Von der schnellen Feierabendrunde zur langen Tour in den Alpen oder zum Tag im Bikepark: Moderne Trail-Bikes können alles. Sie sind echte Allrounder und wenn man so will, die „echten“ Mountainbikes im Kategorien-Dschungel. Wir haben die 13 spannendsten Modelle der neuen Saison für euch getestet – und einen Sieger gefunden!

Was sind eigentlich Trail-Bikes?

Die Bikebranche hat viele Jahre damit verbracht, Räder in verschiedenste Kategorien zu stecken. Anfangs war das noch sinnvoll, dann wurden diese Kategorien aber immer spezifischer und spezifischer, bis das Prinzip ad absurdum geführt worden war. Wer braucht schon All-Mountainbikes mit Freeride-Genen? Wir bei ENDURO halten das lieber einfach: Dort, wo Cross-Country-Bikes aufhören, kommen Trail-Bikes ins Spiel und werden dann wiederum von noch potenteren Endurobikes abgelöst, die für richtig anspruchsvolle Strecken entwickelt wurden. Dabei definieren wir die Räder nicht nach ihrem Federweg, sondern in erster Linie nach ihrem Handling und dem damit verbundenen Einsatzzweck.

Was ist der Einsatzbereich von Trail-Bikes?

Trail-Bikes sind echte Alleskönner, sie sollen angenehm und effizient bergauf klettern, sehr komfortabel sein und sowohl auf flowigen als auch auf anspruchsvollen Trails bergab eine gute Figur machen. Aus diesem Grund haben wir die Bikes auch sehr vielfältig getestet. Wir waren mit ihnen im Alpenvorland auf unseren steilen, steinigen Hometrails unterwegs. Haben Ausflüge in Bikeparks unternommen, wie z. B. nach Saalbach Hinterglemm, und haben dann eine Woche im Trailparadies Massa Vecchia in der Toskana damit verbracht, die Räder im direkten Vergleich zu testen.

Wer hat die Bikes getestet?

So vielfältig der Einsatzbereich von Trail-Bikes ist, so vielfältig sind auch ihre Fahrer. Aus diesem Grund haben wir ein extrem breit gefächertes Testteam zusammengestellt, um die Bikes in all ihren Facetten zu beleuchten. Worauf kommt es an? Unsere Tester geben Aufschluss

Die Bikes in diesem Vergleichstest

Insgesamt haben wir in diesem Vergleich 13 spannende Modelle miteinander vergleichen. Preislich wurde kein Limit gesetzt und so ist es nicht verwunderlich, dass nahezu alle Hersteller ihr Topmodell in den Test geschickt haben. Der Durchschnittspreis in diesem Vergleich beläuft sich auf satte 7.421 €, das Durchschnittsgewicht liegt bei 13,08 kg. Fünf der Bikes rollen auf 27,5”-Laufrädern, die restlichen 7 sind auf 29ern unterwegs. Auffallend sind vor allem die Gemeinsamkeiten: Alle Bikes in diesem Test besitzen eine FOX-Federgabel – neun eine 36, vier eine 34. Bis auf das YT JEFFSY und das Pivot Mach 5.5 setzen außerdem alle auf einen SRAM Eagle-Antrieb.

Bike Preis Gewicht* Federweg (v/h) Laufradgröße
Canyon Spectral CF 9.0 LTD 6.999 € 12,54 kg 150/140 mm 27,5″
Evil Offering X01 8.049 € 13,22 kg 150/140 mm 29″
Giant Trance Advanced Pro 29 4.799 € 12,82 kg 130/115 mm 29″
Ibis Ripmo 8.498 € 13,10 kg 160/145 mm 29″
Pivot Mach 5.5 Pro XT 9.899 € 13,94 kg 160/140 mm 27,5″
Propain Hugene Highend 5.540 € 12,82 kg 150/130 mm 29″
Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition 6.199 € 12,56 kg 140/140 mm 27,5″
Santa Cruz Bronson CC X01+ 8.599 € 13,58 kg 160/150 mm 27,5″
Scott Genius 900 Ultimate 10.499 € 12,70 kg 150/150 mm 29″
Specialized S-Works Stumpjumper 29 8.999 € 12,78 kg 150/140 mm 29″
Transition Sentinel X01 6.399 € 13,92 kg 160/140 mm 29″
Trek Remedy 9.9 6.999 € 13,18 kg 160/150 mm 27,5″
YT Jeffsy 29 CF Pro Race 4.999 € 12,90 kg 140/140 mm 29″
Ø 7.421 € Ø 13,08 kg

*Alle Bikes in Größe L

Canyon Spectral CF 9.0 LTD | 150/140 mm (v/h) | 12,54 kg | 6.999 €

Evil Offering | 150/140 mm (v/h) | 13,22 kg | 8.049 €

Giant Trance Advanced Pro 29 | 130/115 mm (v/h) | 12,82 kg | 4.799 €

Ibis Ripmo | 160/145 mm (v/h) | 13,10 kg | 8.498 €

Pivot Mach 5.5 | 160/140 mm (v/h) | 13,94 kg | 9.899 €

Propain Hugene Highend | 150/130 mm (v/h) | 12,82 kg | 5.540 €

Rocky Mountain Thunderbolt Carbon 90 BC Edition | 140/140 mm (v/h) | 12,56 kg | 6.199 €

