Trail-Bikes sind die absoluten Alleskönner der Bike-Industrie. In diesem Test haben wir die 15 spannendsten Modelle des neuen Jahres getestet und außer einem Testsieger und den wichtigsten Tipps für die Kaufentscheidungen auch die wohl größte Revolution im Mountainbike-Segment 2020 entdeckt!

Die Bike-Branche hat viele Jahre damit verbracht, Räder in verschiedenste Kategorien zu stecken. Anfangs war das noch sinnvoll, dann wurden diese Kategorien aber immer spezifischer und spezifischer, bis das Prinzip ad absurdum geführt worden war. Wer braucht schon All-Mountainbikes mit Freeride-Genen? Wir bei ENDURO halten das lieber einfach: Für uns geht es nicht um Kategorien der Kategorisierung wegen, sondern darum, die beste Lösung für einen bestimmten Einsatzbereich zu finden. Daher unterscheiden wir nur zwischen Cross-Country-, Trail-, Enduro- und Downhill-Bikes. Trail-Bikes sind dabei die vielseitigsten. Sie meistern jedes Gelände und besitzen in der Regel einen riesigen Einsatzbereich. Sie brillieren auf der schnellen Feierabendrunde genauso wie auf langen Mehrtagestouren und schrecken auch vor Bikepark-Ausflügen nicht zurück. Allerdings finden sich im Bereich der Trail-Bikes immer mehr Räder, die ihren Schwerpunkt auf ganz bestimmte Fahreigenschaften legen. Neben echten Alleskönnern gibt es auch Bikes, die für ganz spezielle Anwendungsfälle optimiert wurden, z. B. für maximalen Fahrspaß auf Flowtrails oder hohen Komfort auf Mehrtagestouren. Das zeigt auch dieser Vergleichstest.

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet euch in diesem Test

Die Mountainbikes in diesem Vergleichstest

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden einige super spannende Bikes vorgestellt. Das Trek Fuel EX, das überarbeitete Santa Cruz Hightower, das Orbea Occam, das Nukeproof Reactor und auch das erst kürzlich mit dem Design & Innovation Award ausgezeichnete Norco Optic haben alle für jede Menge Aufmerksamkeit gesorgt. Kein Wunder also, dass wir sie unbedingt in diesen Vergleichstest integrieren mussten. Natürlich durften die Klassiker in dem Segment nicht fehlen und so finden sich außer dem Specialized Stumpjumper, dem Canyon Spectral und dem YT JEFFSY auch das SCOTT Genius und der Sieger des letztjährigen Vergleichs, das Ibis Ripmo, wieder in diesem Test. Außerdem haben wir wie schon bei unserem letzten Enduro-Bike-Vergleichstest (Zum Test) wieder ein E-Mountainbike eingeladen: das brandneue Specialized Levo SL. Auffallend ist, dass bis auf das Canyon Spectral in diesem Jahr alle Bikes auf 29”-Laufrädern rollen. Im Schnitt kosten die Bikes in diesem Vergleich 7.376 € und wiegen 13,4 kg – die Daten des Levo SL flossen in diese Kalkulation nicht ein.

Bike Federweg Laufradgröße Gewicht Preis
Cannondale Habit Carbon 1 (Zum Test) 29″ 140/130 mm 13,20 kg 6.999 €
Canyon Spectral CFR 9.0 SL (Zum Test) 27,5″ 160/150 mm 12,88 kg 5.499 €
Giant Trance Advanced Pro 29 (Zum Test) 29″ 130/115 mm 12,38 kg 9.499 €
Ibis Ripmo AXS (Zum Test) 29″ 160/145 mm 13,66 kg 10.598 €
Nukeproof Reactor 290 (Zum Test) 29″ 150/130 mm 14,60 kg 5.399 €
Norco Optic C1 (Zum Test) 29″ 140/125 mm 13,7 kg 5.499 €
Orbea Occam M-LTD (Zum Test) 29″ 150/140 mm 12,5 kg 7.499 €
Radon Slide Trail 10 (Zum Test) 29″ 150/140 mm 14,08 kg 3.799 €
Santa Cruz Hightower CC X01 Reserve (Zum Test) 29″ 150/140 mm 13,41 kg 8.599 €
Scott Genius 900 Tuned AXS (Zum Test) 29″ 150/150 mm 12,84 kg 7.999 €
Specialized Levo SL Expert Carbon (Zum Test) 29″ 150/150 mm 17,70 kg 8.699 €
Specialized S-Works Stumpjumper SRAM AXS 29 (Zum Test) 29″ 150/140 mm 13,32 kg 10.699 €
Trek Fuel EX 9.9 X01 AXS Project ONE (Zum Test) 29″ 140/130 mm 13,08 kg 9.099 €
Yeti SB130 TLR (Zum Test) 29″ 160/137 mm 14,20 kg 8.190 €
YT JEFFSY CF PRO (Zum Test) 29″ 150/150 mm 13,78 kg 3.899 €
Ø 13,40 kg Ø 7.376 €
Cannondale Habit Carbon 1 (Zum Test) | 29″ | 140/130 mm | 13,20 kg | 6.999 €
Canyon Spectral CFR 9.0 SL (Zum Test) | 27,5″ | 160/150 mm | 12,88 kg | 5.499 €
Giant Trance Advanced Pro 29 (Zum Test) | 29″ | 130/115 mm | 12,38 kg | 9.499 €
Ibis Ripmo AXS (Zum Test) | 29″ | 160/145 mm | 13,66 kg | 10.598 €
Nukeproof Reactor 290 (Zum Test) | 29″ | 150/130 mm | 14,60 kg | 5.399 €
Norco Optic C1 (Zum Test) | 29″ | 140/125 mm | 13,7 kg | 5.499 €
Orbea Occam M-LTD (Zum Test) | 29″ | 150/140 mm | 12,5 kg | 7.499 €
Radon Slide Trail 10 (Zum Test) | 29″ | 150/140 mm | 14,08 kg | 3.799 €
Santa Cruz Hightower CC X01 Reserve (Zum Test) | 29″ | 150/140 mm | 13,41 kg | 8.599 €
Scott Genius 900 Tuned AXS (Zum Test) | 29″ | 150/150 mm | 12,84 kg | 7.999 €
Specialized Levo SL Expert Carbon (Zum Test) | 29″ | 150/150 mm | 17,70 kg | 8.699 €
Specialized S-Works Stumpjumper SRAM AXS 29 (Zum Test) | 29″ | 150/140 mm | 13,32 kg | 10.699 €
Trek Fuel EX 9.9 X01 AXS Project ONE (Zum Test) | 29″ | 140/130 mm | 13,08 kg | 9.099 €
Yeti SB130 TLR (Zum Test) | 29″ | 160/137 mm | 14,20 kg | 8.190 €
YT JEFFSY CF PRO (Zum Test) | 29″ | 150/150 mm | 13,78 kg | 3.899 €

