Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike 2026.

16,16 kg in Größe LG | 7.999 € | Hersteller-Website
Hohes Gewicht ist normalerweise kein Rezept für Leichtfüßigkeit. Beim Cannondale Bad Habit 1 scheint das aber jemand am Trail vergessen zu haben. Denn obwohl das Bike auf dem Papier klar in Richtung Mini-Enduro schielt, verfolgt Cannondale kein reines Vollgas-Konzept. Stattdessen soll das Bad Habit viele Reserven mit einem lebendigen Trail-Charakter verbinden: Eine Mischung, die im Testfeld ziemlich eigenständig dasteht.
Mit 7.999 € ist das Bad Habit das zweitgünstigste analoge Bike im Testfeld. Das tatsächliche Testgewicht von 16,16 kg in Größe LG fällt dagegen hoch aus. Zum Vergleich: Das Santa Cruz Tallboy wiegt 13,34 kg, das Atherton A.130.1 bringt 14,68 kg auf die Waage und selbst das abfahrtsstarke Yeti MT bleibt mit 15,03 kg darunter. Umso spannender ist die Frage, wie viel von diesem Gewicht man auf dem Trail tatsächlich spürt.
Ausstattung und Detaillösungen des Cannondale Bad Habit 1
Cannondale stattet das Bad Habit konsequent für einen aggressiven Trail-Einsatz aus. An der Front arbeitet die neue RockShox Lyrik Ultimate-Federgabel mit Charger-3.2-Dämpfung und 160 mm Federweg – und diese funktioniert hervorragend: extrem sensibles Ansprechverhalten, angenehm leise auf dem Trail und dazu sinnvoll sowie unkompliziert einstellbar. Wer noch mehr Reserven will, kann das Bad Habit auch mit einer 170-mm-Gabel fahren – Cannondale gibt das offiziell frei. Am Heck verwaltet ein RockShox Vivid Ultimate-Dämpfer die 155 mm Federweg. Der Vivid ist in einem Trail-Bike eher ungewöhnlich und unterstreicht den Mini-Enduro-Charakter des Bad Habit.
Beim restlichen Aufbau leistet sich Cannondale kaum Ausreißer. Hinten arbeitet zwar ein elektronisches SRAM X0 Eagle AXS Transmission-Schaltwerk, Kurbel, Kassette und Kette stammen jedoch aus der günstigeren 90er-Serie. Funktional ist das kein Problem, der Spec wirkt dadurch auf den ersten Blick aber edler, als er in der Summe ist. Dafür passen die leichtgängigen TRP EVO Pro-Bremsen mit großen 220/200-mm-Scheiben hervorragend zum Einsatzbereich. Sie brauchen allerdings etwas Zeit, bis sie vollständig eingebremst sind und ihre volle Performance abrufen. Die robusten Reserve 30|HD AL-Laufräder mit den schnell rollenden Continental Kryptotal-Reifen in Soft-Mischung und Enduro-Karkasse runden die Ausstattung ab. Zur Einordnung der Karkasse: Continental setzt bei der Enduro-Karkasse auf nur einen einlagigen Aufbau. Im direkten Vergleich und in unserem Reifenvergleichstest ist sie damit unterhalb einer EXO+-Karkasse einzuordnen.

240 mm Hub in Größe LG – so muss das sein.

Besonders gelungen ist das gerade Sitzrohr. Solche Lösungen können schnell etwas plump wirken, wenn das Rohr stark nach vorn versetzt und einfach nur gerade ausgeführt ist. Beim Bad Habit passt die Linie aber optisch gut ins Rahmendesign und bringt vor allem einen echten funktionalen Vorteil: Die OneUp V3-Dropper-Post mit satten 240 mm (!) Hub lässt sich in Größe LG vollständig versenken und schafft enorm viel Bewegungsfreiheit auf dem Bike. Das komfortable OneUp-Cockpit rundet die stimmige Ausstattung zusätzlich ab. Einziger Kritikpunkt sind die dünnen Griffe, die spürbar wenig Komfort bieten.
Viele kleine Details zeigen, dass Cannondale das Bad Habit konsequent auf harte Trail-Einsätze vorbereitet hat. Der großzügige Kettenstrebenschutz zieht sich weit nach vorn und auch die Sitzstrebe ist gut geschützt. Ein robuster, verschraubter Flap hält Dreck und Steine vom Bereich zwischen Hauptrahmen und Hinterbau fern, während der aufgeklebte Shuttle Guard das Unterrohr beim Transport schützt. Dazu kommen eine Schutzfolie am Hinterbau und Drehmomentangaben direkt an den Schrauben – praktisch im Werkstattalltag.


