Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Trail-Bike 2026.

13,34 kg in Größe L | 9.499 € | Hersteller-Website
Immer länger, flacher und potenter: Viele moderne Trailbikes rücken heute gefährlich nah an Enduros heran. Das Santa Cruz Tallboy mit 140/130 mm Federweg (v/h) geht bewusst einen anderen Weg. Statt wie die Konkurrenz teilweise auf Federwege in Richtung Enduroklasse zu setzen, liegt beim Tallboy der Fokus auf geringem Gewicht, maximaler Effizienz und einem spielerischen Charakter – das Grundprinzip eigentlicher Trailbikes.
Erst im Mai 2026 vorgestellt, bringt unser Tallboy X0 AXS RSV in Größe L gerade einmal 13,34 kg auf die Waage und ist damit das leichteste Bike im gesamten Vergleichstest. Für 9.499 € erhält man die zweithöchste Ausstattungsvariante, die nur noch von einem limitierten Modell mit RockShox Flight Attendant-Fahrwerk übertroffen wird. Doch ist das Tallboy genau der spielerische Gegenentwurf zu den immer potenter werdenden Trailbikes oder geht Santa Cruz damit einen Schritt zu weit?
Ausstattung und Detaillösungen des Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV
Mit seinem CC-Carbon-Rahmen setzt das Santa Cruz Tallboy wie auch schon das neue Nomad ausschließlich auf die hochwertigste und leichteste Carbonfaser im Portfolio der Kalifornier. Ganze 300 g leichter als der Vorgänger mit typischem VPP-Hinterbau soll der neue Viergelenker-Rahmen geworden sein. Die schlichte Lackierung, das dezente Branding und die klaren Linien verleihen dem Tallboy einen aufgeräumten Auftritt. Ganz überzeugen können uns die Proportionen allerdings nicht. Das große Frontdreieck wirkt im Verhältnis zum kompakten Hinterbau etwas überdimensioniert, während die massive Schwinge technisch zwar Vertrauen schafft, optisch aber etwas wuchtig erscheint.
Bei den Detaillösungen zeigt Santa Cruz dagegen seine langjährige Erfahrung. Der Kettenstrebenschutz gehört zu den besten im gesamten Testfeld und reicht weit bis in die Kettenstrebe hinein. Zusammen mit dem robusten Unterrohrschutz, dem verschraubten Shuttle Guard und dem kleinen Fender am Horst-Link ist der Rahmen bestens gegen Steinschläge und Shuttle-Einsätze mit Pick-up-Trucks gewappnet. Serienmäßig verbaut Santa Cruz außerdem eine OneUp-Kettenführung. Ebenfalls vorbildlich: Die 210-mm-OneUp-V3-Dropper unseres Testbikes in Größe L lässt sich vollständig im Rahmen versenken und schöpft das Potenzial des Sitzrohrs optimal aus.


Auch das Staufach im Unterrohr hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Der Deckel schließt sauber, die gummierten Rastnasen verhindern Klappergeräusche und die zwei mitgelieferten Taschen mit Reißverschlüssen erleichtern die Organisation des Inhalts und unterstreichen den hochwertigen Anspruch. Selbst eine OneUp-100cc-Pumpe findet im Staufach des Tallboy problemlos Platz. Lediglich optisch wirkt der Staufachdeckel etwas aufgesetzt und integriert sich nicht ganz so elegant in den Rahmen wie beispielsweise beim YETI oder Trek.
Weniger überzeugend ist die Leitungsführung des Tallboy. Die Züge verschwinden zwar direkt hinter dem Steuerrohr im Rahmen und bleiben im Inneren angenehm ruhig, im Frontbereich sind sie jedoch vergleichsweise lang und neigen dadurch zum Klappern auf dem Trail.


Die Ausstattung des Tallboy in der X0 AXS RSV-Variante bewegt sich auf gewohnt hohem Santa-Cruz-Niveau. An der Front arbeitet eine RockShox Pike Ultimate-Federgabel mit Charger-3.1-Dämpfungskartusche, am Heck ein RockShox Deluxe Ultimate-Dämpfer.
Gebremst wird mit der neuen SRAM Motive Silver auf 200/180-mm-Bremsscheiben (v/h). Für ein leichtes Trailbike funktioniert diese Kombination gut, auch dank der SRAM HS2-Bremsscheiben. Geschaltet wird vollständig über die SRAM X0 Eagle AXS Transmission – inklusive Kassette und Kette aus der X0-Serie –, die mit präzisen Schaltvorgängen und hoher Robustheit überzeugt.

