
Von der Skipiste auf den Trail – als etablierte Wintersportmarke tüftelt Rossignol seit einigen Jahren auch am passenden Untersatz auf zwei Rädern. Die ersten Versuche im MTB-Bereich basierten noch auf Open-Mold-Rahmen – doch 2025 schlagen die Franzosen dann ein neues Kapitel auf: Das brandneue Rossignol Heretic ist der erste komplett selbst entwickelte Rahmen der Franzosen. Das Viergelenker-Alu-Bike kombiniert 170 mm Federweg an der Front mit 165 mm am Heck und kostet in der Topausstattung 6.200 €. Mehr als Grund genug, die Neuentwicklung in unser Enduro-Testfeld aufzunehmen und herauszufinden, ob sie gegen die etablierte Konkurrenz bestehen kann.
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2026
Ausstattung und Detaillösungen des Rossignol Heretic GX T-Type
Das Rossignol Heretic gibt es in drei Ausstattungen von 3.300 € bis zur von uns getesteten Topversion für 6.200 € und ist damit nach dem Radon JAB 10.0 das zweitgünstigste Bike im Test. Mit 17,1 kg in Größe XL gehört der Alu-Rahmen zu den schwereren analogen Enduros. Der lilafarbene Lack ist dabei die einzige Farboption, während die sauberen – wenn auch nicht verschliffenen – Schweißnähte und die intern durch eingeschraubte Cable-Ports geführten Leitungen für einen ordentlichen Gesamteindruck sorgen.


Die weiteren Rahmendetails sind ebenso funktional: Ein umfangreicher Ketten- und Sitzstrebenschutz, Mudguard am Hauptlager, Toolmount unter dem Oberrohr, Flaschenhalter am Unterrohr sowie ein clever verstecktes Multitool im Unterfahrschutz zeigen, dass man sich bei Rossignol viele Gedanken gemacht hat. Ein kleines Easter Egg gibt’s obendrauf und zwar an der Unterseite der Kettenstrebe auf der Nichtantriebsseite: „May the loam be with you“, ist nur einer von über 20 zufällig ausgewählten Sprüchen, die den Rahmen zieren können.
Solide verarbeitet, stabil und gutmütig – das Heretic macht vieles richtig, ohne sich in einer Disziplin wirklich an die Spitze zu setzen.


Beim Fahrwerk setzt Rossignol auf eine FOX 38 Factory mit GRIP X2 und einen FOX FLOAT X2 Factory, die mit einem breiten Setup-Spektrum punkten. Gebremst wird mit den kräftigen SRAM MAVEN Bronze samt 200-mm-Scheiben, geschaltet mit der kabellosen SRAM GX Eagle AXS Transmission. Als Laufräder kommen DT Swiss E1900 aus Alu zum Einsatz, die mit der beliebten Kombination aus MAXXIS ASSEGAI am Vorderrad und Minion DHR II am Hinterrad bestückt sind – jeweils in MaxxTerra-Gummimischung. Für mehr Grip wäre vorne MaxxGrip die bessere Wahl.


Serienmäßig gibt’s EXO+-Karkassen rundum, die am Hinterrad für Enduro-Einsätze zu schwach sind und – wie bei unserem Testbike – idealerweise durch Doubledown ersetzt werden sollten. Die SDG-Dropper bietet in Rahmengröße XL 200 mm Hub, dazu gibt’s ein Burgtec-Alu-Cockpit mit angenehmer Compliance. Insgesamt ist die Ausstattung hochwertig, sinnvoll zusammengestellt und – abgesehen von der Reifenwahl – bereit für harte Enduro-Einsätze.
Rossignol Heretic GX T-Type
6.200 €
Specifications
Fork FOX 38 FLOAT Factory GRIP X2 170 mm
Rear Shock FOX FLOAT X2 Factory 165 mm
Seatpost SDG Tellis 2.0 200 mm
Brakes SRAM MAVEN Bronze 200/200 mm
Drivetrain SRAM GX Eagle AXS Transmission 10-52; 32
Stem Burgtec Enduro MK3 42,5 mm
Handlebar Burgtec Ride Wide Enduro Alloy 800 mm
Wheelset DT Swiss EX1700 29
Tires MAXXIS ASSEGAI, 3C MaxxTerra, EXO+/MAXXIS Minion DHRII, 3C MaxxTerra, Doubledown 2,5/2,4
Technical Data
Size S, M, L, XL
Specific Features
Tool
Tuning-Tipp: MaxxGrip-Gummimischung am Vorderrad montieren und auf robustere Doubledown-Karkasse am Hinterrad wechseln.

