Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike 2026.

21,06 kg in Größe L | 9.999 € | Hersteller-Website
RAYMON hat in den letzten Jahren einen deutlichen Kurswechsel hingelegt. Unter dem Dach von PIERER war die Schweinfurter Marke lange vor allem im Einstiegssegment positioniert und versuchte, mit einem breiten Portfolio und attraktiven Preisen möglichst viele Fahrer zu erreichen. Seit Susanne und Felix Puello die Marke wieder übernommen haben, wandert das Portfolio deutlich nach oben – technisch ambitionierter, eigenständiger im Design und hochwertiger ausgestattet. Die vergleichsweise attraktiven Preise sind aber geblieben.
Das Tarok Ultimate steht exemplarisch für den neuen Anspruch von RAYMON. Trotz 700-Wh-Akku baut der Carbon-Rahmen erstaunlich schlank und mit 21,06 kg ist es das leichteste Full-Power-E-MTB im Testfeld. Angesichts der hochwertigen Ausstattung wirken selbst die 9.999 € im Vergleich attraktiv. Dazu kommt eine cleane, fast analoge Silhouette. Viel Motor-Power, optisch elegant und ein Preis, der nicht völlig abhebt – doch funktioniert diese Mischung auch auf dem Trail?
Ausstattung und Detaillösungen des RAYMON Tarok Ultimate
Der schlanke Auftritt ist keine optische Täuschung. Selbst in der Draufsicht versteckt das Tarok seinen fest verbauten 700-Wh-Akku erstaunlich gut. Auffällig ist vor allem das scharfkantig gezeichnete, sehr schlanke Oberrohr, das dem Rahmen zusammen mit der durchgehenden Linie zu den Sitzstreben eine harmonische Silhouette verleiht. Der Klarlack lässt die Carbon-Struktur dezent durchscheinen, während goldene Akzente gezielt Kontraste setzen. Unter den E-Bikes im Test gehört das RAYMON damit zu den optisch schlanksten und unauffälligsten Vertretern.
Auch beim Rahmenschutz gibt es gute Ansätze. Der Kettenstrebenschutz geht optisch sauber in die Form der Kettenstrebe über und wirkt dadurch deutlich integrierter als viele aufgesetzte Lösungen. Leider ist er nur geklebt und begann sich an unserem Test-Bike bereits während des Tests zu lösen. Auf der Unterseite der Kettenstrebe fehlt zusätzlicher Schutz, einen Unterrohrschutz sucht man ebenfalls vergebens. Der Flap zwischen Hauptrahmen und Hinterbau wirkt dagegen solide und hielt während des Tests Schmutz zuverlässig aus dem Spalt zwischen Hauptrahmen und Kettenstreben fern.

Der Kettenstrebenschutz folgt der Rahmenform sehr elegant – schade, dass er nur geklebt ist und sich an unserem Test-Bike bereits löste.

Die Leitungen laufen ausschließlich durch den Steuersatz. Das sieht aufgeräumt aus, erschwert aber den Service. Zudem war die Bremsleitung an unserem Test-Bike zu lang und scheuerte dadurch am Rahmen.
Bei einigen Kunststoffteilen muss man allerdings vorsichtig urteilen: Unser Test-Bike hatte noch Vorserienstatus, unter anderem beim Motor-Cover. Entsprechend lassen sich Spaltmaße und Ausführung dort noch nicht auf das Serien-Bike übertragen. Gleiches gilt hoffentlich für die Führung von Bremsleitung und Kabel des Geschwindigkeitssensors. Diese war ebenfalls nur geklebt, löste sich während des Tests und ließ die Leitungen gefährlich nahe an die Bremsscheibe wandern.
Die Leitungen selbst verlaufen ausschließlich durch den Steuersatz in den Rahmen. Das sorgt zwar für eine cleane Optik, macht Service-Arbeiten aber unnötig aufwändig. Zudem war die vordere Bremsleitung an unserem Test-Bike nicht sauber gekürzt und scheuerte dadurch am Steuerrohr. Etwas aus dem schicken Rahmen fällt die Ständeraufnahme. An einem so klar auf Trail-Performance getrimmten Bike wirkt sie zunächst deplatziert – grundsätzlich würde sie aber nicht stören, wenn die Umsetzung gelungener wäre. Die großen, deutlich hervorstehenden Schraubenköpfe passen optisch einfach nicht zum sonst so stimmigen Gesamtbild.

Unter dem Klarlack bleibt das Carbon-Layup sichtbar und unterstreicht den reduzierten Look des Tarok.

