Orbea stellt mit ihrem neuen Rallon RS nicht nur ein spannendes Enduro-Bike vor, sondern ein E-MTB, das seiner Zeit ein gutes Stück voraus ist. Denn die bislang einzigartige Kombination an Komponenten, entstanden aus einer Kooperation mehrerer Hersteller zeigt, wohin die Bike-Entwicklung in Zukunft gehen kann. Aber wird ein solches Konzept in einigen Jahren der Standard und nicht die Ausnahme an E-MTBs sein?

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00023 1140x760
Orbea Rallon RS-LTD | TQ-HPR40 / 290 Wh | 180/170 mm (v/h) | 17,45 kg in Größe M | 14.999 € | Hersteller-Website

Gleich vorweg: Das Orbea Rallon RS 2026 ist kein Bike für jedermann – und das will es auch nicht sein. Es wird nicht in großen Stückzahlen die Shops fluten und man wirdt es wohl kaum in jedem zweiten Trail-Center sehen. Stattdessen folgt es einem bislang einzigartigen Konzept. Es ist ein Bike, das zeigt, was technologisch möglich ist und wie viel Mühe sich vor allem Orbea, aber auch die Entwicklungspartner TQ und FOX-Suspension machen, um zukünftige E-Mountainbikes voranzubringen. Dabei stellt Orbea – anders als viele andere Hersteller – nicht einfach das Motorsystem in den Mittelpunkt, sondern legt den Fokus auf die bislang einzigartige Kooperation der Hersteller und die Verknüpfung unterschiedlicher Komponenten. Das neu entwickelte RS-System dient dabei als Connector, um alle elektronischen Komponenten zu verbinden: So lässt sich alles zentral steuern, die Daten aller elektronischen Systeme sind verfügbar und können miteinander kommunizieren, während die Energie gebündelt aus dem Hauptakku gezogen wird. Die Entwicklungskosten für so ein Projekt sind hoch, die Zielgruppe dagegen recht klein. Aber dieses Projekt soll eben zeigen, wo die Reise hingeht und den Grundstein für zukünftige Entwicklungen legen. Denn für den richtigen Fahrertyp kann das neue Rallon RS ein verdammt cooles Bike sein.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00007 1140x760

Im Rallon RS arbeitet der sehr unauffällig integrierte TQ-HPR40-Motor – der erste in einem E-Mountainbike verbaute HPR40 – mit 40 Nm Drehmoment und bis zu 200 W Maximalleistung. Gefüttert wird er von einem fest verbauten 290-Wh-Akku, der sich mit einem 160-Wh-Range Extender kombinieren lässt. Dazu kommt der neue elektronische FOX X2 NEO-Dämpfer, eine elektronische Shimano XTR Di2-Schaltung und die hauseigene elektronische Dropper Post von Orbea. All diese Komponenten sind über das frisch entwickelte RS-System verbunden. Mit der neuen kabelgebundenen RS-Remote am Lenker könnt ihr dann nicht nur wie gewohnt das Motorsystem, sondern auch die Dropper und das Fahrwerk steuern. Dank dem RS-Modul weiß euer Motor beispielsweise, in welchem Gang ihr unterwegs seid, ob die Dropper ausgefahren oder der Dämpfer gelockt ist. Zwar werden noch nicht alle verfügbaren Daten aktiv verarbeitet oder direkt mit einer Aktion verknüpft, aber die technische Basis ist vorhanden und das System ermöglicht durch Software-Updates viel Spielraum nach oben.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00035 1140x760

Klar, dass dieses neue System dann auch seinen Preis aufruft. Das von uns gefahrene Orbea Rallon RS-LTD kostet stolze 14.999 € – und ist damit das bisher teuerste Bike aus dem Hause Orbea. Wie gewohnt steht euch aber der hauseigene MyO-Konfigurator zur Verfügung, mit dem ihr euer Bike sowohl optisch als auch technisch auf eure Wünsche und Preisvorstellung anpassen könnt.