Warum nimmt ein E-Mountainbike an diesem Trail-Bike-Test teil?

Es ist ein deutlicher Trend: Jedes Jahr geben mehr ENDURO-Leser bei unserer jährlichen Leserumfrage an, sich für E-Mountainbikes zu interessieren. Unter 18.930 Teilnehmern bei der letzten Umfrage haben knapp 47 % angegeben, ein Interesse an E-Mountainbikes zu haben. 40 % unserer Leser sind E-MTBs bisher egal und nur 13 % sehen sie als No-Go an. Allein deshalb, aber auch aufgrund der Entwicklung in der Branche war für uns klar, dass wir uns auch bei ENDURO vermehrt mit E-Mountainbikes befassen müssen. Dank unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE haben wir bereits seit Jahren unglaublich viel Know-how zum Thema in der Redaktion – und haben es für diesen Test auch genutzt.

Wir wussten bereits bei der Planung dieses Vergleichstests, dass Specialized kurz vor dem Release der ENDURO-Ausgabe ein besonders spannendes neues Bike herausbringen würde – das Levo SL. Schon vorab haben wir erfahren, dass es sich um ein leichtes E-MTB auf Basis des legendären Stumpjumper und des Specialized Levo handelt. Letzteres ist das derzeit beste E-Mountainbike am Markt (Zum Test). Durch das geringere Gewicht klang das Levo SL super spannend für diesen Test, schließlich ist der Hauptkritikpunkt vieler Mountainbiker bisher das hohe Gewicht von klassischen E-MTBs. Also haben wir das Rad kurzerhand in den Vergleichstest aufgenommen. Nach ersten Tests des NOX Helium und des Lapierre eZesty in der Vergangenheit hatten wir schon einen Eindruck davon, wie viel Potenzial in dieser neuen Art von leichten E-Mountainbikes steckt, wurden dann aber doch noch mal richtig überrascht. Dazu aber gleich mehr!

Warum ist das Bike XYZ nicht mit im Test?

Diese Frage poppt nach jedem unserer Vergleichstests auf und die Antwort darauf ist relativ einfach. Zum einen ist die Teilnehmerzahl in unseren Tests limitiert und wir konzentrieren uns daher auf die Marken, die ihr bei der Leserumfrage als eure Favoriten genannt habt. Zum anderen gibt es immer wieder Marken, die trotz einer Einladung nicht am Test teilnehmen möchten. In diesem Fall haben sowohl COMMENCAL als auch Pivot die Einladung ausgeschlagen. Zu guter Letzt ist natürlich auch die Verfügbarkeit ein Problem. Wir testen die Bikes ja bereits einige Wochen vor der Veröffentlichung der Tests und häufig sind neue Bikes dann noch gar nicht für Tests erhältlich.

Wo und wie wurden die Mountainbikes in diesem Vergleich getestet?

Der Einsatzbereich von Trail-Bikes ist riesig – und genau das musste auch das Testverfahren widerspiegeln. Wie bei allen unseren Vergleichstests üblich, wurden die Bikes nicht nur von verschiedenen Fahrern in verschiedenen Regionen gefahren, sondern wir sind auch alle eine Woche lang im direkten Vergleich auf genau definierten Test-Tracks gefahren. In diesem Fall sind wir zum wiederholten Mal nach Massa Vecchia gereist. Das Trail-Juwel in der Toskana war schon öfter unser Base-Camp für Vergleichstests und bietet neben super abwechslungsreichen Trails und gutem Wetter im Winter auch jede Menge italienischen Flair. Am nahegelegenen Monte Arsenti hat das Team der Trail Brothers gemeinsam mit weiteren Helfern ein einzigartiges Trail-Netzwerk geschaffen, von flowig bis verblockt findet man hier alles. Wir haben für den direkten Vergleich die Trails El Nino und Freeride genutzt, waren aber auch regelmäßig auf den Trails Rock ’n’ Roll Queen, Benedetto und Scopine unterwegs. Die Uphills haben wir natürlich immer aus eigener Kraft erledigt – schließlich sind auch die Klettereigenschaften eines Trail-Bikes essenziell. Hierfür sind wir nicht nur Forststraßen, sondern viel auf technischen Uphill-Trails gefahren.

