
Handgemacht, exotisch und verdammt sexy: Das Starling Mega Murmur setzt auf einen filigranen Stahl-Hauptrahmen mit dünnen Rohren und einen ebenso schlanken, handgefertigten Chromoly-Hinterbau. Der Oldschool-Eingelenker lässt einen Coil-Dämpfer arbeiten, während überall kleine Details für das gewisse Extra sorgen: die ausgestanzten Starlings in den Querstreben, der industrielle Look der Dämpferaufnahme und die Verstrebung am Heck. Das Mega im Namen macht übrigens deutlich, dass das Bike ordentlich Federweg besitzt, während das Murmur – im Vergleich zum Twist – für eine 29”-Laufradkonfiguration steht. Sprich: Das Murmur-Modell hätte weniger Federweg mit 29”-Setup, während z. B. das Mega Twist mit wiederum ordentlich Federweg und Mullet-Setup zum Kauf steht.
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Enduro-Bike 2026
Ausstattung und Detaillösungen des Starling Mega Murmur
Vom Mega Murmur gibt es genau einen Komplettaufbau und zwar so, wie wir ihn gefahren sind. Preis: 6.937 €. Als einziges Bike im Test rollt es mit einem Öhlins-Fahrwerk. Vorn arbeitet die RXF 36 m.2. Diese setzt auf – im Enduro-Bereich untypische – 36-mm-Standrohre statt einem 38er Modell, was allerdings eine smarte Entscheidung von Starling ist und auch besser zum Charakter des Bikes passt.
Die Gabel nutzt zwei getrennte Luftkammern, die beim Setup etwas mehr Aufmerksamkeit verlangen. Am Heck übernimmt der TTX22m.2 Coil-Dämpfer die Arbeit. Achtet beim Kauf aber auf die passende Federrate. Danach belohnt euch der Dämpfer mit vielen sinnvollen Einstellmöglichkeiten und einem sehr kontrollierten Fahrgefühl.


Die BikeYoke REVIVE-Sattelstütze bringt 213 mm Hub, lässt sich vollständig versenken und überzeugt mit einer ergonomischen Remote sowie geringen Bedienkräften. Klassisch UK: Hope Tech 4 E4-Bremsen mit 200 mm schwimmend gelagerten Scheiben und Stahlflexleitungen – sexy. Die Bremse beißt ordentlich zu, ist fein dosierbar und standfest. Das leichte Klappern der schwimmend gelagerten Rotoren – wenn man nicht bremst – und die sehr langen Hebel sind allerdings Geschmackssache.
Kein anderes Bike im Test sticht durch seinen Look so aus dem Feld heraus, wie das Mega Murmur mit seinen dünnen Stahlrohren und den schicken Details.


Beim Antrieb bleibt Starling bodenständig und setzt auf den bewährten Shimano XT-Antrieb. Oldschool wie der Look des Bikes, aber ein absolut zuverlässiger Antrieb und ein zuverlässiges Arbeitstier, das selten Ärger macht. Der dünn aufgeklebte Kettenstrebenschutz sieht unscheinbar aus, erfüllt seinen Zweck aber sauber. Dazu kommen ein hauseigener Starling Steel-Vorbau im 35-mm-Standard und ein Renthal FatBar Alloy. Die Leitungen laufen außen am Unterrohr, sind sauber geklemmt und wirken aufgeräumt. Das erleichtert viele Servicearbeiten, auch wenn einzelne Passagen an scharfen Kanten vorbeiführen und hier die Leitungen etwas beschädigt werden können.


Als Laufräder verbaut Starling DT Swiss EX1700 aus Aluminium. Solide, robust und servicefreundlich. Dazu Michelin Wild Enduro MS vorn und hinten. Viel Grip dank sehr weicher Gummimischung und geringem Rebound, was dem Bike viel Traktion verpasst. Serienmäßig sind sogar CushCore Trail-Inserts in den Reifen versteckt. Das schützt die Felgen und bringt Stabilität in die Karkasse, macht das Pedalieren aber etwas zäher. Solltet ihr also viele lange Touren anstreben, würden wir euch hier ein anderes und besser rollendes Reifen-Setup empfehlen. Trotz des robusten Setups bringt das Mega Murmur solide 16,8 kg auf die Waage und liegt damit nur knapp über dem Durchschnitt.
Starling Mega MurMur
6.937 €
Specifications
Fork Öhlins RXF 36m.2 170 mm
Rear Shock Öhlins TTX.22 Coil 165 mm
Seatpost BikeYoke Revive 213 mm
Brakes Hope Tech 4 E4 200/200 mm
Drivetrain Shimano XT 12-Speed 10-51; 32
Stem Starling Steel 35 mm
Handlebar Renthal FatBar Alloy 780 mm
Wheelset DT Swiss EX1700 29
Tires Michelin Wild Enduro MS/Michelin Wild Enduro MS 2,4/2,4
Technical Data
Size M+, L, XL, XXL
Tuning-Tipp: keine