Das TQ-HPR40-Motorsystem im Orbea Rallon RS 2026

Im Rallon RS arbeitet der noch recht neue TQ-HPR40-Motor, der vom Charakter her komplett anders tickt als die meisten E-Bike-Antriebe, die ihr kennt. Klassische E-MTB-Motoren liefern locker 750 Watt Spitzenleistung und damit deutlich mehr Power, als ihr selbst in die Pedale geben könnt. Beim TQ-HPR40 ist das Konzept umgedreht: Er liefert maximal 200 W Unterstützung, ihr bekommt also deutlich weniger Output als bei anderen Systemen. Je nach eigener Fitness könnt ihr mehr Power rein geben, als das System ausspuckt. Damit könnt ihr das Rallon RS aber auch ganz anders nutzen.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00033 1140x760

Zum Einordnen: Ein leichtes, effizientes Cross-Country-Bike spart euch im Uphill grob 30–50 W im Vergleich zu einem schweren Enduro-Bike. Mit dem TQ im Rallon RS kommen dann nochmal bis zu 150–200 W vom Motor obendrauf. In Summe könnt ihr euch also ungefähr vorstellen, wie ihr das Rallon RS den Berg hochtreten könnt: Ihr klettert in etwa wie Nino Schurter mit seinem Cross-Country Race-Bike – sitzt aber auf einem fetten Enduro-Bike mit ordentlich Downhill-Qualitäten und robusten Komponenten. Genau das fasst Orbea unter dem Konzept „Rider Dominant“ zusammen: Ihr steht im Mittelpunkt, der Motor unterstützt nur, statt die Arbeit für euch zu übernehmen. Der TQ-HPR40 ist sauber und nahezu unsichtbar im Rahmen integriert. Kein auffälliges Motor-Cover, keine klobigen Formen – optisch bleibt das Rallon RS sehr nah am analogen Rallon und erst beim sehr genauen Hinschauen fallen die Unterschiede auf.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00023 600x400
Das neue Orbea Rallon RS …
Orbea Rallon 2026 Test Roo Fowler WEB 95939 600x400
… im Vergleich zum analogen Rallon.

Gesteuert wird das gesamte System über den RS HMI-Controller am Lenker. Der ist nicht nur die Remote für den Motor, sondern auch die Schaltzentrale für das elektronische Fahrwerk und die Dropper-Post. Der Controller ist per Kabel direkt mit dem System verbunden, was für eine zuverlässige Verbindung sorgt, in der Bedienlogik aber etwas Eingewöhnung verlangt. Denn: Die Tasten funktionieren quasi „verkehrt herum“, wenn man von klassischen Motor-Remotes kommt. Drückt ihr den unteren Button, gibt es mehr Unterstützung, der obere reduziert die Power.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00026 1140x760

Oben am Controller zeigen fünf LEDs, die jeweils in Blau oder Weiß leuchten können, den Ladezustand des Akkus in 10-%-Schritten an. In der Theorie eine simple Idee, in der Praxis sind die Farben je nach Lichtsituation aber nicht immer klar unterscheidbar. Fällt der Akkustand dann unter 20 %, springen die Anzeigen auf fünf rote LEDs um, die dann in feineren 4-%-Schritten bis 0 % herunterschalten. Zwischen den beiden Hauptbedientasten sitzt eine weitere LED, die über ihre Farbe den aktuellen Fahrmodus des Motors anzeigt. Durch Halten der + und – Tasten lassen sich über dieselbe Einheit auch die Modi des elektronischen Fahrwerks durchschalten: Dazu leuchten die oberen LEDs kurz Grün auf und zeigen euch, in welchem Fahrwerksmodus ihr gerade unterwegs seid. Nach etwas Eingewöhnung kommt man mit den vielen LEDs und Knöpfen klar, allerdings gibt es hier noch etwas Platz nach oben, um das System noch intuitiver zu machen.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00049 1140x760

Grundlegend bietet das TQ-System im Rallon RS zwei Hauptmodi: Range und Rally. Zusätzlich gibt es noch einen optionalen Ultra-Modus. Der Name klingt nach „Vollgas“, ist aber tatsächlich wieder das Gegenteil. Ultra ist der effizienteste Modus und verlangt am meisten Eigenleistung von euch, sprich: eher „Ultra-sparsam“ als „Ultra-Boost“.