Wer hat die Bikes getestet?

Für diesen Test haben wir die Größe unseres Test-Teams kurzerhand verdoppelt. In der Regel testen bei ENDURO immer drei bis vier Fahrer ein Bike, um sich ein möglichst komplettes Bild zu machen – diesmal waren es acht! Vom Weekend-Warrior und dem Bikepark-Shredder über den Bike-Packer bis zum absoluten Fahrwerks-Nerd war diesmal alles dabei!

Christoph Bayer, 32, testet über 100 Bikes im Jahr
„Das beste Trail-Bike ist für mich ein riesiger Kompromiss. Das Rad muss nicht in jeder Situation perfekt sein, aber es muss mit jeder Situation sehr gut umgehen können. Es ist das eine Rad für alles, auf das man aufsteigt und immer weiß, dass man richtig gerüstet ist.“
Felix Stix, 28, Fahrwerksnerd und Reifenschreck
„Schnell, direkt und alles andere als materialschonend – das beschreibt meinen Fahrstil wohl am besten. Ich will ein Rad, das mich motiviert, noch schneller zu fahren, und das dabei nicht zu schnell in die Knie geht.“
Andreas Maschke, 34, Bikepacker und Trail-Surfer
„Vollgas-Action ist nicht mein Fall – ich lass es bergauf und bergab eher gemütlich angehen und will ein Bike, das es mir ermöglicht, meine Fähigkeiten aufs nächste Level zu heben. Ein intuitives und berechenbares Handling ist dafür essenziell.“
Lefti Frühmann, 34, Airtime-Junkie
„Agilität ist für mich genauso wichtig wie Speed, außerdem steh ich auf massig Airtime. In der Vergangenheit hab ich viel Zeit beim Dirtjumpen verbracht und suche daher ein Rad, das nicht nur einiges einstecken kann, sondern auch richtig gut in die Luft geht.“
Thomas Weiß, 33, Schwergewicht, biegt gerne Stahl
„Mein Bizeps ist dicker als der Oberschenkel der meisten Biker, und da Muskeln bekanntlich schwerer sind als Fett und mein Fahrstil nicht immer super sauber ist, brauche ich vor allem ein Rad, das einiges aushält. Unter der Woche fahre ich vor allem flowige Trails, doch am Wochenende wird regelmäßig geshuttelt – mehr Federweg ist daher für mich ein Plus.“
Jonas Müssig, 30, Redakteur, jagt die perfekte Ride-Life-Balance
„Zwischen Familie und Beruf ist die Zeit immer knapp bemessen. Wenn ich biken gehe, dann direkt von der Haustür aus. Ich will daher ein schnelles und effizientes Bike, das ab dem ersten Meter dank des hohen Vortriebs Fahrspaß vermittelt.“
Finlay Anderson, 19, Redakteur und Überflieger – auf dem Bike und im Beruf
„Loose beschreibt meinen Fahrstil wohl am besten, denn wenn immer alles unter Kontrolle ist, macht es doch keinen Spaß! Ich liebe es, in Kurven zu driften und einfach mal blind an einer Kante abzuziehen. Ein agiles und spaßiges Handling ist mir daher besonders wichtig. Allerdings darf das Bike nicht langsam sein, am Wochenende race ich nämlich gegen meine Buddys.“
Fred Tyler, XX, Connaisseur
„Über mein Alter spreche ich genauso wenig wie über das Gewicht meiner Bikes – beides spielt, wenn man ehrlich ist, isoliert betrachtet ja keine Rolle. Wann immer es möglich ist, sitze ich im Sattel – und das ist ganz schön häufig. Entscheidend ist dabei neben einem satten Fahrwerk bergab vor allem auch der Fahrkomfort bergauf.“

Die spannendsten Erkenntnisse des Trail-Bike-Vergleichstests

Ein Vergleichstest dient nicht nur dazu, das beste Bike einer bestimmten Kategorie zu finden, sondern ist auch der perfekte Gradmesser, um neue Trends und bestimmte Entwicklungen zu evaluieren. Wann hat man sonst schon die Möglichkeit, so viele Bikes im direkten Vergleich zu fahren? Auch bei diesem Test gab es wieder spannende Erkenntnisse, die für eure Kaufentscheidung ausschlaggebend sein können oder dazu dienen, dass ihr beim Trail-Talk top informiert seid.

Traue keinem Sitzwinkel, den du nicht selbst gefälscht hast

Vergleicht man die Geometrie-Daten der einzelnen Bikes, ähneln sich viele Räder auf dem Papier sehr – auf dem Trail liegen zwischen ihnen dann aber oft Welten. Ein Wert, auf den man auf dem Papier nur wenig geben kann, ist der Sitzwinkel. So besitzen das Cannondale Habit und das Nukeproof Reactor mit 74,5° und 74,6° in der Tabelle zwar nahezu identische Werte, aber während man beim Cannondale stark von hinten pedaliert, sitzt man auf dem Nukeproof super zentral. Beim Habit flacht der Sitzwinkel durch ein stark geknicktes Rohr beim Auszug des Sattels deutlich ab; das gerade Rohr des Reactor hält den Winkel deutlich konstanter. Außerdem haben auch das Fahrwerk und der SAG einen starken Einfluss auf die Sitzposition – sackt das Heck bergauf weg, flacht der Sitzwinkel noch weiter ab. Statt die Geotabelle auswendig zu lernen, sollte man sich das Rad besser einmal genau ansehen und im Idealfall einfach einmal Probesitzen.

