
Das Instinctiv Kodiak MX 150 ist ein Bike, das aus der Masse heraussticht – und das schon bevor man überhaupt losfährt. Die kleine niederländische Marke setzt auf eine Pinion C1.12-Getriebeschaltung, die geringen Wartungsaufwand, eine aufgeräumte Optik und eine bessere Fahrwerksperformance verspricht. Mit lediglich 160 mm Federweg an der Front und 150 mm am Heck tritt das Kodiak MX als ungewöhnlicher, aber spannender Enduro-Allrounder an. Mit 16,3 kg in Größe L bleibt das Mullet-Bike trotz Getriebe leicht und bewegt sich auf dem Niveau klassischer Enduros. Instinctiv richtet sich an Rider, die ein Bike abseits des Mainstreams suchen – ob das die 8.265 € wert sind?
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Ausstattung und Detaillösungen des Instinctiv Kodiak MX 150
Das Instinctiv Kodiak gibt es in drei Federwegsvarianten – 130, 140 und 150 mm. Die 150-mm-Version richtet sich klar an die abfahrtsorientierte Zielgruppe und wird als Full-29er oder alternativ – wie unser Testbike – als MX-Modell angeboten. Darüber hinaus lässt sich das Kodiak eurer Wahl über den Konfigurator weiter individualisieren.
Das Rahmendesign des Instinctiv Kodiak MX 150 sticht sofort ins Auge: Der Carbon-Hauptrahmen wirkt clean und modern, geprägt von fließenden Linien und einer insgesamt sehr futuristischen Silhouette. Dafür sorgt auch die markante Aussparung hinter dem Steuerrohr, die gleichzeitig als strukturelle Verstrebung fungiert. Herzstück des Rahmens ist das sogenannte Puma Suspension-Design, ein Multilink-Hinterbau mit kompakter, tief platzierter Umlenkung. Das sorgt für viel Platz im Dreieck des Hauptrahmens, sodass ein Tool-Mount am Oberrohr sowie Montagepunkte für einen Flaschenhalter gut genutzt werden können.


Während die Kettenstrebe ausreichend geschützt ist, fehlt dem Kodiak ein kleiner Fender zwischen Hauptlager und Hinterbau. Das schmerzt umso mehr, da sich die Lackierung im Test als empfindlich gegenüber Steinschlägen gezeigt hat. Auch das Cockpit fällt negativ auf: Mit drei Hebeln, vier Klemmen und fünf Leitungen, die über geschraubte Cable-Ports in den Rahmen verlaufen, ist es das unordentlichste Cockpit im gesamten Testfeld. Beim Fahrwerk setzt Instinctiv auf ein FOX Factory mit einer 36 Factory-Federgabel samt älterer GRIP2-Kartusche sowie einen FLOAT X Factory-Dämpfer – beides solide Performer, auch wenn andere Bikes im Test auf die neuesten Kartuschen setzen.
Der Instinctiv-Konfigurator bietet genug Freiheit zur Individualisierung, ohne in überflüssigen Optionen zu versinken


Hauptaugenmerk der Kodiak-Ausstattung ist jedoch die Pinion C1.12-Getriebeschaltung, die in unserem Bike mit mechanischen Trigger-Hebeln ausgestattet ist, optional aber auch mit der elektronischen Smart-Shift-Variante ausgeliefert werden kann. Sie bietet mit 600 % eine besonders große Übersetzungsbandbreite und zudem den Vorteil, im Stand Gänge wechseln zu können. Zudem entfällt das exponierte Schaltwerk samt schwerer Kassette vom Hinterrad. Auf eine Kette verzichtet unser Testrad allerdings nicht, auch wenn sich das Kodiak optional mit einem GATES-Carbon-Riemen ausstatten lässt.
Für die Verzögerung sorgen MAGURA MT7 Pro-Bremsen mit 203/180-mm-Scheiben. Sie bieten im Vergleich zu den anderen Bremsen im Test eine schwächere Trail-Performance und geraten vor allem im Bikepark schneller an ihre Grenzen. Die FOX Transfer Factory-Sattelstütze bietet in unserem Testbike-Spec nur 150 mm Hub – deutlich zu wenig für moderne Enduro-Ansprüche, vor allem bei Rahmengröße L. Über den Konfigurator sind leider auch nur maximal 180 mm möglich.