Beim Kabelmanagement lässt Cannondale grundsätzlich die Wahl zwischen der Führung durch den Steuersatz und der Variante durchs Steuerrohr. An unserem Testbike liefen die Leitungen durch den Steuersatz – für uns nicht die beste Entscheidung. Wer später einmal das obere Lager tauschen muss, hat dadurch deutlich mehr Aufwand. Dazu kommt, dass die Blindstopfen der ungenutzten Steuerrohr-Eingänge deutlich abstehen und nicht sauber in den Rahmen integriert sind.


Funktional ist das Staufach im Unterrohr: Der Mechanismus lässt sich sauber und definiert bedienen, die beiliegende Tasche hält den Inhalt zuverlässig an Ort und Stelle. Weniger gelungen ist der Deckel, der nicht ganz so bündig schließt wie bei einigen Konkurrenten. Auch im Inneren unseres Testbikes fand sich etwas Carbonstaub. Die mitgelieferte OneUp-Pumpe samt Multitool lässt sich entweder am Tool Mount direkt am Bike befestigen oder komplett im Staufach verstauen – praktisch! Ein kleiner Wermutstropfen: Sitzt die Pumpe am Tool Mount nicht exakt in Position, macht sie sich auf dem Trail mit deutlichem Klappern bemerkbar.
Cannondale Bad Habit 1
7.999 €
Specifications
Fork RockShox Lyrik Ultimate Charger 3.2 160 mm
Rear Shock RockShox Vivid Ultimate 155 mm
Seatpost OneUp V3 240 mm
Brakes TRP EVO Pro 220/200 mm
Drivetrain SRAM XO Eagle AXS Transmission 1x12
Stem OneUp 6061 Alloy 35 mm
Handlebar OneUp Alu 800 mm
Wheelset Reserve 30|HD AL 29" / 27,5"
Tires Continental Kryptotal-Fr, Enduro, Soft / Continental Kryptotal-Re, Enduro, Soft 2,4"
Technical Data
Size SM MD LG XL
Weight 16,16 kg
Specific Features
Pumpe mit Multitool
Staufach
Tuning-Tipp: Komfortablere und dickere Griffe

Die Geometrie des Cannondale Bad Habit 1
Das Bad Habit wird in vier Größen von SM bis XL angeboten. Unser Testbike in Größe LG kombiniert 480 mm Reach mit einem hohen 648-mm-Stack. Der Lenkwinkel fällt mit 64° flach aus, der Sitzwinkel mit 77,8° steil. Dazu kommen 435 mm kurze Kettenstreben, ein Radstand von 1.256 mm und 25 mm Tretlagerabsenkung.
Diese Zahlen erklären den Charakter ziemlich gut. Der hohe Stack und der flache Lenkwinkel geben dem Bad Habit im Steilen und bei hohem Tempo Ruhe, während die kurzen Kettenstreben und das kleinere 27,5″-Hinterrad Agilität erzeugen. Im direkten Vergleich ist das Heck deutlich kürzer als beim Yeti MT mit 446 mm und beim Propain Hugene mit 445 mm. Gleichzeitig steht das Cannondale vorne höher als fast jedes andere analoge Bike im Test.
Bei den trailrelevanten Parts hat Cannondale voll ins Schwarze getroffen. Fahrwerk, Bremsen, Cockpit und Dropper würden wir uns genau so ans eigene Bike bauen.
| Größe | SM | MD | LG | XL |
|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 565 mm | 592 mm | 618 mm | 655 mm |
| Sattelrohr | 355 mm | 380 mm | 420 mm | 455 mm |
| Steuerrohr | 110 mm | 120 mm | 130 mm | 140 mm |
| Lenkwinkel | 64° | 64° | 64° | 64° |
| Sitzwinkel | 77,7° | 77,7° | 77,8° | 77,8° |
| Kettenstrebe | 430 mm | 430 mm | 435 mm | 435 mm |
| Tretlagerabsenkung | 25 mm | 25 mm | 25 mm | 25 mm |
| Radstand | 1195 mm | 1224 mm | 1256 mm | 1295 mm |
| Reach | 430 mm | 455 mm | 480 mm | 515 mm |
| Stack | 630 mm | 641 mm | 648 mm | 657 mm |
Wie fährt sich das Cannondale Bad Habit 1 auf dem Trail?
Wie ist die Uphill-Performance des Cannondale Bad Habit 1?
Bergauf lassen sich die 16,16 kg nicht wegdiskutieren. Das zusätzliche Gewicht fällt besonders im direkten Vergleich mit leichteren Trail-Bikes auf. Sowohl das Santa Cruz Tallboy als auch das Atherton A.130.1 sind auf Anstiegen leichtfüßiger.

