir Peter bislang nie bei seinem Spitznamen „Sani-Peter“ rufen. Wir klopfen auf Holz, dass es dazu auch nie kommen wird!