Jeder Mountainbiker braucht sie, zu Hause und unterwegs – eine Dämpferpumpe ist ein essenzielles Tool im Bike-Alltag. Wir haben 15 Modelle aller Größen und Preisklassen für euch getestet und den besten Allrounder gefunden.

Der Markt ist voll mit verschiedensten Pumpen und der geneigte Kunde hat die Wahl zwischen etlichen Optionen. Analog oder digital, minimale Notfallpumpe oder Werkstattausführung, günstiges Beilageprodukt oder edles Luxusmodell? Hier hat sicher jeder andere Vorstellungen und Anforderungen, aber Faktoren wie Effizienz, Bedienungskomfort und Genauigkeit sind allgemeingültig. Der Sieger in diesem Test überzeugt in genau diesen Disziplinen, bietet überdies ein sinnvolles Packmaß und ist außerdem noch für jeden Geldbeutel erschwinglich.

Das Testfeld

Unser Testfeld gliedert sich in drei Größengruppen; wir haben beim Testen jedoch nicht zwischen den Größen unterschieden, sondern vielmehr die Vor- und Nachteile jeder einzelnen Pumpe herausgearbeitet. Modelle wie die SKS USP oder die RockShox 600 psi sind für die meisten von uns schlicht zu groß oder zu schwer für den Rucksack, bieten dank großem Pumpvolumen aber spürbar mehr Komfort in der Werkstatt. Kleine Modelle wie die Topeak Microshock oder Birzmans Macht und Zama sind eher für den Notfall unterwegs gedacht und verfügen teilweise nicht mal über ein Manometer. Sie benötigen im Schnitt mindestens die doppelte Zahl an Hüben und sind für initiale Setups und umfassendere Anpassungen nicht geeignet. Dafür nehmen sie sehr wenig Platz ein und harren im Rucksack unauffällig der Dinge – ein Modell dieser Größe schlug sich auch generell erstaunlich gut! Den Rest des Testfelds würden wir als „normalgroß“ bezeichnen, er beinhaltet die gängigsten Pumpen, die es zu kaufen gibt. Als Exot haben wir noch die Topeak Shock ’n Roll in das Testfeld aufgenommen. Sie ist eine Kombination aus Dämpfer- und Reifen-Pumpe und man kann mit einem einfachen Dreh zwischen beiden Anwendungen wechseln.

Pummpe Preis Gewicht Luftablass Größe Anzeige
Birzman Macht 44,90 € 85 g Knopf 235x30x25 analog
Birzman Salut 59,90 € 196,9 g Knopf 235x50x35 digital
Birzman Zama 29,90 € 57,4 g 200x15x15
Lezyne Digital Shock Drive 74,95 € 108,4 g Knopf 225x35x20 digital
RockShox 300 psi 40,00 € 208,8 g** Knopf 230x80x40 analog
RockShox 300 psi Digital 73,00 € 216,3 g Knopf 290x30x40 digital
RockShox 600 psi 53,00 € 253,9 g Knopf 340x80x40 analog
SKS MSP 44,99 € 149,9 g Drehrad 195x60x25 analog
SKS SAM 44,99 € 278,3 g Drehrad 270x50x45 analog
SKS USP 74,99 € 372,7 g Drehrad 340x55x50 analog
Syncros SP1.0 79,95 € 272,9 g Drehrad 240x70x40 digital
Syncros SP2.0 59,95 € 226,6 g Drehrad 240x70x45 analog
Topeak Microshock 22,95 € 47,7 g 210x15x15
Topeak Pocketshock DXG 39,95 € 174,9 g Knopf 210x45x45 analog
Topeak Shock ’n Roll 69,95 € 285,0 g Knopf 250x50x47 analog

Warum ist Marke XY nicht dabei?