Positiv: Drehmomentangaben an fast allen relevanten Schrauben erleichtern den Werkstattalltag. Der Toolmount auf dem Oberrohr ist grundsätzlich praktisch, sitzt allerdings sehr nahe am Dämpfer und schränkt die Auswahl an sinnvoll montierbarem Zubehör unnötig ein.
Beim Fahrwerk setzt RAYMON auf die im Testfeld bewährte Kombination aus FOX 36 Factory-Federgabel mit GRIP X2-Dämpfung und 160 mm Federweg an der Front und einem FOX FLOAT X Factory-Dämpfer, der am Heck 150 mm generiert. Wie auch bei den anderen FLOAT X-Dämpfern im Test fallen die Unterschiede zwischen einzelnen Lowspeed-Compression-Klicks nur gering aus.

Kabel, Anschlüsse und Avinox-Motor brauchen Platz – RAYMON packt alles trotzdem erstaunlich kompakt in den Rahmen und hält das Tarok dadurch schön schlank.
Die FOX-Sattelstütze stellt 180 mm Hub bereit und lässt sich in Größe L vollständig im Sitzrohr versenken. Für ein modernes E-MTB dieser Klasse ist das jedoch zu wenig Hub. Zudem entwickelte die Stütze an unserem Test-Bike deutliches Spiel. Auffällig ist auch das RAYMON-Cockpit. Der Carbon-Lenker fällt sehr steif aus, die Griffe sind dünn und die ausgeprägte Kröpfung des Lenkers ist gewöhnungsbedürftig. Mit den kräftigen SRAM MAVEN Silver-Bremsen kommt man dagegen sofort zurecht. Sie liefern reichlich Power und passen gut zum potenten Charakter des Tarok.
Beim Laufradsatz greift RAYMON ins eigene Regal und verbaut die hauseigenen CO30-Laufräder. Das Tarok rollt dabei im Mullet-Setup mit 29″ an der Front und 27,5″ am Heck. Auch die leicht rollenden Continental Kryptotal-Fr und Kryptotal-Re harmonieren gut mit dem Bike: vorne in SuperSoft-, hinten in Soft-Mischung, jeweils mit Enduro-Karkasse. Das unterstützt den hohen Grundspeed und sorgt gleichzeitig für viel Grip an der Front.
RAYMON Tarok Ultimate
9.999 €
Specifications
Motor Avinox M2S 150 Nm
Battery Avinox 700 Wh
Display Avinox
Fork FOX 36 Factory GRIP X2 160 mm
Rear Shock FOX Float X Factory 150 mm
Seatpost FOX Factory Transfer 180 mm
Brakes SRAM MAVEN Silver 200/200 mm
Drivetrain SRAM XO Eagle AXS Transmission 1x12
Stem RAYMONUltra 35 40 mm
Handlebar RAYMON Ultra Carbon Riser 800 mm
Wheelset RAYMON CO30 29" / 27,5"
Tires Continental Kryptotal-Fr, Enduro, SuperSoft / Continental Kryptotal-Re, Enduro, Soft 2,4"
Technical Data
Size S M L XL
Weight 21,06 kg
Specific Features
Schnellladen
Tuning-Tipp: Ein Lenker mit mehr Compliance und dickere Griffe bringen mehr Komfort.