Santa Cruz Bronson CC | 160/150 mm (v/h) | 13,58 kg | 8.599 €

SCOTT Genius 900 Ultimate | 150/150 mm (v/h) | 12,70 kg | 10.499 €

Specialized S-Works Stumpjumper 29 | 150/140 mm (v/h) | 12,78 kg | 8.999€

Transition Sentinel | 160/140 mm (v/h) | 13,92 kg | 6.399 €

Trek Remedy | 160/150 mm (v/h) | 13,18 kg ] 6.999 €

YT JEFFSY 29 CF PRO RACE | 140/140 mm (v/h) | 12,90 kg | 4.999 €

Der Federweg hat zur Kategorisierung ausgedient

Bis vor Kurzem waren 160 mm Federweg noch felsenfest mit der Kategorie von Endurobikes verbunden. Bikes wurden häufig stur nach dem Federweg eingeteilt. Allerdings haben sich speziell die Geometrien stark weiterentwickelt und definieren heute das Fahrgefühl und dadurch den Einsatzzweck deutlich mehr als eine Zahl auf dem Papier. Es gibt Endurobikes mit 150 mm, die deutlich satter und laufruhiger fahren als Trail-Bikes mit 160 mm, die jedoch wiederum oft agiler und spritziger sind.

Federweg vorn vs. hinten

Beim Thema Federweg fällt außerdem auf, dass nur zwei der 13 Bikes vorn und hinten den gleichen Federweg besitzen. Alle anderen setzen auf einen längeren Federweg bei der Gabel. Das kommt vermutlich daher, dass das Plus in Front die Laufruhe und Sicherheit erhöht, gleichzeitig aber das Handling nicht spürbar behäbiger macht. Außerdem ist es generell leichter, die Kettenstreben kürzer zu konstruieren, wenn das Rad hinten weniger Federweg besitzt. Eine echte Dysbalance zwischen Front und Heck konnten wir bei keinem der Bikes im Test feststellen – das Konzept geht also auf.

Das Duell 27,5” vs. 29”

Es ist nahezu ein Glaubenskrieg, der an der Laufradfront herrscht. Beide Laufradgrößen haben ihre Anhänger, das zeigt sich auch hier im Test. Die Hersteller haben nicht nur wesentlich mehr 29er bei uns ins Rennen geschickt, die 29er hatten auch auf dem Trail die Nase vorn. Aber wer das mit Abstand agilste Bike sucht, kommt am Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition mit 27,5”-Laufrädern nicht vorbei. Allerdings bedeuten kleine Laufräder nicht immer maximale Wendigkeit – wie das Pivot Mach 5.5 zeigt. Gleichzeitig fahren sich 29”-Bikes schon lange nicht mehr behäbig, wie das Specialized S-Works Stumpjumper 29 sehr eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Breite Reifen ja – aber nur bis zu einem gewissen Punkt

Plus-Reifen wurden noch vor gar nicht langer Zeit als das nächste große Ding angepriesen. Mittlerweile sind die Stimmen leiser geworden und Bikes mit super breiten Pneus sind bei den meisten Herstellern wieder aus dem Portfolio verschwunden. Dennoch wurden Reifen im Schnitt breiter. So setzen z. B. drei der 27,5”-Bikes auf 2,6” breite Reifen und auch bei 29ern kommen vermehrt breite Pneus zum Einsatz, bei SCOTT z. B. ein 2,6”-Reifen. Allerdings muss nicht nur die Felge passen, sondern vor allem auch die Karkasse und das Profil des Reifens – und das ist ein Problem. Denn verbaut man einen breiten und robusten Reifen, steigt das Gewicht rasant an. Verzichtet man jedoch auf eine stabile Karkasse und nutzt ein flaches Profil, sind Platten die Folge und dem Reifen fehlt es an Grip und Seitenführung. So konnte der MAXXIS Rekon beim SCOTT, Pivot und Canyon in unserem Test nicht überzeugen. Als ideal empfanden alle Tester die Kombination aus einem MAXXIS Minion DHF 2,5” WT mit einer mind. 30 mm breiten Felge. Dieser Reifen verleiht den Bikes mehr Grip und gleichzeitig ein direkteres und präziseres Handling – und das will man ja beim Trail-Bike.

Auch Trail-Bikes brauchen gute Bremsen!

Gerade einmal knapp 100 g Gewichtsunterschied liegen zwischen einer SRAM Guide Ultimate und einer SRAM Code RSC. Auf dem Trail liegen zwischen den beiden Bremsen jedoch Welten. Da Trail-Bikes heute immer härter und auf längeren Abfahrten gefahren werden, brauchen auch sie vernünftige Bremsen. Leider kommen die aktuell noch bei den wenigsten Bikes zum Einsatz. Daher plädieren wir im Namen von mehr Sicherheit, Kontrolle und Fahrspaß für standfestere Bremsen und 200-mm-Bremsscheiben zumindest am Vorderrad – auch bei Trail-Bikes!