Der hoch positionierte kleine Mudguard hinter dem Steuerrohr ist ebenso hochwertig ausgeführt.
Der Race Face Turbine SL-Vorbau mit Flip-Funktion kann für den XC-lastigeren Einsatz auch von +6 mm positivem Offset auf -6 mm Negativoffset umgedreht werden. Kombiniert wird der variable Vorbau mit dem größenabhängig angepassten OneUp-Carbonlenker, der im L-Bike 800 mm breit ist. Für den Laufradsatz setzt Santa Cruz auf die hauseigenen Reserve 30 SL-Carbonlaufräder mit DT Swiss 350 DEG DF-Naben. Der DEG-Freilauf sorgt mit seinem geringen Eingriffswinkel für eine direkte Kraftübertragung. Zusätzlich erlaubt die DF-Technologie, einen definierten Leerweg von 0°, 10° oder 20° einzustellen. So lässt sich der Pedalrückschlag reduzieren und das Fahrgefühl individuell an Bike und Fahrstil anpassen.
Aufgezogen sind vorne wie hinten MAXXIS Forekaster-Reifen in MaxxTerra-Gummimischung und EXO-Karkasse. Für gemäßigte Trails funktioniert diese Kombination ordentlich. Für den harten Einsatz im alpinen Gelände würden wir allerdings mindestens am Hinterrad auf eine EXO+-Karkasse wechseln und an der Front auf einen griffigeren Reifen wie den DISSECTOR setzen.
Santa Cruz Tallboy XO AXS RSV
9.499 €
Specifications
Fork RockShox Pike Ultimate Charger 3.1 140 mm
Rear Shock RockShox Deluxe Ultimate 130 mm
Seatpost OneUp V3 210 mm
Brakes SRAM MOTIVE Silver 200/180 mm
Drivetrain SRAM XO Eagle AXS Transmission 1x12
Stem RaceFace Turbine SL 40 mm
Handlebar OneUp Carbon 800 mm
Wheelset Reserve 30 SL Carbon 29"
Tires MAXXIS Forekaster, EXO, MaxxTerra / MAXXIS Forekaster, EXO, MaxxTerra 2,4"
Technical Data
Size XS S M L XL XXL
Weight 13,34 kg
Specific Features
Rahmenstaufach
Flip-Chip
Tuning-Tipp: Robustere Karkasse am Hinterrad montieren und gegebenenfalls ein aggressiveres Profil am Vorderrad mit weicher MaxxGrip-Gummimischung

Die Geometrie des Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV
Mit 472 mm Reach in Größe L bewegt sich das Santa Cruz Tallboy ziemlich genau im Mittelfeld unseres Testfelds. Auch der 1.239 mm lange Radstand fällt kompakt aus und liegt leicht unter dem Durchschnitt. Zusammen mit den 438,5 mm langen Kettenstreben ergibt sich auf dem Papier eine ausgewogene Geometrie, die weder auf maximale Laufruhe noch auf extreme Verspieltheit ausgelegt ist.
Der Lenkwinkel lässt sich über den Flip-Chip zwischen 65,1° und 64,8° variieren. Wir waren mit dem flacheren Setting unterwegs, das dem Tallboy etwas mehr Reserven bergab verleiht. Gleichzeitig bleibt der effektive Sitzwinkel mit 77,2° angenehm modern und positioniert den Fahrer zentral über dem Tretlager. Mit 635 mm Stack fällt die Front weder besonders hoch noch besonders niedrig aus und ermöglicht eine angenehm ausgewogene Sitzposition.
| Größe | XS | S | M | L | XL | XXL |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 542/542 mm | 569/570 mm | 596/596 mm | 616/616 mm | 637/638 mm | 666/666 mm |
| Sattelrohr | 360/370 mm | 380/380 mm | 400/400 mm | 420/430 mm | 450/450 mm | 500/500 mm |
| Steuerrohr | 90 mm | 100 mm | 115 mm | 125 mm | 140 mm | 155 mm |
| Lenkwinkel | 65,1°/64,8° | 65,1°/64,8° | 65,1°/64,8° | 65,1°/64,8° | 65,1°/64,8° | 65,1°/64,8° |
| Sitzwinkel | 77,6°/77,3° | 77,6°/77,3° | 77,3°/77° | 77,4°/77,2° | 77,5°/77,3° | 77,5°/77,3° |
| Kettenstrebe | 435/435,5 mm | 435/435,5 mm | 435/435,5 mm | 438/438,5 mm | 440/440,5 mm | 444/444,5 mm |
| Tretlagerabsenkung | 36/39 mm | 36/39 mm | 36/39 mm | 36/39 mm | 36/39 mm | 36/39 mm |
| Radstand | 1156/1156 mm | 1185/1186 mm | 1212/1212 mm | 1239/1239 mm | 1267/1267 mm | 1302/1303 mm |
| Reach | 410/407 mm | 435/432 mm | 455/452 mm | 475/472 mm | 495/492 mm | 520/517 mm |
| Stack | 601/603 mm | 610/612 mm | 624/626 mm | 633/635 mm | 646/649 mm | 660/662 mm |
Leicht, direkt und unglaublich verspielt – das Tallboy macht selbst bekannte Hometrails wieder spannend.
Wie fährt sich das Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV auf dem Trail?
Santa Cruz liefert auf der Website einen ausführlichen Setup-Guide mit allen wichtigen Einstellwerten für Fahrwerk und Cockpit. Mit den empfohlenen Luftdrücken wurden wir allerdings nicht glücklich. Während der Guide für unseren Testfahrer 174 psi im Dämpfer empfiehlt, fühlte sich das Tallboy mit lediglich 159 psi deutlich harmonischer an.
Wie ist die Uphill-Performance des Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV?
Bergauf spielt das Santa Cruz Tallboy seine größten Stärken aus. Die kompakte Sitzposition und die angenehm niedrige Front sorgen für viel Druck auf dem Vorderrad und machen das Tallboy zusammen mit dem geringen Gesamtgewicht zum kletterstärksten analogen Bike in unserem Vergleichstest. Trotz der sportlichen Ausrichtung bleibt die Sitzposition auch auf längeren Anstiegen komfortabel.