Die Geometrie des RAYMON Tarok Ultimate
Das RAYMON Tarok wird in den Größen S–XL angeboten, unser Test-Bike kam in Größe L. Mit 480 mm Reach fällt die Front lang aus, dazu kommt der mit 652 mm höchste Stack im gesamten Testfeld. Zusammen mit dem 64° flachen Lenkwinkel, der bereits klar in Richtung Enduro-Bike geht, positioniert RAYMON das Tarok deutlich auf der abfahrtsorientierten Seite des Trail-Bike-Spektrums. Der 1.273 mm lange Radstand verspricht viel Laufruhe bei hohem Tempo. Die 445-mm-Kettenstreben fallen im Verhältnis zum langen Reach dagegen eher kurz aus und halten das Heck vergleichsweise kompakt. Der steile 77,6°-Sitzwinkel bringt den Fahrer bergauf zentral über das Tretlager und hilft, trotz der langen Front genügend Druck aufs Vorderrad zu bekommen.
Einstellmöglichkeiten an der Geometrie gibt es keine. Während einige Konkurrenten mit Flip-Chips oder variablen Steuersatzlösungen mehr Spielraum bieten, legt RAYMON den Charakter des Tarok klar fest: hoch, lang und abfahrtsorientiert.
| Größe | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 572 mm | 593 mm | 620 mm | 647 mm |
| Sattelrohr | 400 mm | 420 mm | 440 mm | 460 mm |
| Steuerrohr | 115 mm | 115 mm | 125 mm | 135 mm |
| Lenkwinkel | 64° | 64° | 64° | 64° |
| Sitzwinkel | 78,3° | 77,9° | 77,6° | 77,3° |
| Kettenstrebe | 445 mm | 445 mm | 445 mm | 445 mm |
| Tretlagerabsenkung | 19 mm | 19 mm | 19 mm | 19 mm |
| Radstand | 1223 mm | 1244 mm | 1273 mm | 1302 mm |
| Reach | 435 mm | 456 mm | 480 mm | 505 mm |
| Stack | 643 mm | 643 mm | 652 mm | 661 mm |
Das Tarok zeigt, wie unauffällig sich 700 Wh und Full-Power verpacken lassen.
Wie fährt sich das RAYMON Tarok Ultimate auf dem Trail?
Einen eigenen Setup-Guide stellt RAYMON nicht bereit. Am Heck sind die passenden Einstellungen trotzdem schnell gefunden: Mit 30 % SAG am FOX FLOAT X steht ohne langes Herumprobieren eine stimmige Basis. An der FOX 36 funktioniert die Herstellerempfehlung zwar als Ausgangspunkt, sie verlangt am Tarok aber etwas mehr Feinarbeit als bei vielen anderen Test-Bikes. Dazu kommen wir aber im Verlauf dieses Artikels noch genauer.
Wie ist die Uphill-Performance des RAYMON Tarok Ultimate?
Bergauf sitzt man auf dem Tarok sportlich und zentral im Bike. Der steile Sitzwinkel bringt ordentlich Druck auf die Pedale. Überraschenderweise bleibt die hohe Front selbst an steilen Rampen lange am Boden. Im direkten Vergleich zum AMFLOW steigt sie weniger stark an und verlangt dadurch weniger aktiven Körpereinsatz. Gleichzeitig arbeitet der Hinterbau sensibel und liefert ordentlich Traktion, kommt dabei aber nicht an das AMFLOW heran. Dafür wirkt die Sitzposition auf dem RAYMON ausgewogener und das Bike bergauf leichter kontrollierbar.

Mit 150 Nm schiebt das Avinox-System das Tarok mühelos bergauf, während die ausgewogene Sitzposition die hohe Front gut am Boden hält.
Der Avinox-Antrieb liefert kräftige Unterstützung, lässt sich in technischen Uphills aber trotzdem gut dosieren. Dadurch bleibt das Tarok präzise steuerbar, bringt die Motorleistung sauber auf den Untergrund und avanciert zusammen mit dem AMFLOW zum besten Kletterer bergauf.
Wie fährt sich das RAYMON Tarok Ultimate bergab?
Das Highlight des Tarok sitzt klar am Heck. Der Hinterbau spricht sehr sensibel an, filtert kleine Unebenheiten zuverlässig und steckt auch größere Schläge souverän weg. Gleichzeitig bietet er guten Gegenhalt im mittleren Federwegsbereich und eine stimmige Endprogression. Dadurch fühlt sich das Heck nach mehr als den nominellen 150 mm Federweg an.