Orbea RS App 1140x553

In der Praxis könnt ihr euch aber viel differenzierter austoben: Über die spezielle Orbea RS Control-App lassen sich bis zu 10 unterschiedliche Modi und zwei Profile definieren, die ihr dann auf dem Bike abrufen könnt. In der App lässt sich auch die Charakteristik des TQ-Motors einstellen – also wie stark und wie direkt er unterstützen soll – und auch die elektronische Dropper konfigurieren. Schade: Das Fahrwerk lässt sich nicht in dieselbe App integrieren, hier braucht ihr weiterhin separat die FOX-App, um detaillierte Settings zu verändern.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00006 600x400 Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00051 600x400

Seine Energie bezieht das TQ-System aus einem fest verbauten 290-Wh-Akku im Unterrohr. Aus demselben Akku werden auch alle anderen elektronischen Komponenten versorgt: die Dropper Post, die Shimano XTR Di2-Schaltung und der elektronische FOX X2 NEO-Dämpfer. So müsst ihr euch nicht um die ganzen kleinen Akkus für Schaltung und Co sorgen, was super praktisch ist und hoffentlich in Zukunft an allen E-MTBs zum Standard wird. Aber keine Sorge: Diese Komponenten ziehen im Vergleich zum Motor verschwindend wenig Strom, ihr merkt ihren Verbrauch im Akkustand praktisch nicht. Wer mehr Reichweite braucht, kann zusätzlich einen 160-Wh-Range Extender im Flaschenhalter montieren. So kommt ihr auf insgesamt 450 Wh Kapazität, was durch die geringe Motorpower in der Praxis erstaunlich weit reicht. Der Ladeport sitzt schön versteckt oberhalb des Flaschenhalters am Oberrohr, ist gut abgedichtet, leicht zu erreichen und von Dreck geschützt. Zudem lässt er sich trotzdem easy mit Handschuhen bedienen.

Spannend wird es beim Gewicht, denn das Rallon RS zeigt ziemlich eindrucksvoll, was mit einem leichten Motor und cleverer Integration möglich ist. Kombiniert man alle Motor-Komponenten inklusive Verkabelung, Kurbeln und Carbon-Link – der rund 200 Gramm leichter ist als der Alu-Link am analogen Rallon – und vergleicht sie zu den sonst benötigten Komponenten, stellt man erstaunt fest, dass man 40 Gramm gespart hat. Obendrauf spart man nochmal rund 200 Gramm, weil es nur noch eine zentrale Remote gibt. Es entfallen die klassische Dropper Remote samt Hülle und Kabel. Unterm Strich bleibt damit als echtes „Mehrgewicht“ nur noch der Akku übrig – der wiegt 1.446 g.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00008 600x400 Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00009 600x400

So kommt das Orbea Rallon RS-LTD in Größe M auf lediglich 17,45 kg. Das vergleichbar ausgestattete analoge Rallon liegt bei 16,24 kg in Größe M. Heißt übersetzt: Für gerade mal gut 1,2 kg Mehrgewicht bekommt ihr einen sauber integrierten Motor und ordentlich Rückenwind im Uphill.

Die Ausstattung Orbea Rallon RS-LTD 2026

Bei der Ausstattung lässt euch Orbea – wie gewohnt – ordentlich Spielraum. Wie alle High-End-Bikes der Basken wird auch das Rallon RS über den MyO-Konfigurator aufgebaut, in dem ihr nicht nur zwischen zwei Basis-Builds wählen, sondern auch viele Komponenten und vor allem das Design anpassen könnt. Ab Werk gibt es das Rallon RS als RS-Team und als RS-LTD. Wir waren mit der RS-LTD-Variante unterwegs, die regulär mit 14.999 € zu Buche schlägt. Darunter positioniert sich das RS-Team für 10.999 €, verzichtet allerdings auf den elektronischen Dämpfer und kommt mit Shimano XT statt XTR. Da ihr im MyO-Konfigurator aber nach Lust und Laune Teile tauschen könnt, sind das eher grobe Orientierungspunkte als starre Vorgaben. Wir sind zum Beispiel bewusst auf Alu-Laufräder gewechselt, um ein Modell mit etwas eingespartem Budget und weniger Alltagssorgen zu testen – und natürlich könnt ihr auch die Optik mit unzähligen Farboptionen nach eurem Geschmack personalisieren.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00037 1140x760

Orbea Rallon RS-LTD 2026

14.999 €

Specifications

Fork FOX 38 Factory GRIP X2 180 mm
Rear Shock FOX X2 Live Valve NEO 170 mm
Seatpost OC Mountain Control MC10 eDropper 240 mm
Brakes Shimano XTR 200/200 mm
Drivetrain Shimano XTR Di2 1x12
Stem OC Mountain Control MC11 35 mm
Handlebar OC Mountain Control MC10 Carbon 800 mm
Wheelset OQUO MC32 TEAM 29"
Tires MAXXIS High Roller MaxxGrip EXO+/MAXXIS DHR2 MaxxTerra DD Casing 2,4"/2,4"

