
Der deutsche Direktversender RADON ist bekannt für aggressive Preise – auch das JAB im Topmodell 10.0 macht hier keine Ausnahme. Mit einer UVP von 4.199 € (aktuell sogar für nur 3.199 € im Angebot) ist es mit großem Abstand das günstigste Bike im gesamten Testfeld. Das RADON JAB 10.0 rollt als Full-29er mit 160 mm Federweg an der Front und 150 mm am Heck an den Start. Mit nur 15,3 kg ist es zudem das leichteste Bike im Test – und will damit beweisen, dass ein kleines Budget keinesfalls ein Kompromiss in Sachen Trail-Performance sein muss.
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2026
Ausstattung und Detaillösungen des RADON JAB 10.0
Das RADON JAB ist in zwei Ausstattungsvarianten erhältlich: dem günstigeren JAB 9.0 und der von uns getesteten Topversion JAB 10.0. Das 9.0er-Modell ist noch einmal rund 700 € günstiger und aktuell für lediglich 2.599 € erhältlich. Beide Modelle setzen auf einen Vollcarbonrahmen, der beim JAB 10.0 in dezent schwarzer Lackierung daherkommt. Zum Schutz hat RADON die Kettenstrebe und das Unterrohr mit einem umfangreichen Schutz versehen. Ein Mudguard zwischen Hauptrahmen und Hinterbau fehlt jedoch – so muss man hoffen, dass nie ein Stein in genau diesen Bereich fällt und dort Schaden anrichtet.


Die Leitungen werden serienmäßig durch einen Acros-Winkelsteuersatz geführt, alternativ lässt sich beim JAB ein Cableport auf der linken Seite nutzen. Ein Rahmenstaufach befindet sich im Unterrohr kurz vor dem Tretlager. Geöffnet wird es über einen ATOP-Drehverschluss an der Oberseite. Die Klappe bleibt beim Öffnen am Seilzug hängen und lässt sich anschließend nach unten abnehmen. Die Idee ist clever – in der Praxis aber etwas fummeliger als konventionelle Klappmechanismen.


Dafür überzeugt das JAB 10.0 mit einer Ausstattung, die für den Preis nahezu unschlagbar ist. RADON spendiert ein komplettes FOX Factory-Fahrwerk mit 38 Factory-Federgabel samt GRIP X2-Kartusche und dem „alten“ FLOAT X2 Factory-Dämpfer – beides sind absolute High-End-Komponenten mit enormer Einstellvielfalt, die man in diesem Preissegment normalerweise nicht antrifft. Die DT Swiss EX 1700-Alu-Laufräder sind mit der bewährten Continental-Kombination aus Kryptotal-Fr und Kryptotal-Re bereift, beide in der Enduro-Karkasse und mit Soft-Gummimischung. Für maximale Performance würden wir vorne zur SuperSoft-Gummimischung raten; hinten empfiehlt sich je nach Fahrstil zudem die robustere Downhill-Karkasse, da sich die einlagige Enduro-Konstruktion in unserem Reifentest nicht als besonders pannensicher erwies.
Trotz hochwertiger Ausstattung sind aktuell nur 4.199 € für das JAB 10.0 fällig.


Bei den Bremsen und beim Antrieb setzt RADON auf Shimano XT-Komponenten. Gespart wird allerdings bei Kassette und Kette, die beide aus der günstigeren SLX-Serie stammen. Das Cockpit liefert Race Face mit dem Turbine R-Lenker und der Vorbau sorgt für eine angenehm hohe Front mit genügend Compliance.
Die SDG Tellis V2-Dropper funktioniert zuverlässig, bietet in Größe XL aber mit 170 mm zu wenig Hub. Insgesamt bekommt ihr beim RADON JAB 10.0 eine erstaunlich hochwertige Ausstattung zu einem erstaunlich niedrigen Preis.
RADON JAB 10.0
4.199 €
Specifications
Fork FOX 38 FLOAT Factory GRIP X2 160 mm
Rear Shock FOX FLOAT X2 Factory 150 mm
Seatpost SDG Tellis 170 mm
Brakes Shimano XT 4-Piston 203/203 mm
Drivetrain Shimano XT 12-Speed 10-51; 32
Stem RaceFace Turbine R 50 mm
Handlebar RaceFace Turbine R 800 mm
Wheelset DT Swiss EX1700 29
Tires Continental Kryptotal Fr, Soft, Enduro Casing/Continental Kryptotal Re, Soft, Enduro Casing 2,4/2,4
Technical Data
Size M, L, XL
Specific Features
Rahmenstaufach
Tuning-Tipp: Für mehr Abfahrtsperformance am Vorderrad zur SuperSoft-Gummimischung wechseln.