Der Hinterbau arbeitet beim Pedalieren vergleichsweise aktiv und wippt im offenen Modus zwar etwas stärker als bei einigen Konkurrenten, generiert dadurch aber enorm viel Traktion. Wer längere Forststraßen erklimmt, kann den RockShox Deluxe Ultimate per Lockout nahezu vollständig beruhigen und erhält ein ausgesprochen straffes Heck.
Überraschend: In besonders technischen Uphills hätten wir aufgrund der Geometrie und des traktionsstarken Hinterbaus noch etwas mehr erwartet. Hier fehlte dem Tallboy stellenweise die letzte Souveränität, was aber zu großen Teilen dem Reifenprofil geschuldet war. Der Gesamteindruck bleibt so oder so: Kein anderes analoges Bike im Test klettert so stark und mühelos den Berg hinauf wie das Santa Cruz Tallboy.
Wie fährt sich das Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV bergab?
Schon nach den ersten Kurven wird klar, warum das Tallboy die Agilitätswertung unseres Vergleichstests anführt. Kein anderes Bike lässt sich so mühelos von einer Linie auf die nächste werfen. Das geringe Gewicht, das sehr ausgewogene Handling und der enorme Pop machen es zum verspieltesten Bike im gesamten Testfeld. Manuals, schnelle Richtungswechsel oder das Abziehen über Wellen gelingen intuitiv und kosten kaum Kraft. Das Tallboy animiert dazu, jede Geländekante mitzunehmen und Geschwindigkeit aktiv aus dem Trail zu generieren.