Technical Data

Size S M L XL

Specific Features

integriertes Tool
Winkel Steuersatzschalen
Flip-Chip

Beim Fahrwerk lässt sich Orbea nicht lumpen: An der Front arbeitet eine FOX 38 Factory mit GRIP X2-Kartusche und satten 180 mm Federweg – also genau die Gabel, die sich in unseren Federgabel-Vergleichstests als Testsieger etabliert hat. Am Heck kommt der nagelneue FOX X2 Live Valve NEO-Dämpfer zum Einsatz, der elektronisch euer Fahrwerk regelt, sich seine Energie aus dem Hauptakku holt und über CAN-Bus direkt mit dem RS-System kommuniziert. Dazu braucht es spezielle NEO-Sensoren, welche an den Bremsen befestigt werden, die das System über Fahrzustand und Bodenbeschaffenheiten informieren. Der Dämpfer bezieht in seine Regelung außerdem Infos wie Unterstützungsmodus und Dropper-Position mit ein und kann so noch feiner unterschiedliche Lockouts und Losbrechmomente realisieren. Auf dem Trail reagiert das System extrem schnell, schaltet quasi in Echtzeit zwischen offen und straff und verwaltet die 170 mm Federweg sehr effizient.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00025 600x400 Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00044 600x400

Ebenfalls ins RS-System eingebunden ist die hauseigene OC Mountain Control MC10 eDropper – die erste Dropper Post am MTB-Markt, die fest mit dem Motor- bzw. Hauptakku verbunden ist. Andere Marken arbeiten an ähnlichen Lösungen, aber Orbea ist hier mit dem Rallon RS als Pionier vorangegangen. Wir waren mit der Variante mit satten 240 mm Hub unterwegs, die sich durch Shims auch noch in 5-mm-Schritten um bis zu 25 mm anpassen lässt. Besonders spannend ist auch der Smart-Modus: Hier könnt ihr eine definierte Zwischenposition auswählen, zu der die Stütze beim Drücken des Schalters automatisch ausfährt. Außerdem könnt ihr die Dropper bereits „entriegeln“ und sie fährt erst dann nach unten, wenn ihr euch draufsetzt – selbst wenn ihr den Button schon längst nicht mehr gedrückt haltet. Alternativ gibt es aber auch einen klassischen Modus für alle, die es einfach mögen. Wer noch mehr über die RS-Dropper wissen will, kann sich unseren separaten Artikel dazu ansehen.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00050 1140x821
Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00030 600x400 Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00003 600x400

Weniger flexibel zeigt sich das Rallon RS bei der Schaltung, denn aktuell gibt es das Bike nur mit Shimano-Schaltgruppen. In unserem Fall war die neue XTR Di2 verbaut, kombiniert mit e*thirteen-Kurbeln in 165 mm Länge, da es noch keine spezifischen TQ-Kurbeln von Shimano gibt. Die Schaltung arbeitet super schnell und präzise, wirkt dabei aber nicht immer sauber und vor allem im Downhill ist sie ziemlich laut: Beim Ausfedern knallt das Schaltwerk gerne mal gegen die B-Screw – nichts Dramatisches, aber nervig. Zudem werden die Shimano-Funktionen Free- und Autoshift vom TQ-Motor noch nicht unterstützt. Die Ergonomie der Di2-Hebel ist hingegen top und vielseitig einstellbar. Der Kettenstrebenschutz ist schön großzügig dimensioniert und elegant in die Strebe integriert, was die Kette effektiv vom nervigen Klappern abhält – zumindest hier ist absolute Ruhe.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00017 1140x760

Auch bei den Bremsen setzt Orbea auf Shimano und verbaut die XTR-Vierkolbenbremsen. Die Stopper haben richtig Bums, vor allem in Kombination mit den dickeren, hochwertigen 200 mm großen GALFER-Bremsscheiben, und liefern eine gute Verzögerung, die perfekt zum Potenzial des Bikes passt. Allerdings ist die Ergonomie der Bremshebel sehr gewöhnungsbedürftig – auch nach mehreren Wochen auf dem Bike. Zusätzlich verlaufen die Bremsleitungen extrem nah am Lenker und sind recht steif, wodurch sie bei Vibrationen gegen das Cockpit klappern können. Schade, denn abgesehen von den Shimano-Komponenten ist das Rallon RS beeindruckend leise. Im Rahmen selbst sind alle Leitungen über seitliche Cable-Ports sauber geführt und geklemmt. Nur das Kabel der RS-Remote läuft durch den Steuersatz.