Leichte Laufräder lohnen sich – leichte Reifen nicht!

Trail-Bikes leben von ihrem schnellen und direkten Handling und effizienten Fahrwerk. Tritt man in die Pedale, erwartet man Vortrieb! Wie gut ein Rad beschleunigt, hängt neben dem Fahrwerk vor allem von seiner rotierenden Masse ab. Müssen schwere Laufräder beschleunigt werden, fühlt sich ein Rad eher träge an. In diesem Test haben sich leichte Laufräder wie z. B. die Roval Traverse SL am Specialized Stumpjumper als echter Tuning-Tipp erwiesen. Man könnte natürlich auch einfach leichte Reifen montieren, doch das wäre, als würde man einen Ferrari nur mit einem Reserverad fahren – es macht einfach keinen Sinn. Grip, Dämpfung und Pannenschutz sind hier definitiv wichtiger als ein geringes Gewicht. Bis auf Orbea, Trek und SCOTT leistete sich kein Hersteller bei den Reifen eine echte Schwäche. Wer eine leicht rollende Kombi mit aggressivem Profil sucht, aber Abstriche bei der Dämpfung in Kauf nehmen kann, greift zum Mix aus MAXXIS Minion DHF und DHR II in 2,3”, wie er beim Giant Trance 29 zum Einsatz kommt. Wer noch etwas mehr Grip, Dämpfung und Pannenschutz will, fährt die gleichen Reifen in 2,5” WT bzw. 2,4” WT.

Der Federweg taugt nur bedingt zur Klassifizierung von Bikes

Früher wurden Bikes häufig anhand ihres Federwegs kategorisiert. Heute hat der Federweg aber nur wenig Aussagekraft über das Handling eines Bikes. So kann sich ein Rad mit 130 mm am Heck erstaunlich behäbig anfühlen, ein Rad mit 150 mm kann sehr agil ausfallen. Und auch nahezu identische Werte, wie sie z. B. das Norco Optic und das Nukeproof Reactor besitzen, können im Gesamtkonzept zu komplett unterschiedlichen Fahreigenschaften führen. Statt euch von zu viel oder zu wenig Federweg abschrecken zu lassen, empfehlen wir euch, unsere Testberichte zu lesen und im Idealfall ein neues Bike ausgiebig auf unterschiedlichen Trails Probe zu fahren.

Bei Trail-Bikes ist 29” die Laufradgröße der Wahl!

Schon nach unserem Enduro-Bike-Vergleichstest haben wir 27,5” ab Rahmengröße Medium aufwärts für tot erklärt – bei Trail-Bikes sehen wir die Entwicklung noch viel deutlicher. Kein Wunder: In diesem Vergleichstest gab es nur ein einziges Bike mit kleinen Laufrädern – das Canyon Spectral. Es ist mit seinen 27,5”-Laufrädern zwar super agil und sehr leichtfüßig zu fahren, allerdings schaffen 29er das mittlerweile auch richtig gut und haben gleichzeitig noch jede Menge weiterer Benefits im Gepäck, z. B. ein besseres Überrollverhalten oder ein Plus an Grip. Bei einem Trail-Bike, wo gute Klettereigenschaften und ein ausgewogenes Handling essenziell sind, sehen wir aktuell auch keine Vorteile von gemischten Laufrädern mit 27,5” am Heck und 29” in Front. Die einzige Ausnahme stellen besonders kleine Fahrer bis ca. 165 cm dar. Sie profitieren bei einem Bike mit gemischten Laufradgrößen vom besseren Überrollverhalten in Front, mehr Agilität durch das kleinere Hinterrad und meist kürzere Kettenstreben. Alle anderen sind aktuell mit einem reinen 29er aber in 95 % der Fälle besser beraten.

Die unsichtbare Macht – Steifigkeit und ihre Folgen

Viele Biker lieben es, Geometrie-Tabellen auswendig zu lernen und über die verschiedenen Aspekte eines Fahrwerks zu philosophieren. Doch es gibt eine dunkle Macht, die häufig sehr großen Einfluss auf das Handling eines Bikes hat und die sich nur schwer auf dem Papier beurteilen lässt – die Rede ist von der Steifigkeit. Dabei lässt sich noch nicht mal genau definieren, wie steif wirklich gut ist und ab wann es dann wieder negativ wird. Fest steht aber: Steifigkeit ist auf dem Trail deutlich spürbar. So z. B. beim super steifen Orbea Occam oder dem sehr weichen Hinterbau des RADON SLIDE TRAIL. Für uns bei ENDURO gilt die Faustregel: So steif wie nötig, so viel Flex wie möglich. Das sorgt für Grip, Traktion und spart Kraft. Aber nicht nur die Steifigkeit des Hauptrahmens oder des Hinterbaus beeinflussen das Handling. Vor allem Lenker und Laufräder haben mit ihrem Flex einen sehr großen Einfluss auf das Fahrverhalten und den Komfort des gesamten Bikes.

Shimano und SRAM – das ewige Duell!

