Kein Pedalrückschlag mehr? DT Swiss bringt die 1700er-Systemlaufräder mit neuen Naben an den Start, die genau das verhindern sollen. Auch an anderer Stelle hat DT Swiss technisch nachgeschärft. Stellvertretend für die neue 1700er-Serie haben wir uns vor allem die EX 1700 genauer angesehen – und im ersten Praxistest geprüft, ob das System hält, was DT Swiss verspricht.

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DT Swiss EX 1700 CLASSIC-Systemlaufradsatz | 2.010 Gramm (29” Satz)
ab 749,80 € | Hersteller-Website

Mit XRC 1700 CLASSIC, XM 1700 SPLINE, HX 1700 SPLINE und EX 1700 CLASSIC sortiert DT Swiss die 1700er-Serie neu und liefert dabei eine Nomenklatur, die irgendwo zwischen Technikregal und R2D2-Vibes liegt. Damit man die verschiedenen Modelle schnell einordnen kann, hier eine kleine Erklärung der Nomenklatur:

XRC = Cross Country
XM = All Mountain
HX = Hybrid MTB (E-MTB)
EX = Enduro

Ohne das „C” am Ende handelt es sich um geschweißte Alu-Felgen, während Modelle mit nur einem einzelnen Buchstaben – etwa M, X, H oder E – gesteckte Alu-Felgen bezeichnen.

Die Zahl – 1700 für diese Serie – steht für den jeweiligen Nabentyp. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Zahl, desto hochwertiger ist die Nabe innerhalb der DT Swiss-Hierarchie.

Die 1700er-Naben positionieren sich im gehobenen Mittelfeld und setzen auf robuste Stahl-Kugellager sowie den neuen Ratchet DEG-Freilauf, dazu später mehr. Hochwertigere Serien wie 1200 oder 1500 bieten hingegen leichtere Konstruktionen und teils aufwendigere Lagerlösungen. Aufsteigend folgen im Portfolio typischerweise Serien wie 1900, die stärker auf Haltbarkeit und Kostenoptimierung ausgelegt sind.

Der Zusatz „CLASSIC” bezeichnet Naben mit J-Bend-Speichen, während „SPLINE” für Naben mit Straightpull-Speichen steht.

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Was hat sich verändert an den 1700er-Laufrädern?

Alle neuen 1700er-Laufräder setzen jetzt auf ein asymmetrisches Felgenbett und werden mit DT Competition Race-Speichen von Hand eingespeicht. Dank ihres dünneren Mittelteils sparen sie Gewicht ein, ohne Einbußen bei Steifigkeit oder Haltbarkeit. Herzstück ist die neue 350 DEG-Nabe, die je nach Einsatzbereich mit 72 Zähnen oder 60 Zähnen beim Hybrid arbeitet. Mit der integrierten DEG-DF-Technologie soll sie Pedalrückschläge reduzieren, bleibt dabei wartungsarm und lässt sich werkzeuglos einstellen. Die XRC-Variante verzichtet allerdings zwecks Gewichtsoptimierung auf die DF-Technologie.

Doch so spannend das Gesamtpaket klingt – wir legen unseren Fokus auf den neuen EX 1700 CLASSIC-Systemlaufradsatz.

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Der DT Swiss EX 1700-Systemlaufradsatz im Detail

Der EX 1700 Classic-Systemlaufradsatz setzt auf 28 Speichen vorne und robuste 32 Speichen hinten. Der CLASSIC-Aufbau mit J-Bend-Speichen verspricht etwas mehr Nachgiebigkeit im System als Straightpull-Speichen. Der Grund: Bei J-Bend-Speichen ist der Speichenkopf klassisch abgewinkelt („J”-Form) und sitzt im Flansch der Nabe. Diese Bauweise kann minimale Flex zulassen und so Vibrationen etwas besser abfedern. Straightpull-Speichen hingegen verlaufen gerade und werden ohne Biegung direkt in die Nabe eingesetzt – das sorgt für eine direktere Kraftübertragung, wirkt aber oft auch etwas steifer.

Gerade bei den immer steifer werdenden Gabeln und teilweise bockharten Cockpits ist das eine willkommene Entlastung, was Vibrationen auf die Hände angeht, zumindest auf dem Papier. Kombiniert wird das Ganze mit der neuen 350 CLASSIC-Nabe inklusive 72T RATCHET DEG DF-Technologie-Freilauf. Die eigentliche Neuheit steckt nicht nur in der 350 DEG-Nabe selbst, sondern in der integrierten DF Technology. Die „Degrees of Freedom-Technologie” mit dem Kürzel DF erlaubt je nach Setup 0°, 10° oder 20° zusätzlichen Leerweg vor dem Eingriff – also der Kraftübertragung – und soll so Pedal-Kickback reduzieren.

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CLASSIC = J-Bend-Speichen – hier sind die Haken gut sichtbar, die in der Nabe eingehängt werden.
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Das Felgenband ist ab Werk enthalten.

Die Basis bildet eine asymmetrische Aluminiumfelge mit geschweißtem Felgenstoß. Wie schon bei den bisherigen 1700er-Laufrädern und Tubeless-Ready-Setup baut die Felge auf das PHR-System, das die lastaufnehmende Fläche der Nippel vergrößern soll. Erhältlich ist der EX 1700 CLASSIC in 27,5″ und 29″ (622 x 30 mm). Das Gewicht des 29″-Sets gibt DT Swiss mit 2.010 g an. Hinsichtlich Standards zeigt sich der Laufradsatz erfreulich flexibel: Bei den Bremsaufnahmen sind CENTER LOCK und 6-Loch-Aufnahme möglich, bei den Freiläufen werden die gängigen Standards wie SRAM XD, Shimano MICRO SPLINE und Shimano HG abgedeckt. Die Klassifizierung ASTM 5 macht zudem deutlich, wohin die Reise geht: Der EX 1700 CLASSIC ist klar auf harten Gravity-Einsatz ausgelegt.