Auf unserem Test-Bike waren OQUO Mountain Control MC32 TEAM-Alu-Laufräder verbaut, die einen soliden Job gemacht haben und gut zum Einsatzzweck passen. Wer es edler oder etwas leichter mag, findet im Konfigurator die MC32 LTD-Variante mit Carbon-Felgen. Aufgezogen ist eine extrem stimmige Reifen-Kombi von MAXXIS: Vorne ein High Roller III in der weichsten MaxxGrip-Gummimischung, hinten ein Minion DHR II in der härteren MaxxTerra-Variante. Am Heck kommt die robuste Doubledown-Karkasse zum Einsatz, vorne die leichtere EXO+ Version. Angesichts der 180 mm Federweg an der Front finden wir aber die EXO+ Karkasse etwas auf Kante genäht, lassen das Setup für ein sportliches Enduro aber noch durchgehen ;). Zumal das Rallon RS mehr als Trail-Gerät und weniger als Bikepark-Panzer gedacht ist.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00024 1140x760

Solltet ihr unterwegs doch mal schrauben müssen, versteckt sich im Bereich des Hauptlagers das kleine FLP-Multitool, das magnetisch gehalten wird. Es bringt 2-, 3-, 4- und 5-mm-Inbusschlüssel mit, also die wichtigsten Größen für Notfall-Schrauber-Sessions am Trail. Ergänzend findet ihr in der hinteren Steckachse noch einen integrierten 6-mm-Inbus. Was leider fehlt, ist ein Torx 25, den ihr z. B. für die Schrauben eurer Bremsscheiben oder für SRAM-Komponenten benötigt.

Die Geometrie des Orbea Rallon RS 2026

Das Orbea Rallon RS gibt es in vier Rahmengrößen von S bis XL, mit Reach-Werten von 430 bis 505 mm. Typisch Orbea: Die Sitzrohre fallen extrem kurz aus und bieten trotzdem sehr lange Einstecktiefen. In Größe L steht euch bei 478 mm Reach gerade mal ein 410 mm hohes Sitzrohr im Weg – perfekt, um lange Dropper-Stützen zu fahren und wirklich tief im Bike zu stehen, ohne dass euch das Rahmenlayout limitiert. In Bikes mit Rahmengröße S und M lassen sich 210 mm lange und bei L und XL sogar 240 mm Dropper komplett versenken – krass!

Größe S M L XL
Oberrohr 538,92 mm 565,29 mm 591,52 mm 620,76 mm
Sattelrohr 400 mm 405 mm 410 mm 420 mm
Steuerrohr 105 mm 110 mm 120 mm 130 mm
Lenkwinkel 64,25° 64,25° 64,25° 64,25°
Sitzwinkel 74,6° 74,6° 74,6° 74,6°
BB Drop (Low-Setting) 35 mm 35 mm 35 mm 35 mm
Kettenstrebe 445 mm 445 mm 445 mm 445 mm
Radstand 1215 mm 1242 mm 1270 mm 1301 mm
Reach 430 mm 455 mm 478 mm 505 mm
Stack 633,7 mm 638,2 mm 647,2 mm 656,2 mm

Zudem lässt sich das Rallon als 29” oder Mullet fahren. Orbea löst das über zwei unterschiedliche Links, die jeweils die Kinematik und Geometrie passend zur Laufradgröße anpassen. Beim Kauf müsst ihr euch zunächst für eine Option entscheiden, könnt aber später den jeweils anderen Link für 249 € nachkaufen. Die Links bestehen beim Rallon RS übrigens aus Carbon, nicht aus Alu wie beim analogen Rallon, und besitzen einen anderen Shape, um eine für das Rallon RS angepasste Kinematik zu ermöglichen.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00038 600x400 Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00015 600x400