Die Sitzposition funktioniert beim Bad Habit dafür sehr gut. Man sitzt neutral und komfortabel auf dem Bike, mit ausgewogener Last auf Händen und Gesäß. Der steile 77,8°-Sitzwinkel bringt den Fahrer effektiv über das Tretlager und erleichtert es, Druck aufs Pedal zu bringen. Die Front fällt eher hoch aus, wirkt dabei aber nicht störend.
Der Hinterbau arbeitet bergauf unauffällig und liegt beim Wippen im Mittelfeld des Testfelds. Die Traktion ist solide, ohne sich im Vergleich besonders hervorzutun. Praktisch ist der sehr gut erreichbare Lockout-Hebel am Dämpfer, mit dem sich der Hinterbau bei Bedarf schnell straffen lässt.
Wie fährt sich das Cannondale Bad Habit 1 bergab?
Das Bad Habit braucht keine lange Kennenlernphase, verlangt aber etwas mehr Mitarbeit als die ausgewogensten Bikes im Testfeld. Es setzt Lenk- und Fahrimpulse unmittelbar um und reagiert sensibel darauf, wo der Fahrer Druck aufbaut. Gerade das macht seinen aktiven, verspielten Charakter aus: Wer aktiv fährt, bekommt viel Feedback und ein Bike, das permanent nach der nächsten Kante sucht. Das Bike gehört zu den verspieltesten Modellen im gesamten Testfeld und fühlt sich bergab deutlich leichter an, als die Waage vermuten lässt.