In den letzten Jahren ist es um Shimano bei der Schaltung etwas ruhiger geworden – der Markt wurde von der SRAM Eagle dominiert. Doch nun feiert Shimano mit den neuen 12-fach-Antrieben ein Comeback und begeistert hier vor allem mit sehr geschmeidigen Schaltvorgängen und einer starken Schaltwerksdämpfung, die nerviges Kettenklappern noch effektiver unterdrückt als die einer SRAM Eagle. Eine Eagle dagegen schaltet sich knackiger und mit weniger Hebelweg.

Bei der Bremse galt Shimano viele Jahre als das Nonplusultra in Sachen Sorglosigkeit. Auch wenn es an der Power der Shimano-Stopper nichts auszusetzen gibt und Mineralöl das stressfreiere Bremsmedium ist, empfanden wir die stark klappernden Bremsbeläge und den ständig wandernden Druckpunkt bei vielen Bremsen als sehr störend – wir würden hier eher zu einer SRAM CODE RSC greifen. Unterdimensionierte Bremsen mit kleinen Scheiben, wie sie am Giant Trance 29 zum Einsatz kommen, haben an einem Trail-Bike nichts verloren, letztlich ist man mit ihnen auch schnell und im steilen Gelände unterwegs.

Die Kontaktpunkte sind entscheidend

Kein Körper ist wie der andere geschnitten und deshalb unterliegen die Kontaktpunkte der Bikes den persönlichen Vorlieben unserer Tester. Dennoch konnten wir einige Komponenten ausmachen, mit denen keiner unserer 8 Tester zurechtkam: Was manche Hersteller als Sattel oder Griffe an die Bikes schrauben, kommt fast einer Körperverletzung gleich. Besonders negativ fielen in diesem Test die SDG-Sättel und -Griffe auf. Es mangelt ihnen nicht nur an einer guten Ergonomie, gerade die Griffe sind auch super hart. Gerade auf langen Touren erhöhen ein passender Sattel und hochwertige Griffe den Fahrkomfort. Es lohnt sich hier, wenn möglich, direkt beim Kauf des Bikes ein Upgrade durchführen und verrechnen zu lassen. Unser Favorit waren die ODI Elite Pro-Griffe mit guter Dämpfung und hohem Grip und der für alle Tester super bequeme WTB Silverado-Sattel am Yeti SB130.

Das Specialized Levo SL ist kein E-Mountainbike, es ist ein Trail-Bike mit Motor

Als wir das Specialized Levo SL in den Test integriert haben, wollten wir eigentlich die besten Trail-Bikes mit einem E-Mountainbike vergleichen. Allerdings hat sich das Levo SL in diesem Vergleichstest nicht als klassisches E-Mountainbike herausgestellt, sondern als Trail-Bike, das einen Motor besitzt. Wie sich das Rad im Detail fährt und in welchen Aspekten es sich vom Stumpjumper und Levo unterscheidet, haben wir euch weiter hinten in der Ausgabe in einem extra Artikel herausgearbeitet. Was wir hier bereits verraten können: Das Rad setzt neue Maßstäbe. Ähnlich wie Federgabeln, Scheibenbremsen oder absenkbare Sattelstützen das Mountainbiken revolutioniert haben, macht es jetzt der kleine und kompakte Specialized SL 1.1-Motor. Was für uns in diesem Vergleichstest als ein Versuch startete, hat sich schnell als wohl wichtigste Neuigkeit des Jahres herauskristallisiert. Mit dem 17,7 kg leichten Levo SL Expert fährt man wie mit jedem anderen Trail-Bike im Test bergab. An Kanten abspringen oder einen Manual ziehen – mit diesem Rad ein Kinderspiel! Im Uphill ist der Motor, wenn gewünscht, spürbar, allerdings macht es auch Spaß, das Rad mit nur niedriger Unterstützung zu fahren und sich selbst richtig auszupowern. Braucht oder will man einmal mehr Unterstützung, ist das Superman-Gefühl nur einen Klick an der Remote entfernt. Geht einem der Saft mal komplett aus, ist das mit dem Levo SL kein großes Problem, denn auch ohne Motor lässt sich das Rad noch angenehm pedalieren.

Die Tops und Flops des Vergleichstest

Welche Teile haben sich bewährt, welche Detaillösungen sind besonders smart und wo gibt es Verbesserungspotenzial? Wir verraten es in unseren Tops und Flops des Tests.

Die Tops

Viel Platz
Die Überstandshöhe auf dem Ibis Ripmo garantiert in Kombination mit der 170 mm langen Sattelstütze maximale Bewegungsfreiheit. Auch Nukeproof, Norco, Santa Cruz und Yeti verbauen lange Stützen – top!
Mitgedacht
Giant verbaut eine MAXXIS Minion DHF/DHR-Kombination in 2,3” Breite. Damit behält das Trance seinen sehr direkten Charakter, besitzt aber dennoch genug Grip und Traktion.
Große Reichweite
Trotz des kleinen Akkus sind mit dem Levo SL auch ausgedehnte Touren kein Problem – der Motor arbeitet sparsam und ein optionaler Range Extender liefert bis zu 50 % extra Akkukapazität in der Größe und mit dem Gewicht einer Trinkflasche. Positiv: Bergab macht sich das Zusatzgewicht fast nicht bemerkbar.
Guter Vortrieb
Die Specialized Roval Traverse SL-Laufräder haben uns mit ihrer grandiosen Beschleunigung und einer angenehmen, nicht zu hohen Steifigkeit überzeugt.

