Wenn eine Marke alle aktuellen Geometrietrends in einem Rahmen vereint hat, dann ist es COMMENCAL mit dem brandneuen META AM 29. Langer Reach, super kurze Kettenstreben, flacher Lenk- und steiler Sitzwinkel. Aber bedeutet das auch, dass das neue META auf dem Trail richtig abliefert?

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

Commencal Meta AM 29 Öhlins | 170/160 mm (v/h) | 16,30 kg in Größe M | 5.299 €
Hersteller-Website

COMMENCAL setzt schon lange ausschließlich auf Aluminium-Rahmen und das in diesem Jahr präsentierte META AM 29 ist da keine Ausnahme. Es besitzt 170 mm Federweg in Front, 160 mm am Heck und rollt, wie es der Name vermuten lässt, auf 29”-Laufrädern. Das Federbein integriert COMMENCAL formschön am Oberrohr. Der gesamte Rahmen wirkt massiv, mit großen Lagern, dicken Rahmenprotektoren und massiven Umlenkungen. Kein Wunder, dass die Waage bei diesem Bike mit Öhlins-Stahlfeder-Fahrwerk und konsequentem Verzicht auf Carbonteile erst bei satten 16,20 kg stehen bleibt.

Die Ausstattung des COMMENCAL META AM im Detail

Das Team von COMMENCAL setzt auf Direktvertrieb und schickt seine Bikes direkt an den Kunden. Will man ein META AM 29 ÖHLINS sein Eigen nennen, müssen dafür 5.299 € über den virtuellen Ladentisch gereicht werden. Dafür kommt das Rad dann mit einer kompletten Shimano XT 12-fach-Schaltung, DT Swiss-Laufrädern mit robusten EX511-Felgen und einer Kind Shock-Sattelstütze. In der von uns getesteten Größe Medium ist sie 150 mm lang, in L kommt ein 175-mm-Modell und in XL sogar eine 200 mm lange Variante zum Einsatz – top! Das Ride Alpha-Cockpit gibt mit seinen Dimensionen keinen Grund zur Kritik, wird dem hohen Preis des Bikes aber nicht ganz gerecht. Insgesamt wirkt das Bike an vielen Stellen sehr grobschlächtig. Beispiele sind die Rohr-Shapes am Steuerrohr, die Schweißnähte oder auch die Kabelführung.

Wer glaubt, der Hinterbau wäre mit dem Stahlfederdämpfer eine Sänfte, der irrt. Das Heck des META AM ist definiert und straff abgestimmt.
COMMENCAL verzichtet beim META AM 29 serienmäßig auf eine Kettenführung. Wer es gern richtig krachen lässt, sollte jedoch eine nachrüsten.
Das Sattelrohr ist angenehm kurz und der Sitzwinkel des META super steil. Wenn man zur kleineren Rahmengröße greift, fällt die verbaute Sattelstütze mit 150 mm eher kurz aus. Wir empfehlen ein Modell mit mind. 175 mm.

Commencal Meta AM 29 Öhlins

5.299 €

Ausstattung

Federgabel Öhlins RXF36 M.2 Air 170 mm
Dämpfer Öhlins TTX22M 160 mm
Sattelstütze KS LEV Integra mm150
Bremsen Shimano XT 4-Kolben 203/203 mm
Schaltung Shimano XT 32/10-51
Vorbau Ride Alpha Freeride 40 40 mm
Lenker Ride Alpha R27 780 mm
Laufradsatz DT Swiss EX511/DT Swiss 350
Reifen Schwalbe Magic Mary Super Trail Addix Soft/Schwalbe Big Betty Super Trail Addix Soft 2,4"/2,4"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 16,30 kg
Laufradgröße 29"


Der Rahmen des META AM 29 fällt massiv aus, das sieht man an etlichen Stellen wie z. B. der Bremsaufnahme. Am Ende sorgt das aber auch für ein hohes Gesamtgewicht. Mit robusten Reifen kratzt das Bike an der 17-kg-Marke.
Mit 5.299 € ist das META AM 29 kein Schnäppchen und als Kunde sollte man neben einer top Performance auch eine entsprechende Haptik und Formsprache erwarten können. Diesem Anspruch wird das Rad aber nicht gerecht. Ein Beispiel: das günstig anmutende Ride Alpha-Cockpit.

Lang, flach, kurz – Die Geometrie des COMMENCAL META AM 2021

Das COMMENCAL META AM wirkt schon auf dem Papier wie ein sehr aggressives Bike. Sein Reach ist in Größe Large mit 495 mm richtig lang, der Lenkwinkel mit 63,6° flach. Aufgrund der enormen Länge ist es eines der ersten Bikes, bei dem wir statt Up- lieber Downsizing betrieben haben und es in Medium bestellt haben. Die Kettenstreben fallen mit 433 mm für den langen Reach in Größe Large sehr kurz aus. In Größe Medium ist das Verhältnis aus Reach und Hinterbaulänge ausgewogener. Der Sitzwinkel ist mit 78,5° richtig steil – was das für das Fahrverhalten bedeutet, erklären wir euch jetzt.