Preislich bleibt der DT Swiss EX 1700 CLASSIC-Laufradsatz mit 749 € weiterhin attraktiv.

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Der neue DT Swiss EX 1700-Systemlaufradsatz auf dem Trail

Test Setup

Parameter Setup
DF-Setting 0°, 10° und 20°
Bike Propain Tyee
Reifen Schwalbe Tacky Chan
Luftdruck vorn 23 psi
Luftdruck hinten 25 psi
Fahrergewicht 75 kg

Auf dem Trail präsentiert sich der Laufradsatz angenehm unauffällig – genau das ist hier als Kompliment gemeint. Der EX 1700 CLASSIC fährt sich agil und direkt, ohne dabei übertrieben hart oder nervös zu wirken. Gerade auf langen, roughen Abfahrten fiel positiv auf, dass der Laufradsatz nicht unnötig steif wirkt. Entsprechend bleiben auch die Hände erstaunlich entspannt, Armpump ist selbst auf längeren Runs kein Thema.

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Einen klaren Unterschied zum Vorgänger konnten wir im Fahrgefühl bislang allerdings nicht festmachen – ein direkter Back-to-back-Vergleich fehlt uns. Ohne diesen unmittelbaren Eindruck wäre jede weitere Einschätzung eher Spekulation als ein belastbares Urteil.

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Spannend ist dagegen die DF-Einstellung. Das Umstellen funktioniert grundsätzlich einfach: Hinterrad raus, Kassette samt Freilauf abnehmen, Setting ändern, wieder zusammenbauen. Beim ersten Mal würden wir das allerdings nicht unbedingt auf dem Trail machen – sonst sucht man im Zweifel schnell kleine Teile oder Federn im Waldboden. Hat man das Prozedere einmal kennengelernt, geht es schnell und unkompliziert von der Hand.

In der Praxis ergibt ein Setting mit 20° vor allem an Bikes mit viel Anti-Squat durchaus Sinn. Besonders beim Bremsen in steilen Sektionen liegt so der Hinterbau etwas satter am Boden. Das ist kein Effekt, der einem brachial ins Gesicht springt, aber durchaus spürbar. Fahrer von Flat-Pedals werden diesen Effekt besonders schätzen, da er das Risiko minimiert, dass die Füße bei starken Vibrationen den Kontakt zu den Pedalen verlieren.

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Feder und Ring nicht verlieren!
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Wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man die verschiedenen Einstellungen.

Wer sich herantasten will, macht auch mit der 10°-Einstellung nichts falsch. Der Unterschied zwischen 10° und 20° fällt in der Praxis nicht riesig aus, da die ersten 10° bei beiden Varianten identisch sind und zuerst genutzt werden. Deutlich spürbarer wird der Unterschied erst bei einer Einstellung auf 0°. Damit schafft man sich eine klare Referenz, da der Leerweg komplett verschwindet und der Pedal-Kickback unmittelbar einsetzt.

Die drei Einstellungen laden zum Experimentieren ein. Statt nur „an” oder „aus” zu bieten, erlaubt das System eine verfeinerte Abstimmung. Die 10°-Einstellung ist dabei ein gelungener Kompromiss aus Eingriffswinkel und dem Leerweg, den man beim Pedalieren in Kauf nehmen muss.

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Auch in Sachen Haltbarkeit gab es zunächst keinen Anlass zur Kritik: Zwei knackige Durchschläge in Molini in Ligurien hat der Laufradsatz klaglos weggesteckt, und auch auf unseren weiteren Testfahrten läuft er bislang rund und ohne Auffälligkeiten.

Fazit zum neuen DT Swiss EX 1700-Systemlaufradsatz

Mit dem neuen DT Swiss EX 1700 CLASSIC-Laufradsatz liefert DT Swiss eine durchdachte Weiterentwicklung des Enduro-Dauerbrenners, die auf dem Trail mit agilem, direktem und angenehm unauffälligem Fahrverhalten überzeugt. Die DF-Verstellung ist eine willkommene Ergänzung, von der vor allem Flat-Pedal-Fahrer profitieren. Komplett eliminiert wird der Pedalrückschlag zwar nicht, aber gerade an Bikes mit viel Anti-Squat kann sie einen spürbaren Mehrwert bieten. Auch preislich bleibt der DT Swiss EX 1700 CLASSIC-Laufradsatz attraktiv. Wie er sich im Langzeittest schlägt? Stay tuned!

Mehr Informationen findet ihr unter DT Swiss.com


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Text: Robin Ulbrich Fotos: Robin Ulbrich, DT Swiss

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Robin Ulbrich
Junior Editor

Robin Ulbrich ist bei 41 Publishing Spezialist für urbane Mobilität und technisches Produktmanagement. Als gelernter Meister im Fahrzeuginnenausstatter-Handwerk bringt er eine fundierte Werkstoffkenntnis in die Redaktion ein, mit besonderem Fokus auf ergonomische Schnittstellen, Materialeigenschaften und eine Verarbeitung bis ins Detail. Für die Magazine DOWNTOWN und E-MOUNTAINBIKE analysiert der leidenschaftliche Radfahrer aktuelle City- und Offroad-Trends. Neben seiner redaktionellen Tätigkeit nutzt er sein handwerkliches Know-how vor allem für tiefgehende Materialanalysen und praxisnahe Produkttests.

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