Die Geometrie des RADON JAB 10.0
Das RADON JAB 10.0 ist in drei Rahmengrößen (M, L und XL) erhältlich und soll damit Größen von etwa 1,70 bis 1,95 m abdecken. Damit fällt der Größenspielraum kleiner aus als bei vielen anderen Herstellern im Test. Die Reach-Werte reichen von 455 mm in Größe M bis 504 mm in Größe XL und bewegen sich damit im üblichen Bereich für moderne Enduro-Bikes.
Der Rahmen ist für Kategorie 4 freigegeben, allerdings liegt das zulässige Gesamtgewicht bei nur 115 kg. Für schwere Personen kann das schnell knapp werden.
Die Geometrie lässt sich relativ simpel über die Acros-Steuersatzschalen variieren. In der flachen Einstellung kommt das JAB auf 63,85°, in der steileren Position auf 64,75°. Einen Flip-Chip zur weiteren Anpassung gibt es nicht – wer ein Mullet-Setup fahren möchte, muss direkt zum potenteren Schwestermodell JAB MX mit 170/160 mm Federweg (v/h) greifen.
| Größe | M | L | XL |
|---|---|---|---|
| Oberrohr | 597 mm | 625 mm | 656 mm |
| Sattelrohr | 415 mm | 445 mm | 480 mm |
| Steuerrohr | 107 mm | 117 mm | 137 mm |
| Lenkwinkel | 64,75/63,85° | 64,75/63,85° | 64,75/63,85° |
| Sitzwinkel | 76,35/76.65° | 76,35/76.65° | 76,35/76.65° |
| Kettenstrebe | 445 mm | 445 mm | 445 mm |
| Tretlagerabsenkung | -30 mm | -30 mm | -30 mm |
| Radstand | 1.236 mm | 1.260 mm | 1.299 mm |
| Reach | 455 mm | 479 mm | 504 mm |
| Stack | 630 mm | 639 mm | 657 mm |
Das RADON JAB 10.0 auf dem Trail
Im Uphill spielt das RADON JAB 10.0 seinen größten Trumpf direkt aus: sein geringes Gewicht. Auch wenn es antriebsneutralere Hinterbauten im Testfeld – wie beispielsweise das Pivot Firebird – gibt, klettert das RADON dank des gut erreichbaren Climb-Switchs und den effizient rollenden Continental-Reifen spürbar leichtfüßig. Bergab steht man etwas hochbeinig im Bike und weniger integriert als zum Beispiel im Last, Orbea oder GHOST. Das Handling ist klar auf der verspielten Seite: Das JAB setzt Impulse direkt um, ist sehr agil und leichtfüßig, wirkt in technischen Passagen aber schnell nervös. Für aktive Rider macht das Spaß, weniger Geübte müssen jedoch konzentrierter unterwegs sein.
Verspielt und leichtfüßig, aber im Groben schnell nervös – das JAB ist kein Ballerbike, sondern ein agiler Trail-Allrounder.


Das straffe Fahrwerk bietet guten Support und lässt das JAB spielerisch und kontrolliert in die Luft gehen. Gleichzeitig vermittelt das Bike durch sein steifes Chassis in Bremswellen und ruppigen Sektionen weniger Komfort und fordert mehr Körpereinsatz. Die steifen Continental-Karkassen verstärken diesen Charakter zusätzlich. Unterm Strich ist das RADON JAB 10.0 ein leichtes, agiles und vielseitiges Enduro, das solide funktioniert, aber wenig Emotionen weckt. In grobem Gelände fehlt ihm etwas Ruhe und Souveränität, dafür überzeugt es auf Flowtrails und in technischen, langsamen Sektionen mit direktem Handling. Ein Bike, das vor allem mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis glänzt – weniger mit Charakter.
Für wen ist das RADON JAB 10.0?
Das RADON JAB 10.0 richtet sich an alle, die möglichst viel Ausstattung fürs Geld wollen – und zwar ohne große Kompromisse bei Funktion und Performance. Wer ein leichtes, agiles Bike für Flowtrails und verspielte Lines sucht, findet im JAB einen treuen Begleiter, der sich dank direktem Handling lebendig und reaktiv fahren lässt. Für Bikepark-Shredder ist das JAB dagegen nicht die perfekte Wahl: Es macht schnelle, harte Abfahrten zwar klaglos mit, erreicht aber nicht die Reserven und Ruhe der robusteren Bikes im Test. Für alle, die primär Trailriding im Fokus haben und ein Top-Spec zum Hammerpreis suchen, ist das RADON JAB 10.0 jedoch ein attraktives Gesamtpaket.
Fazit zum RADON JAB 10.0
Das RADON JAB 10.0 zeigt eindrucksvoll, wie viel Bike man heute für kleines Geld bekommen kann. Der Vollcarbon-Rahmen, das FOX Factory-Fahrwerk und die soliden Shimano XT-Komponenten sind in dieser Preisklasse nahezu konkurrenzlos. Auf dem Trail punktet das JAB mit niedrigem Gewicht, guter Effizienz bergauf und einem agilen Handling, das vor allem auf Flowtrails Spaß macht. Im groben Gelände fehlt ihm jedoch etwas die Ruhe und Souveränität der potenteren Konkurrenten.
Tops
- agiles Handling
- straffes Fahrwerk mit viel Gegenhalt
- gute Preis-Leistung
- niedriges Gewicht
Flops
- nervös im ruppigen Gelände
- Systemgewicht von nur 115 kg
- zu kurzer Dropper-Post
Mehr Infos findet ihr auf der Website von RADON.
Das Testfeld
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