Zusätzlich gibt es einen Flip-Chip an der unteren Dämpferaufnahme, mit dem ihr zwischen High- und Low-Setting wechseln könnt. Der Chip beeinflusst unter anderem die Tretlagerhöhe um 7 mm, den Reach, Lenkwinkel und den Sitzwinkel, ohne aber den Grundcharakter des Bikes zu stark zu verändern – ideal, um das Rallon RS entweder etwas pedalfreundlicher oder etwas aggressiver für den Downhill abzustimmen. Das Ganze ist mit einem kleinen, abnehmbaren Kunststoff-Cover geschützt. Obendrauf lässt sich der Lenkwinkel über den großen Steuersatz anpassen. So könnt ihr auch hier je nach Einsatzgebiet den Lenkwinkel etwas flacher und abfahrtslastiger oder etwas steiler und tourentauglicher machen. In Summe bekommt ihr damit ein sehr variables Geometrie-Konzept, das die klassische Rallon-DNA – lang, tief, potent – beibehält, aber genügend Feintuning zulässt, um das Bike exakt auf euren Fahrstil abzustimmen.

Das Orbea Rallon RS 2026 im ersten Test

Bereits im Uphill zeigt das Rallon RS, dass es zwar den Grundcharakter seines analogen Bruders beibehalten hat, aber durch feine Anpassungen mehr für große Touren und jede Menge Trails geeignet ist. Auch das elektronische Fahrwerk hat hier einen großen Einfluss und steigert die Kletter-Performance enorm. Denn der elektronische FOX X2 NEO macht den Hinterbau extrem antriebsneutral, egal ob man auf Asphalt hochkurbelt oder auf technischen Uphill-Trails unterwegs ist. Dank des steilen Sitzwinkels sitzt man auch schön zentral und kann effizient von oben in die Pedale treten. Vom TQ-HPR40 solltet ihr aber trotzdem keine klassische E-MTB-Power erwarten. Der Motor liefert eher das Gefühl von konstantem Rückenwind, statt dich mit brachialer Leistung den Berg hochzuschieben. Am ehesten fühlt es sich an, als würdest du ein leichtes CC-Hardtail bergauf treten – nur eben auf einem sehr potenten Enduro-Chassis.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00028 1140x760

Der TQ-Motor arbeitet dabei super leise und schon die Abrollgeräusche der Reifen reichen aus, um ihn komplett zu übertönen. Ungewohnt ist allerdings der Widerstand beim Rückwärtstreten: Der Motor arbeitet – im Vergleich zu den meisten anderen Systemen auf dem Markt – nur mit einer Kupplung statt wie üblich mit zwei und entkoppelt daher beim Rückwärtstreten nicht so stark. Sprich, wenn ihr im Trail kurz die Pedalposition korrigieren wollt und dabei leicht zurücktretet, wirkt das anfangs etwas ungewohnt. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber daran.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00014 600x400 Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00042 600x400

Bergab unterscheidet sich das Rallon RS klar vom analogen Rallon – und zwar positiv. Das klassische Rallon hat sich im jüngsten Enduro-Vergleichstest als Saugroboter entpuppt: super viel Grip, extrem satt, aber eben auch nicht sonderlich agil. Das Rallon RS fährt sich dagegen spürbar straffer. Der geänderte Link und der progressivere Dämpfer-Tune sorgen dafür, dass das Bike mehr Gegenhalt bietet und weniger am Boden klebt. Das macht das Rallon RS zum deutlich besseren Allrounder: Es fühlt sich auf langen Touren, flowigen Trails und moderaten Abfahrten wesentlich lebendiger an.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00018 1140x760

Trotzdem bleibt die Grund-DNA des Rallon klar erhalten. Ihr steht tief und sicher im Bike, das Fahrwerk vermittelt viel Potenz und Reserven, und ihr könnt es richtig schön krachen lassen, wenn der Trail ruppig und schnell wird. Die Mischung aus Wendigkeit und Laufruhe ist absolut gelungen: Das Rallon RS wechselt willig die Linie, ohne nervös zu wirken, und bleibt bei Highspeed erstaunlich gelassen. Und auch die Balance zwischen Front und Heck passt auf Anhieb und vermittelt viel Vertrauen. Unterm Strich fährt sich das Rallon RS bergab wie ein vollwertiges Enduro und bergauf wie ein sehr sportliches CC-Bike.

Für wen ist das neue Orbea Rallon RS 2026?