Die Geometrie des Starling Mega Murmur
Starling bietet das Mega Murmur in vier Größen an. Allerdings verwenden die Hersteller von Starling auf den ersten Blick etwas ungewöhnliche Bezeichnungen dafür und somit gehen die Größen von Medium-Plus bis XXL. Die Reach-Sprünge liegen je nachdem bei 20 bzw. 30 mm und reichen in XXL bis 545 mm – vor allem große Fahrer werden hier glücklich. Kleinere Fahrerinnen und Fahrer haben beim Mega weniger Optionen, allerdings gibt es das Mega Twist als Mullet-Variante, die schon bei 425 mm Reach startet – was unserer Meinung nach sinnvoll gelöst ist.
Das Sitzrohr ist schön niedrig gehalten und eine lange Dropper lässt sich vollständig versenken. Die Kettenstrebenlänge bleibt über alle Größen gleich. Es gibt keine Flip-Chips oder ähnliche Verstellmöglichkeiten, ganz nach dem Motto: keep it simple. Ein austauschbarer Dämpfer-Mount erlaubt es jedoch, bei Bedarf einen Dämpfer mit weniger Hub, sprich Federweg, zu verbauen.
| Größe | MediumPlus | Large | XL | XXL |
|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 611 mm | 628 mm | 663 mm | 690 mm |
| Sattelrohr | 430 mm | 440 mm | 480 mm | 510 mm |
| Steuerrohr | 110 mm | 110 mm | 120 mm | 130 mm |
| Lenkwinkel | 64,1° | 64,1° | 64,1° | 64,1° |
| Sitzwinkel | 77,2° | 77,2° | 77,2° | 77,2° |
| Kettenstrebe | 455 mm | 455 mm | 455 mm | 455 mm |
| BB Drop | 28 mm | 28 mm | 28 mm | 28 mm |
| Radstand | 1.257 mm | 1.270 mm | 1.308 mm | 1.338 mm |
| Reach | 465 mm | 485 mm | 515 mm | 545 mm |
| Stack | 647 mm | 647 mm | 656 mm | 656 mm |
Das Starling Mega Murmur auf dem Trail
So besonders, wie das Mega Murmur aussieht, fährt es sich auch. Im Sitzen lässt sich das Starling gut pedalieren, im Wiegetritt wippt der Hinterbau aber deutlich, also solltet ihr es im Uphill lieber ruhig angehen lassen. Die Sitzposition ist aber angenehm und taugt auch für lange Touren. Die Michelin-Reifen sind dabei allerdings nicht euer bester Freund und kleben durch ihre sehr weiche Gummimischung spürbar am Boden.
Geht es bergab, ist die Balance des Mega Murmur recht stimmig, allerdings wirkt das Bike auf flachen Trails etwas hecklastig. Wird es jedoch steiler, fühlt sich die hohe Front passender an, vermittelt aber nicht ganz so viel Sicherheit wie einige andere Bikes im Test. Geprägt wird der Charakter des Starling durch die hohe Compliance des Rahmens. Genau deshalb macht auch die Gabel mit 36er Standrohren wieder Sinn, denn eine sehr steife 38er Gabel würde nicht so schön mit dem weichen Hauptrahmen harmonieren und dem Bike ein unstimmiges Handling verpassen.
Wird das Starling auf die richtigen Trails ausgeführt, glänzt es mit viel Traktion und Kontrolle, um die wildesten Linien zu halten.


Müsst ihr auf dem Trail für Grip kämpfen – nasse Offcamber-Sektionen, technische Wurzelteppiche, typische UK-Trails –, glänzt das Mega Murmur richtig. Es hält die Linie beeindruckend gut und baut – unter anderem durch seinen Rahmen, den Flex sowie den weichen Reifen – reichlich Traktion auf. Wird es dagegen richtig schnell und rough, wie es bei einigen Downhill-Strecken in Schladming der Fall ist, fühlt sich das Bike schnell undefiniert an und die Compliance ist in harten G-Outs deutlich spürbar. Auch in sehr langsamen Passagen oder wenn viel Bremstraktion am Heck gefordert ist, tut sich das Fahrwerk schwer, aber dank seiner Geometrie bleibt es dennoch recht agil und lässt sich leicht von einer auf die andere Seite werfen.
Für wen ist das Starling Mega Murmur?
Das Mega Murmur ist ein Bike für Liebhaberinnen und Liebhaber von eher seltenen, abersexy Bikes mit Charakter. Wer die coolen Detaillösungen schätzt und ein Bike sucht, was nur selten anzutreffen ist, der bekommt mit dem Starling viel Charme und Fahrspaß – vorausgesetzt, ihr führt es auf den richtigen Trails aus. Denn das Murmur glänzt bei rutschigen Offcamber-Sektionen, Passagen, in denen es schwer ist, die Linie zu halten sowie bei konstanter, aber nicht zu hoher Geschwindigkeit. Kein Wunder bei einem Bike, das in UK entwickelt wird. Sehr steile Stücke mit viel Bremstraktion oder High-Speed-Bikepark-Gebolze liegen ihm dagegen weniger.
Fazit zum Starling Mega Murmur
Das Starling Mega Murmur verbindet handgemachten Stahl-Charme mit einem Öhlins-Fahrwerk und liefert auf rutschigen Passagen Traktion, Feingefühl und Linien-Sicherheit wie kaum ein anderes Bike im Test. Genau dort kann es all seine Stärken ausspielen, bleibt agil und einfach kontrollierbar. Wird es allerdings richtig schnell und hart, fühlt sich das Bike weniger definiert an und das Starling wird sehr anspruchsvoll zu fahren. Das macht es zu keinem guten Allrounder, wer aber die richtigen Trails vor der Tür hat, wird mit dem Mega Murmur viel Spaß haben.
Tops
- sexy Look und schöne Handarbeit
- viel Traktion und Kontrolle in losem Gelände
- cooler Spec
Flops
- kein Fan von Highspeed und hartem Gelände
Mehr Infos findet ihr auf der Website von Starling Cycles.
Das Testfeld
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Text & Fotos: Peter Walker