Trotz seines lebhaften Charakters vermittelt das Santa Cruz eine ausgewogene Balance. Man steht zentral im Bike und findet sich vom ersten Trailmeter an hervorragend zurecht. Das Handling ist extrem intuitiv und macht es leicht, auch auf unbekannten Trails sofort Vertrauen aufzubauen. Einen kleinen Anteil am spielerischen Charakter haben auch die schnell rollenden MAXXIS Forekaster-Reifen, die den Vortrieb unterstützen, an der Front in anspruchsvollen Kurven aber etwas früher an ihre Gripgrenze gelangen als aggressivere Alternativen.
Das Fahrwerk passt hervorragend zum Charakter des Tallboy. RockShox Pike Ultimate und Deluxe Ultimate arbeiten harmonisch zusammen, sprechen sensibel an und bieten viel Gegenhalt im mittleren Federwegsbereich. Gleichzeitig nutzt der Hinterbau den verfügbaren Federweg großzügig aus und wandelt ihn effektiv in Traktion um. Trotz des vergleichsweise geringen Federwegs schlägt das Fahrwerk selbst bei harten Treffern nicht unangenehm durch und bietet überraschend hohe Reserven.
Natürlich setzt das Konzept Grenzen: In schnellen, verblockten Highspeed-Passagen und langen Bremswellen stößt das Tallboy früher an sein Limit als langhubigere Bikes im Testfeld und bildet beim Thema Laufruhe das Schlusslicht. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Geräuschkulisse: Die Leitungen vor dem Steuerrohr sorgen auf ruppigen Trails für etwas mehr Lärm, als man es von Santa Cruz gewohnt ist.
Die SRAM Motive Silver passt von ihrer Ausrichtung zum leichten Trailbike-Konzept. Ihre Bremsleistung ist mit den HS2-Scheiben aber erstaunlich gut und für das Einsatzgebiet absolut ausreichend, auch wenn sie auf langen und steilen Abfahrten eine etwas vorausschauendere Fahrweise als kräftigere Bremsanlagen im Testfeld benötigt.
Leichtfüßig, verspielt und überraschend kletterstark – das Tallboy liebt Kurven.
Für wen ist das Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV?
Das Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV richtet sich an Fahrer, die ein extrem leichtfüßiges und verspieltes Trailbike suchen. Dank seines geringen Gewichts, der höchsten Agilität im Test und der hervorragenden Klettereigenschaften begeistert es auf flowigen Trails ebenso wie auf langen Touren. Wer den Trail aktiv fährt, jede Welle zum Pushen nutzt und bergauf genauso viel Spaß haben möchte wie bergab, findet im Tallboy einen der unterhaltsamsten Begleiter im gesamten Testfeld.
Das richtige Bike für:
Trail-Surfer
Kein anderes Bike im Test lässt sich so spielerisch über den Trail bewegen. Wer Manuals zieht, jede Welle zum Beschleunigen nutzt und blitzschnelle Richtungswechsel liebt, wird mit dem Tallboy jede Menge Spaß haben.
Kilometerfresser
Das geringe Gewicht, die beste analoge Uphill-Performance und das intuitive Handling machen das Tallboy zum perfekten Begleiter für große Trail-Abenteuer und ausgedehnte Exploration-Rides.
Nicht das richtige Bike für:
Highspeed-Junkies
Wer regelmäßig mit Vollgas durch verblockte Steinfelder pflügt oder maximale Laufruhe sucht, wird die Grenzen des kurzen Federwegs früher erreichen als bei den langhubigeren Bikes im Test.
Bikepark-Gelegenheitsbesucher
Die leichte Bereifung und die vergleichsweise zurückhaltende Bremsanlage passen perfekt zum Konzept des Tallboy, sind für harte Bikepark-Einsätze oder alpines Dauerfeuer aber weniger geeignet.
Fazit zum Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV
Das Santa Cruz Tallboy X0 AXS RSV beweist eindrucksvoll, dass maximaler Fahrspaß nicht zwingend viel Federweg braucht. Kein anderes Bike im Test kombiniert eine derart hohe Agilität mit exzellenten Klettereigenschaften und einem so intuitiven Handling. Das straffe, traktionsstarke Fahrwerk liefert deutlich mehr Reserven, als die 140/130 mm Federweg vermuten lassen. Abzüge gibt es für die Geräuschkulisse und die eher leichte Serienbereifung sowie die begrenzte Laufruhe im groben Gelände. Wer den Charakter des Tallboy versteht und kein Mini-Enduro erwartet, bekommt eines der spaßigsten und vielseitigsten Trailbikes im gesamten Vergleichstest.
Tops
- beste Agilität im gesamten Testfeld
- herausragende Uphill-Performance
- Fahrwerk mit viel Pop, Traktion und überraschend hohen Reserven
- hochwertiges Staufach und viele durchdachte Details
- sehr geringes Gewicht
Flops
- hohe Geräuschkulisse auf ruppigen Trails
- Laufruhe im Testfeld unterdurchschnittlich
- Serienbereifung und Bremsanlage für harte Trail-Einsätze etwas zu leicht ausgelegt
Mehr Infos findet ihr auf der Website von Santa Cruz.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier:
Das beste Trail-Bike 2026
Alle Bikes im Test: AMFLOW PX Carbon Pro, Atherton A.130.1, Cannondale Bad Habit 1, Pivot Trailcat LT Pro X0, Propain Hugene 3 CF Ultimate, Raymon Tarok Ultimate, Santa Cruz Tallboy, Specialized S-Works Levo R, Specialized S-Works Stumpjumper 15 Evo, Trek Fuel EX 9.9 XO AXS Gen 7, Trek Fuel+ EX 9.8 XT Di2 Gen 2, Yeti MT XO.
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Text: Lars Engmann Fotos: Mike Hunger