Das Orbea Rallon RS 2026 ist kein Bike für jedermann und dennoch ein super Bike für viele, die es richtig nutzen. Wenn ihr ein klassisches E-MTB mit maximaler Power sucht, das euch mit 85 Nm und Turbo-Modus jeden Anstieg hochzieht, seid ihr hier komplett falsch. Das Orbea richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die gerne selbst treten, aber im Uphill einen spürbaren Rückenwind wollen – ohne dafür in der Abfahrt Kompromisse bei der Performance oder beim Gewicht einzugehen. Mit ordentlich Federweg und dem potenten Fahrwerk ist das Rallon RS bereit für harte Enduro-Strecken, Bikepark-Ausflüge und schnelle, ruppige Trails. Gleichzeitig lassen sich damit aber auch lange Touren mit reichlich Höhenmetern locker abspulen, wenn ihr sparsam fahrt und den Motor als Support statt als Antrieb nutzt.

Orbea Rallon RS 2026 eMTB Test WEB 00031 1140x760

Das Fazit zum Orbea Rallon RS 2026

Das Orbea Rallon RS ist ein Blick in die E-MTB Zukunft und kein Daily-Driver für die Masse. Wer aber ein vollwertiges Enduro mit potenten Fahrwerk sucht, das bergauf wie ein schnelles CC-Bike mit Rückenwind klettert, findet hier ein extrem spannendes Bike. Die bislang einzigartige Verknüpfung des leichten TQ-Systems, des elektronischen FOX X2 NEO-Dämpfers, der eigens entwickelten Dropper und des XTR Di2-Schaltwerks zeigen, was möglich ist. Wir sind uns sicher, dass ein solche Integration in einigen Jahren der Standard und nicht die Ausnahme sein wird. Denn sie bringt viele Vorteile mit sich, auch wenn man die komplexe Elektronik bewusst in Kauf nehmen muss.

Tops

  • einzigartiges Konzept
  • fusionierte Elektronik
  • schlichte Optik
  • starker Allrounder auf dem Trail

Flops

  • laute Shimano-Komponenten
  • sehr viel Elektronik (falls es euch stört)

Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website von Orbea.


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als ENDURO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die Mountainbike-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!

Text: Peter Walker Fotos: Jeremie Reuiller, Roo Fowler

Wer schreibt hier?

Peter Walker
Chefredakteur

Peter Walker leitet die Chefredaktion von ENDURO bei 41 Publishing. Seine methodische Herangehensweise basiert auf der Ausbildung zum Notfallsanitäter und langjähriger Erfahrung in der Kaufberatung im Fachhandel. Das prägt seine sachliche Analyse komplexer Technik ebenso wie seine klare Orientierungshilfe für Leser und Leserinnen in großen Vergleichstests. Mit seiner Rennerfahrung aus der Enduro World Series und intensiven Testphasen in internationalen Bikeparks wie Whistler verantwortet er die operative Leitung von großen Produkttests. Sein Fokus liegt auf der technischen Performance-Analyse und der fundierten Kaufberatung im Gravity-Segment.

ENDURO Mountainbike Magazine

ENDURO ist das führende Magazin für Mountainbike-Technologie und modernen Trail-Lifestyle. Wir berichten über High-End-Bikes, globale Trends und technische Innovationen – fundiert, mutig und immer mit dem Blick für das große Ganze. Unsere Redaktion richtet sich an alle, die das Mountainbiken nicht nur als Sport, sondern als Lebensgefühl verstehen. Statt Bikes auf starre Kategorien oder Federwege zu reduzieren, bewerten wir Produkte konsequent aus der Lebensrealität unserer Leserschaft: von epischen Alpentouren bis hin zu harten Trail-Einsätzen.

Seit 2011 steht ENDURO für journalistische Qualität und transparente Berichterstattung im MTB-Segment. In unseren aufwändigen Einzel- und Vergleichstests bringt unser spezialisiertes Test-Team jahrelange Trail-Erfahrung aus aller Welt ein, um objektive Urteile zu fällen und Radbegeisterten echte Orientierungshilfe zu leisten. Unsere Awards gelten international als Maßstab für Innovation und Qualität in der Bike-Industrie und bieten sowohl Leserinnen und Lesern als auch Handel und Herstellern eine verlässliche Einordnung.

ENDURO erscheint auf Deutsch sowie Englisch und erreicht eine internationale Leserschaft.