Tops & Flops

Oftmals sind es die Details, die den Unterschied machen: gelungene Integration, erstklassige Ergonomie und mit bedacht gewählte Komponenten. Hier findet ihr alle Tops und Flops der Bikes aus unserem großen Vergleichstest.

Tops

Kein Würgegriff
Fixiert man eine Teleskopsattelstütze mit zu viel Kraft, dann kann sie beschädigt werden. Die große, flächige Klemmung beim Canyon Spectral reduziert die Klemmkräfte.
Best in Test
Die SRAM CODE RSC-Bremse ist die beste in unserem Test. Sie begeistert mit einem super Gesamtpaket aus Power, Dosierbarkeit und Ergonomie.
Drop it!
Das gerade Sitzrohr ermöglicht es, auch die 175 mm lange KS LEV INTEGRA komplett im Rahmen des IBIS Ripmo zu versenken – sehr nice!
Extrem effizient
Das Scott Genius profitiert spürbar vom FOX Live Valve-System. Das Rad ist dadurch noch effizienter und sprintet sehr willig nach vorn. Nur bei der Integration gibt’s noch Luft nach oben.

Flops

Unschön
Hier hat Giant am falschen Ende gespart: Ein etwas größerer Kettenstrebenschutz würde den Lack effektiv vor Beschädigungen bewahren. So hat man leider bereits nach wenigen Fahrten unschöne Kratzer im Lack.
Schwer erreichbar
Der Verstellhebel des Dämpfers am Propain Hugene ist weit unten positioniert, und ist dadurch während der Fahrt schlecht erreichbar.
Kabelsalat
Die zusätzlichen Kabel des Live Valve-Systems sorgen für Unordnung am Cockpit des Pivot Mach 5.5. Obendrein lösen sie sich regelmäßig aus den Clips und klappern dann nervig herum.
Unzuverlässig
Die neue Specialized iRcc Command Post-Sattelstütze rastete trotz aller Bemühungen bei unserem Test immer wieder nicht in der obersten Position ein – nervig.

Das beste Trail-Bike 2019

Ein Fazit unseres Tests lautet: „Es gibt Bikes, die überragend bergauf und gut bergab fahren, und andere, die überragend bergab und gut bergauf fahren.“ Gleichzeitig gibt es Räder, die extrem agil sind, und andere, die mit hoher Laufruhe glänzen. Die besten Trail-Bike im Test schaffen es, vermeintlich unterschiedliche Anforderungen perfekt in sich zu vereinen und so nicht nur auf flowigen Trails oder bei engen Sektionen viel Fahrspaß zu vermitteln, sondern auch im ruppigen Terrain zu brillieren. Das Bike, dem dieser Spagat grandios gelingt, ist das Ibis Ripmo X01. Obendrein begeistert es mit genialen Features wie einer voll versenkbaren, 175 mm langen Sattelstütze, einer edlen Verarbeitung und dem sehr gut funktionierenden DW-Link-Hinterbau. Damit sichert sich das Ibis Ripmo den begehrten Testsieg und ist unser bestes Trail-Bike 2019.

Testsieger: Ibis Ripmo

Doch auch andere Bikes in diesem Test waren herausragend. So konnte das Specialized Stumpjumper mit seinen sehr lebendigen und gutmütigen Fahreigenschaften sowie dem intuitiven Handling begeistern, es leistete sich aber Schwächen bei der Ausstattung. Das Evil Offering bietet noch mehr Performance bergab als das Ibis, fährt sich allerdings nicht ganz so spritzig – sowohl bergauf als auch bergab. Das Santa Cruz Bronson ist ein super spaßiges Bike für alle, die wissen, wie man es fahren muss. Es belohnt einen aktiven Fahrstil mit hoher Agilität und begeistert mit einem sehr guten Fahrwerk. Ebenfalls ein grandioses Bike ist das Trek Remedy. Es besticht vor allem durch sein sehr ausgewogenes Handling und den top Hinterbau – insgesamt ist das Ibis aber auch hier überlegen. Die ausführlichen Tests aller Bikes findet ihr auf den nächsten Seiten.

Einen Kauftipp haben wir in diesem Vergleichstest bewusst keinem der Bikes verliehen. Wer viel Performance zum günstigen Preis sucht, sollte bei der Ausstattung kleine Abstriche in Kauf nehmen und sich eines der Top-Bikes mit günstigeren Komponenten genauer ansehen.


Alle Bikes im Test: Canyon Spectral CF 9.0 LTD | Evil Offering X01 | Giant Trance Advanced Pro 29 | Ibis Ripmo | Pivot Mach 5.5 Pro XT | Propain Hugene Highend | Rocky Mountain Thunderbolt BC Edition | Santa Cruz Bronson CC X01+ | Scott Genius 900 Ultimate | Specialized S-Works Stumpjumper 29 | Transition Sentinel X01 | Trek Remedy 9.9 | YT Jeffsy 29 CF Pro Race

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für ENDURO. Er kümmert sich federführend um das sechs Mal im Jahr erscheinende Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.