Das kurze 435-mm-Heck und das kleinere Hinterrad machen Manuals einfach, Richtungswechsel direkt und Kanten permanent attraktiv. Das Vorderrad lässt sich spielend anheben, und auch bei wenig Geschwindigkeit bleibt das Bike handlich. Wer Videos von Josh Bryceland kennt, bekommt ziemlich genau eine Vorstellung davon, was das Bad Habit auf dem Trail will: nicht einfach nur die schnellste Linie treffen, sondern jede Kante mitnehmen, quer aus Kurven kommen und möglichst viel Zeit mit beiden Rädern in der Luft verbringen.
Besonders überzeugend arbeitet die Front. Sie baut viel Grip auf und kippt bereitwillig in Kurven. Das Bike reagiert schnell auf Lenkimpulse und lässt sich aktiv durch Anlieger drücken. Dadurch generiert das Cannondale erstaunlich schnell Tempo.
Ganz neutral ist das Handling allerdings nicht. Das kurze Heck und das Mullet-Setup sorgen für eine leicht hecklastige Balance. Wer in Kurven viel Druck auf die Front gibt, bringt das Hinterrad relativ leicht zum Ausbrechen. Das ist nicht zwingend ein Nachteil – aktive Fahrer können genau damit gezielt spielen –, verlangt aber etwas mehr Gefühl als beim sehr ausgewogenen Specialized Stumpjumper 15 EVO oder beim Yeti MT.
Die große Überraschung kommt bei höherem Tempo. Denn trotz seines extrem agilen Charakters ist das Bad Habit gleichzeitig das laufruhigste Bike im Testfeld. Genau diese Kombination ist seine eigentliche Stärke: Wo andere spielerische Bikes in schnellen, ruppigen Passagen nervös werden, bleibt das Cannondale satt und kontrolliert.
Hier zahlt sich das potente Fahrwerk aus. Lyrik und Vivid sprechen extrem sensibel an und bleiben dennoch definiert. Der Hinterbau bietet kräftigen Gegenhalt im mittleren Federweg, fühlt sich lebendig an und baut eine angenehme Progression auf. Kleine Schläge werden sauber weggefiltert. Sobald es grob wird, vermittelt das Cannondale deutlich mehr Reserven, als sein kompaktes Handling erwarten lässt.
Das Rahmendreieck wirkt präzise und steif, während das Aluminium-Cockpit genügend Compliance ins System bringt. Dadurch bleibt das Bike komfortabel, ohne schwammig zu werden. Ein klarer Schwachpunkt ist jedoch die Geräuschkulisse. Vor allem wenn der Hinterbau stärker arbeitet sowie über Bremswellen wird das Bad Habit sehr laut. Kette und Schaltwerk schlagen deutlich und machen das Cannondale zu einem der lautesten Bikes im gesamten Testfeld. Angesichts der ansonsten hochwertigen Detaillösungen ist das enttäuschend.
Das Bad Habit kombiniert Mini-Enduro-Laufruhe mit einem Heck, das ständig nach dem nächsten Absprung sucht.
Für wen ist das Cannondale Bad Habit 1?
Das Bad Habit fühlt sich wie ein Mini-Enduro an: verspielt und lebendig auf einfachen Trails, aber mit genug Substanz für schnelle und ruppige Passagen. Auch das Cockpit unterstützt diesen Charakter.
Das richtige Bike für:
Aktive Fahrer mit Spieltrieb
Wer jede Wurzel als Absprung und jeden Anlieger als Einladung zum Drücken versteht, findet im Bad Habit eines der unterhaltsamsten Bikes im Vergleichstest.
Mini-Enduro-Fans
Wer Trail-Bike-Agilität möchte, aber nicht auf ein potentes Fahrwerk und viel High-Speed-Laufruhe verzichten will, bekommt hier eine ungewöhnlich starke Kombination.
Nicht das richtige Bike für:
Tourenfahrer mit Uphill-Fokus
Wer auf langen Anstiegen möglichst wenig Gewicht bewegen will, fährt mit dem Santa Cruz Tallboy oder Atherton A.130.1 effizienter und deutlich leichter bergauf.
Fahrer, die maximale Ausgewogenheit suchen
Wer ein besonders ausgewogenes, intuitives Handling ohne ausgeprägte Hecklastigkeit sucht, findet im Specialized Stumpjumper 15 EVO oder Yeti MT das neutralere Gesamtpaket.
Fazit zum Cannondale Bad Habit 1
Das Cannondale Bad Habit 1 beweist, dass gute 16 kg am Trailbike bergab nicht träge sein müssen. Kaum ein Bike im Test kombiniert so viel Spieltrieb mit derart hoher Laufruhe. Das sensible Fahrwerk bietet gleichzeitig viel Gegenhalt und verleiht dem Bike echte Mini-Enduro-Reserven, während das Mullet-Setup und das kurze Heck Manuals, Sprünge und schnelle Richtungswechsel zum Kinderspiel machen. Schwächen sind das hohe Gewicht beim Bergauffahren und vor allem die störende Geräuschkulisse. Wer aktiv fährt und maximalen Trail-Spaß sucht, bekommt für 7.999 € eines der spannendsten Gesamtpakete im Test – und genau deshalb sichert sich das Cannondale Bad Habit 1 unseren Kauftipp.
Tops
- überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
- extrem verspielt und trotzdem sehr laufruhig
- sensibles und zugleich definiertes Fahrwerk
- 240-mm-Dropper-Post in Größe LG
- durchdachte Spezifikationen
Flops
- sehr hohe Geräuschkulisse bergab
- hohes Gewicht bergauf deutlich spürbar
- Staufachdeckel könnte sauberer integriert sein
Mehr Infos findet ihr auf der Website von Cannondale.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier:
Das beste Trail-Bike 2026
Alle Bikes im Test: AMFLOW PX Carbon Pro, Atherton A.130.1, Cannondale Bad Habit 1, Pivot Trailcat LT Pro X0, Propain Hugene 3 CF Ultimate, Raymon Tarok Ultimate, Santa Cruz Tallboy, Specialized S-Works Levo R, Specialized S-Works Stumpjumper 15 Evo, Trek Fuel EX 9.9 XO AXS Gen 7, Trek Fuel+ EX 9.8 XT Di2 Gen 2, Yeti MT XO.
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Text: Reynaldo Ilagan Fotos: Mike Hunger