Die Flops

Flacher als versprochen
Der Sitzwinkel des Cannondale Habit fällt sehr flach aus, wodurch man bergauf von weit hinten pedaliert – hier sollte man den Sattel weit nach vorn schieben.
Überfordert
Der MAXXIS Rekon am Heck des Orbea Occam und des SCOTT Genius bietet zu wenig Pannenschutz und nur geringen Grip – wir würden ihn direkt ersetzen. Auch der Bontrager XR4-Reifen am Trek Fuel EX sollte sofort getauscht werden.
Nerviges Geklapper
Die Bremsbeläge der Shimano XTR-Bremse klapperten in einigen Rädern unüberhörbar laut. Steife Carbonlaufräder und Rahmen verstärken obendrein die Geräusche – super nervig!
Klappernde Züge
Beim Norco, Cannondale und Orbea klapperten die Züge deutlich hörbar im Rahmen und das trotz Führungen und Fixierungen – wer Ruhe will, muss hier noch nachbessern.

Das beste Trail-Bike 2020: Ibis Ripmo AXS

Gekommen, um zu bleiben: Das Ibis Ripmo ging als Titelverteidiger in diesen Test und hat sich am Ende ganz oben an der Spitze behauptet. Es ist nach wie vor das beste Trail-Bike 2020. Aber was macht das Bike der US-Amerikaner eigentlich so gut, dass es alle anderen in den Schatten stellt?

Ibis Ripmo AXS (Zum Test) | 29″ | 160/145 mm | 13,66 kg | 10.598 €

Der König ist tot, lang lebe der König! Wie schon im letzten Jahr konnte sich das Ibis Ripmo auch in diesem Test als das vielseitigste und beste Bike im Vergleichstest behaupten. Keiner der neu hinzugekommen Konkurrenten schaffte es, das Rad vom Thron zu stoßen. Das Ripmo begeistert noch immer mit seiner erstklassigen Sitzposition, dem vortriebsstarken Fahrwerk sowie dem super hochwertigen Rahmen. In der Abfahrt ist das Ripmo das Rad mit dem größten Einsatzbereich. Vom einfachen Flowtrail bis hin zum Shuttle-Tag in Finale Ligure macht das Ibis einfach alles mit – und man hat nie den Eindruck, das falsche Bike zu nutzen. Abgerundet wird das Gesamtpaket mit einer absolut durchdachten und super funktionalen Ausstattung, an der wir nur die nervig klappernden Bremsbeläge der Shimano XTR zu kritisieren haben. Wer auf der Suche nach einem klassischen Trail-Bike ist, mit dem er wirklich immer bestens gerüstet ist, wird hier fündig! Das Ibis Ripmo ist unser Testsieger und damit das beste Trail-Bike 2020.

Hier geht’s zum Test vom Ibis Ripmo AXS


Die große Überraschung des Vergleichstest: Specialized Levo SL Expert Carbon

Specialized Levo SL Expert Carbon (Zum Test) | 29″ | 150/150 mm | 17,70 kg | 8.699 €

Es gab allerdings ein Bike, das bei unserer achtköpfigen Test-Crew für ein noch breiteres Grinsen und sogar Freudenschreie auf dem Trail geführt hat: das Specialized Levo SL. Seit mehr als sechs Jahren haben Teile unseres Test-Teams jetzt schon Erfahrung mit E-Mountainbikes gesammelt, und sind mit dem Lapierre eZesty und dem NOX Helium auch schon besonders leichte Bikes gefahren. Doch ein Rad, das so konsequent durchdacht ist wie das Levo SL, hat keiner von uns bisher getestet! Zwar ist es faktisch ein E-MTB – aber aufgrund seines agilen Handlings, das sich nur in Nuancen von einem nicht motorisierten Bike unterscheidet, ist es eigentlich vielmehr ein Trail-Bike mit Motor. Das Levo SL ist die logische Weiterentwicklung von Bikes ohne Motor und hebt das Fahrerlebnis auf das nächste Level! Wer dieses Bike kauft, erhält das Fahrverhalten eines klassischen Trail-Bikes mit den Benefits eines E-Mountainbikes, ohne aber die Nachteile von klassischen E-Mountainbikes mitzubuchen. Das Specialized Levo SL Expert Carbon ist für uns Next Level und sichert sich aus diesem Grund in diesem Vergleichstest unseren begehrten Kauftipp!

Hier geht’s zum Test vom Specialized Levo SL Expert Carbon

Weitere spannende Trail-Bikes

Die große Stärke des Ibis Ripmo ist seine enorme Vielseitigkeit, allerdings könnte man dem Bike genau das auch als seine größte Schwäche auslegen. Denn obwohl es sich nirgends eine Schwäche leistet, lässt es eben in manchen Situationen und Einsatzzwecken einen eigenen Charakter vermissen. In unserem Testfeld gibt es jedoch noch fünf weitere herausragende Bikes, die es mehr als nur verdienen, hier erwähnt zu werden, und die je nach persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich für manchen sogar die bessere Wahl sein können.

