Warum werden Bikes eigentlich immer ohne Pedale ausgeliefert? Die Antwort ist einfach: persönliche Vorlieben. Einige schwören auf die Freiheit von Plattformpedalen, andere bevorzugen die feste Verbindung eines Klick-Mechanismus. In beiden Fällen ist das Pedal der wichtigste Kontaktpunkt zum Fahrer und entscheidet wesentlich darüber, wie wir uns auf dem Bike fühlen.

Zwischen dem komplexen System Fahrrad und uns Fahrern gibt es gerade einmal drei Kontaktpunkte: Sattel, Griffe, Pedale. Bergab ist der Sattel abgesenkt und ohnehin meist aus dem Weg, die Griffe lassen sich günstig austauschen, wenn sie nicht den eigenen Vorlieben entsprechen. Deutlich komplizierter wird es beim Thema Pedale, denn bevor man sich über konkrete Modelle Gedanken machen kann, muss man zunächst die Frage aller Fragen beantworten: Klick- oder Plattformpedale?

Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile und jede Menge Fans. Beim Klickpedal wird der Schuh über eine Metallplatte, den Cleat, in einem gefederten Mechanismus fixiert und kann nur durch Drehen des Fußes gelöst werden. Beim Plattformpedal steht der Fahrer ohne feste Bindung auf einem großflächigen Pedal, der Halt wird durch eine griffige, flache Sohle in Kombination mit spitzen Pins generiert. Da unter Trail- und Endurofahrern beide Systeme weit verbreitet sind, haben wir die spannendsten Pedale in beiden Kategorien getestet.

So haben wir getestet

In den letzten sechs Monaten haben wir 7 Klick- und 8 Plattformpedale in die Mangel genommen. Dabei waren von jedem Modell mehrere Exemplare im Umlauf, um die Erfahrungen von verschiedenen Testern zu sammeln – vom Technik-Nerd bis zum Einsteiger. Mit den meisten Test-Produkten haben wir bereits vor dem Pedaltest ausführliche Erfahrungen gesammelt, die ebenfalls mit in die Bewertung einfließen. Zum Abschluss wurden alle Pedale noch einmal Kopf an Kopf auf einer definierten Testrunde verglichen, um einen direkten Vergleich ziehen zu können. Falls ihr Fragen zur Montage habt, zeigen wir euch hier wie man Pedale richtig montiert.

Klick vs. Flat: Geschmackssache

In der ENDURO-Redaktion arbeiten wir eng im Team zusammen, teilen uns eine Kaffeemaschine und sind bei vielen Themen einer Meinung. In einem Fall scheint es jedoch nie Einigkeit zu geben: Klick- oder Plattformpedal? Da dieses Thema so persönlich ist wie der Musikgeschmack, versuchen wir erst gar nicht, einen Konsens zu finden, und lassen lieber zwei Redakteure zu Wort kommen, die stellvertretend für ihre Pedal-Fraktion sprechen.

Moritz: Lieber eine feste Bindung als eine platonische Beziehung

Einige Jahre bin ich zweigleisig gefahren, lange Touren und Home-Trails meist mit Klicks, im Bikepark und auf anspruchsvollen Trails mit Flats. Doch mit der Zeit wurden die Klickpedale größer, die Schuhe flacher und die Cleat-Position wurde immer weiter nach hinten verschoben. Meine Flats bekamen eine immer dickere Staubschicht, weil die Vorteile der Klicks auch auf der Abfahrt immer
offensichtlicher wurden.

Mittlerweile ist für mich klar: Mit Klicks stehe ich immer richtig auf dem Pedal und muss mir über meine Fußstellung keine Gedanken mehr machen. Durch die feste Bindung wird der Tritt runder, bergauf kann man auch ziehen, statt nur zu drücken, und insgesamt ist man einfach effizienter unterwegs. Inzwischen bevorzuge ich die feste Bindung auch bergab, denn im groben Gelände bleiben die Füße jederzeit sicher auf den Pedalen. Mit Klicks fühle ich mich mehr mit dem Rad verbunden und bekomme eine bessere Rückmeldung vom Untergrund.

Valentin: Spaß statt Effizienz

Mit vier Jahren auf meinem ersten Fahrrad, mit zehn auf meinem BMX und jetzt auf dem Enduro im Park – seit jeher bin ich auf Flats unterwegs. Vielleicht geht es mittlerweile einfach um Gewohnheit und Komfort. Vielleicht habe ich Angst, nicht rechtzeitig ausklicken zu können, und vermutlich ist mir „Effizienz“ einfach grundlegend egal. Ganz gleich, aus welchem Grund ich auf meinen Flats unterwegs bin: Alles, was für mich zählt, ist Spaß auf dem Bike. Das bieten mir am besten Pedale mit einer Plattform, auf der ich fest stehen kann, und mit Pins, die mir in jeder Lage maximalen Halt bieten – oder im Fall der Fälle das Mark aus dem Schienbein kratzen.

Mein Fahrstil ist verspielt, aber alles andere als sauber. Jede Wurzel ist für mich Grund abzuziehen. Getreu dem Motto „Fährste quer, siehste mehr!“ fahre ich selten normal in Kurven rein. Und zu guter Letzt gibt es die ganzen Parkplatz-Tricks wie Crankflips oder Stoppie-Nac-Nacs – aus all diesen Gründen steh ich auf Flat-Pedale!

Egal welches Pedalsystem ihr bevorzugt, auf den nachfolgenden Seiten findet ihr die spannendsten Klick- und Flat-Pedale im Vergleich.


Dieser Artikel ist aus ENDURO Ausgabe #035

Das ENDURO Mountainbike Magazin erscheint auf Deutsch und Englisch im digitalen App-Format. Ladet euch jetzt die App für iOS oder Android und lest alle Artikel auf eurem Tablet oder Smartphone. Kostenlos!

Text: Moritz Dittmar Fotos: Valentin Rühl

Über den Autor

Moritz Dittmar

Mein Aufgabe ist es, euch mit den spannendsten News, den besten Tests und den inspirierendsten Stories der Bike Welt zu versorgen. Genau wie in meinem Job, lasse ich mich beim Biken ungern in eine bestimmte Schublade stecken. Egal ob es darum geht sich endlose Anstiege rauf zu quälen oder Tiefenmeter auf ruppigen Downhills zu sammeln, am Ende zählt für mich vor allem eins: Der Spaß am Biken!