Das Tarok hält bergab zuverlässig die Linie und spielt seine hohe Laufruhe vor allem mit zunehmendem Tempo aus.
Der größte Kontrast liegt zwischen Front und Heck. Während der Hinterbau ausgesprochen sensibel und komfortabel arbeitet, fällt die Front deutlich straffer aus. Dazu tragen neben dem steifen Carbon-Lenker und den dünnen Griffen auch die vergleichsweise harten Enduro-Karkassen der Continental Kryptotal-Reifen bei. Schläge und Vibrationen landen dadurch spürbarer an Händen und Unterarmen. Auch die FOX 36 verlangt am RAYMON mehr Aufmerksamkeit beim Setup als an vielen anderen Test-Bikes. In unserem Fall war mehr Luftdruck nötig, um harte Durchschläge zu vermeiden. Wer die Gabel dabei nicht unnötig straff fahren will, kann alternativ mit zusätzlichen Tokens die Endprogression erhöhen.
Mit zunehmendem Tempo spielt die Geometrie ihre Stärken aus. Der lange Radstand und die hohe Front geben dem Tarok viel Sicherheit und helfen, auch in schnellen, ruppigen Passagen ruhig die Spur zu halten. In langsamen, engen Sektionen zeigt sich dagegen die Kehrseite der Länge: Dort wirkt das Bike schiffig und braucht mehr Nachdruck bei Richtungswechseln. Auch das kleinere 27,5″-Hinterrad macht das Tarok nicht automatisch zum agilen Kurven-Tänzer. Trotz Mullet-Setup dominiert klar der laufruhige Charakter des Bikes.
Beim Pop hält sich das Tarok zurück. Der Hinterbau sucht eher Bodenkontakt, als an jeder Kante nach oben zu schnalzen. Für Sprünge, Manuals oder schnelle Abzieher ist deshalb mehr Körpereinsatz gefragt. Wer ein besonders verspieltes E-MTB sucht, findet im Testfeld mit dem Specialized S-Works Levo R oder dem Trek Fuel+ passendere Kandidaten.
Wenig souverän fällt die Geräuschkulisse aus. Unser Test-Bike klapperte im Groben deutlich. Dazu dürfte auch der eher sparsame Rahmenschutz beitragen: Auf der Unterseite der Kettenstrebe fehlt zusätzlicher Schutz, ebenso am Unterrohr. Kettenschläge und Steinkontakt werden dadurch akustisch kaum gedämpft.
Viel Laufruhe, starkes Heck, wenig Spieltrieb – das Tarok liebt Tempo.
Für wen ist das RAYMON Tarok Ultimate?
Das RAYMON Tarok Ultimate richtet sich an Fahrer, die Full-Power-Support wollen, aber möglichst wenig von der typischen E-MTB-Masse sehen möchten. Die schlanke Silhouette, das für die Leistungsklasse geringe Gewicht und vor allem der starke Hinterbau ergeben ein schnelles und souveränes Gesamtpaket.
Das richtige Bike für:
Highspeed-Piloten
Wer gerne schnell fährt und ein sattes, sicheres Bike sucht, profitiert von der hohen Laufruhe und dem sehr schluckfreudigen Heck. Je schneller und gröber der Trail wird, desto stärker spielt das Tarok seine Stärken aus.
Full-Power-Minimalisten
700-Wh-Akku und Avinox-Power in einer erstaunlich schlanken Verpackung: Wer viel Unterstützung möchte, aber keine massive E-MTB-Optik, findet im Tarok eines der spannendsten Konzepte im Test.
Nicht das richtige Bike für:
Jibber
Wer an jeder Wurzel abzieht, Manuals liebt und ein Bike sucht, das schon bei wenig Input in die Luft will, findet im Testfeld verspieltere Kandidaten. Das Tarok bevorzugt Bodenkontakt und Tempo.
Kurven-Tänzer
Wer vor allem enge, langsame Trails fährt und dabei mit minimalem Körpereinsatz um Spitzkehren zirkeln will, findet im Testfeld wendigere Alternativen. Die lange Geometrie verlangt in solchen Situationen mehr Arbeit.
Fazit zum RAYMON Tarok Ultimate
Das RAYMON Tarok Ultimate kombiniert Avinox-Power, eine außergewöhnlich schlanke Silhouette und geringes Gewicht mit einem hervorragenden Hinterbau. Vor allem bei Tempo überzeugt es mit hoher Laufruhe und viel Sicherheit. In engen Passagen wirkt es dagegen schiffig, dazu schmälern das steife Cockpit und einige Vorserien-Details den Gesamteindruck. Für schnelle Full-Power-Fans bleibt das Tarok trotzdem ein starker Kandidat.
Tops
- hervorragender, sensibler Hinterbau
- hohe Laufruhe bei schnellen Trails
- außergewöhnlich schlanke Silhouette
- attraktives Gesamtpaket für 9.999 €
Flops
- schiffiges Handling bei geringem Tempo
- steifes, ergonomisch gewöhnungsbedürftiges Cockpit
- deutliches Klappern am Test-Bike
- Vorserien-Details an Leitungsführung und Kunststoffteilen noch nicht überzeugend
Mehr Infos findet ihr auf der Website von RAYMON.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier:
Das beste Trail-Bike 2026
Alle Bikes im Test: AMFLOW PX Carbon Pro, Atherton A.130.1, Cannondale Bad Habit 1, Pivot Trailcat LT Pro X0, Propain Hugene 3 CF Ultimate, Raymon Tarok Ultimate, Santa Cruz Tallboy, Specialized S-Works Levo R, Specialized S-Works Stumpjumper 15 Evo, Trek Fuel EX 9.9 XO AXS Gen 7, Trek Fuel+ EX 9.8 XT Di2 Gen 2, Yeti MT XO.
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Text: Reynaldo Ilagan Fotos: Mike Hunger