Die Geometrie des Rossignol Heretic GX T-Type
Das Rossignol Heretic ist in vier Größen von S bis XL erhältlich und deckt damit laut Hersteller ein breites Spektrum an Fahrergrößen von 1,50 m bis 2,00 m ab. Die Reach-Werte wachsen von 439 mm in Größe S in 25-mm-Schritten auf bis zu 514 mm in Größe XL. Die Kettenstreben messen über alle Größen hinweg 437 mm und gehören damit zu den kürzeren im Testfeld. Der Sitzwinkel fällt mit 73,6° flach aus, während der Lenkwinkel mit 64,5° etwas steiler ist als bei den Konkurrenten. Die Sitzrohrlänge von 470 mm in Größe XL bietet ausreichend Platz auch für lange Dropper-Posts.
Über den Flip-Chip an der Kettenstrebe lassen sich Lenkwinkel, BB-Drop und Kettenstrebenlänge variieren. Der Flip-Chip wird außerdem benötigt, um das Heretic auf ein Mullet-Setup umzurüsten.
| Größe* | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|
| Sattelrohr | 385 mm | 410 mm | 440 mm | 470 mm |
| Oberrohr | 570,9 mm | 596,8 mm | 624,7 mm | 652,5 mm |
| Steuerrohr | 100 mm | 105 mm | 120 mm | 135 mm |
| Lenkwinkel | 64,5° | 64,5° | 64,5° | 64,5° |
| Sitzwinkel | 73,6° | 73,6° | 73,6° | 73,6° |
| Kettenstrebe | 437 mm | 437 mm | 437 mm | 437 mm |
| BB Drop | 25 mm | 25 mm | 25 mm | 25 mm |
| Radstand | 1.210,6 mm | 1.237,8 mm | 1.269,2 mm | 1.300,7 mm |
| Reach | 439 mm | 464 mm | 489 mm | 514 mm |
| Stack | 625,9 mm | 630,4 mm | 643,9 mm | 657,5 mm |
*Die Geometrie des Rossignol Heretic in der High-Konfiguration.
Das Rossignol Heretic GX T-Type auf dem Trail
Auf dem Rossignol Heretic sitzt man angenehm aufrecht. Im Uphill braucht ihr dennoch etwas mehr Körner: Das Fahrwerk wippt trotz aktiviertem Climb-Switch spürbar und das recht hohe Gesamtgewicht macht sich bemerkbar. Dafür rollen die Reifen effizient, das Heretic hält zuverlässig Traktion und das Vorderrad bleibt selbst in steileren Rampen stabil am Boden.
Bergab vermittelt das Rossignol Heretic GX T-Type sofort ein ausgewogenes Grundgefühl. Die Balance zwischen Front und Heck passt, wirkt aber durch den mit 514 mm längsten Reach im gesamten Testfeld deutlich gestreckt. Auch die hohe Front trägt zu diesem langgezogenen Charakter bei und gibt dem Bike einen stabilen, aber sehr ausgedehnten Stand. Mit dem Flip-Chip in der Attack-Position zeigt sich das Handling ausreichend agil, ohne jedoch wirklich verspielt zu wirken. Das Heretic verlangt in engen Sektionen mehr Körpereinsatz als die wendigeren Bikes im Test. Ein wenig mehr Pop würde dem Bike gut tun – es bleibt eher auf der kraftintensiven Seite und fordert bei Richtungswechseln klaren Input vom Rider.
Das Heretic setzt auf Ruhe statt Raserei – ein Bike, das lieber
stabil geradeaus fährt als um enge Ecken tänzelt.


Das straff abgestimmte Fahrwerk liefert einen guten Mix aus Laufruhe und Traktion. Es arbeitet berechenbar und kontrolliert, ohne in einer Disziplin herauszuragen. Die Länge des Bikes sorgt für solide Stabilität bei höherem Tempo, während das straffe Setup verhindert, dass das Heretic in die Kategorie der waschechten Downhill-Waffen abdriftet. Unterm Strich ist das Rossignol Heretic GX T-Type ein stabiler, gutmütiger Allrounder, der sich leicht beherrschen lässt und in vielen Situationen souverän funktioniert – auch wenn es bergab keine echten Glanzmomente setzt und eher wie ein langes, vertrauenserweckendes Trail-Schiff über die Strecke gleitet.
Für wen ist das Rossignol Heretic GX T-Type?
Das Rossignol Heretic GX T-Type richtet sich an Rider, die ein solides und robustes Enduro-Bike suchen, das ohne viel Schnickschnack zuverlässig funktioniert. Mit Rahmen und Laufrädern aus Alu sowie einer ebenso robusten Ausstattung hält das Heretic auch langfristig raueren Einsätzen stand. Wer bei den Reifen etwas nachbessert, erhält ein zuverlässiges Shredder-Bike, das sich nicht nur auf Singletrails, sondern auch auf steilen und anspruchsvollen Strecken wohlfühlt.
Fazit zum Rossignol Heretic GX T-Type
Das Heretic GX T-Type beweist, dass Rossignol mehr als nur Wintersport kann. Der solide Alurahmen und die robuste Ausstattung ergeben ein stabiles, unkompliziertes Bike, das vor allem in anspruchsvollem Gelände überzeugt. Zwar bringt das Heretic ein paar Extrakilos mit und zeigt im Uphill etwas Bewegungsdrang im Fahrwerk, doch bergab liefert es eine ausgewogene Mischung aus Laufruhe, Kontrolle und einfacher Bedienbarkeit. Wer ein zuverlässiges, ehrliches Enduro sucht, das ohne Allüren auf harten Trails abliefert, findet im Heretic GX T-Type einen treuen Begleiter.
Tops
- ausgewogenes, intuitives Handling
- guter Mix aus Laufruhe und Agilität
- überwiegend sinnvolle Ausstattung
Flops
- wenig agil in der Attack-Einstellung
- ineffizient bergauf
Mehr Infos findet ihr auf der Website von Rossignol.
Das Testfeld
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Text: Lars Engmann Fotos: Peter Walker