Wie auch bei Bike-Vergleichstests waren einzelne Modelle zum Testzeitpunkt nicht lieferbar oder Hersteller scheuten sich, am Test teilzunehmen. Bei Dämpferpumpen kommt hinzu, dass die wenigsten Marken ihre eigenen Pumpen konstruieren und produzieren. Ob der Aufdruck jetzt FOX, RockShox, DT Swiss, Cane Creek oder Ähnliches sagt – dahinter steckt häufig ein und dieselbe Pumpe vom Großproduzenten in Asien. Stellvertretend für dieses Phänomen haben wir in diesem Test die drei Modelle von RockShox getestet. Alle anderen Marken im Test fertigen unseres Wissens nach ihre Pumpen selbst oder haben zumindest Exklusivmodelle, die nur von ihnen zu haben sind.

Was und wie haben wir getestet?

Zur Ermittlung der Genauigkeit haben wir einen denkbar einfachen Testaufbau erstellt: Ein Quarq ShockWiz wurde zwischen Gabel/Dämpfer und Pumpe installiert und funkte den Druck live auf die Handy-App. So ließ sich einerseits die Anzeige der Pumpe selbst gegenchecken, andererseits konnte man so aber auch den Druckausgleich beim Anschrauben der Pumpe messen. Als Nächstes zählten wir die nötigen Hübe zum Erreichen eines bestimmten Druckwerts im ShockWiz und notierten die Abweichung des Pumpenmanometers, nachdem dieser Wert erreicht wurde. Wir sind uns bewusst, dass ein ShockWiz kein hochpräzises Labormessgerät darstellt, aber Dämpferpumpen-Manometer sind das noch viel weniger. Hinzu kommt die Serienstreuung sämtlicher Pumpen und die eingeschränkte Ablesbarkeit der manuellen Anzeigen. Dementsprechend haben wir hier hauptsächlich nach Auffälligkeiten und Ausreißern und nicht nach super exakten Messwerten gesucht. So lässt sich sagen, dass sämtliche SKS-Pumpen über eine sehr genaue Anzeige verfügen. Lezyne, Birzman Salut und die analoge Syncros-Pumpe weisen die größten Abweichungen auf. Doch es gibt noch weitere Faktoren, die für eine gute Pumpe entscheidend sind.

Der Bedienungskomfort ist ebenso ausschlaggebend für eine gute Dämpferpumpe. Deshalb haben wir den Anschluss auf Leichtgängigkeit und Kompatibilität getestet – ein großer Kopf kann unter Umständen nicht in jedem Rahmen benutzt werden. Außerdem ging es uns um die generelle Handhabung: Wie viele Schritte sind nötig, bis die Pumpe einsatzbereit ist, und wie hoch ist der Pumpwiderstand bei hohen Drücken, wie sie in einem Dämpfer vorkommen? Auch der Preis ist in diesem Test relevant, denn nicht jeder möchte 75 € in eine Dämpferpumpe investieren, wenn er sie nur ein paar Mal im Jahr effektiv benutzt. Gewicht und Abmessungen spielen ebenfalls eine Rolle, da die Pumpe in den meisten Fällen im Rucksack oder Hipbag ihren Platz finden wird. Aufgrund der Testdauer können wir leider keine umfassende Aussage zur Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit der getesteten Dämpferpumpen machen und nur die Performance während des Testzeitraums von 6 Monaten bewerten.

Digital vs. analog

Die Entscheidung für die strombetriebene oder die klassische Anzeige ist eine reine Geschmacksfrage. Pumpen mit digitaler Anzeige punkten mit einer besseren Ablesbarkeit und kompakteren Abmessungen, sind dafür aber meist etwas schwerer, teurer und auf eine Batterie angewiesen. Zudem ist das Angebot auf dem Markt sehr begrenzt. Pumpen mit analoger Anzeige sind entsprechend günstiger, leichter und stromunabhängig, dafür je nach Modell etwas schwieriger abzulesen, anfälliger gegen physische Einwirkungen und sie nehmen mehr Platz im Rucksack weg.

Luftverlust beim Abschrauben?