Norco Optic C1 – ein Fahrspaß-Feuerwerk ab dem ersten Meter

Norco Optic C1 (Zum Test) | 29″ | 140/125 mm | 13,7 kg | 5.499 €

„Aufsteigen und abgehen“ lautet die Devise auf dem Norco Optic. Das super direkte Bike zündet ab der ersten Kurbelumdrehung ein Synapsen-Feuerwerk! Mit straffen 125 mm Federweg am Heck und 140 mm in Front setzt das Bike Fahrimpulse sehr schnell um. Mit jedem Input erhöht sich so der Trailspeed und das Grinsen im Gesicht wird größer. Auch dank seiner langen und flachen Geometrie kämpft das Rad weit über seinem Federweg und selbst anspruchsvolle Strecken lassen sich mit ihm meistern. Wer im Mittelgebirge wohnt und ein direktes und ehrliches Bike sucht, sollte sich das Norco Optic unbedingt genauer ansehen!

Hier geht’s zum Test vom Norco Optic C1


Nukeproof Reactor 290C RS – das Enduro unter den Trail-Bikes

Nukeproof Reactor 290 (Zum Test) | 29″ | 150/130 mm | 14,60 kg | 5.399 €

Bereits bei unserem Enduro-Vergleichstest ist uns das Nukeproof extrem positiv aufgefallen und auch in diesem Test sticht das Reactor positiv aus der Masse hervor. Es ist das Bike, das den höchsten Trailspeed ermöglicht und obendrein am ausgewogensten in Kurven fährt. Aufsteigen – abgehen! Die lediglich 130 mm Federweg am Heck fühlen sich bergab nach deutlich mehr an und eigentlich würden wir das Rad am liebsten mit einer 160-mm-Federgabel fahren. Wer einen absoluten Kurven-Killer mit top Fahrwerk, viel Pop und einer komfortablen Sitzposition bergauf sucht, wird hier fündig. Hätte das Bike leichtere Laufrädern, hätte es in diesem Test vermutlich für noch mehr gereicht.

Hier geht’s zum Test vom Nukeproof Reactor 290C RS


Trek Fuel EX 9.9 AXS – das perfekte Touren- und Langstrecken-Bike

Trek Fuel EX 9.9 X01 AXS Project ONE (Zum Test) | 29″ | 140/130 mm | 13,08 kg | 9.099 €

Das Trek Fuel EX hat sich in der Vergangenheit bereits unseren begehrten Testsieg gesichert und auch in diesem Vergleich hat es ganz vorne mitgespielt. Bereits beim Aufsteigen herrscht dieses typische Trek-Feeling, das durch eine super komfortable Sitzposition und die Fahrwerksabstimmung ausgelöst wird. Das Fuel EX klettert super leichtfüßig und extrem willig bergauf und besitzt einen sehr hohen Langstreckenkomfort. Zwar flacht sich der Sitzwinkel bei zunehmendem Sattelauszug ab, ist aber nie zu flach. In der Abfahrt ist das Fuel EX extrem leichtfüßig und spaßig zu fahren. Der Hinterbau arbeitet sehr definiert, aber nicht übertrieben komfortabel. Dank Stauraum im Unterrohr finden die wichtigsten Essentials direkt im Rahmen Platz. Kritik gibt’s nur für die Reifen – sie sollten direkt ersetzt werden!

Hier geht’s zum Test vom Trek Fuel EX 9.9 AXS


Yeti SB130 TLR – schnell und potent, verzeiht aber auch wenig Fehler

Yeti SB130 TLR (Zum Test) | 29″ | 160/137 mm | 14,20 kg | 8.190 €

Das Yeti SB130 in der Lunch Ride-Edition war im Uphill zwar nicht das schnellste, dank seines super feinfühligen und dennoch effizienten Fahrwerks aber das mit Abstand komfortabelste Bike. Auch bergab filtert es Schläge überragend weg und bietet dennoch gutes Feedback vom Trail – hier spielt das Rad in einer eigenen Liga. Allerdings erfordert sein langer Hauptrahmen in Kombination mit dem kurzen Heck einen sehr aktiven Fahrstil. Wer nicht aufpasst, verliert schnell den Grip am Vorderrad und schmiert weg. Aus diesem Fall können wir es nur für erfahrene Fahrer empfehlen, die sehr genau wissen, was sie tun.

Hier geht’s zum Test vom Yeti SB130 TLR


YT JEFFSY CF Pro – grandiose Preis-Leistung für alle, die es krachen lassen wollen

YT JEFFSY CF PRO (Zum Test) | 29″ | 150/150 mm | 13,78 kg | 3.899 €

Das YT JEFFSY CF Pro hat von YT für die neue Saison einen Zentimeter mehr Federweg am Heck spendiert bekommen und verfügt jetzt wie das CF Pro Race-Modell über 150 mm an Front und Heck. YT hat das kombiniert mit einem tiefgezogenen Oberrohr und einer sehr schluckfreudigen Kinematik, und so bekommt man ein Rad, das super spaßig zu fahren ist und vor allem auf anspruchsvollen Trails brilliert. Für viele ist es garantiert der bessere Allrounder als der große Bruder CAPRA. Auf flachen und flowigen Trails und beim Abspringen schluckt das Fahrwerk leider viel Energie und der Hinterbau sackt etwas weg. Volumenspacer helfen zwar bedingt, doch für den Testsieg fehlte es an Allround-Qualitäten. Bergauf dagegen leistet sich das Rad keine Schwächen.

Hier geht’s zum Test vom YT JEFFSY CF Pro


Die großen Verlierer des Tests

Zugegeben: Richtig schlechte Mountainbikes im Highend-Segment gibt es im Jahr 2020 vermutlich kaum noch und auch in diesem Test gab es keine Totalausfälle. Allerdings gab es durchaus Bikes, deren Kauf wir euch nicht empfehlen würden – trotz zum Teil grandioser Ausstattung, auf dem Papier stimmiger Geometrien oder fairer Preise.