Das Cockpit stammt aus der Race Face Turbine-Serie und besteht aus Alu. Als Laufräder kommen Crankbrothers Synthesis E Alloy zum Einsatz, kombiniert mit MAXXIS ASSEGAI und Dissector-Reifen in MaxxTerra-Gummimischung und EXO-Karkassen. Diese EXO-Karkasse ist zwar leicht, für ein auf Enduro orientiertes Bike jedoch deutlich zu schwach – was sich leider bereits auf der ersten Abfahrt wieder unter Beweis gestellt hat. Im Anschluss an die Panne haben wir daher die Reifen für einen fairen Testverlauf auf Reifen mit stabiler Doubledown-Karkasse getauscht.
Instinctiv Kodiak MX 150
8.265 €
Specifications
Fork FOX 36 FLOAT Factory GRIP2 160 mm
Rear Shock FOX FLOAT X Factory 150 mm
Seatpost FOX Transfer Factory 150 mm
Brakes MAGURA MT7 Pro 203/180 mm
Drivetrain Pinion C1.12 trigger shift 30; 30
Stem 77designz ONE PIECE STEM 35 mm
Handlebar RaceFace Turbine 800 mm
Wheelset Crankbrothers Synthesis E Alloy MX
Tires MAXXIS ASSEGAI, 3C MaxxTerra, EXO/MAXXIS Dissector, 3C MaxxTerra, EXO 2,5/ 2,4
Technical Data
Size MD, LG, XL
Specific Features
Getriebe
Tuning-Tipp: Unbedingt Reifen mit stabilerer Karkasse montieren. Größere Bremsscheibe am Heck montieren.

Die Geometrie des Instinctiv Kodiak MX 150
Das Instinctiv Kodiak MX 150 ist in drei Rahmengrößen – MD, LG und XL – erhältlich und soll damit Körpergrößen zwischen 165 und 205 cm abdecken. Damit bietet das Instinctiv insgesamt ein breites Größenspektrum, auch wenn die Abstufungen teilweise recht groß ausfallen. Die Reach-Werte reichen von 446 mm in MD bis 513 mm in XL, wobei der Sprung zwischen MD und LG mit 35 mm groß ausfällt. Der Lenkwinkel liegt bei 64,0° und ist damit etwas steiler als bei vielen abfahrtsorientierten Bikes im Testfeld. Mit 430 mm verbaut Instinctiv die kürzesten Kettenstreben im gesamten Test, was das Kodiak MX 150 klar in Richtung Agilität und verspieltes Handling schiebt.
| Größe | MD | LG | XL |
|---|---|---|---|
| Oberrohr | 606 mm | 644 mm | 680 mm |
| Sattelrohr | 430 mm | 460 mm | 460 mm |
| Steuerrohr | 110 mm | 120 mm | 135 mm |
| Lenkwinkel | 64,0° | 64,0° | 64,1° |
| Sitzwinkel | 75,5° | 75,5° | 75,4° |
| Kettenstrebe | 430 mm | 430 mm | 430 mm |
| Tretlagerabsenkung | 19,7 mm | 19,6 mm | 19,5 mm |
| Radstand | 1.211 mm | 1.250 mm | 1.288 mm |
| Reach | 446 mm | 481 mm | 513 mm |
| Stack | 618 mm | 627 mm | 641 mm |
Das Instinctiv Kodiak MX 150 auf dem Trail
Im Uphill tritt sich das Instinctiv Kodiak MX 150 angenehm effizient. Der Hinterbau arbeitet relativ antriebsneutral – auch im Wiegetritt. Auch die große Übersetzungsbandbreite der Pinion-Getriebeeinheit hilft auf dem Weg nach oben. Nur die hohen Schaltkräfte stören, können aber etwas reduziert werden, wenn die Pedale kurz entlastet werden. Die zu kurze Sattelstütze schränkt die Position allerdings spürbar ein und stört vor allem auf längeren Anstiegen.
In flowigen und kurvigen Passagen wird das KODIAK spürbar lebendig und nutzt seinen satten Hinterbau optimal aus.