Dass die Gabel oder der Dämpfer beim Anschrauben der Pumpe etwas Druck verliert, ist selbstverständlich – schließlich verteilt er sich dann über ein größeres Volumen. Je nach Höhe des Drucks mehr oder weniger. An unserem Testdämpfer waren es im Schnitt 2–3 psi bei 100 psi und 8–10 psi bei 250 psi mit den normalgroßen Pumpen. Der Mythos, dass die Gabel oder der Dämpfer auch an Druck verlieren, sobald man die Pumpe abschraubt, hält sich nach wie vor wacker in den Foren der Bike-Welt. Fakt ist jedoch: Keine einzige Pumpe tut das, wie unser Test mit dem Quarq ShockWiz zeigte. Und dabei ist auch egal, wie langsam man sie abschraubt, und ob sie über eine manuelle Ventilaktivierung verfügt – die übrigens nur aufgrund dieses Mythos existiert. Interessanterweise kann es bei einigen Pumpen (Syncros, Topeak) sogar wegen eines Bedienfehlers von genau dieser Ventilaktivierung zum Druckverlust kommen. Dreht man das Rädchen vor dem Abschrauben nicht ausreichend weit raus, darf man direkt wieder nachpumpen. Aber Bedienfehler mal ausgeschlossen, führt nachweislich keine Pumpe beim Abschrauben zum Luftverlust.

Fazit

Für alle, die in ihrer Werkstatt pro Woche 20 Federgabeln aufpumpen, ist die 600-psi-Pumpe von RockShox aufgrund ihres riesigen Volumens wohl die beste Wahl. Wer es möglichst klein mag, aber dennoch nicht auf Komfort verzichten möchte, dem sei die Birzman Macht empfohlen. Durchweg enttäuschend waren sämtliche SKS-Pumpen, wenn sie auch über die genauesten Manometer verfügen. Handling, Bedienungskomfort und Qualität ließen stark zu wünschen übrig und vor allem die schicken Aluminium-Modelle hinterließen einen „Mehr-Schein-als-Sein“-Eindruck. Im Mittelgewichtskampf um die beste Allround-Dämpferpumpe lagen zwei Pumpen, wie sie unterschiedlicher eigentlich nicht sein könnten, nahezu gleichauf. RockShox’ digitales 300-psi-Modell ist bewährt, einfach zu bedienen, bietet eine vernünftige Pumpleistung bei mittlerem Kraftaufwand, verfügt über eine gut ablesbare, genaue Anzeige und zeigt sich dank ihr auch in schlankem Design. Leider ist es für den Einsatz im Rucksack recht lang, benötigt eine Batterie und ist mit 73 € auch nicht gerade günstig. Hier kann Topeaks Pocketshox DXG dagegen voll punkten. Sie ist mit 39,95 € die günstigste „klassische“ Pumpe im Test, verfügt über ein kleines Packmaß, liefert ebenfalls eine überzeugende Pumpleistung sowie einwandfreien Bedienungskomfort und die analoge Anzeige ist genau und gut ablesbar. Somit sichert sich die Pocketshox DXG sowohl den Testsieg als auch den Kauftipp in diesem Test!

Dieser Artikel ist aus ENDURO Ausgabe #037

Das ENDURO Mountainbike Magazin erscheint auf Deutsch und Englisch im digitalen App-Format. Ladet euch jetzt die App für iOS oder Android und lest alle Artikel auf eurem Tablet oder Smartphone. Kostenlos!

Über den Autor

Andreas Maschke

Andi hat schon so einiges erlebt und war unter anderem Skateshop-Verkäufer, Soldat und Werbeagentur-Profi. Qualität ist sein Credo! Dinge müssen einfach richtig gemacht sein und das qualifiziert ihn nicht nur für seinen Job als Mediengestalter, bei dem er dafür sorgt, dass unser Content sowohl in den digitalen als auch den gedruckten Magazinen perfekt präsentiert wird. Doch noch lieber als mit Pixeln und Vektoren am Bildschirm beschäftigt sich Andi mit Bikes jeder Art, sowohl in der Werkstatt als auch in der Natur. Wer schon immer ein in Perfektion aufgebautes Bike wollte, sollte sich mit ihm gut stellen, und wer Nachholbedarf beim Thema Bike-Packing hat, dem empfehlen wir, Andi bei einem Bier am Lagerfeuer darauf anzusprechen. Seine Liebe zum Detail und den Hang zu einer gewissen Nerdigkeit sieht man auch an seinen eigenen Bikes – wer montiert sonst schon Titanventile oder folgt #toolboxwars?