Cannondale Habit Carbon 1 – ein solides Touren-Bike, mehr aber leider nicht

Cannondale Habit Carbon 1 (Zum Test) | 29″ | 140/130 mm | 13,20 kg | 6.999 €

Denkt man an das Cannondale Habit, kommen einem sofort die Clips von Josh Bryceland in den Sinn, wie er mit dem Bike durch die Luft segelt und 180s dreht – leider fährt sich das Rad aber komplett konträr zu dem, was das Marketing verspricht. Das Habit ist eher ein zahmes Touren-Bike, das zwar einen gut funktionierenden Hinterbau besitzt, sich allerdings bei zunehmender Geschwindigkeit immer sperriger und behäbiger fährt. Bergauf sind der sich stark abflachende Sitzwinkel und die damit sehr hecklastige Sitzposition nicht mehr zeitgemäß – das Habit ist nicht schlecht, aber es gibt einfach deutlich bessere Bikes.

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RADON SLIDE TRAIL 10 – geile Ausstattung, fairer Preis, aber ein Rahmen mit Schwächen

Radon Slide Trail 10 (Zum Test) | 29″ | 150/140 mm | 14,08 kg | 3.799 €

Beim Preis und bei der Ausstattung des RADON SLIDE TRAIL 10 ist es schwer, nicht direkt den Bestell-Button zu drücken. Wir können das aber nur bedingt empfehlen. Im Uphill klettert das Rad solide – zumindest, wenn man das Wippen im Hinterbau mit dem Climb-Switch ruhigstellt. Bergab fährt sich das RADON allerdings bei zunehmendem Tempo sehr fordernd. Bei schnellen Zwischensprints schleift zudem der Reifen deutlich hörbar am Hinterbau. Apropos Reifen: Zwar sehen die MAXXIS-Pneus mit Skin-Wall schick aus, allerdings sind sie nur in der harten Dual-Compound-Variante erhältlich. Speziell am Vorderrad hätten wir uns mehr Grip erhofft.

Hier geht’s zum Test vom RADON SLIDE TRAIL 10


SCOTT Genius 900 Tuned AXS – straff, direkt und unkomfortabel

Scott Genius 900 Tuned AXS (Zum Test) | 29″ | 150/150 mm | 12,84 kg | 7.999 €

Das SCOTT Genius ist ein Rad mit einem sehr schmalen Einsatzbereich. Bergauf spielt das Genius in einer eigenen Liga und klettert super effizient, schnell und leichtfüßig. Allerdings sitzt man gestreckt und relativ unkomfortabel auf dem Bike, was den Langstreckenkomfort deutlich reduziert. Hat man den Traileinstieg erreicht, ist allerdings keine Entspannung angesagt, denn durch die tiefe Front verlangt das Rad sehr viel Körperspannung. In steilen Sektionen vermittelt es wenig Sicherheit und die flach profilierten Reifen unseres Test-Bikes verschlimmerten das noch. Der 2,6” breite Hinterreifen besaß im Hinterbau kaum Platz und schleifte daher schon bei nur wenig Dreck. Wer sich fürs Genius entscheidet, sollte einen Lenker mit viiiiiel Rise und griffige, schmalere Reifen mit guter Dämpfung montieren.

Hier geht’s zum Test vom SCOTT Genius 900 Tuned AXS


Alle Bikes im Test: Cannondale Habit Carbon 1 (Zum Test) | Canyon Spectral CFR 9.0 SL (Zum Test) | Giant Trance Advanced Pro 29 (Zum Test) | Ibis Ripmo AXS (Zum Test) | Nukeproof Reactor 290 (Zum Test) | Norco Optic C1 (Zum Test) | Orbea Occam M-LTD (Zum Test) | Radon Slide Trail 10 (Zum Test) | Santa Cruz Hightower CC X01 Reserve (Zum Test) | Scott Genius 900 Tuned AXS (Zum Test) | Specialized Levo SL Expert Carbon (Zum Test) | Specialized S-Works Stumpjumper SRAM AXS 29 (Zum Test) | Trek Fuel EX 9.9 X01 AXS Project ONE (Zum Test) | Yeti SB130 TLR (Zum Test) | YT JEFFSY CF PRO (Zum Test)

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Finlay Anderson, Markus Frühmann, Jonas Müssig

Über den Autor

Christoph Bayer

Wenn sich Arbeit nicht nach Arbeit anfühlt, dann hat man alles richtig gemacht – und das hat Christoph geschafft! Er liebt das Biken, ist ein Fan von Tech-Talk (zum Leid seiner Freundin Toni), hat super viel Spaß an der Fotografie und bereist gerne die Welt. Er ist fast seit Anfang an bei ENDURO dabei und als Chefredakteur dafür verantwortlich, dass ENDURO das progressivste und aufregendste Magazin der Branche ist. Natürlich schreibt er noch jede Menge Content selbst, testet knapp 100 Bikes im Jahr und sitzt nahezu täglich auf dem Rad. Die alpinen Trails rund um seinen Heimatort dienen dabei als perfektes Testgelände. Den klassischen Arbeitstag gibt es für ihn nicht, mal ist er im Office, mal mit dem Laptop im Garten oder er arbeitet direkt vom Van aus in den Top-Bikespots dieser Welt – für Christoph sind die Grenzen fließend und genau das weiß er so zu schätzen.