In der Abfahrt überzeugt zunächst der tiefe, integrierte Stand, der sofort Vertrauen vermittelt. Die Balance ist sehr ausgeglichen und das Bike wirkt spürbar agil. Die Front liegt relativ tief – auch wegen des Cockpits mit kaum Rise –, was in steilen Sektionen ein aktiveres Fahren verlangt, dafür aber Agilität und Kurvenaggressivität fördert. Das Handling gehört zu den Stärken des Kodiak: Der Hinterbau arbeitet sehr ruhig und bietet viel Traktion, gleichzeitig fährt sich das Bike verspielt und animiert zum Abziehen und Springen. Es geht willig in Kurven, setzt Richtungswechsel direkt um und profitiert klar von der reduzierten ungefederten Masse am Heck. Der Pop ist angenehm berechenbar und macht das Bike insgesamt lebendig auf dem Trail.
Das Fahrwerk fühlt sich nach mehr Federweg an, als es auf dem Papier erwarten lässt. Es klebt gut am Boden und liefert eine ausgewogene Mischung aus Traktion und Gegenhalt, insgesamt eher straff abgestimmt, ohne dabei zu hart zu wirken. In ruppigen Passagen zeigt das Kodiak Licht und Schatten: Die Laufruhe ist begrenzt und Bremswellen spürt man deutlich – hier schüttelt das Bike euch spürbar durch. Es bleibt aber kontrollierbar und setzt eure Fahrerinputs sauber um. Unterm Strich ist das Instinctiv Kodiak MX 150 ein agiles, leises und überraschend vielseitiges Bike mit tollem Hinterbau, gutem Pop und ausgewogener Performance. Es fühlt sich in flowigen und kurvigen Passagen am wohlsten, macht ruppige Strecken aber klaglos mit – solange man bereit ist, aktiv zu fahren.
Für wen ist das Instinctiv Kodiak MX 150?
Das Instinctiv Kodiak MX 150 ist ideal für alle, die bewusst abseits des Mainstreams unterwegs sein wollen und den Reiz eines Getriebe-Bikes zu schätzen wissen. Wer ein vielseitiges, agiles Allround-Enduro sucht, das sich durch Pinion-Antrieb, eigenständiges Design und lebendiges Handling von der Masse abhebt, ist hier genau richtig.
Fazit zum Instinctiv Kodiak MX 150
Das Instinctiv Kodiak MX 150 ist ein Bike für Individualisten – technisch eigenständig, optisch einzigartig und fahrerisch überraschend vielseitig. Der Pinion-Antrieb sorgt für Ruhe, geringen Wartungsaufwand und eine satte Hinterbauperformance, während das agile Handling und der tiefe, integrierte Stand das Kodiak auf kurvigen und flowigen Trails richtig lebendig machen. Zwar fehlt dem Bike in ruppigen Passagen etwas Laufruhe und die kurze Dropper stört im Uphill wie auch bergab, doch das Fahrwerk liefert einen ausgewogenen Mix aus Traktion, Unterstützung und Spielfreude.
Tops
- agiles Handling
- gute Hinterbautraktion
- guter Allround-Charakter
- leise bergab
Flops
- zu schwache Bereifung
- zu kurze Dropper Post
- schwergängige Schalthebel
- Lackqualität
Mehr Infos findet ihr auf der Website von Instinctiv.
Das Testfeld
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