Größe S M L XL
Sattelrohr 380 mm 420 mm 440 mm 460 mm
Oberrohr 573 mm 600 mm 626 mm 652 mm
Steuerrohr 115 mm 120 mm 125 mm 130 mm
Lenkwinkel 63,6° 63,6° 63,6° 63,6°
Sitzwinkel 78,5° 78,5° 78,5° 78,5°
Kettenstrebe 433 mm 433 mm 433 mm 433 mm
BB Drop 21 mm 21 mm 21 mm 21 mm
Radstand 1.231 mm 1.258 mm 1.285 mm 1.312 mm
Reach 445 mm 470 mm 495 mm 520 mm
Stack 633 mm 638 mm 642 mm 647 mm
Helm Fox Speedframe | Brille 100% Glendale | Jersey Flanell Hemd | Shorts Jeans Shorts
Knieschoner Troy Lee Raid | Schuhe Ride Concept Transition

Uphills sind definitiv nur Mittel zum Zweck, man erledigt sie aber entspannt.

Mit einer Körpergröße von 180 cm ist man bei COMMENCAL noch genau in der Größenempfehlung für das META AM in Medium. Die Sitzposition ist super zentral und aufrecht. In der Ebene lastet relativ viel Gewicht auf den Händen und man merkt schnell: Das ist ein Bike, das dafür gebaut ist, steile Uphills hinauf und noch steilere Tracks bergab zu fahren. Trotz des hohen Gewichts klettert man mit dem META AM entspannt bergauf. Grund dafür ist das effiziente Fahrwerk, das kaum Energie schluckt, und die aufrechte, aber kompakte Sitzposition, dank der das Vorderrad immer Bodenkontakt hält.

Ist das META AM 29 bergauf noch gemächlich und entspannt unterwegs, ändert sich sein Charakter, sobald die Schwerkraft übernimmt. In der Größe Medium ist es ein super agiles, direktes und verspieltes Bike und fährt sich ganz anders als das Bike, das wir in Größe Large bei unserem Race-Bike-Test zur Verfügung hatten. Wer glaubt, das Öhlins-Coil-Fahrwerk würde das COMMENCAL in eine Sänfte verwandeln, der irrt.

Party! Das META AM feuert mit seinem direkten Handling ein Feuerwerk an Fahrspaß ab!

Vielmehr bietet es viel Feedback vom Untergrund und reserviert den Federweg für den Moment, in dem er wirklich gebraucht wird. Dadurch wird der Input des Fahrers unverzüglich umgesetzt und man kann mit dem Rad genial durch Sektionen pushen, viel Speed mitnehmen und bedenkenlos auch mal zu weit ins Flat segeln. Allerdings gibt es Bikes, die deutlich mehr Traktion am Heck bieten, und auch die RXF 36 kann nicht mit den besten Federgabeln im Test mithalten. Durch die Wahl der Größe Medium ist das Handling angenehm agil und trotz der kurzen Kettenstreben ausgewogen. Durch das eher straffe Fahrwerk und den insgesamt kurzen Rahmen ist das COMMENCAL META AM 29 bei Highspeed nicht ganz so laufruhig. Hier macht sich das hohe Gewicht positiv bemerkbar und bringt Ruhe ins Bike. Negativ wirkt sich das Gewicht erst aus, wenn man versucht, an kleinen Kanten abzuziehen. Dieser Effekt wird sich verstärken, wenn man dem Rad einmal wirklich robuste Reifen spendiert – die verbauten Modelle mit Schwalbe Super Trail-Karkasse werden dem Bike nämlich nicht gerecht.

Wie fährt sich das META AM im Vergleich mit der Konkurrenz?

Das COMMENCAL META AM und das Nukeproof Mega 290 Alloy klettern dank ihrer steilen Sitzwinkel und effizienten Hinterbauten beide entspannt jeden Uphill hinauf, unterscheiden sich bergab aber deutlich. Das Mega 290 Alloy ist trotz Luftfahrwerk deutlich sensibler und liefert mehr Traktion, wohingegen das META AM sich direkter fährt und mehr Feedback vom Untergrund liefert. Bei Highspeed zieht das Nukeproof gnadenlos davon und liefert deutlich mehr Kontrolle und Sicherheit.

Tuning-Tipps: das Rad mit FOX- statt mit Öhlins-Federgabel bestellen | das Gesamtgewicht im Blick behalten

Fahreigenschaften

12

Uphill

1
  1. schwerfällig
  2. effizient

Agilität

2
  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

3
  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

4
  1. fordernd
  2. gutmütig

Fahrwerk

5
  1. unsensibel
  2. feinfühlig

Fahrspass

6
  1. langweilig
  2. lebendig

Value for money

7
  1. schlecht
  2. sehr gut

Einsatzbereich

XC

8

Trail

9

Enduro

10

Downhill

11

Fazit

Das COMMENCAL META AM 29 ist ein Spaß-Bike erster Güte. In der Abfahrt begeistert es ab dem ersten Meter mit seinem direkten, agilen und spritzigen Handling. Bei Highspeed fehlt es ihm allerdings an Souveränität und man muss fokussiert fahren, um nicht überrascht zu werden. Wer aufgrund des enormen Reaches zur kleineren Größe greift, sitzt bergauf kompakt. Wegen seines hohen Gewichts klettert das META zwar solide, aber gemächlich.

Stärken

  • direktes und spaßiges Handling
  • vermittelt viel Feedback vom Untergrund
  • entspannte Sitzposition im Uphill

Schwächen

  • bei großen Rahmengrößen unausgewogenes Handling
  • bei Downsizing fehlt etwas Laufruhe
  • hohes Gewicht

Mehr Informationen findet ihr unter commencal-store.de

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2021 – 13 Modelle im Test

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Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Valentin Rühl, Markus Frühmann

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.